»Das Kapital muß pleite gehen, damit wir leben können!«
Die griechische Arbeiterklasse kämpft gegen das deutsche EU-Diktat
Schaut man sich die Liste der Zumutungen
an, die, die schon durchgesetzt worden sind und die, die jetzt
durchgesetzt werden sollen, ist das nur allzu verständlich. Dem
griechischen Lakaien des Imperialismus Papadhimos wurde der deutsche
EU-»Gauleiter« Horst Reichenbach zur Seite gestellt, denn
allein kriegen »die Griechen« das, was »wir«
von ihnen wollen – und das ist der letzte irgendwo aufzutreibende
Euro –, allein kriegen sie das unmöglich hin. Und jetzt
streiken sie noch dagegen, wo »wir« doch nur das Beste für sie (nicht etwa: von ihnen!) wollen! Bereits umgesetzte Maßnahmen
u.a.: Entlassungen im öffentlichen Dienst (Frühverrentungen),
drastische Lohnsenkungen im öffentlichen Dienst (30% des
Nettoeinkommens), Benzin und Heizölsteuer plus 10 %, Alkoholsteuer
plus 10%, »Solidaritäts«-Abgabe für 3 Jahre, MwSt
von 21 auf 23%, Heraufsetzung des Renteneintrittsalters,
Grundstückssteuer (über die Stromrechnung eingezogen),
Verteuerung der Stromkosten für Kleinabnehmer um bis 18% durch den
staatlichen Stromversorger. Nun zur Umsetzung anstehende Maßnahmen
u.a.: Beschleunigte Privatisierung von Staatsunternehmen (u.a. der
Stromversorger ΔΕΗ) und Kapitalisierung
öffentlichen Vermögens, weitere Lohnkürzungen im
öffentlichen Dienst, weitere Kürzungen der Sozialleistungen,
Liberalisierung von »geschlossenen Berufen« (Taxiunternehmer, Spediteure, Apotheker etc.), Abbau »bürokratischer Hürden« für das Kapital bei gleichzeitigem Aufbau von solchen für die einfachen Leute.
Mit diesen Maßnahmen soll die Staatsverschuldung von 160% des
Bruttoinlandsprodukts bis 2020 auf 120% gesenkt werden. Zum Dank
für dieses erlesene Programm erlassen die Banken dem griechischen
Staat sowieso nie einbringbare Schulden von 100 Mrd. Euro per Federstrich. Die EU unterstützt den Deal mit weiteren 100 Mrd. Euro bis 2014 im Interesse ihres antiamerikanischen Euro-Projekts.
[Die Abbildung aus einer Karikatur von Stathis (erschienen in eleftherotipia)
zeigt den deutschen »Gauleiter« (im Original-Deutsch)
Reichenbach in relaxt-imperialistischer Pose: Denkt er schon an eine
militärische Durchsetzung des EU-Programms? Oder denkt er daran,
daß Hitlers Überfall auf den Balkanstaat damals doch nicht
so verkehrt gewesen war....?]
(07.02.12)
Die Profite des Kapitals sollen von Staats wegen gesichert werden:
Die EU treibt die Zensur im Internet voran!
Das ACTA-Abkommen (Anti-Counterfeiting
Trade Agreement), das 22 EU-Mitgliedsstaaten im Januar unterzeichnet
haben, steht vor seiner Ratifizierung durch das EU-Parlament. Es
möchte im Interesse des Kapitals den »Schutz
geistigen Eigentums« durch seine Staatsgewalten garantieren.
Insbesondere die Medienindustrie soll sich so ihrer Profite und
Extraprofite – man denke etwa an die der Musikindustrie durch
Monopolpreise auf CDs und DVDs – sicher sein. Als ob das
Investment in was auch immer nicht auf einer mit Risiko verbundenen
Spekulation beruht, soll jetzt staatlicherseits dem Kapital das Risiko
abgenommen werden. Genau betrachtet ist es sogar ein Angriff auf die
vielgerühmte Ideologie der »freien Märkte« und
des »Freihandels«. Ja, »frei« ist alles, soweit
es »uns« nützt, »uns« Geld bringt! Die
Nationalisierung des Kapitalsertrags schreitet voran und damit auch die
Konfliktträchtigkeit internationaler Beziehungen.
Die »freie Meinung« ist immer nur so viel wert, wieviel ihr
der sie gewährleistende Staat zubilligt: Beeinträchtigt sie
die Profite des Kapitals, ist Sense mit »Meinungs- und
Informationsfreiheit«!
Das Gejammer hiesiger Staatsverantwortlicher,
wenn anderswo das Internet zensiert wird, gehört zum guten
Ton üblicher Heucheleien: Anderswo sich Freiheiten
herausnehmen wollen und zuhause die Zensur hochfahren!
(07.02.12)
Was, verdammt noch mal, ist überhaupt »Geld«? Dieser
an sich und angesichts der Finanzkrise schon bemerkenswert selten
gestellte Frage widmeten sich auf Nachfrage die Wirtschaftsprofessoren
J. Huber (Halle) und R. Hickel (Bremen) in der taz vom Wochenende (04./05.02) [Grund besagter Nachfrage war übrigens ein interner attac-Streit, wer von den beiden Geldinterpreten richtig(er) liegt.].
Man möchte den Unsinn gar nicht wiederholen, der sowohl von dem
einen, der Geld nach seiner Erscheinungsform bestimmt (Münzen,
Banknoten etc.), wie dem anderen, der Geld in seiner Funktion als
Gradmesser von Liquidität interpretiert, an dieser Stelle gar
nicht weiter breittreten. Ein
solchermaßen oberflächliches Interesse, ein Interesse, das
im Wunsch, die Gewinnrechnung des Kapitals möge, zumindest
gesamtnational gesehen aufgehen, stellt sich als ernsthafte Theorie
schon selber ziemlich ins Abseits. Vom Wert des Geldes spricht keiner
der beiden, also stellt sich ihnen auch die Frage nicht, die Marx
bewegt hat: Wie erklärt sich der Wert des Geldes?
Wer sich ernsthaft mit der Frage, was Geld ist, befassen will, der kann Marx' Kapital studieren. Dem sei an dieser Stelle nicht minder dieses Buch mit dem Titel »Das Geld« empfohlen, das auf einige gängige Deutungen bürgerlicher Wissenschaft extra eingeht. [Abbildung
für die Geldpraktiker Huber & Hickel: Wie wäre es mit
Nietzsches Theorie, das Geld sei eine Hure?] (06.02.12)
Das Urteil des »freien Westens« über Syrien als solches:
Syrien macht alles falsch!
Das Schöne für die imperialistischen Staaten an Syrien
ist: Nichts relativiert ihre Feindschaft gegen Damaskus. Das bezogene
Erdöl aus diesem Land ist überhaupt nicht essenziell. Der
Warenimport läßt zu wünschen übrig, die
Großgüter, insbesondere die Rüstungsgüter kauft
Syrien im Gegensatz etwa zu Saudi-Arabien bei den falschen,
hauptsächlich russischen Anbietern ein. Syriens
Kreditfähigkeit wird denn auch als »auffallend schwach«
eingeschätzt, obschon und gerade weil sich die
Auslandsverschuldung im Vergleich zu anderen Staaten dieser
Hemisfäre sehr bescheiden ausnimmt. Im Grunde ist Syrien noch
nicht, so das Urteil derer, die es wissen müssen, noch nicht richtig kapitalisiert. Da kann also eine militärische Intervention eher noch weniger schaden als im Irak...
Es steht also nicht zu befürchten, daß Syrien ähnlich dem Sudan
klammheimlich aus der Abschußliste verschwindet. Warum wird der
dort lange Zeit hochgespielte Darfur-Konflikt seit einiger Zeit
höchstens noch auf Sparflamme gekocht? Das Erdöl, das dort
sich findet geht ja bekanntlich nach China, Indien und Malaysia, zu den
falschen Abnehmern also. Der Sudan stellt allein somit ein riesiges
Ärgernis dar. Doch es gibt da noch einen anderen Rohstoff, an dem
kein kleinerer Konzern hängt als Coca-Cola, es handelt sich um das
Gummiarabikum, dessen weltweit größter Exporteur just der
Sudan ist und auf das der Getränkehersteller nicht verzichten
kann. In den Sudanese Sanctions Regulations (1998) wird dieser
Rohstoff, ein Akazienharz, auf Druck der Getränkehersteller als
einziger ausgeschlossen. Der kubanischstämmige US-Abgeordnete und
Lobbyist Menendez, sagte auf die Frage, warum er im Falle Kubas einen
totalen Boykott wolle, aber im Falle des Sudans eine Ausnahme zulassen
wolle: »Wegen der Arbeitsplätze!« Mit dieser
Lüge war dann auch die damalige Außenministerin Albright
(unter Bill Clinton) geschlagen. Hand aufs Herz: Wer will schon
Coca-Cola in den Konkurs treiben! (Siehe hierzu den Artikel in le monde diplomatique 4-2011!)
Natürlich kann die Feindschaft gegen Khartum bei Bedarf wieder
richtig aufgewärmt werden und mitunter setzt sich ein
imperialistischer Staat auch über die unmittelbaren Interessen
seiner Wirtschaft hinweg. Doch das ist eben das Schöne im Falle
Syrien: Hier steht der Feindschaft nun überhaupt nichts
dergleichen im Wege. Und möglicherweise ist eine reichliche
Anzahl aufständischer Aktivisten in ihrer Ignoranz bereit, sich für die Interessen der USA und ihrer NATO-Verbündeten abschlachten zu lassen. Das finden US-Außenministerin Hillary Clinton und ihre Heulgenossen richtig geil! (06.02.12)
Das Interesse des »freien Westens« an einer UN-Resolution gegen Syrien:
Öl ins Feuer gießen, um darauf sein Süppchen zu kochen
Warum ist der Westen nicht so frei, die
Aufstände in Bahrein und im Jemen mit einer UN-Resolution zu
unterstützen und mit all dem, was er aus einem solchen
Blankoscheck für sein ordnungsschaffendes Zuschlagen
ableitet? Nein, ausgerechnet in Sachen Syrien möchte er einen
solchen Blankoscheck! Ein Vollidiot, wer die strategischen Berechnungen
des Imperialismus nicht erkennt! Ein Vollidiot, wer die moralischen
Begründungen des Imperialismus für die Sache nimmt, um die es
seinen regierenden Menschenrechtsaposteln geht! Ein opportunistischer
Drückeberger, der wie Georg Baltissen (taz) einfach den Westen als das maßgebliche Subjekt,
das er ist, in seinem Kommentar erst gar nicht vorkommen
läßt, um so unbekümmert auf Rußland und China
einschlagen zu können! Staaten übrigens, die endlich einmal
den unverschämten Ansprüchen der USA und ihrer
NATO-Verbündeten entgegengetreten sind; was angesichts der
vielen imperialistischen Provokationen, die sie zu erdulden haben, eh
schon allmählich höchste Zeit wurde.
