Gauleiter Reichenbach Karikatur von Stathis in: Eleftherotipia, 2011»Das Kapital muß pleite gehen, damit wir leben können!«
Die griechische Arbeiterklasse kämpft gegen das deutsche EU-Diktat
Schaut man sich die Liste der Zumutungen an, die, die schon durchgesetzt worden sind und die, die jetzt durchgesetzt werden sollen, ist das nur allzu verständlich. Dem griechischen Lakaien des Imperialismus Papadhimos wurde der deutsche EU-»Gauleiter« Horst Reichenbach zur Seite gestellt, denn allein kriegen »die Griechen« das, was »wir« von ihnen wollen – und das ist der letzte irgendwo aufzutreibende Euro –, allein kriegen sie das unmöglich hin. Und jetzt streiken sie noch dagegen, wo »wir« doch nur das Beste für sie (nicht etwa: von ihnen!) wollen! Bereits umgesetzte Maßnahmen u.a.: Entlassungen im öffentlichen Dienst (Frühverrentungen), drastische Lohnsenkungen im öffentlichen Dienst (30% des Nettoeinkommens), Benzin und Heizölsteuer plus 10 %, Alkoholsteuer plus 10%, »Solidaritäts«-Abgabe für 3 Jahre, MwSt von 21 auf 23%, Heraufsetzung des Renteneintrittsalters, Grundstückssteuer (über die Stromrechnung eingezogen), Verteuerung der Stromkosten für Kleinabnehmer um bis 18% durch den staatlichen Stromversorger. Nun zur Umsetzung anstehende Maßnahmen u.a.: Beschleunigte Privatisierung von Staatsunternehmen (u.a. der Stromversorger ΔΕΗ) und Kapitalisierung öffentlichen Vermögens, weitere Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst, weitere Kürzungen der Sozialleistungen, Liberalisierung von »geschlossenen Berufen« (Taxiunternehmer, Spediteure, Apotheker etc.), Abbau »bürokratischer Hürden« für das Kapital bei gleichzeitigem Aufbau von solchen für die einfachen Leute.
Mit diesen Maßnahmen soll die Staatsverschuldung von 160% des Bruttoinlandsprodukts bis 2020 auf 120% gesenkt werden. Zum Dank für dieses erlesene Programm erlassen die Banken dem griechischen Staat sowieso nie einbringbare Schulden von 100 Mrd. Euro
per Federstrich. Die EU unterstützt den Deal mit weiteren 100 Mrd. Euro bis 2014 im Interesse ihres antiamerikanischen Euro-Projekts.
[Die Abbildung aus einer Karikatur von Stathis (erschienen in eleftherotipia) zeigt den deutschen »Gauleiter« (im Original-Deutsch) Reichenbach in relaxt-imperialistischer Pose: Denkt er schon an eine militärische Durchsetzung des EU-Programms? Oder denkt er daran, daß Hitlers Überfall auf den Balkanstaat damals doch nicht so verkehrt gewesen war....?]
(07.02.12)

Die Profite des Kapitals sollen von Staats wegen gesichert werden:
Die EU treibt die Zensur im Internet voran!
Das ACTA-Abkommen (Anti-Counterfeiting Trade Agreement), das 22 EU-Mitgliedsstaaten im Januar unterzeichnet haben, steht vor seiner Ratifizierung durch das EU-Parlament. Es möchte im Interesse des Kapitals den »Schutz geistigen Eigentums« durch seine Staatsgewalten garantieren. Insbesondere die Medienindustrie soll sich so ihrer Profite und Extraprofite – man denke etwa an die der Musikindustrie durch Monopolpreise auf CDs und DVDs – sicher sein. Als ob das Investment in was auch immer nicht auf einer mit Risiko verbundenen Spekulation beruht, soll jetzt staatlicherseits dem Kapital das Risiko abgenommen werden. Genau betrachtet ist es sogar ein Angriff auf die vielgerühmte Ideologie der »freien Märkte« und des »Freihandels«. Ja, »frei« ist alles, soweit es »uns« nützt, »uns« Geld bringt! Die Nationalisierung des Kapitalsertrags schreitet voran und damit auch die Konfliktträchtigkeit internationaler Beziehungen.
Die »freie Meinung« ist immer nur so viel wert, wieviel ihr der sie gewährleistende Staat zubilligt: Beeinträchtigt sie die Profite des Kapitals, ist Sense mit »Meinungs- und Informationsfreiheit«!
Das Gejammer
hiesiger Staatsverantwortlicher, wenn anderswo das Internet zensiert wird, gehört zum guten Ton üblicher Heucheleien: Anderswo sich Freiheiten herausnehmen wollen und zuhause die Zensur hochfahren!
(07.02.12)


Das Geld ist eine Hure. (Nietzsche)Was, verdammt noch mal, ist überhaupt »Geld«? Dieser an sich und angesichts der Finanzkrise schon bemerkenswert selten gestellte Frage widmeten sich auf Nachfrage die Wirtschaftsprofessoren J. Huber (Halle) und R. Hickel (Bremen) in der taz vom Wochenende (04./05.02) [Grund besagter Nachfrage war übrigens ein interner attac-Streit, wer von den beiden Geldinterpreten richtig(er) liegt.]. Man möchte den Unsinn gar nicht wiederholen, der sowohl von dem einen, der Geld nach seiner Erscheinungsform bestimmt (Münzen, Banknoten etc.), wie dem anderen, der Geld in seiner Funktion als Gradmesser von Liquidität interpretiert, an dieser Stelle gar nicht weiter breittreten. Ein solchermaßen oberflächliches Interesse, ein Interesse, das im Wunsch, die Gewinnrechnung des Kapitals möge, zumindest gesamtnational gesehen aufgehen, stellt sich als ernsthafte Theorie schon selber ziemlich ins Abseits. Vom Wert des Geldes spricht keiner der beiden, also stellt sich ihnen auch die Frage nicht, die Marx bewegt hat: Wie erklärt sich der Wert des Geldes?
Wer sich ernsthaft mit der Frage, was Geld ist, befassen will, der kann Marx' Kapital studieren. Dem sei an dieser Stelle nicht minder dieses Buch mit dem Titel »Das Geld« empfohlen, das auf einige gängige Deutungen bürgerlicher Wissenschaft extra eingeht.
[Abbildung für die Geldpraktiker Huber & Hickel: Wie wäre es mit Nietzsches Theorie, das Geld sei eine Hure?] (06.02.12)