Hat dieser feige taz-Kommentator eigentlich je so gegen die USA
gewettert, wenn die als einzige in Sachen Palästina ihr Veto
eingelegt haben? (05.02.12)
Johann Most:
Der Vegetarianismus
Wie im Zusammenhang mit der Anthroposofie
schon einmal erwähnt, tradiert das System, das
die »freie Meinung« als Essential seiner Ideologie der
Freiheit festgeschrieben hat, mit eben diesem jeden Unfug, sei er auch
längst als solcher erkannt. Dummheit ist eine tragende Stütze
des kapitalistischen Systems, weshalb es auch keinerlei Anstrengungen
unternimmt, sie zu beseitigen. Im Gegenteil, man soll, ja muß
noch jede Dummheit – und eine solche ist der Vegetarianismus
– als »freie Meinung« gelten lassen.
Das ging vor langer Zeit auch dem Augsburger Johann Most gegen den
Strich. Er setzte diesem System Argumente entgegen, weshalb bis heute
in seiner Heimatstadt nichts an ihn erinnert, nicht einmal ein
Straßenname: Ganz im Gegensatz zu dem anderen Augsburger
Kommunisten Bertolt Brecht eignet er sich nicht zur
Standortvermarktung, hat er doch zur bürgerlichen Erbauung rein
gar nichts beigetragen, keinen abgehobenen Theaterscheiß, keine
apolitische Lyrik, kein affektiertes Ego. (04.02.12)
International: • Sobre
las manifestaciones de los »indignados«,
»15-M«, »¡Democracia Real Ya!« y
demás
Vuestra indignación es equivocada pues vive de ilusiones sobre la crisis, la democracia y la economía de mercado (04.02.12)
Die politischen Interessen der BRD verbürgen radikales Vorgehen zwecks ihrer Durchsetzung:
"... in erster Linie ist sie [die Bundeskanzlerin]
auch in der Volksrepublik darum bemüht, deutsche Interessen zu
vertreten, und Deutschlands Wirtschaft beklagt sich
regelmäßig über unfaire Marktbedingungen oder
Patentrechtsverletzungen. »Ich kann Ihnen [den chinesischen Politikern]
zusagen, daß der deutsche Markt für chinesische
Investitionen offen ist, und genauso wollen wir, daß deutsche
Unternehmer gleichberechtigt [wer hätte gedacht, daß ausgerechnet diese armen Schweine einer Gleichberechtigung entbehren?] werden mit chinesischen Unternehmen.« Begleitet wird die Kanzlerin von mehreren DAX-Vorständen, doch [Was für ein Gegensatz!:] insbeondere wirbt sie für den deutschen Mittelstand." (AZ,
03.02.12) Die deutsche, staatlich monopolisierte Gewalt weiß um
die Abhängigkeit von ihrem Kapital und möchte ihm
allüberall bestehende Schranken einreißen. Das ist leicht
dort, wo sich Staaten von deutschen Investitionen etwas erhoffen und
sich in den deutschen Ansprüchen täuschen, indem sie die
für redliche Angebote halten. Das ist schwer in China, das auf
Investitionen des deutschen Kapitals rundweg auch pfeifen kann, wenn es
sich dazu entschließt. Deshalb ist die sonst so
großmächtig auftrumpfende Regierungschefin in China auf fast
peinlich, jedenfalls ungewohnt anmutende Bittstellerei verwiesen. Aber
was macht man nicht alles für das deutsches Kapital und das
politische Großprojekt Euro, das so sehr zu scheitern droht, wie sehr sie die
diesbezüglich ätzenden Nachfragen an der Beijinger Akademie
für Sozialwissenschaften übergangen hat? Nun: "Wie das gehen soll, gleichzeitig zu sparen und zu wachsen? Warum sich so viele
Euro-Staaten nicht an die Schuldengrenzen gehalten haben? Ob das überhaupt
funktionieren kann, mit so unterschiedlichen Ländern in einer Währungsunion?" (SZ,
03.02.12) Sehr systemgetreue Nachfragen allenthalben, denn sobald
Mißerfolg eintritt, wendet sich das Argument des Funktionierens
gegen den Zweck der Anstrengung, das Kapital zu vermehren. Anspruch und
Wirklichkeit fallen auseinander. Wie schön wäre das erst,
wenn die chinesische Politik dazu etwas Positives beitrüge!
[Karikatur: Der deutsche Beute-Zugvogel mit seiner ihm typischen Hackfresse, derzeit in China. Titelblatt irancartoon 04-2009] (03.02.12)
Mindestens 1500 Tote gehen auf die EU im Mittelmeer – das sind mehr als die Opfer staatlicher Repression in Ägypten und Tunesien (in der Umsturzfase, 2011) zusammen:
Verhindert die EU-Flüchtlingspolitik eine ersprießliche Neubeziehung zu Nordafrika?
"Europa
ist natürlich sehr an einem Neubeginn im Verhältnis zu
Nordafrika interessiert. Die europäischen Regierungen tragen ein
unseliges Erbe – blutige Kolonialkriege und danach zynische
Kumpanei mit einigen der brutalsten Diktatoren der Welt, alles im Namen
des Schutzes der eigenen Interessen. Heute sind die Interessen Europas weniger strategischer denn ökonomischer Natur.
Man wittert immense Wirtschaftschancen, vom Öl in Libyen bis zur Sonne in der
Sahara. An Nordafrikas energetischen Ressourcen will sich Europa laben. Europa
würde nebenbei den neuen Revolutionären gern noch erklären, wie Demokratie und
Rechtsstaat funktionieren, denn das wissen Nordafrikaner ja bekanntlich nicht,
trotz der Mühen europäischer Kolonisatoren und Waffenverkäufer." (taz, 02.02.12)
Abgesehen davon, daß das Verhältnis zwischen Strategie und
Ökonomie überhaupt nicht auseinanderdividiert werden kann
– schließlich bedürfen ökonomische Interessen
strategischer Absicherung: Die Diktatoren in Kairo, Tripolis und Tunis
waren ja gerade deshalb so geschätzt, weil sie für die
Ordnung gesorgt hatten, die eine Voraussetzung dafür ist, den
ökonomischen Ertrag möglich zu machen. Weiterhin andauernde
Unruhen in Ägypten und Libyen sieht der Westen deshalb mit Sorge
um seine Interessen. Abgesehen also davon hat taz-Autor Dominic
Johnson recht, wenn er die EU der Heuchelei und des Rassismus
bezichtigt. Doch wie kommt er im weiteren darauf, daß die EU "an einem menschenwürdigen Umgang mit den Menschen"
angesichts eben dieses Interesses einer Neudefinition – die so
neu ja überhaupt nicht sein soll! – in den Beziehungen zu
jenen Staaten haben müßte? Warum soll "Europas Politik auf diese Fragen eine Antwort schuldig sein"?
Liegt die Antwort nicht ganz praktisch bereits vor, eben in jenen
Leichen, die die EU-Politik fordert? Besteht nicht vielmehr der
Verdacht, daß der Journalist seine Kritik der imperialistischen
Politik selber nicht wahrhaben will, wenn er gleichzeitig die
Lügen der EU über ihre Menschengemäßheit dagegen
für bare Münze nehmen möchte?
(03.02.12)
amnesty international fordert: Noch mehr Leichen in Syrien!
Wie das? Eigentlich
hat sich die Gefangenenhilfsorganisation der »Rettung von
Leben« verschrieben. Nun fordert sie das Eingreifen
imperialistischer Mächte durch eine UN-Resolution
(Pressemitteilung von heute). Leben die amnesty-Leute wirklich
hinter dem Mond, daß sie die Heucheleien des »freien
Westens« nicht kennen? Wäre es nicht besser, an die
Aufständischen zu appellieren, das Verhandlungsangebot der
Regierung aufzugreifen, bevor noch mehr Blut fließt? Oder sind
die Aufständischen etwa genau so borniert wie Präsident
Bashar al Assad, vielleicht sogar noch bornierter? Was hätten sie
von einer Diktatur, die Washington, London, Paris oder gar Berlin mit
einem syrischen Statthalter in Damaskus ausüben würden? Kennt
amnesty die famose Lage der Oppositionellen in Nachbarstaaten wie Jordanien und Saudi-Arabien etwa nicht zur Genüge?
(02.02.12)
Das Geschäft mit der Selbstdarstellung des bürgerlichen Individuums in seinem Lechzen um Erfolg und Anerkennung:
Ein Riesengeschäft namens facebook und sein nun dickster Freund: die Börse
Wie sollte es denn auch anders sein? Natürlich wird die facebook-Aktie als »Zukunftsaktie« gehandelt werden wie kaum eine zuvor. Der facebook-Gemeinde
gefällt das sicher, wie ihr ja so ziemlich jeder Quatsch &
Tratsch gefällt. Warum? Man darf! Darf zustimmen! Was davon
abhängt? Für einen selber nichts, außer daß man
sich eine Anerkennung für das Dabeisein in den Arsch
schieben kann (sogesehen hat das Portal tatsächlich erotische
Qualität). Nicht verlogen ist auf der anderen Seite der in barer
Münze sich auszahlende Erfolg der Betreiber. Personenkult zahlt
sich aus. Personenkult fängt in der Demokratie bekanntlich ganz unten an, wenn er authentisch
sein soll. Mit dem gehörigen Selbstbewußtsein ausgestattet
bringt man es dann ganz sicher vom Tellerwäscher zum
Millionär (und gerüchteweise sollen sogar die Revolutionen in
Nordafrika auf die »Netzfreiheit« zurückzuführen
sein!). Die Packungsbeilage dieses fulminanten Erfolgsrezepts liest
sowieso niemand. Sie ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift GegenStandpunkt nachzulesen, unter dem Titel »Facebook – Die neue Heimat des bürgerlichen Individuums«.
Wem noch irgendwelche (»Neben«-)Wirkungen einfallen oder
wer gar welche zu spüren bekommen hat, die Beilage kann erweitert
werden.
(02.02.12)
Empörung über die Finanzwelt und die Machenschaften der global players gehören heute schon geradezu zum Standardbewußtsein eines modernen, aufgeklärten Staatsbürgers:
Die »Empörten« – eine Bewegung voller Illusionen über Demokratie & Marktwirtschaft
Natürlich wähnen sie sich
absolut im Recht, wenn sie meinen, Marktwirtschaft könnte,
Demokratie müßte ganz sicher anders gehen als sie eben geht.
Nämlich ohne die Wirkungen, die sie haben. Sie entkoppeln einfach
den notwendigen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Sie tun so,
als könnte das nicht die Wahrheit sein, daß die
Protagonisten des Systems ihre (Macht- und Kapital-)Interessen so
rücksichtslos durchziehen, wie sie das tun, wie sie das tun
müssen, wollen sie Erfolg haben. Gehen also die herrschenden
Interessen in Ordnung? attac z.B. meint, im Prinzip ja, wenn es auf einer Finanztransaktionssteuer herumpocht. Ja, attac-Leute
und andere meinen sogar, »eine gemeinwohlorientierte
Wirtschaft« (was immer man sich darunter erträumen mag)
ließe sich bei ganz viel gutem Willen innerhalb des
kapitalistisch-demokratischen Systems doch verwirklichen,
schließlich wollen sie weder dem Kapital noch der Politik zu nahe
treten: Die halten sie allen Ernstes wohl für ihr Anliegen einer
gerechten Welt ansprechbar und aufgeschlossen: Gerade angesichts der
Krise sei es für Kapital und Politik Zeit umzudenken, das
heißt, so zu denken wie sie...
Ganz ohne Revolution meinen sie also, dem Kapitalismus viel schneller
Herr werden zu können als der nächste Börsenkrach
einschlagen kann. Sie halten es ja angesichts des unübersehbaren,
wahrlich gigantischen, weltweiten Raubbaus des Kapitalismus an Mensch
& Natur für dringend erforderlich, möglichst rasch das
System zu überwinden...
(01.02.12)
Augsburger, aber nicht nur Augsburger Heimatkunde:
Klaus Barbie – ein Nazi-Schlächter in demokratischen Diensten
Die Rede ist einmal mehr von Klaus Barbie,
dem Schlächter von Lyon, dessen Akte der angeblich so um
Transparenz bemühte deutsche Geheimdienst (Bundesamt für
Verfassungsschutz) weiterhin unter Verschluß hält. Die taz berichtet heute erneut über den Fall und den Grund der Geheimhaltung:
Demokratische Geheimdienste stecken, wie nicht nur der Fall der
jüngsten, eher zufällig ans Tageslicht gelangten
Hintergründe zu den Attentaten auf ausländische
Mitbürger erneut vor Augen geführt hat, mit Nazis unter einer
Decke und tun sich schwer, das beweiskräftig zu dementieren. Im
Falle Barbie geht es um den ziemlich bruchlosen Übergang eines
hohen NS-Funktionär zu einem geschätzten Dienstleister des
us-amerikanischen Geheimdienstes CIC, welcher später im CIA
aufging. Barbie leistete ihm nach dem Krieg, also zu Beginn des
»kalten Kriegs« in Augsburg Dienste bei der Bespitzelung
der KPD. Darüber ein kurzer Ausschnitt aus der 1984 erschienenen
Recherche des BBC-Journalisten Tom Bower, die nur noch antiquarisch erhältlich ist. Das Buch trägt den Titel: Klaus Barbie – Lyon, Augsburg, La Paz – Karriere eines Gestapo-Chefs.
Später, in den 60er Jahren leistete Barbie dem deutschen BND
Dienste in Bolivien. Aus der Verweigerungshaltung der deutschen
Behörden kann man durchaus einen Schluß ziehen auf den
Dreck, den sie am Stecken haben. [Abbildung: Fahndungsplakat in Frankreich, 50er Jahre]
(31.01.12)
International: • Occupy Wall Street (30.01.12)
Wenn ein Liberaler ausnahmsweise einmal richtig liegt, dann kann man ihm nur zustimmen:
"Es ist die besondere Abart von Sozialdemokratie, welche – des
Morgens sich an den Brüsten des Kapitals vollsaugt und des Abends
mit den Arbeitern die Arbeitermarsellaise singt; meine Herren, ich
meine jene Mischung von Pomade und Petroleum –" (Ludwig
Bamberger am 12.10.1878) Der Begriff »Abart« ist vielleicht
diesbezüglich erläuterungsbedürftig: Damals
konnte man ja noch halbwegs den Sozialismus als eigentlichen
politischen Zweck der SPD betrachten und wurde ob des Verhaltens ihrer
Repräsentanten schon ein wenig vor den Kopf gestoßen. Schon
längst und heute sowieso ist freilich völlig klar, daß
die einstige Arbeiterpartei für die Interessen des Klassenstaats
eintritt und die Arbeiterklasse für das Wohl von Staat und seiner
Wirtschaft herzuhalten hat, koste es der, was es wolle. Die
Arbeiterverarschung hat die Partei weitgehend auf die deutschen
Gewerkschaften abgeschoben, die ja längst nichts Wichtigeres zu
tun haben, als alle Wahlzeiten Propaganda für die ihrer Meinung
nach bessere Staatspartei zu machen.
Das alles wäre nicht weiter erwähnenswert, weil nur allzu
offenkundig. Nichtsdestotrotz gibt es politisch engagierte Leute, die
der Sozialdemokratie alles mögliche Soziale andichten, sie
für irgendwie »links« halten, so daß sie sich
regelmäßig umso enttäuschter zeigen müssen, wenn
jene mit ihnen nichts zu tun haben will. Wenn ausnahmsweise doch, dann
klagen sie über den Verrat an ihren Prinzipien, der ihnen
abverlangt wird, den sie aber gleichwohl leisten – allzu weit ist
es mit den Prinzipien also nicht her –, um eine ja doch noch
irgendwie »fortschrittlichere« Koalition zu schmieden,
indem sie die SPD den Konservativen als Koalitionspartner entziehen.
So kann einer einzig um die deutsche Nation Sorge tragenden
Partei nichts Besseres passieren, als daß alle sich um sie
reißen und sie die Konditionen nach ihrem deutschen
Großmacht-Geschmack skrupellos festlegen kann. Aber was will man
von Grünen und Linkspartei schon verlangen? Klare Sicht? Dann
wären sie wohl nicht da, wo sie sind...
(30.01.12)
»Der Mensch« bzw. «die Menschen«: Dieser Begriff wird in seiner Abstraktion – sogar von den
biologischen Unterschieden – gern als Argument gebraucht, wenn
Kritik an der Politik geübt wird, die eben jenen
»Menschen« nicht oder jedenfalls viel zu wenig
»berücksichtigt«: Ganz so als müßte es
– welch fataler Irrtum! – der Politik gerade darauf
ankommen. Nicht zuletzt deshalb aufgrund jener Kritik an ihr wird der
Begriff von den Politikern ebenfalls gebraucht, um ihre Politik als das
Menschliche schlechthin oder zumindest als das Menschenmöglichste
erscheinen zu lassen. Gerade die Partei des Teufels höchstselbst,
die CSU, bemüht sich immer ganz besonders, besonders »nah am Menschen« zu sein. Der Schriftsteller Wiglaf Droste hat das Thema aufgegriffen und sein Zeitungsbeitrag sei hier dokumentiert. (29.01.12)
Ein ideologischer Freibrief und ein ideologischer Vorbehalt:
Die EU-Erweiterung um Kroatien und Serbien
Nun kann niemand behaupten, einer der
beiden jüngsten Staatsschöpfungen des Imperialismus sei
ökonomisch so aufgestellt, daß er keine Vorbehalte
rechtfertigen würde. Ein Beitrag zur ökonomischen
Stärkung der EU ist sowieso keiner der beiden, eine Mitgliedschaft
zur Eurozone ziemliche Utopie. Im Falle Kroatiens haben die Vorbehalte
in Sachen Ökonomie den Beitritt (der Beitrittsantrag wurde bereits
2002 gestellt) immer wieder hinausgezögert, schließlich
wollte man ursprünglich ein
EU-Kroatien nicht als Hilfsempfänger. Nicht daß sich an der
ökonomischen Lage des Staates etwas wirklich gebessert hätte:
Die Auslandsverbindlichkeiten belaufen sich mittlerweile auf rund 45
Mrd. Euro und entsprechen etwa 100 % des Bruttoinlandsprodukts.
»Chronisches« Außenhandelsdefizit,
Deindustrialisierung und eine steigende Arbeitslosigkeit sind zu
beobachten. Dennoch wollte man jetzt den Deckel darauf setzen und das
völlig jenseits der Volksabstimmung über den EU-Beitritt. Das
wußten auch die Abstimmungsberechtigten, von denen sich lediglich
43,6% zu den Urnen mühten. Nichtsdestotrotz verbuchte die EU das
Abstimmungsergebnis als Erfolg, als ihren Erfolg. Warum also soll
Kroatien nun am 01.07.2013 Mitglied der EU werden? Die
ökonomischen Bedenken werden von ideologischen
zurückgedrängt: Dafür hat nicht zuletzt der
römisch-katholische Papst gesorgt, der jüngst Kroatien in
unverblümter Anknüpfung an den Faschismus für ein
christliches Europa reklamiert hat: "Das kroatische Volk ist
europäisch und daher ist es logisch, gerecht und notwendig,
daß es der EU beitritt. Von Anfang an [Na, wo waren denn die Anfänge eines kroatischen Staates?] gehörte
Ihr Volk zu Europa. ... Die kroatischen Kardinäle haben mir immer
gesagt: Wir sind nicht der Balkan, wir sind Europa." Das sagte er der večernji list (zitiert nach AZ
v. 06.06.11). Nebenbei bemerkt besuchte der deutsche Papst im Juni 2011
auch das Grab des Kardinals und Ustaša-Militärvikars
Stepinac, der williger Handlanger des faschistischen Regimes bei der
Beseitigung zehntausender unliebsamer Personen war, vorzugsweise
natürlich Kommunisten, Roma und Juden.
Ganz anders verhält sich die EU gegenüber Serbien. Dabei hat es die
ideologische Vorbedingung erfüllt, nämlich die NATOseits
zu Hauptkriegsverbrechern erklärten Serben Mladić und Karadžić
gefangengenommen und überstellt. Dafür wird jetzt die
Kosovo-Frage hochgespielt. Der Status eines EU-Beitrittskandidaten wird
von einer »Normalisierung des Verhältnisses zum
Kosovo« abhängig gemacht. Wobei die EU genau weiß,
daß dieser Vorbehalt so grundsätzlich ist, daß
Serbien, welches die Provinz nach wie vor als zu ihm gehörig
betrachtet, nicht erfüllen kann, will es seine
Souveränität nicht endgültig an die EU abtreten. –
An den beiden Fällen kann man sehen, daß auch angesichts der
vielbeschworenen Eurokrise politische Entscheidungen jenseits
ökonomischer Gründe getroffen werden. Das ist deshalb
bemerkenswert, weil politischerseits immer so getan wird, als
verdankten sich Entscheidungen in Sachen Staatsschulden, Finanzkapital
und überhaupt allem Ökonomischen reinen Sachzwängen. Es
ist ein praktisches Beispiel dafür, daß sich Politik in all
ihrer Souveränität von ökonomischen Gegebenheiten
(Resultaten!) allein soweit beeindrucken läßt, wie die ihre
imperialistischen Interessen ohnehin tangieren. (29.01.12)
Imperialistische Anstrengungen auf allen Ebenen:
Die Mühsal um eine neue willfährige Staatsräson in Ägypten
Im Dezember wurde u.a. das Büro der
Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo durchsucht. Nun kann man
natürlich fragen: Wozu braucht eine deutsche Partei vermittels
ihrer Nebenorganisation ein Büro in Kairo? Aber das wird nicht
gefragt, weil die Antwort ja völlig klar ist: Aus rein
uneigennützigen Motiven heraus, was denn sonst! Ebenso offenkundig
ist allerdings, daß es für den »freien Westen«
in dem Staat am Nil nun einiges zu klären und wieder ins Lot zu
bringen gibt: Schließlich ist ihr williger und billiger Vasall
Mubarak gekippt.