Das Urteil des »freien Westens« über Syrien als solches:
Syrien macht alles falsch!
Das Schöne für die imperialistischen Staaten an Syrien ist: Nichts relativiert ihre Feindschaft gegen Damaskus. Das bezogene Erdöl aus diesem Land ist überhaupt nicht essenziell. Der Warenimport läßt zu wünschen übrig, die Großgüter, insbesondere die Rüstungsgüter kauft Syrien im Gegensatz etwa zu Saudi-Arabien bei den falschen, hauptsächlich russischen Anbietern ein. Syriens Kreditfähigkeit wird denn auch als »auffallend schwach« eingeschätzt, obschon und gerade weil sich die Auslandsverschuldung im Vergleich zu anderen Staaten dieser Hemisfäre sehr bescheiden ausnimmt. Im Grunde ist Syrien noch nicht, so das Urteil derer, die es wissen müssen, noch nicht richtig kapitalisiert. Da kann also eine militärische Intervention eher noch weniger schaden als im Irak...
Es steht also nicht zu  befürchten, daß Syrien ähnlich dem Sudan klammheimlich aus der Abschußliste verschwindet. Warum wird der dort lange Zeit hochgespielte Darfur-Konflikt seit einiger Zeit höchstens noch auf Sparflamme gekocht? Das Erdöl, das dort sich findet geht ja bekanntlich nach China, Indien und Malaysia, zu den falschen Abnehmern also. Der Sudan stellt allein somit ein riesiges Ärgernis dar. Doch es gibt da noch einen anderen Rohstoff, an dem kein kleinerer Konzern hängt als Coca-Cola, es handelt sich um das Gummiarabikum, dessen weltweit größter Exporteur just der Sudan ist und auf das der Getränkehersteller nicht verzichten kann. In den Sudanese Sanctions Regulations (1998) wird dieser Rohstoff, ein Akazienharz, auf Druck der Getränkehersteller als einziger ausgeschlossen. Der kubanischstämmige US-Abgeordnete und Lobbyist Menendez, sagte auf die Frage, warum er im Falle Kubas einen totalen Boykott wolle, aber im Falle des Sudans eine Ausnahme zulassen wolle: »Wegen der Arbeitsplätze!« Mit dieser Lüge war dann auch die damalige Außenministerin Albright (unter Bill Clinton) geschlagen. Hand aufs Herz: Wer will schon Coca-Cola in den Konkurs treiben! (Siehe hierzu den Artikel in le monde diplomatique 4-2011!)
Natürlich kann die Feindschaft gegen Khartum bei Bedarf wieder richtig aufgewärmt werden und mitunter setzt sich ein imperialistischer Staat auch über die unmittelbaren Interessen seiner Wirtschaft hinweg. Doch das ist eben das Schöne im Falle Syrien: Hier steht der Feindschaft nun überhaupt nichts dergleichen im Wege. Und möglicherweise ist eine reichliche Anzahl aufständischer Aktivisten in ihrer Ignoranz bereit, sich für die Interessen der USA und ihrer NATO-Verbündeten abschlachten zu lassen. Das finden US-Außenministerin Hillary Clinton und ihre Heulgenossen richtig geil!
(06.02.12)

Das Interesse des »freien Westens« an einer UN-Resolution gegen Syrien:
Öl ins Feuer gießen, um darauf sein Süppchen zu kochen
Warum ist der Westen nicht so frei, die Aufstände in Bahrein und im Jemen mit einer UN-Resolution zu unterstützen und mit all dem, was er aus einem solchen Blankoscheck für sein ordnungsschaffendes Zuschlagen ableitet? Nein, ausgerechnet in Sachen Syrien möchte er einen solchen Blankoscheck! Ein Vollidiot, wer die strategischen Berechnungen des Imperialismus nicht erkennt! Ein Vollidiot, wer die moralischen Begründungen des Imperialismus für die Sache nimmt, um die es seinen regierenden Menschenrechtsaposteln geht! Ein opportunistischer Drückeberger, der wie Georg Baltissen (taz) einfach den Westen als das maßgebliche Subjekt, das er ist, in seinem Kommentar erst gar nicht vorkommen läßt, um so unbekümmert auf Rußland und China einschlagen zu können! Staaten übrigens, die endlich einmal den unverschämten Ansprüchen der USA und ihrer NATO-Verbündeten entgegengetreten sind; was angesichts der vielen imperialistischen Provokationen, die sie zu erdulden haben, eh schon allmählich höchste Zeit wurde.
Hat dieser feige taz-Kommentator eigentlich je so gegen die USA gewettert, wenn die als einzige in Sachen Palästina ihr Veto eingelegt haben? (05.02.12)

Johann Most:
Der Vegetarianismus
Wie im Zusammenhang mit der Anthroposofie schon einmal erwähnt, tradiert das System, das die »freie Meinung« als Essential seiner Ideologie der Freiheit festgeschrieben hat, mit eben diesem jeden Unfug, sei er auch längst als solcher erkannt. Dummheit ist eine tragende Stütze des kapitalistischen Systems, weshalb es auch keinerlei Anstrengungen unternimmt, sie zu beseitigen. Im Gegenteil, man soll, ja muß noch jede Dummheit – und eine solche ist der Vegetarianismus – als »freie Meinung« gelten lassen.
Das ging vor langer Zeit auch dem Augsburger Johann Most gegen den Strich. Er setzte diesem System Argumente entgegen, weshalb bis heute in seiner Heimatstadt nichts an ihn erinnert, nicht einmal ein Straßenname: Ganz im Gegensatz zu dem anderen Augsburger Kommunisten Bertolt Brecht eignet er sich nicht zur Standortvermarktung, hat er doch zur bürgerlichen Erbauung rein gar nichts beigetragen, keinen abgehobenen Theaterscheiß, keine apolitische Lyrik, kein affektiertes Ego. (04.02.12)

International: Sobre las manifestaciones de los »indignados«, »15-M«, »¡Democracia Real Ya!« y demás
Vuestra indignación es equivocada pues vive de ilusiones sobre la crisis, la democracia y la economía de mercado
 (04.02.12)