Ob die Drohung aus Washington, die Militärhilfe aufgrund der
Durchsuchungsaktionen einzufrieren, eine wirkliche Drohung ist, darf
bezweifelt werden. Schließlich ist laut ips-Weltblick
(23.01.12) eine Mehrheit der Bevölkerung ohnehin gegen eine
US-»Hilfe«. Sie ist außerdem der Meinung, daß
die »Hilfen« von IWF, der Weltbank und der
Europäischen Investitionsbank (EIB) der reichen Elite nutzen und
zu Lasten der Armen gehen. Auch die Militärregierung zeigte erst
einmal kein Interesse an einem IWF-»Hilfs«-Kreditangebot
von 3,2 Milliarden USD. Sie zog ein Angebot arabischer Golfstaaten
über 8 Mrd. USD vor, das an keinerlei Bedingungen geknüpft
war. Es ist naheliegend, daß der »freie Westen«
deshalb auf verdeckte Aktionen nicht verzichtet; dabei bieten sich
betont harmlos erscheinende Organisationen wie Stiftungen und NGOs
geradezu an. Über einen Erlaß der Schulden, die unter
Mubarak zustandegekommen sind, wird nicht verhandelt. Sie taugen dem
Westen nach wie vor als Erpressungsmittel, eine ihm willfährige
Herrschaft in Kairo zu etablieren. Über die Bedienung bestehender
Schulden und einen dafür neuen IWF-Kredit in Höhe von 43,2
Mrd. USD soll nun mit den Generälen verhandelt werden.
Ägyptische Aktivisten täuschen sich, wenn sie meinen, dem
»freien Westen« wäre an ihrer Revolution etwas
gelegen. Er empfand sie ausgesprochen störend und unnütz.
Andersartige Verlautbarungen sind angesichts seiner Aktionen nichts als
Heuchelei. (26.01.12)
Ein starkes Stück Kapitalismus wird noch stärker:
Nun haben 741 Mitarbeiter von manroland
in Augsburg ihre Kündigung erhalten, während rund 1500 vom
neuen Eigentümer übernommen wurden: Maßstab für
die Auswahl war allein die potenzielle Leistungsfähigkeit für
das Unternehmen, also die potenzielle Ausbeutbarkeit. Also nicht
erworbene Verdienste (langjährige Be- und Vernutzung der
Arbeitskraft) und die daraus sich ergebenen Resultate, die sich
zwangsläufig in einer Verminderung der Leistungsfähigkeit
niederschlagen. Kurzum, ältere und krankheitsanfälligere
Arbeiter wurden vorzugsweise auf die Straße (Auffanggesellschaft)
gesetzt. "Die Firma hat sich jetzt von ihren Krankheiten befreit," meinte dazu ein Mitarbeiter (laut AZ).
Die IG-Metall Bevollmächtigte Christiane de Santana meinte, da
könne man eben nichts machen, also das Standardargument, wenn eine
deutsche Gewerkschaft einmal mehr den Schwanz einzieht.
(25.01.12)
Noch eine Diktatur von der Sorte, wie »wir« sie lieben:
Myanmar öffnet dem Imperialismus die Tür
Nicht ganz freiwillig, zugegeben,
mit Sanktionen wurde bekanntlich nachgeholfen, aber ohne innere
Revolution und äußeren Militäreinsatz: Da jubelt das
imperialistische Herz!
(25.01.12)
taz und junge welt, GRÜNE und Linkspartei kämpfen um rechte Weltanschauung:
Solche und solche Diktaturen...
Als Material dafür kommen ihnen eine Diktatur und ein Aufstand gegen sie gerade recht: Syrien. Ihre Standpunkte aus deutscher Warte sind freilich wenig sachgerecht und gar nicht so kritisch wie es scheint. (25.01.12)
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos:
»Es muß einfach wieder aufwärts gehen mit der Konjunktur!«
Vom 26. bis zum 31. Januar findet das 1971 gegründete Treffen
wieder statt, mit so vielen hochrangigen Persönlichkeiten wie nie
zuvor. Ausgewiesene Experten und schwere Verantwortungsträger aus
Wirtschaft und Politik alldieweil, wie vorab verlautbart wurde. Denn
der Anspruch auf die Schaffung von Reichtum in seiner abtrakten Form,
in Geld ist zum einen unmittelbarer Zweck des Kapitals sowie zum
anderen Unterpfand nationalen Reichtums und damit die Grundlage
nationaler Gewalt. Deshalb ist das Interesse der Politik am Erfolg der
Wirtschaft auch so immens. Einen prinzipiellen Widerspruch zwischen
Anspruch und Realisierung kann und will deshalb niemand gelten lassen.
Wenn es nicht so recht klappt, werden lieber alle möglichen
Ausreden angeführt: Von Fehlern im Management einzelner
maßgeblicher Betriebe und Finanzinstitute wie von Fehlern im
Handwerk der Politik ist viel die Rede, auch von manch
»überzogener« Erwartungshaltung. Natürlich, von
jedem nationalen Standpunkt aus betrachtet, ist eben das Ausland
gehörig (mit)schuldig an der Malaise, wenn nicht gar die ganze
Weltkonjunktur. Davon wissen sich nationale Bedenkenträger sehr
abhängig, so sehr nämlich, daß sie diese
Abhängigkeit gar nicht in Frage stellen wollen. Auch in dieser
Frage – Nationalismus und globaler Kapitalismus – will also
niemand einen Widerspruch erkennen. Und so setzen sie alle zusammen auf
die Expertenmeinungen, die ihnen und ihrem vortrefflichen
kapitalistischen System bisher schon so gnadenlos weitergeholfen
haben.
So wie beispielsweise damals, 1927. Aus diesem Jahre stammt die
nebenstehende Karikatur: Die Hochfinanz scherte sich nicht um die Armut
der breiten Massen der Bevölkerung, doch sie fand sich selber am
Rande des Abgrunds. Die Experten damals – 2 Jahre vor dem
großen Crash – waren einhellig davon überzeugt, die
Prosperität der Nachkriegsjahre sei nunmehr gut fundiert. Nun,
davon werden sie heuer nicht sprechen, manch Silberstreif am Horizont
werden sie dennoch entdecken, wenn, ja wenn ihre superfundierten
Ratschläge befolgt werden, als da sind: Löhne runter auf
Mindestlohnniveau! Und auch sonst noch viel mehr Freiheiten für
das Kapital nebst günstigen Anschubfinanzierungen und
restriktiven Staatshaushaltsführungen, die beinhalten, daß
so gut wie jede Ausgabe allein der »wirtschaftslichen
Entwicklung« zugute kommt. Zuviel Staat hieße nämlich
Sozialismus, auch diese – insbesondere us-amerikanische –
Dummheit wird sicher wieder ihren Platz finden.
Da möchte man nur eins wünschen: Guten Absturz!
(22.01.12)
Standort Augsburg
manrolandist
durch die Übernahme durch die Possehl-Unternehmensgruppe in
Lübeck gerettet. Alles andere egal! D.h. zu welchem Preis,
den die Mitarbeiter, sei es durch Arbeitsplatzabbau (Gesundschrumpfung
der Belgeschaft um 1/3! auf knapp 1500), sei es durch
Lohnverzicht zu leisten haben! Das ist einer ersten Pressemitteilung
der Stadt Augsburg zu entnehmen. In ihr ist erst recht die Rede von den
Zweigwerken in Offenbach und Plauen, die von Possehl nicht
übernommen werden. Auch in diesen nun ausgelagerten Betrieben
kommt es zu einem massiven Arbeitsplatzabbau, den die Generalsanierer
vornehmen. Von den insgeamt ca. 6500 Arbeitsplätzen des Konzerns
bleiben so nur etwas mehr als 2500 übrig.
Bei osram ist ein weiterer bundesweiter
Stellenabbau durch die Konzernmutter Siemens angekündigt (1050
Arbeitsplätze bis 2012), der vor allem die Produktionswerke in
Augsburg betreffen kann. Der gewerkschaftliche Betriebsrat verhandelt
nun mit der Stadt an seiner Seite darüber, wie dieser Stellenabbau
»sozial abgefedert« vonstatten gehen kann. Dabei ist
völlig klar: Ohne Lohnsenkungen ist da nichts zu machen!
(19.01.12)
Im Umfeld von französischen Atomkraftwerken
sind – so teilt die Ärzteorganisation IPPNW mit – laut
der Geocop-Studie des französischen Medizininstituts Inserm
zwischen 2002 und 2007 fast doppelt so viele Kinder an Leukämie
erkrankt wie im Landesdurchschnitt. Dieser Beleg für den
Zusammenahng zwischen ionisierender Strahlung und
Leukämieerkrankungen wurde zuvor auch in der BRD, in der Schweiz
und Großbritannien erbracht. Diesbezüglich weiter Versuche
am Menschenmaterial laufen zu lassen, wird sich die zynische Atomkraft-Interessensgemeinschaft von Staat und Kapital jedoch nicht so einfach nehmen lassen. )
AKW Gundremmingen:
Der plötzlich dringliche Mauerbau ums Zwischenlager – von wegen gegen die Strahlung!
Die Sache ist die, daß diese Mauer laut Bundesumweltministerium
als »optimierende Maßnahme« zu verstehen ist. Und so
sieht sie denn auch aus: Die Stirnseiten bleiben frei und
überdacht wird das Zwischenlager damit auch nicht. Warum? Der
Mauerbau ist gar nicht gegen die nukleare Strahlung gedacht, sondern
gegen einen spekulativ von außen kommenden
»Terrorismus«. Daß genannter Terrorismus allerdings
spekulativ sei, dazu wurde eine Klarstellung abgegeben: Die AKW-Gegner seien
die, die es in Schach zu halten gilt, damit die AKWs friedlich
weiterstrahlen. Dazu schreibt die keineswegs AKW-feindliche AZ:
"Die Gefahr eines möglichen Terroranschlags auf ein deutsches Zwischenlager
für hochradioaktiven Atommüll scheint womöglich akuter zu sein, als angenommen.
Diesen Schluß läßt ein unserer Redaktion vorliegendes Schreiben des
Umweltministeriums Niedersachsens an die Umweltorganisation Greenpeace vom
November vergangenen Jahres zu. Darin heißt es, daß im Zwischenlager Gorleben
Castoren umgestellt wurden, weil neue Erkenntnisse zu »Tatmittel und
Täterverhalten« vorliegen, die bundesweit in allen Zwischenlagern neue
Sicherungsmaßnahmen vor Terroranschlägen erforderlich machen. Die Behälter
umzustellen, sei notwendig geworden, weil eine bauliche Verbesserung der
Sicherheit nicht sofort umsetzbar ist, »aufgrund der Gefährdungssituation ein
Schutz jedoch sofort erforderlich« sei." (13.01.12)
Es spricht einiges dafür, daß die Zwischenlager länger
als geplant als Zwischenlager fungieren müssen. Schließlich
ist die Politik der Castortransporte überdrüssig und
natürlich auf der anderen Seite überhaupt nicht gewillt, die
AKWs einfach abzuschalten.
Die Suche nach einem Endlager wird sowieso von Legislaturperiode zu
Legislaturperiode verschoben. Es gibt ja nun wirklich Wichtigeres in
Sachen Geschäft und (staatlicher) Gewalt als die Gesundheit einer
– nicht allein durch atomare Strahlung – verheizbaren
Bevölkerung! Die offizielle Website des Atomkraftwerks hält
sich wie üblich bedeckt und sagt erst einmal gar nichts: Man will
möglichst nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit seine
skrupellosen Machenschaften abwickeln.
(14.01.12)
Argentinien 10 Jahre nach der Pleite:
Der mißtrauisch beäugte Sonderweg des Ex-IWF-Musterschülers
Angesichts der andauernden ökonomischen Krise in und um
Griechenland und den anderen Fällen, die kaum weniger brisant
sind, lohnt sich ein Blick auf Argentinien, die vormalige
»Schweiz Lateinamerikas«, was den Umgang mit einer
Staatspleite anbelangt. Vor allem hinsichtlich dessen, was den Umgang
der maßgeblichen imperialistischen Staaten und ihres Kapitals mit
den Bestrebungen Argentiniens anbelangt, Bestrebungen, die darauf
gerichtet waren und sind, die ökonomische Handlungsfreiheit des
Staates zurückzugewinnen. Dazu ein paar Anmerkungen anhand des taz-Artikels vom 06.01.12.
(12.01.2012)
Das vorsätzliche Desinteresse der Linkspartei an der Kritik der politischen Ökonomie
scheint diesem Politklub ein Anliegen zu
sein, das er immer erneut betont hervorzuheben für nötig
erachtet: Seine Vorsitzende Lötzsch hat mal wieder ein
Strategiepapier vorgelegt, in dem sich folgende wegweisende Auskunft
befindet: "Angenommen, ein Mensch [Kapitalist? Arbeiter? Schüler? Azubine? Oma?] möchte
Mitglied unserer Partei werden, ohne Marx, Engels, Gramsci, Negri und
Žižek gelesen zu haben. Was können wir diesem Menschen bieten."
Anders ausgedrückt, es ist wenig mit Leuten anzufangen, die die
Kritiker des kapitalistischen Systems studiert haben, und durch sie die
ein oder andere Erkenntnis gewonnen haben. Mit den anderen Menschen allerdings schon etwas. Dabei steht selbstverständlich kein gemeinsames Studium etwa des Kapitals von Marx an, was Unwissenden ja nun wirklich nicht schaden könnte. "Eine Partei", so fährt die Oberstrategin fort, "muß über Strategien, Theorien und Taktiken diskutieren
[was aber total Nebensache ist, weil das machen ja die Strategen, die
von Theorie ganz offenkundig so viel Dunst haben, daß sie sogar 5
Namen dieser Zunft aufsagen können], doch wenn die Partei darüber hinaus Identität [?!] stiften
will, dann muß ein Mitglied in einer Partei auch einfach nur als
politischer Mensch leben können. Wenn unsere Partei eine Oase der
Solidarität in einer neoliberalen Wüste wird, dann kommen die
Menschen aus eigenem Antrieb zu uns, um die Gesellschaft wieder
solidarischer zu machen."
Wer Marx und Žižek
erkenntnisheischend studiert hat, der wird sich sicher nicht in die
Linkspartei hinein verirren. Und wer nur ein wenig zwischenmenschliche
Wärme, Kompensation für den kalten Alltag, sucht, der wird
sich ebenfalls nicht in einen Politklub hinein verirren können.
Wer also wird sich dorthin zielstrebig bewegen? Leute, die Geschmack
daran finden, den dortigen Frasen von Menschsein und Solidarität
zu lauschen oder sie gar selber zu dreschen, Leute, die
vorsätzlich Illusionen über die Beste aller Welten, den
demokratischen Kapitalismus deutscher Prägung schüren wollen.
Die also denjenigen recht geben, die eh nichts Genaueres und Richtiges
über das herrschende System wissen wollen. Denjenigen, die ganz
einfach als politische Menschen, eben als deutsche demokratische Nationalisten, in den Tag hinein leben wollen und daher alle vier Jahre den Gang zur Urne nicht scheuen. –
Ja, diese Krankheit der Frasendrescherei hat etwas Traditionelles an
sich: Schon Karl Kautsky hat in seinem Vorwort zu seiner Schrift
»Das Erfurter Programm in seinem grundsätlichen Teil
erläutert« [1892] darauf hingewiesen, daß Marx' Kapital
"nicht jedermanns Sache sei". Das mag ja sein. Doch der Fehler
schließt sich an, wenn man jenen Typen recht gibt, die meinen,
das Kapital gehe sie nichts an. So gingen er und nachfolgende Opportunisten daran, das Kapital
zu einem leicht verständlichen Schwachsinnsdokument moralischer
Anklage und konstrukiver Verbesserung an sich vernünftiger, weil
vorbildlich produktiver Produktionsverhältnisse zu pervertieren.
Andere gehen längst eh nur noch mit dem guten Namen von Marx als
Wissenschaftler hausieren, wenn es denn ab und an opportun erscheint,
sich gebildet zu geben. Selbst das weist allerdings in eine völlig
falsche Richtung: "Bei vielen Sachen gehen wir viel zu verkopft heran.
Eine Konferenz jagt die andere." (Lötzsch im taz-Interview,
24.12.11) »Halten Sie endlich die Fresse, den Ausfluß Ihres
dumm gehaltenen Kopfes!« möchte man diesem Schnattermaul
dringend ans Herz legen.
(10.01.2012)
Das neue Jahr geht schon gut los:
Der DAX geht rauf und die Stimmung hebt sich einfach nicht
Wirtschaft und Politik geben einige Rätsel auf. Auf und an ihrer
Oberfläche arbeiten sich die Experten der Öffentlichkeit ab
und werden nicht recht schlau. Nichtsdetotrotz soßen sie ihr
Publikum mit Artikeln und Leitartikeln zu, die an Lächerlichkeit
nicht zu überbieten sind. Völlig begriffslos schwätzt
zum Beispiel ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung davon, daß »der Mensch« »dem Geld« immer ähnlicher werde. Alles eine Soße! – schöner kann ein Bekenntnis zur Begriffslosigkeit nicht ausfallen.
(09.01.12)
Apropos Bundespräsident Wulff:
Dieser
verlogene deutsche Vorzeige-Großkotz paßt doch zu diesem
Staat mit seinem Großmachtstreben! Also warum sollte so ein
Volltrottel zurücktreten? Das würde ja in der Tat der
Logik entbehren, nach der die Republik solche Leistungsträger
unbedingt braucht, sich es nicht erlauben kann und will, sie aufs
Abstellgleis zu schieben. Ganz zu schweigen von den wirklich ungeheuren
Kosten, die dadurch entstünden, und einer Nachfolgedebatte, die
völlig überflüssig wie ein Kropf wieder Staub aufwirbeln
würde. Gelächter!
[Apropos demokratische Öffentlichkeit: In dieser feinen
demokratischen Republik wird jeder Witz völlig ernstgenommen und
zwar in einer ganz anderen Hinsicht, als er gedacht ist.]
(04.01.2012)
Denk und der Maler Il He
Von dem den KoKa-Lesern
bereits bekannte Lin Gen Denk ist folgendes überliefert. Der Maler
Il He könnte heutzutage genausogut Ai Weiwei heißen. Warum
nicht? Passend würde es in der Tat nicht schlecht.
»Lin Gen Denk überlegte nach Beendigung seiner Freundschaft
mit Il He noch lange Zeit, was die Eigenart des Künstlers
heutzutage ausmacht.
"Vielleicht", mutmaßte Lin, "ist es nur noch die Willkür und
Freiheit, entblößt jeden Inhalts, denen ein Künstler
heutzutage in seinen Werken huldigen darf. War ein Künstler in
vergangenen Epochen eindeutigen Vorgaben verpflichtet, Helden und
Göttern, die er in seinen Werken anbeten durfte, lebt er heute,
als Freier, verpflichtet, Freiheit absolut in seinen Werken zu
rechtfertigen."«
Genau so wird ein Künstler heute zum Spielball der Freiheit des
imperialistischen Westens, einem Spielball, den er seinen Gegnern ins
Gesicht zu schlagen sich bemüht, wiewohl er deren ureigenes
Produkt ist. (29.12.11)
International: • El capital financiero • The Agenda of the Crisis-Competition of Nations (26.12.11)
Demokratie – interessierte Desinformation schlechthin:
Die Volksaufklärung über den alternativlosen Weg aus der Krise
Neben den praktischen politischen Maßnahmen bedarf es
Erläuterungen, denn die vielschichten Einschnitte in den
Geldbeutel des gemeinen Volkes verstehen sich ja nicht gerade von
selber. Diese Erläuterungen betreffen Klarstellungen, die das
Publikum ohne Nachfragen zu schlucken hat. Dazu gehört, ihm die
Alternativlosigkeit der Regierungsmaßnahmen einzutrichtern, die
Rettung des Euro als unbedingt nötig zu verklickern und statt der
Frage nach dem Grund, Schuldige zu präsentieren, die die Krise als
verdammt überflüssig erscheinen lassen soll, hätten doch
alle rechtzeitig das Richtige gemacht. Neben fahrlässigen Zockern
und kurzsichtigen Politikern hätten nicht zuletzt die
»kleinen Leute« mit ihrem materiellen Anspruchsdenken ihren
Anteil an der Krise, für die sie – und das ist unabdingbar
– die Kosten zu tragen haben. Sie sind die eigentlich Schuldigen,
die, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, wenn sie z.B.