BRD-Geier: Beute-Zugvogel _ irancartoon 04-09 - koka augsburgDie politischen Interessen der BRD verbürgen radikales Vorgehen zwecks ihrer Durchsetzung:
"... in erster Linie ist sie [die Bundeskanzlerin] auch in der Volksrepublik darum bemüht, deutsche Interessen zu vertreten, und Deutschlands Wirtschaft beklagt sich regelmäßig über unfaire Marktbedingungen oder Patentrechtsverletzungen. »Ich kann Ihnen [den chinesischen Politikern] zusagen, daß der deutsche Markt für chinesische Investitionen offen ist, und genauso wollen wir, daß deutsche Unternehmer gleichberechtigt [wer hätte gedacht, daß ausgerechnet diese armen Schweine einer Gleichberechtigung entbehren?] werden mit chinesischen Unternehmen.« Begleitet wird die Kanzlerin von mehreren DAX-Vorständen, doch [Was für ein Gegensatz!:] insbeondere wirbt sie für den deutschen Mittelstand." (AZ, 03.02.12) Die deutsche, staatlich monopolisierte Gewalt weiß um die Abhängigkeit von ihrem Kapital und möchte ihm allüberall bestehende Schranken einreißen. Das ist leicht dort, wo sich Staaten von deutschen Investitionen etwas erhoffen und sich in den deutschen Ansprüchen täuschen, indem sie die für redliche Angebote halten. Das ist schwer in China, das auf Investitionen des deutschen Kapitals rundweg auch pfeifen kann, wenn es sich dazu entschließt. Deshalb ist die sonst so großmächtig auftrumpfende Regierungschefin in China auf fast peinlich, jedenfalls ungewohnt anmutende Bittstellerei verwiesen. Aber was macht man nicht alles für das deutsches Kapital und das politische Großprojekt Euro, das so sehr zu scheitern droht, wie sehr sie die diesbezüglich ätzenden Nachfragen an der Beijinger Akademie für Sozialwissenschaften übergangen hat? Nun: "Wie das gehen soll, gleichzeitig zu sparen und zu wachsen? Warum sich so viele Euro-Staaten nicht an die Schuldengrenzen gehalten haben? Ob das überhaupt funktionieren kann, mit so unterschiedlichen Ländern in einer Währungsunion?" (SZ, 03.02.12) Sehr systemgetreue Nachfragen allenthalben, denn sobald Mißerfolg eintritt, wendet sich das Argument des Funktionierens gegen den Zweck der Anstrengung, das Kapital zu vermehren. Anspruch und Wirklichkeit fallen auseinander. Wie schön wäre das erst, wenn die chinesische Politik dazu etwas Positives beitrüge!
[Karikatur: Der deutsche Beute-Zugvogel mit seiner ihm typischen Hackfresse, derzeit in China. Titelblatt irancartoon 04-2009] (03.02.12)

Mindestens 1500 Tote gehen auf die EU im Mittelmeer – das sind mehr als die Opfer staatlicher Repression in Ägypten und Tunesien (in der Umsturzfase, 2011) zusammen:
Verhindert die EU-Flüchtlingspolitik eine ersprießliche Neubeziehung zu Nordafrika?
"Europa ist natürlich sehr an einem Neubeginn im Verhältnis zu Nordafrika interessiert. Die europäischen Regierungen tragen ein unseliges Erbe – blutige Kolonialkriege und danach zynische Kumpanei mit einigen der brutalsten Diktatoren der Welt, alles im Namen des Schutzes der eigenen Interessen. Heute sind die Interessen Europas weniger strategischer denn ökonomischer Natur. Man wittert immense Wirtschaftschancen, vom Öl in Libyen bis zur Sonne in der Sahara. An Nordafrikas energetischen Ressourcen will sich Europa laben. Europa würde nebenbei den neuen Revolutionären gern noch erklären, wie Demokratie und Rechtsstaat funktionieren, denn das wissen Nordafrikaner ja bekanntlich nicht, trotz der Mühen europäischer Kolonisatoren und Waffenverkäufer." (taz, 02.02.12)
Abgesehen davon, daß das Verhältnis zwischen Strategie und Ökonomie überhaupt nicht auseinanderdividiert werden kann – schließlich bedürfen ökonomische Interessen strategischer Absicherung: Die Diktatoren in Kairo, Tripolis und Tunis waren ja gerade deshalb so geschätzt, weil sie für die Ordnung gesorgt hatten, die eine Voraussetzung dafür ist, den ökonomischen Ertrag möglich zu machen. Weiterhin andauernde Unruhen in Ägypten und Libyen sieht der Westen deshalb mit Sorge um seine Interessen. Abgesehen also davon hat taz-Autor Dominic Johnson recht, wenn er die EU der Heuchelei und des Rassismus bezichtigt. Doch wie kommt er im weiteren darauf, daß die EU "an einem menschenwürdigen Umgang mit den Menschen" angesichts eben dieses Interesses einer Neudefinition – die so neu ja überhaupt nicht sein soll! – in den Beziehungen zu jenen Staaten haben müßte? Warum soll "Europas Politik auf diese Fragen eine Antwort schuldig sein"? Liegt die Antwort nicht ganz praktisch bereits vor, eben in jenen Leichen, die die EU-Politik fordert? Besteht nicht vielmehr der Verdacht, daß der Journalist seine Kritik der imperialistischen Politik selber nicht wahrhaben will, wenn er gleichzeitig die Lügen der EU über ihre Menschengemäßheit dagegen für bare Münze nehmen möchte?

(03.02.12)


amnesty international fordert: Noch mehr Leichen in Syrien!
Wie das? Eigentlich hat sich die Gefangenenhilfsorganisation der »Rettung von Leben« verschrieben. Nun fordert sie das Eingreifen imperialistischer Mächte durch eine UN-Resolution (Pressemitteilung von heute). Leben die amnesty-Leute wirklich hinter dem Mond, daß sie die Heucheleien des »freien Westens« nicht kennen? Wäre es nicht besser, an die Aufständischen zu appellieren, das Verhandlungsangebot der Regierung aufzugreifen, bevor noch mehr Blut fließt? Oder sind die Aufständischen etwa genau so borniert wie Präsident Bashar al Assad, vielleicht sogar noch bornierter? Was hätten sie von einer Diktatur, die Washington, London, Paris oder gar Berlin mit einem syrischen Statthalter in Damaskus ausüben würden? Kennt amnesty die famose Lage der Oppositionellen in Nachbarstaaten wie Jordanien und Saudi-Arabien etwa nicht zur Genüge?
(02.02.12)