Immobilienkredite aufgenommen hatten, die sie absehbar nicht zu
schultern in der Lage sein konnten. Sie hätten also quasi die
anderen mithineingeritten und der Politik nun die schwere Last
aufgebürdet, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.
Darüber hinaus ist noch etwas klarzustellen: Eurozonenweit
gäbe es, so wird allen Ernstes behauptet, verdammte Unterschiede:
Die faulen und arbeitsscheuen Griechen, Italiener und überhaupt
der südländische Menschenschlag läge nur allzugerne auf
unsere, auf deutsche Kosten auf der faulen Haut, würden uns also
um unseren Lohn betrügen. So kommt dann eine gewisse
Entschuldigung der deutschen proletarischen
»Anspruchsdenker« ins Spiel, denn schließlich wollen
die politischen Agitatoren die Volkseinheit ebenso retten, wie sie sie
immer in Frage gestellt sehen, nachdem sie sie in ihrem Zynismus zuvor
stets selber in Frage gestellt haben. Andere Nationen verfahren nach
dem gleichen Schema und auf diese Weise kommt die europäische
(Un)Einigkeit ganz prima voran.
Diese verdummende Agitation ist Gegenstand in der neu erschienenen Ausgabe der Zeitschrift GegenStandpunkt 4-2011.
Daneben gibt es einen Artikel, der die Fortschritte in der
Krisenkonkurrenz der Weltwirtschaftsmächte und in der
zwischenstaatlichen Konkurrenz der EU-Staaten beleuchtet. Ferner wird
die neue Heimat des bürgerlichen Individuums, das soziale Netzwerk
facebook, seiner (un)fruchtbaren Wirkung überführt. Und anderes mehr.
(22.12.11)
Das gute Gewissen des deutschen Imperialismus ist tot, das gute Gewissen des Nachbarlandes Tschechien auch:
Horst-Eberhard Richter geißelte vehement den Krieg. Vor allem den der USA gegen den Irak
(siehe den Artikel aus dem Jahre 1991). Er kreierte ein Bild von
Deutschland, das sich von den schlimmen, ja bekloppten USA
unterscheidet und wie die BRD – ungeachtet des genauen Gegenteils
– gerade in der Region, in der die USA tonangebend Krieg
führen, wahrgenommen werden soll und auch wird. Symptomatisch
hierfür die Haltung der pakistanischen Außenministerin Hina
Rabbani Khar: "... Deutschland spielt eine positive Rolle, es zeigt viel Verständnis für die Realitäten, denen wir hier [es
geht um Afghanistan und die angrenzende pakistanische Provinz
Waziristan, wo die USA sich alle Freiheiten der Kriegsführung
herausnehmen] begegnen und auch viel Verständnis für die Komplexität der Situation. Nicht an der [Afghanistan-]Konferenz
in Bonn teilzunehmen, ist kein Signal an Deutschland. Wenn der
Zeitpunkt der Konferenz ein andereer wäre, hätten wir nicht
so reagiert. Aber der Vorfall [der US-Mord an 24 pakistanischen Soldaten] ist
einfach zu schwerwiegend. ... Dieser Vorfall war kaltschnäuzig, er
richtete sich nicht nur gegen die pakistanischen Soldaten, die ihr
Leben verloren haben, sondern gegen die Souveränität des
Landes. Das können wir nicht so einfach hinnehmen." (Interview in der Süddeutschen Zeitung
v. 03.12.11) Daß die deutsche Rolle allein einem – von den
Protagonisten der deutschen Staatsgewalt allenthalben beklagten –
Mangel an militärischen wie ökonomischen Möglichkeiten
entspringt, wird dabei geflissentlich übersehen. H.-E. Richter
kämpfte für den Erhalt dieses durch und durch falschen Bildes
von Deutschland, indem er es von seiner Verlogenheit befreien wollte,
die er einfach nicht übersehen konnte und wollte. Umso mehr gefiel
ihm die Illusion einer (möglichst) gewaltfreien Nation. Sein Pech
war, daß er es mit seiner hochmoralischen Haltung nicht geschafft
hat, Präsident zu werden, so wie es Václav Havel im
Nachbarland, in der Tschechoslowakei (und dann in Tschechien),
geglückt war, der opportunistisch genug war, seine hehre
oppositionelle Moral gegen die Gewalt einzutauschen: Die
Einführung des Kapitalismus war ein Diktat, auch wenn es
große Teile einer – realsozialistisch verdummten –
Bevölkerung als Befreiung verstanden. Nicht die monopolisierte
Gewalt, nicht der Staat stand zur Disposition, lediglich die Staatsräson.
Als ob in einer kapitalistischen Gesellschaft die Moral besser
aufgehoben wäre, wenn sie sich nicht zu ihrem
Erfüllungsgehilfen aufschwingt, siehe der Fall H.-E. Richter (da
ist der Umsturz-, ja Kommunismusvorwurf nicht weit)! Und siehe auch
tschechische Fälle wie beispielsweise den des Dichters Walter
Zahorka, der ebenfalls zur Charta 77 gehört hat... Übrigens:
Ein Fall, wie man Moral und Gewalt 1:1 aufeinanderbringt, ist eben auch
gestorben: Kim Jong Il: Hier sieht man, wie belämmert Gewalt
einerseits und Moral andrerseits sind: Sie sind sich dann wechselseitig
Zweck.
(20.12.11)
Sahra Wagenknecht gibt sich nicht bloß als:
Die Anti–Merkel
vielmehr
sonnt sie sich im Geiste von Karl Marx als besonders system-, also
kapitalismuskritisch. In der Finanzkrise der vergangenen Jahre hat sie
allerdings ihr Argument gefunden. Ein Argument für eine
von ihr erfundene, gleichwohl Marx unterstellte
»Bedarfsdeckungswirtschaft«, in welcher die
»Konsumtion« die Produktion bestimme, als wäre sie je
das Subjekt und nicht eine Notwendigkeit von Individuen, die gewaltsam
eingerichteten Gesellschaftsverhältnissen unterworfen sind. Auf
Schritt und Tritt merkt man ihr ihre falsche, DDR-affine
Kapitalismuskritik an, der sie nach wie vor verhaftet ist, wie nicht
allein, aber vor allem die völlig falsche Bestimmung des Zwecks
der Produktion an den Tag legt; des Zwecks, eine Konsumtion zu
ermöglichen, welche unter kapitalistischen Verhältnissen
keineswegs durch das »Ausmaß der Produktion« bestimmt
ist, insofern – entgegen der Behauptung – eine
»bestimmte Profitrate« gar nicht dafür
abgeworfen wird. Daß das auf Seite 186 ihres Buches
»Wahnsinn mit Methode – Finanzcrash und
Weltwirtschaft« mit einem Marx-Zitat »belegt«
wird, das keines ist, ist also nicht bloß ein literarischer
Fauxpas.
Bevor sich Sahra Wagenknecht also in die höheren Sfären des
Finanzkapitals begibt, wäre ihr zu raten, mit folgendem zu
beginnen, wenn sie schon auf »Konsumtion« abzielt: "Der
Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische
Produktionsweise herrscht, erscheint als eine »ungeheure
Warensammlung«, ..." Oder ist das der Marx, der nicht nach ihrem
Geschmack und dem ihrer Linkspartei zurechtmodelliert ist?
Übrigens: Gerade jetzt zur Weihnachtszeit ist die Konsumtion
wieder ein Riesenthema, eines, das ebenso regelmäßig wie
argumentfrei den Materialismus des Kapitalismus anprangert.
Dabei wird sein Wesen übersehen: Konsumieren kann nur der, der
über das nötige Geld verfügt. Und damit ist auch schon
gesagt, daß viele von vielen wunderhübschen Dingen, die aus
den Schaufenstern heraus sie anlachen, per Preis ausgeschlossen sind!
So verquer wie Sahra Wagenknecht dagegen denkt, kann man durchaus
ankommen in einer demokratischen Marktwirtschaft: Ihr werden als
Wirtschaftssachverständigen Avancen auf eine Spitzen-, wenn nicht
gar eine Kanzlerschaftskandidatur angetragen. Diese in zahlreichen
Interviews zu dementieren, bereichert den demokratischen
Blätterwald zumindest mit hübscheren Fotos als sie die
Bundeskanzlerin zu liefern imstande ist. [Abbildung aus dem
Wochenendmagazin der eleftherotipia v. 14.08.2010]
(18.12.11)
Die IG Metall führt einen konsequent nationalen Feldzug! – bis zum Endsieg?
Der Krieg der IG Metall gegen die Abschaffung von Lohnarbeit
Unter
dem Motto »Krieg schafft (Lohn-)Arbeit, (Lohn-)Arbeit macht
tierisch Spaß« mobilisiert die IG
Metall nun für das UAS [unmanned aerial
system]-Rüstungsprojekt Talarion, das auf der Streichliste der
Bundeswehr steht, obschon ähnliche Flugkörper die USA Tag
für Tag erfolgreich gegen eine ihr nutzlos erscheinende
Bevölkerung, eine »Über«bevölkerung in der
»Dritten Welt« einsetzen. Die IGM fürchtet um
Lohnarbeitsplätze in dem
kleinen Ort Manching. Doch nicht nur dort. Bundesweit
fürchtet die sich als bessere Wehrmacht aufspielende IG
Metall um rund 25.000
Arbeitsplätze aufgrund der neuen Kriegsstrategien eines vor
Kraft strotzenden Deutschlands, das für eben dieses neue Programm
etliche Rüstungsgüter für ungeeignet, andere
für vorläufig entbehrlich erachtet. Der IG Metall ist es
überhaupt
nicht egal, ob, was und wieviel produziert wird. Ihren nationalen Standpunkt hält sie nämlich für das Unterpfand ihrer
amtlich beglaubigten Schmarotzerexistenz in der kapitalistischen
Gesellschaft.
Einige ihrer nationalen (Maul-)Helden, Thomas Pretzl, der
Gesamtbetriebsratsvorsitzende der EADS Deutschland GmbH, Bernhard
Stiedl, der Unternehmensbeauftragte der IG Metall für die EADS
Deutschland GmbH, und Tobias Weber,
IG-Metall-Vertrauenskörperleiter des Cassidian-Standortes in
Manching rechtfertigen ihren kriegsgeilen Standpunkt so: "Die wehrtechnische Luftfahrtindustrie ist zusammen mit den vielen
mittelständischen Zulieferern ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für
Deutschland, stellte Tobias Weber heraus. Deshalb müssen Forschungs- und
Entwicklungspotenziale in diesem Bereich nachhaltig gestärkt und weiter
ausgebaut werden, auch um die Vorteile für die zivile Nutzung zu erhalten.