Das Geschäft mit der Selbstdarstellung des bürgerlichen Individuums in seinem Lechzen um Erfolg und Anerkennung:
Ein Riesengeschäft namens facebook und sein nun dickster Freund: die Börse
Wie sollte es denn auch anders sein? Natürlich wird die facebook-Aktie als »Zukunftsaktie« gehandelt werden wie kaum eine zuvor. Der facebook-Gemeinde gefällt das sicher, wie ihr ja so ziemlich jeder Quatsch & Tratsch gefällt. Warum? Man darf! Darf zustimmen! Was davon abhängt? Für einen selber nichts, außer daß man sich eine Anerkennung für das Dabeisein in den Arsch schieben kann (sogesehen hat das Portal tatsächlich erotische Qualität). Nicht verlogen ist auf der anderen Seite der in barer Münze sich auszahlende Erfolg der Betreiber. Personenkult zahlt sich aus. Personenkult fängt in der Demokratie bekanntlich ganz unten an, wenn er authentisch sein soll. Mit dem gehörigen Selbstbewußtsein ausgestattet bringt man es dann ganz sicher vom Tellerwäscher zum Millionär (und gerüchteweise sollen sogar die Revolutionen in Nordafrika auf die »Netzfreiheit« zurückzuführen sein!). Die Packungsbeilage dieses fulminanten Erfolgsrezepts liest sowieso niemand. Sie ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift GegenStandpunkt nachzulesen, unter dem Titel »Facebook – Die neue Heimat des bürgerlichen Individuums«. Wem noch irgendwelche (»Neben«-)Wirkungen einfallen oder wer gar welche zu spüren bekommen hat, die Beilage kann erweitert werden.
(02.02.12)

Empörung über die Finanzwelt und die Machenschaften der global players gehören heute schon geradezu zum Standardbewußtsein eines modernen, aufgeklärten Staatsbürgers
:
Die »Empörten« – eine Bewegung voller Illusionen über Demokratie & Marktwirtschaft
Natürlich wähnen sie sich absolut im Recht, wenn sie meinen, Marktwirtschaft könnte, Demokratie müßte ganz sicher anders gehen als sie eben geht. Nämlich ohne die Wirkungen, die sie haben. Sie entkoppeln einfach den notwendigen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Sie tun so, als könnte das nicht die Wahrheit sein, daß die Protagonisten des Systems ihre (Macht- und Kapital-)Interessen so rücksichtslos durchziehen, wie sie das tun, wie sie das tun müssen, wollen sie Erfolg haben. Gehen also die herrschenden Interessen in Ordnung? attac z.B. meint, im Prinzip ja, wenn es auf einer Finanztransaktionssteuer herumpocht. Ja, attac-Leute und andere meinen sogar, »eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft« (was immer man sich darunter erträumen mag) ließe sich bei ganz viel gutem Willen innerhalb des kapitalistisch-demokratischen Systems doch verwirklichen, schließlich wollen sie weder dem Kapital noch der Politik zu nahe treten: Die halten sie allen Ernstes wohl für ihr Anliegen einer gerechten Welt ansprechbar und aufgeschlossen: Gerade angesichts der Krise sei es für Kapital und Politik Zeit umzudenken, das heißt, so zu denken wie sie...
Ganz ohne Revolution meinen sie also, dem Kapitalismus viel schneller Herr werden zu können als der nächste Börsenkrach einschlagen kann. Sie halten es ja angesichts des unübersehbaren, wahrlich gigantischen, weltweiten Raubbaus des Kapitalismus an Mensch & Natur für dringend erforderlich, möglichst rasch das System zu überwinden...

(01.02.12)


Fahndungsplakat Barbie/TouvierAugsburger, aber nicht nur Augsburger Heimatkunde:
Klaus Barbie – ein Nazi-Schlächter in demokratischen Diensten
Die Rede ist einmal mehr von Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon, dessen Akte der angeblich so um Transparenz bemühte deutsche Geheimdienst (Bundesamt für Verfassungsschutz) weiterhin unter Verschluß hält. Die taz berichtet heute erneut über den Fall und den Grund der Geheimhaltung: Demokratische Geheimdienste stecken, wie nicht nur der Fall der jüngsten, eher zufällig ans Tageslicht gelangten Hintergründe zu den Attentaten auf ausländische Mitbürger erneut vor Augen geführt hat, mit Nazis unter einer Decke und tun sich schwer, das beweiskräftig zu dementieren. Im Falle Barbie geht es um den ziemlich bruchlosen Übergang eines hohen NS-Funktionär zu einem geschätzten Dienstleister des us-amerikanischen Geheimdienstes CIC, welcher später im CIA aufging. Barbie leistete ihm nach dem Krieg, also zu Beginn des »kalten Kriegs« in Augsburg Dienste bei der Bespitzelung der KPD. Darüber ein kurzer Ausschnitt aus der 1984 erschienenen Recherche des BBC-Journalisten Tom Bower, die nur noch antiquarisch erhältlich ist. Das Buch trägt den Titel: Klaus Barbie – Lyon, Augsburg, La Paz – Karriere eines Gestapo-Chefs. Später, in den 60er Jahren leistete Barbie dem deutschen BND Dienste in Bolivien. Aus der Verweigerungshaltung der deutschen Behörden kann man durchaus einen Schluß ziehen auf den Dreck, den sie am Stecken haben. [Abbildung: Fahndungsplakat in Frankreich, 50er Jahre]
(31.01.12)

International: Occupy Wall Street (30.01.12)

Wenn ein Liberaler ausnahmsweise einmal richtig liegt, dann kann man ihm nur zustimmen:

"Es ist die besondere Abart von Sozialdemokratie, welche – des Morgens sich an den Brüsten des Kapitals vollsaugt und des Abends mit den Arbeitern die Arbeitermarsellaise singt; meine Herren, ich meine jene Mischung von Pomade und Petroleum –" (Ludwig Bamberger am 12.10.1878) Der Begriff »Abart« ist vielleicht diesbezüglich erläuterungsbedürftig: Damals konnte man ja noch halbwegs den Sozialismus als eigentlichen politischen Zweck der SPD betrachten und wurde ob des Verhaltens ihrer Repräsentanten schon ein wenig vor den Kopf gestoßen. Schon längst und heute sowieso ist freilich völlig klar, daß die einstige Arbeiterpartei für die Interessen des Klassenstaats eintritt und die Arbeiterklasse für das Wohl von Staat und seiner Wirtschaft herzuhalten hat, koste es der, was es wolle. Die Arbeiterverarschung hat die Partei weitgehend auf die deutschen Gewerkschaften abgeschoben, die ja längst nichts Wichtigeres zu tun haben, als alle Wahlzeiten Propaganda für die ihrer Meinung nach bessere Staatspartei zu machen.
Das alles wäre nicht weiter erwähnenswert, weil nur allzu offenkundig. Nichtsdestotrotz gibt es politisch engagierte Leute, die der Sozialdemokratie alles mögliche Soziale andichten, sie für irgendwie »links« halten, so daß sie sich regelmäßig umso enttäuschter zeigen müssen, wenn jene mit ihnen nichts zu tun haben will. Wenn ausnahmsweise doch, dann klagen sie über den Verrat an ihren Prinzipien, der ihnen abverlangt wird, den sie aber gleichwohl leisten – allzu weit ist es mit den Prinzipien also nicht her –, um eine ja doch noch irgendwie »fortschrittlichere« Koalition zu schmieden, indem sie die SPD den Konservativen als Koalitionspartner entziehen.  So kann einer einzig um die deutsche Nation Sorge tragenden Partei nichts Besseres passieren, als daß alle sich um sie reißen und sie die Konditionen nach ihrem deutschen Großmacht-Geschmack skrupellos festlegen kann. Aber was will man von Grünen und Linkspartei schon verlangen? Klare Sicht? Dann wären sie wohl nicht da, wo sie sind...
(30.01.12)

»Der Mensch«
bzw.
«die Menschen«: Dieser Begriff wird in seiner Abstraktion – sogar von den biologischen Unterschieden – gern als Argument gebraucht, wenn Kritik an der Politik geübt wird, die eben jenen »Menschen« nicht oder jedenfalls viel zu wenig »berücksichtigt«: Ganz so als müßte es – welch fataler Irrtum! – der Politik gerade darauf ankommen. Nicht zuletzt deshalb aufgrund jener Kritik an ihr wird der Begriff von den Politikern ebenfalls gebraucht, um ihre Politik als das Menschliche schlechthin oder zumindest als das Menschenmöglichste erscheinen zu lassen. Gerade die Partei des Teufels höchstselbst, die CSU, bemüht sich immer ganz besonders, besonders »nah am Menschen« zu sein. Der Schriftsteller Wiglaf Droste hat das Thema aufgegriffen und sein Zeitungsbeitrag sei hier dokumentiert. (29.01.12)

Ein ideologischer Freibrief und ein ideologischer Vorbehalt:
Die EU-Erweiterung um Kroatien und Serbien
Nun kann niemand behaupten, einer der beiden jüngsten Staatsschöpfungen des Imperialismus sei ökonomisch so aufgestellt, daß er keine Vorbehalte rechtfertigen würde. Ein Beitrag zur ökonomischen Stärkung der EU ist sowieso keiner der beiden, eine Mitgliedschaft zur Eurozone ziemliche Utopie. Im Falle Kroatiens haben die Vorbehalte in Sachen Ökonomie den Beitritt (der Beitrittsantrag wurde bereits 2002 gestellt) immer wieder hinausgezögert, schließlich wollte man ursprünglich ein EU-Kroatien nicht als Hilfsempfänger. Nicht daß sich an der ökonomischen Lage des Staates etwas wirklich gebessert hätte: Die Auslandsverbindlichkeiten belaufen sich mittlerweile auf rund 45 Mrd. Euro und entsprechen etwa 100 % des Bruttoinlandsprodukts. »Chronisches« Außenhandelsdefizit, Deindustrialisierung und eine steigende Arbeitslosigkeit sind zu beobachten. Dennoch wollte man jetzt den Deckel darauf setzen und das völlig jenseits der Volksabstimmung über den EU-Beitritt. Das wußten auch die Abstimmungsberechtigten, von denen sich lediglich 43,6% zu den Urnen mühten. Nichtsdestotrotz verbuchte die EU das Abstimmungsergebnis als Erfolg, als ihren Erfolg. Warum also soll Kroatien nun am 01.07.2013 Mitglied der EU werden? Die ökonomischen Bedenken werden von ideologischen zurückgedrängt: Dafür hat nicht zuletzt der römisch-katholische Papst gesorgt, der jüngst Kroatien in unverblümter Anknüpfung an den Faschismus für ein christliches Europa reklamiert hat: "Das kroatische Volk ist europäisch und daher ist es logisch, gerecht und notwendig, daß es der EU beitritt. Von Anfang an [Na, wo waren denn die Anfänge eines kroatischen Staates?] gehörte Ihr Volk zu Europa. ... Die kroatischen Kardinäle haben mir immer gesagt: Wir sind nicht der Balkan, wir sind Europa." Das sagte er der večernji list (zitiert nach AZ v. 06.06.11). Nebenbei bemerkt besuchte der deutsche Papst im Juni 2011 auch das Grab des Kardinals und Ustaša-Militärvikars Stepinac, der williger Handlanger des faschistischen Regimes bei der Beseitigung zehntausender unliebsamer Personen war, vorzugsweise natürlich Kommunisten, Roma und Juden.
Ganz anders verhält sich die EU gegenüber Serbien. Dabei hat es die ideologische Vorbedingung erfüllt, nämlich die NATOseits zu Hauptkriegsverbrechern erklärten Serben Mladić und Karadži
ć gefangengenommen und überstellt. Dafür wird jetzt die Kosovo-Frage hochgespielt. Der Status eines EU-Beitrittskandidaten wird von einer »Normalisierung des Verhältnisses zum Kosovo« abhängig gemacht. Wobei die EU genau weiß, daß dieser Vorbehalt so grundsätzlich ist, daß Serbien, welches die Provinz nach wie vor als zu ihm gehörig betrachtet, nicht erfüllen kann, will es seine Souveränität nicht endgültig an die EU abtreten. –
An den beiden Fällen kann man sehen, daß auch angesichts der vielbeschworenen Eurokrise politische Entscheidungen jenseits ökonomischer Gründe getroffen werden. Das ist deshalb bemerkenswert, weil politischerseits immer so getan wird, als verdankten sich Entscheidungen in Sachen Staatsschulden, Finanzkapital und überhaupt allem Ökonomischen reinen Sachzwängen. Es ist ein praktisches Beispiel dafür, daß sich Politik in all ihrer Souveränität von ökonomischen Gegebenheiten (Resultaten!) allein soweit beeindrucken läßt, wie die ihre imperialistischen Interessen ohnehin tangieren.
(29.01.12)