Gerade das UAS-Programm Talarion biete die Chance, die Technologieführerschaft
zu erlangen und unbemanntes Fliegen für zivile Anwendungen zu
erschließen." (IGM-Stellungnahme, Hervorhebung: KoKa)
Logisch, wenn bei der Produktion von Kriegsmitteln auch noch ein
Abfallprodukt anfallen sollte, was ja zufälligerweise sein
könnte, dann erübrigt sich jeder Einwand gegen die Produktion
von militärischen Waffen sowieso! Die
Gewerkschaftshalunken wissen also genau, wofür sie eintreten; wenn
sie es ihrem Publikum schmackhaft machen wollen, tun sie allerdings so,
als wären sie alles andere als vorsätzliche
Kriegsbefürworter, die für einen Krieg eben die
entsprechenden Waffen brauchen, wofür denn auch sonst.
Die Arbeiter hält die Gewerkschaft für genau so blöd,
wie sie sie gerne haben möchte; Beweis: Sonst wären sie ja
kein Gewerkschaftsmitglied! Sonst würden sie sich ja nicht
breitschlagen lassen, sich um den Erhalt von Lohnarbeitsplätzen zu
bemühen, vielmehr würden sie es vorziehen, um deren
Abschaffung zu streiten – mitsamt einer daran hängenden
kläglichen Existenz als Lohnarbeiter und einer Verwendung als
Kanonenfutter der Nation.
(16.12.11)
Ist Bundespräsident Wulff korrupt?
Ach was! Bei uns ist Korruption doch längst institutionalisiert und legalisiert! Wir sind doch ein zivilisiertes Land! Wohin kämen wir denn, wenn Politik und Kapital nicht vertraulich Hand in Hand arbeiten könnten! Würde es – erstens – denn ansonsten die vom Kapital ge- und verhätschelte FDP
(Wulff wurde mit ihren ausschlaggebenden Stimmen gewählt)
überhaupt noch geben? Eine Partei, die immer damit aufschneidet,
die Partei der Freiheit zu sein, aber immer verschweigt, daß sie
mit dieser ihrer Freiheit nichts anderes als die des Kapitals meint:
Nein, diese Extremisten der Freiheit des Kapitals
müßten unweigerlich jämmerlich zugrundegehen!
Würde – zweitens – je ein dummer Dackel bis an die
Spitze des Staates gelangen können? Wohl eher nicht, wie die
letzte Bundespräsidentenwahl gezeigt hat, in der ein nur leicht
verkappter Nazi den kürzeren gezogen hat.
Kurz & gut: Alles spricht für Wulff, seine Freunde und sein
Format. Sogar die opportunistischste aller Parteien der Republik zollt
ihm jetzt Anerkennung dafür, daß er nicht einfach, was jetzt
– im nachhinein wenigstens – ehrlich gewesen wäre,
zurückgetreten ist: Die deutsche Sozialdemokratie ist ja stets
bemüht die erste zu sein, wenn es darum geht, Schaden von Deutschland abwenden zu
wollen. Ein Rücktritt eines Staatspräsidenten gilt –
natürlich nicht nur ihr – locker als solcher.
(15.12.11)
Das Weltklima:
Warum
sollten kapitalistische Staaten eine Verantwortung haben, die Folgen
ihrer Wirtschaftsweise zu bekämpfen? Wenn sie notwendig sind
für diese Wirtschaftsweise, die allenthalben außer Frage
steht, dann müssen sie eben in Kauf genommen werden! Worum es bei
den Verhandlungen in Kioto 1997 und nun in Durban geht, ist die Aufrechterhaltung eines Scheins von Verantwortung
jenseits der ökonomischen Notwendigkeiten kapitalistischer
Gewinnrechnungen. Dieser Schein wurde als solcher in aller Deutlichkeit
unter Beweis gestellt. Es ist ein – im Grunde – völlig
überflüssiges Herumgezappele, bei dem es auch völlig
einerlei ist, wenn ein Staat – wie Kanada jetzt – nicht
mehr mitquatscht. Dann mag zwar auch das politische Weltklima im Keller
sein, dafür sind die die Politik beherrschenden Gegensätze
umso heißer auf der Tagesordnung.
Im übrigen ist es überhaupt kein Problem, wenn es
beispielsweise im Allgäu weniger Schnee gibt: Da macht man halt
dann ein Riesengeschäft mit Schneekanonen! Auch an dieser Front
steht Aufrüstung an. Was denn auch sonst!
(13.12.11)
Deutschland und Frankreich finden ein Rezept:
Mit Gewalt gegen die Entwertung eines politisch-ökonomischen Projekts
Den Widerspruch wollen sie damit endlich loswerden: Daß an den
Euro ganz unterschiedliche Interessen gebunden sind, nationale
Interessen. Den Widerspruch werden sie allerdings nicht los: Daß
das Anlage suchende Kapital heute verstärkt auf die Sicherheit
seiner Rendite blickt, mehr als auf die Höhe: Es kalkuliert die
Entwertung über die Laufzeit der Anlage längst ein. Es hat
zur Kenntnis genommen, daß mit jeder erfolgten Ausweitung des
Staatskredits eine Einschränkung des privaten Kreditumfangs
anvisiert wird, der auf eine »reale Basis«
zurückgeführt werden soll. Es weiß, daß die
brachiale Gewalt des Staates auf den Finanzmärkten völlig
kontraproduktiv für jede Art von Geschäft ist. Aber es wird
gezwungen, sich zu seinem eigenem Wohl einer Regulierung, einer
faktischen Entwertung zu unterziehen, die ihren Ausgangspunkt in der
Beschränkung von Nationalkrediten hat. Es verwundert nicht, sollte
gerade angesichts der als Erfolg bejubelten
Verpflichtungsbeschlüsse mehr denn auf eine Entwertung des Euro
und des mit ihm verbundeten imperialistischen Projekts Deutschlands und
seines französischen Juniorpartners Frankreich spekuliert werden.
Es verwundert allerdings, wieviel Stabilität dem euopäischen
Kartenhaus von den Staaten zugebilligt wird, die jegliche eigene
Ambition darin begraben können. Es scheint so, daß u.a.
Monti und Papadhimos – ganz im Gegensatz zum britischen
Regierungschef Cameron – die letzten wirklich vaterlandslosen
Gesellen Europas sind. Und die, das weiß eine deutsche
Regierungschefin aus (un)seliger Vergangenheit am besten, steckt man am
besten in eine Zwangsjacke und empfiehlt sie ihnen mit dem Spruch
»Arbeit macht frei«.
[Karikatur: Dušan Petričić in der politika vom 06.11.11, Belgrad: Griechische Säulen: dorisch, ionisch, korinthisch, realistisch]
(11.12.11)
Saudi-Arabien:
Wie dem neuesten Bericht von amnesty international
zu entnehmen ist, hat sich die Situation von regimekritischen
Demonstranten dort nochmals verschlechtert. "Jetzt habe die Regierung
Gesetze auf den Weg gebracht, denen zufolge eine vom Regime abweichende
Meinung als Terror-Straftat eingestuft und bestraft werden
könnte. ... Seit März seien allein in drei Provinzen im Osten
mehr als 300 Menschen, die an friedlichen Protesten teilnahmen,
vorübergehend festgenommen worden. In anderen Landesteilen habe
das Innenministerium gewarnt, harte Maßnahmen zu ergreifen, wenn
jemand »die Ruhe störe«. Im November seien 16
Männer, darunter 9 prominente Reformbefürworter zu
Haftstrafen von 5 bis 30 Jahren verurteilt worden. Das
Gerichtsverfahren sei »extrem unfair« gewesen, wurde
berichtet." (zit. nach taz v. 02.12.11) Wenige Tage später
erschien der Rüstungsexportbericht der deutschen Bundesregierung.
Ein Regierungssprecher rechtfertigte den Waffenexport nach
Saudi-Arabien mit den Worten: "Saudi-Arabien ist ein wichtiger Partner
Deutschlands, politisch und wirtschaftlich." (zit. nach taz v.
08.12.11) Es ist nun wirklich nicht neu, daß Deutschland
über Leichen geht; auf denen fußt ja sein globaler Erfolg,
müssen also in Kauf genommen werden! Das beweist die deutsche
Politik immer wieder aufs neue. »Menschenrechte« werden
allein gegenüber den Staaten in Anschlag gebracht, gegen die die
wirklichen Waffen der Ökonomie und der militärischen Gewalt nicht
viel ausrichten. Ein exemplarischer Kommentator hat zum 63. Jahrestag
der Verkündigung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen
denn auch stromlinienförmig seine Rede nicht auf die arabischen
Diktaturen gelenkt, die nach wie vor in Amt und Würden vom
»freien Westen« großzügig ausgehalten werden,
vielmehr auf Rußland und China (Michael Stifter, AZ, 08.12.11).
(09.12.11)
Rußland wählt geradezu vorbildlich demokratisch und der Westen ist überhaupt nicht zufrieden:
Wahlen immer gut,
Wahlfälschungen immer schlecht?
US-Außenministerin
Hillary Clinton äußerte sich »besorgt« über
die jüngsten Wahlen in Rußland. Nicht bezüglich der
Wahlen als solche, sondern wegen deren Ausgang. Es haben nämlich
nicht die Arschkriecher des »freien Westens« (Jabloko)
gewonnen, die die USA favorisierten. Stattdessen gewann die
Putin-Partei; weitere drei Parteien zogen ins Parlament ein, die sich
der russischen Nation noch viel mehr verpflichtet wähnen als das
»Geeinte Rußland« Putins. Wie sollte es auch anders
sein? Ist es in den USA etwa so, daß vaterlandslose Parteien ins
Parlament einziehen, ist es in der BRD so, in Frankreich, in Italien
oder in Spanien? Nein, es ist nirgendwo so. Oder ist es da, in den
EU-Staaten, wenigstens auch so, daß die USA
»Wahlmanipulationen« anprangern? Oder etwa so, daß es
in den USA keine Wahlmanipulationen gäbe? Erinnert sich Frau
Clinton etwa nicht an die Präsidentschaftswahlen im Jahre 2000, in
denen ihre Partei Opfer eben solcher – zumindest in Florida offenkundig gewordener, bezogen
auf das Ergebnis weitaus schwerwiegenderer – Manipulationen
wurde? Warum fällt es ihr heute im Falle Rußlands nicht viel
leichter, gute Miene zum bösen Spiel zu machen?