Imperialistische Anstrengungen auf allen Ebenen:
Die Mühsal um eine neue willfährige Staatsräson in Ägypten
Im Dezember wurde u.a. das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo durchsucht. Nun kann man natürlich fragen: Wozu braucht eine deutsche Partei vermittels ihrer Nebenorganisation ein Büro in Kairo? Aber das wird nicht gefragt, weil die Antwort ja völlig klar ist: Aus rein uneigennützigen Motiven heraus, was denn sonst! Ebenso offenkundig ist allerdings, daß es für den »freien Westen« in dem Staat am Nil nun einiges zu klären und wieder ins Lot zu bringen gibt: Schließlich ist ihr williger und billiger Vasall Mubarak gekippt.
Ob die Drohung aus Washington, die Militärhilfe aufgrund der Durchsuchungsaktionen einzufrieren, eine wirkliche Drohung ist, darf bezweifelt werden. Schließlich ist laut ips-Weltblick (23.01.12) eine Mehrheit der Bevölkerung ohnehin gegen eine US-»Hilfe«. Sie ist außerdem der Meinung, daß die »Hilfen« von IWF, der Weltbank und der Europäischen Investitionsbank (EIB) der reichen Elite nutzen und zu Lasten der Armen gehen. Auch die Militärregierung zeigte erst einmal kein Interesse an einem IWF-»Hilfs«-Kreditangebot von 3,2 Milliarden USD. Sie zog ein Angebot arabischer Golfstaaten über 8 Mrd. USD vor, das an keinerlei Bedingungen geknüpft war. Es ist naheliegend, daß der »freie Westen« deshalb auf verdeckte Aktionen nicht verzichtet; dabei bieten sich betont harmlos erscheinende Organisationen wie Stiftungen und NGOs geradezu an. Über einen Erlaß der Schulden, die unter Mubarak zustandegekommen sind, wird nicht verhandelt. Sie taugen dem Westen nach wie vor als Erpressungsmittel, eine ihm willfährige Herrschaft in Kairo zu etablieren. Über die Bedienung bestehender Schulden und einen dafür neuen IWF-Kredit in Höhe von 43,2 Mrd. USD soll nun mit den Generälen verhandelt werden.

Ägyptische Aktivisten täuschen sich, wenn sie meinen, dem »freien Westen« wäre an ihrer Revolution etwas gelegen. Er empfand sie ausgesprochen störend und unnütz. Andersartige Verlautbarungen sind angesichts seiner Aktionen nichts als Heuchelei. (26.01.12)

Ein starkes Stück Kapitalismus wird noch stärker:
Nun haben 741 Mitarbeiter von manroland in Augsburg ihre Kündigung erhalten, während rund 1500 vom neuen Eigentümer übernommen wurden: Maßstab für die Auswahl war allein die potenzielle Leistungsfähigkeit für das Unternehmen, also die potenzielle Ausbeutbarkeit. Also nicht erworbene Verdienste (langjährige Be- und Vernutzung der Arbeitskraft) und die daraus sich ergebenen Resultate, die sich zwangsläufig in einer Verminderung der Leistungsfähigkeit niederschlagen. Kurzum, ältere und krankheitsanfälligere Arbeiter wurden vorzugsweise auf die Straße (Auffanggesellschaft) gesetzt. "Die Firma hat sich jetzt von ihren Krankheiten befreit," meinte dazu ein Mitarbeiter (laut AZ). Die IG-Metall Bevollmächtigte Christiane de Santana meinte, da könne man eben nichts machen, also das Standardargument, wenn eine deutsche Gewerkschaft einmal mehr den Schwanz einzieht.
(25.01.12)

Noch eine Diktatur von der Sorte, wie »wir« sie lieben:
Myanmar öffnet dem Imperialismus die Tür
Nicht ganz freiwillig, zugegeben, mit Sanktionen wurde bekanntlich nachgeholfen, aber ohne innere Revolution und äußeren Militäreinsatz: Da jubelt das imperialistische Herz!
(25.01.12)

taz und junge welt, GRÜNE und Linkspartei kämpfen um rechte Weltanschauung:
Solche und solche Diktaturen...
Als Material dafür kommen ihnen eine Diktatur und ein Aufstand gegen sie gerade recht: Syrien. Ihre Standpunkte aus deutscher Warte sind freilich wenig sachgerecht und gar nicht so kritisch wie es scheint.
(25.01.12)

Weltkonjunktur 1927 - KoKa AugsburgDas Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos:
»Es muß einfach wieder aufwärts gehen mit der Konjunktur!«
Vom 26. bis zum 31. Januar findet das 1971 gegründete Treffen wieder statt, mit so vielen hochrangigen Persönlichkeiten wie nie zuvor. Ausgewiesene Experten und schwere Verantwortungsträger aus Wirtschaft und Politik alldieweil, wie vorab verlautbart wurde. Denn der Anspruch auf die Schaffung von Reichtum in seiner abtrakten Form, in Geld ist zum einen unmittelbarer Zweck des Kapitals sowie zum anderen Unterpfand nationalen Reichtums und damit die Grundlage nationaler Gewalt. Deshalb ist das Interesse der Politik am Erfolg der Wirtschaft auch so immens. Einen prinzipiellen Widerspruch zwischen Anspruch und Realisierung kann und will deshalb niemand gelten lassen. Wenn es nicht so recht klappt, werden lieber alle möglichen Ausreden angeführt: Von Fehlern im Management einzelner maßgeblicher Betriebe und Finanzinstitute wie von Fehlern im Handwerk der Politik ist viel die Rede, auch von manch »überzogener« Erwartungshaltung. Natürlich, von jedem nationalen Standpunkt aus betrachtet, ist eben das Ausland gehörig (mit)schuldig an der Malaise, wenn nicht gar die ganze Weltkonjunktur. Davon wissen sich nationale Bedenkenträger sehr abhängig, so sehr nämlich, daß sie diese Abhängigkeit gar nicht in Frage stellen wollen. Auch in dieser Frage – Nationalismus und globaler Kapitalismus – will also niemand einen Widerspruch erkennen. Und so setzen sie alle zusammen auf die Expertenmeinungen, die ihnen und ihrem vortrefflichen kapitalistischen System bisher schon so gnadenlos weitergeholfen haben. 
So wie beispielsweise damals, 1927. Aus diesem Jahre stammt die nebenstehende Karikatur: Die Hochfinanz scherte sich nicht um die Armut der breiten Massen der Bevölkerung, doch sie fand sich selber am Rande des Abgrunds. Die Experten damals – 2 Jahre vor dem großen Crash – waren einhellig davon überzeugt, die Prosperität der Nachkriegsjahre sei nunmehr gut fundiert. Nun, davon werden sie heuer nicht sprechen, manch Silberstreif am Horizont werden sie dennoch entdecken, wenn, ja wenn ihre superfundierten Ratschläge befolgt werden, als da sind: Löhne runter auf Mindestlohnniveau! Und auch sonst noch viel mehr Freiheiten für das Kapital nebst günstigen Anschubfinanzierungen und restriktiven Staatshaushaltsführungen, die beinhalten, daß so gut wie jede Ausgabe allein der »wirtschaftslichen Entwicklung« zugute kommt. Zuviel Staat hieße nämlich Sozialismus, auch diese – insbesondere us-amerikanische – Dummheit wird sicher wieder ihren Platz finden.
Da möchte man nur eins wünschen: Guten Absturz!
(22.01.12)

Standort Augsburg
manrolandist durch die Übernahme durch die Possehl-Unternehmensgruppe in Lübeck gerettet. Alles andere egal! D.h. zu welchem Preis, den die Mitarbeiter, sei es durch Arbeitsplatzabbau (Gesundschrumpfung der Belgeschaft um 1/3! auf knapp 1500), sei es durch Lohnverzicht zu leisten haben! Das ist einer ersten Pressemitteilung der Stadt Augsburg zu entnehmen. In ihr ist erst recht die Rede von den Zweigwerken in Offenbach und Plauen, die von Possehl nicht übernommen werden. Auch in diesen nun ausgelagerten Betrieben kommt es zu einem massiven Arbeitsplatzabbau, den die Generalsanierer vornehmen. Von den insgeamt ca. 6500 Arbeitsplätzen des Konzerns bleiben so nur etwas mehr als 2500 übrig.
Bei osram ist  ein weiterer bundesweiter Stellenabbau durch die Konzernmutter Siemens angekündigt (1050 Arbeitsplätze bis 2012), der vor allem die Produktionswerke in Augsburg betreffen kann. Der gewerkschaftliche Betriebsrat verhandelt nun mit der Stadt an seiner Seite darüber, wie dieser Stellenabbau »sozial abgefedert« vonstatten gehen kann. Dabei ist völlig klar: Ohne Lohnsenkungen ist da nichts zu machen!
(19.01.12)

Im Umfeld von französischen Atomkraftwerken sind – so teilt die Ärzteorganisation IPPNW mit – laut der Geocop-Studie des französischen Medizininstituts Inserm zwischen 2002 und 2007 fast doppelt so viele Kinder an Leukämie erkrankt wie im Landesdurchschnitt. Dieser Beleg für den Zusammenahng zwischen ionisierender Strahlung und Leukämieerkrankungen wurde zuvor auch in der BRD, in der Schweiz und Großbritannien erbracht. Diesbezüglich weiter Versuche am Menschenmaterial laufen zu lassen,
wird sich die zynische Atomkraft-Interessensgemeinschaft von Staat und Kapital jedoch nicht so einfach nehmen lassen. )

AKW Gundremmingen:
Der plötzlich dringliche Mauerbau ums Zwischenlager – von wegen gegen die Strahlung!
Die Sache ist die, daß diese Mauer laut Bundesumweltministerium als »optimierende Maßnahme« zu verstehen ist. Und so sieht sie denn auch aus: Die Stirnseiten bleiben frei und überdacht wird das Zwischenlager damit auch nicht. Warum? Der Mauerbau ist gar nicht gegen die nukleare Strahlung gedacht, sondern gegen einen spekulativ von außen kommenden »Terrorismus«. Daß genannter Terrorismus allerdings spekulativ sei, dazu wurde eine Klarstellung abgegeben: Die AKW-Gegner seien die, die es in Schach zu halten gilt, damit die AKWs friedlich weiterstrahlen. Dazu schreibt die keineswegs AKW-feindliche AZ:

"Die Gefahr eines möglichen Terroranschlags auf ein deutsches Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll scheint womöglich akuter zu sein, als angenommen. Diesen Schluß läßt ein unserer Redaktion vorliegendes Schreiben des Umweltministeriums Niedersachsens an die Umweltorganisation Greenpeace vom November vergangenen Jahres zu. Darin heißt es, daß im Zwischenlager Gorleben Castoren umgestellt wurden, weil neue Erkenntnisse zu »Tatmittel und Täterverhalten« vorliegen, die bundesweit in allen Zwischenlagern neue Sicherungsmaßnahmen vor Terroranschlägen erforderlich machen. Die Behälter umzustellen, sei notwendig geworden, weil eine bauliche Verbesserung der Sicherheit nicht sofort umsetzbar ist, »aufgrund der Gefährdungssituation ein Schutz jedoch sofort erforderlich« sei." (13.01.12)
Es spricht einiges dafür, daß die Zwischenlager länger als geplant als Zwischenlager fungieren müssen. Schließlich ist die Politik der Castortransporte überdrüssig und natürlich auf der anderen Seite überhaupt nicht gewillt, die AKWs einfach abzuschalten.
Die Suche nach einem Endlager wird sowieso von Legislaturperiode zu Legislaturperiode verschoben. Es gibt ja nun wirklich Wichtigeres in Sachen Geschäft und (staatlicher) Gewalt als die Gesundheit einer – nicht allein durch atomare Strahlung – verheizbaren Bevölkerung! Die offizielle Website des Atomkraftwerks hält sich wie üblich bedeckt und sagt erst einmal gar nichts: Man will möglichst nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit seine skrupellosen Machenschaften abwickeln.
(14.01.12)

Argentinien 10 Jahre nach der Pleite:
Der mißtrauisch beäugte Sonderweg des Ex-IWF-Musterschülers
Angesichts der andauernden ökonomischen Krise in und um Griechenland und den anderen Fällen, die kaum weniger brisant sind, lohnt sich ein Blick auf Argentinien, die vormalige »Schweiz Lateinamerikas«, was den Umgang mit einer Staatspleite anbelangt. Vor allem hinsichtlich dessen, was den Umgang der maßgeblichen imperialistischen Staaten und ihres Kapitals mit den Bestrebungen Argentiniens anbelangt, Bestrebungen, die darauf gerichtet waren und sind, die ökonomische Handlungsfreiheit des Staates zurückzugewinnen. Dazu ein paar Anmerkungen anhand des taz-Artikels vom 06.01.12.
(12.01.2012)