Beklagen die USA nicht in vielen Teilen der Welt eine »fehlende
Stabilität«? Aber wenn Rußland Fortschritte in dieser
Hinsicht macht, dann soll das komplett falsch sein, dann muß man
unbedingt mit der Förderung und Steuerung von
Nichtregierungsorganisationen aus dem Ausland die verbesserte
innenpolitische Lage zu unterminieren versuchen? Warum um Himmels
Willen sind 1000 Demonstranten in Moskau eine Riesen-Aufregung im
»freien Westen«, während kürzlich die
occupy-Bewegung in Oakland, Portland, Los Angeles, New York und anderen
Städten von der US-Staatsgewalt niedergeprügelt wurde, ganz
ohne daß ein Regierungsmitglied zugunsten der Malträtierten
interveniert hätte? Von der Trostlosigkeit einer »freien
Presse« dies- und jenseits des Atlantiks mal ganz zu schweigen
– kritischer als die russische Presse ist die mit Sicherheit
überhaupt nicht, obwohl sie das immerzu vorgibt, zu sein.
Jeder sieht anhand dieser Überlegungen schon, was der Antrieb zu
solchem Verhalten ist. Es geht überhaupt nicht um Wahlen. Es geht
um die Gewaltfrage schlechthin. Eine Gewaltfrage im innern eines
Staates und eine Gewaltfrage nach außen. Was die innere Front des
Staates gegen seine »mündigen« Untertanen anbelangt,
so setzt er umso mehr auf Gewalt, je mehr seine nationalen Erfolge zu
wünschen übrig lassen. Das liegt einfach daran, daß die
national erzogenen »Bürger« nur dann einen (Ansatz
von) Aufstand machen, wenn sie sich durch ihre Nation als Anhänger
eben dieser betrogen sehen. Und es zeugt von einem hohem Maß an
»Zivilisierung« dieser Untertanen, wenn sie dann nicht auf
die Straße gehen, sondern eine Opposition wählen,
eine nationale Opposition, die die Nation wirklich beziehungsweise
jedenfalls noch viel besser voranzubringen verspricht. Diesem auch von
ihr geschürten Nationalismus verdankt die russische KP
ihren relativen Wahlerfolg [sie klagt – ja so bescheuert sind
jene »Kommunisten« – dort allen Ernstes gegen
Wahlmanipulationen zu ihren Ungunsten!]. Kurz und gut,
ausgerechnet ein Staat, in dem selbst die Kommunisten dermaßen
auf Linie sind, wie es selbst in den USA nicht einmal die Partei ist,
die am häufigsten den Präsidenten stellt, ausgerechnet der
Staat steht unter Anklage des »freien Westens«, wo doch
jeder halbwegs nüchterne und objektive Betrachter zugeben
muß, daß Rußland und seine
Führungsmannschaft eine solche Kritik nie und nimmer verdient hat.
Ja, die USA sind trotz des fundamentalen Systemwechsels, der mit dem
Abdanken der Sowjetunion erfolgt war, weiterhin in ihrer Freiheit
beschränkt. Ihre Gewalt ist zwar nun ein ganzes Stück weiter
gegen Moskau vorgeschoben, aber ohne Moskau zu dem Vasallentum
nötigen zu können, den sie dort gerne hätten.
Rußland ist Atommacht und bleibt es und für die USA bleibt
das – ebenso wie für ihre imperialistischen Verbündeten
– ein besonders schweres Ärgernis ihrer Weltordnung.
Das hatten sich die USA in ihrer Naivität schon lange anders
vorgestellt: Doch der Wechsel einer Staatsräson schafft den
Gegensatz zwischen souveränen Gewalten nicht aus der Welt. Nicht
einmal jetzt innerhalb der EU, wo eine ökonomische Krise
offenbart, daß der nationale Kredit eines Euro auf nichts anderem
als auf Gewalt beruht, es aber keine einheitliche Gewalt in diesem
EU-Euro-Projekt gibt.
[Not & Elend unter dem weltweiten Regime des Geldes ist
natürlich kein Thema auf all diesen höheren Ebenen der
politischen Gewalt. Das wäre ja geradezu a- bzw. antipolitisch und
gehört an die verwiesen, die als tüchtige Leute höherer
Geschäftsfilosofie die Gewissenswürmer einer Nation für
ihre »Botschaft« auszunützen verstehen; gerade jetzt
in der Weihnachtszeit bleibt niemand von deren Propaganda verschont.
Nie wird dabei vergessen, die Herzen für frierende und hungernde
Kinder in Rußland zu erwärmen. Das ist dann der Gipfel des demokratischen Zynismus und allerdings sehr politisch.]
(08.12.11)
Slowenien:
In
der früheren jugoslawischen Teilrepublik standen am Wochenende
Wahlen an, also nichts besonderes an sich, auch der Nachbar Kroatien hatte das Volk zu den Urnen gebeten. Doch der Eurostaat
Slowenien ist geradezu ein Idealfall von Demokratie. So empfahl sich
der Oppositionskandidat Zoran Janković als der, der etwas von
Wirtschaft versteht: Jetzt bräuchte es, so tönte er im
Wahlkampf, einen Unternehmer an der Spitze des Staates. Der Fall
Berlusconis vor der Haustür war ihm egal. Und den Wählern
auch. In der Krise braucht es also Experten, nämlich einen wie
ihn, den Chef der größten Supermarktkette des Landes. Und
wie könnte es auch anders sein, er gewann die Wahlen im
2-Millionen-Einwohner-Staat mit seinem Wahlverein »Positives
Slowenien«. Positiv, na logo, muß man sein, je tiefer die
Krise ist: Optimismus ausstrahlen, je weniger Grund es zur Hoffnung auf
wirkliche Veränderung gibt! Kurios ist allerdings: Dieser Jugo (er
kommt aus Serbien) wird mit seiner Partei im allgemeinen als links
eingestuft. Dafür gibt es nun nicht einmal formelle Anhaltspunkte
wie beispielsweise bei der russischen KP.
Ob damit eine Änderung in der Beurteilung der
ökonomischen Lage den Zuständigen im Ausland leichter
fällt — die Staatsverschuldung liegt bei über 100 % des
Bruttoinlandsprodukts und trotzdem gilt der Staat unverändert als
solide –, bleibt abzuwarten. Ziel der neuen Regierung muß
es also sein, eine Neueinstufung, die eine Abwertung wäre, zu
verhindern. Das ist sicher kein Widerspruch gegen die
Ankündigungen des neuen Regierungschefs, wohl aber ein ganz
entschiedener gegen die Interessen der Arbeiterklasse, die dafür
gerade stehen muß.
(05.12.11)
»Die Marktwirtschaft und ihre Feinde«
Eine unheilige Allianz von Staat und Finanzkapital gegen das arme »Mehrwert«-Kapital
Das Handelsblatt trumpfte
neulich (am 07.11.11) mit einer neuen
Verschwörungstheorie auf, die sich gegen die richtete, denen der
erreichte Fortschritt des Kapitalismus nicht mehr ganz geheuer ist und
die deshalb um den guten Ruf des ganzen schönen Systems
fürchten (darunter genannte Ehrenmänner wie Schirrmacher und
Habermas und ungenannte wie Markus Günther von
»unserer« AZ). Daß es sich um eines der in weiten Kreisen
beliebten ideologischen Luftgefechte handelt, liegt auf der Hand.
Bestürzend ist allerdings die Ernsthaftigkeit, mit der heutzutage
solcherart abstruses Zeug als Wahrheit schlechthin vorgetragen
und beansprucht wird. Doch Dogmatiker soll man jene Freunde der
»Marktwirtschaft« wohl nicht nennen. Ihre Absichten sind
allerseits konstruktiv vorangedachte Auswege aus der ökonomischen Krise von Staat und Kapital, aber eben auch nur gedachte, also keine wirklichen Hilfen bei staatlichen Kredit- wie privaten Investitionsentscheidungen.
(04.12.11)
International:
• I. The Development of Finance Capital's Credit Power: The Accumulation of »Fictitious« Capital
• II. The Basis of the Credit System: On the Art of Lending Money
• Crisis Management in the U.S. – The Fight against the Economic Decline (02.12.11)
Volksabstimmung zu Stuttgart 21:
"... Sie [die S21-Gegner] wollten
die Entscheidung in die Hände des Volkes legen. Das verdient
Respekt. Jetzt müssen sie aber auch mit dem Ergebnis klarkommen.
..." (AZ, 28.11.11)
Schöner kann man die Wählerei als Instrument von Staat und
Kapital kaum auf den Punkt bringen. Die Meinungsmacher der Republik
sind sich sicher, das Heft in der Hand zu haben, sobald die Leute ihre
Stimme an der Urne wegzugeben bereit sind. Andernfalls würden sie
– man kennt ja jene Pappenheimer der Demokratie – ihren
Gegnern nämlich überhaupt keinen Respekt zollen, sie
würden den Untergang Deutschland beschwören, über die
Manipulationen linker Verschwörer herziehen und das Urnenergebnis
nicht für das letzte Wort halten: Es müßte ein neuer
Wahlgang her und das solange, bis das blöde Volk mürbe
agitiert ist und zustimmt.
Das sich vor Augen zu führen, könnte immerhin manchen
Demokratie-Idealisten dazu bringen, von seinen Illusionen abzulassen,
an dem herrschenden kapitalistischen System immer noch das ein oder
andere gut zu finden. Dann könnten auch mal gesalzenere Argumente
gegen den global player Deutsche Bahn auf den Tisch kommen:
Wenn sich der Herr Bundesverkehrsminister für eine
»profitable Bahn« ausspricht, dann bleiben Kundenservice
und günstige Fahrpreise allenthalben auf der Strecke und das notwendigerweise.
Wenn sich ein Ministerpräsident Kretschmann weigert, über die
bereits zugesagten Landeszuschüsse hinaus Gelder für
Stuttgart 21 beizusteuern, dann ist klar, daß die Fahrpreise noch
viel teurer werden, als durch die in die bis dahin steigenden, in die
bereits Kosten des Projekts eingerechnet sind. Und für einen Herrn
Grube sind die Fahrgäste eh nichts anderes als eine Ware,
die möglichst lukrativ für den Konzern von A nach B
transportiert werden soll und sich dabei – eben wie eine Ware
– in keiner Weise störend bemerkbar zu machen hat.
Kurz und gut, nicht nur in Sachen Auto und Straße wird der Ausschluß
breiter Bevölkerungsteile von der Nutzung vorangetrieben, auch von
der der Bahn. Das und nichts anderes ist das Resultat jedes
Projekts eines profitablen Betriebs schlechthin. Dafür braucht es
dann ja auch tatsächlich weniger Bahnsteige. Dafür allerdings
welche mit VIP-Lounge.
(01.12.11)
Beiträge
(Fortsetzung) aus 2011