Das vorsätzliche Desinteresse der Linkspartei an der Kritik der politischen Ökonomie
scheint diesem Politklub ein Anliegen zu sein, das er immer erneut betont hervorzuheben für nötig erachtet: Seine Vorsitzende Lötzsch hat mal wieder ein Strategiepapier vorgelegt, in dem sich folgende wegweisende Auskunft befindet: "Angenommen, ein Mensch [Kapitalist? Arbeiter? Schüler? Azubine? Oma?] möchte Mitglied unserer Partei werden, ohne Marx, Engels, Gramsci, Negri und Žižek gelesen zu haben. Was können wir diesem Menschen bieten." Anders ausgedrückt, es ist wenig mit Leuten anzufangen, die die Kritiker des kapitalistischen Systems studiert haben, und durch sie die ein oder andere Erkenntnis gewonnen haben. Mit den anderen Menschen allerdings schon etwas. Dabei steht selbstverständlich kein gemeinsames Studium etwa des Kapitals von Marx an, was Unwissenden ja nun wirklich nicht schaden könnte. "Eine Partei", so fährt die Oberstrategin fort, "muß über Strategien, Theorien und Taktiken diskutieren [was aber total Nebensache ist, weil das machen ja die Strategen, die von Theorie ganz offenkundig so viel Dunst haben, daß sie sogar 5 Namen dieser Zunft aufsagen können], doch wenn die Partei darüber hinaus Identität [?!] stiften will, dann muß ein Mitglied in einer Partei auch einfach nur als politischer Mensch leben können. Wenn unsere Partei eine Oase der Solidarität in einer neoliberalen Wüste wird, dann kommen die Menschen aus eigenem Antrieb zu uns, um die Gesellschaft wieder solidarischer zu machen."
Wer Marx und
Žižek erkenntnisheischend studiert hat, der wird sich sicher nicht in die Linkspartei hinein verirren. Und wer nur ein wenig zwischenmenschliche Wärme, Kompensation für den kalten Alltag, sucht, der wird sich ebenfalls nicht in einen Politklub hinein verirren können. Wer also wird sich dorthin zielstrebig bewegen? Leute, die Geschmack daran finden, den dortigen Frasen von Menschsein und Solidarität zu lauschen oder sie gar selber zu dreschen, Leute, die vorsätzlich Illusionen über die Beste aller Welten, den demokratischen Kapitalismus deutscher Prägung schüren wollen. Die also denjenigen recht geben, die eh nichts Genaueres und Richtiges über das herrschende System wissen wollen. Denjenigen, die ganz einfach als politische Menschen, eben als deutsche demokratische Nationalisten, in den Tag hinein leben wollen und daher alle vier Jahre den Gang zur Urne nicht scheuen. –
Ja, diese Krankheit der Frasendrescherei hat etwas Traditionelles an sich: Schon Karl Kautsky hat in seinem Vorwort zu seiner Schrift »Das Erfurter Programm in seinem grundsätlichen Teil erläutert« [1892] darauf hingewiesen, daß Marx' Kapital "nicht jedermanns Sache sei". Das mag ja sein. Doch der Fehler schließt sich an, wenn man jenen Typen recht gibt, die meinen, das Kapital gehe sie nichts an. So gingen er und nachfolgende Opportunisten daran, das Kapital zu einem leicht verständlichen Schwachsinnsdokument moralischer Anklage und konstrukiver Verbesserung an sich vernünftiger, weil vorbildlich produktiver Produktionsverhältnisse zu pervertieren. Andere gehen längst eh nur noch mit dem guten Namen von Marx als Wissenschaftler hausieren, wenn es denn ab und an opportun erscheint, sich gebildet zu geben. Selbst das weist allerdings in eine völlig falsche Richtung: "Bei vielen Sachen gehen wir viel zu verkopft heran. Eine Konferenz jagt die andere." (Lötzsch im taz-Interview, 24.12.11) »Halten Sie endlich die Fresse, den Ausfluß Ihres dumm gehaltenen Kopfes!« möchte man diesem Schnattermaul dringend ans Herz legen.

(10.01.2012)

Die deutschen Gewerkschaften - das Spitzenteam des deutschen Kapitals 2012


Das neue Jahr geht schon gut los:

Der DAX geht rauf und die Stimmung hebt sich einfach nicht
Wirtschaft und Politik geben einige Rätsel auf. Auf und an ihrer Oberfläche arbeiten sich die Experten der Öffentlichkeit ab und werden nicht recht schlau. Nichtsdetotrotz soßen sie ihr Publikum mit Artikeln und Leitartikeln zu, die an Lächerlichkeit nicht zu überbieten sind. Völlig begriffslos schwätzt zum Beispiel ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung davon, daß  »der Mensch«  »dem Geld«  immer ähnlicher werde. Alles eine Soße! – schöner kann ein Bekenntnis zur Begriffslosigkeit nicht ausfallen. 
(09.01.12)

Apropos Bundespräsident Wulff:
Dieser verlogene deutsche Vorzeige-Großkotz paßt doch zu diesem Staat mit seinem Großmachtstreben! Also warum sollte so ein Volltrottel zurücktreten? Das würde ja in der Tat der Logik entbehren, nach der die Republik solche Leistungsträger unbedingt braucht, sich es nicht erlauben kann und will, sie aufs Abstellgleis zu schieben. Ganz zu schweigen von den wirklich ungeheuren Kosten, die dadurch entstünden, und einer Nachfolgedebatte, die völlig überflüssig wie ein Kropf wieder Staub aufwirbeln würde. Gelächter!
[Apropos demokratische Öffentlichkeit: In dieser feinen demokratischen Republik wird jeder Witz völlig ernstgenommen und zwar in einer ganz anderen Hinsicht, als er gedacht ist.]
(04.01.2012)

Denk und der Maler Il He
Von dem den KoKa-Lesern bereits bekannte Lin Gen Denk ist folgendes überliefert. Der Maler Il He könnte heutzutage genausogut Ai Weiwei heißen. Warum nicht? Passend würde es in der Tat nicht schlecht.
»Lin Gen Denk überlegte nach Beendigung seiner Freundschaft mit Il He noch lange Zeit, was die Eigenart des Künstlers heutzutage ausmacht.
"Vielleicht", mutmaßte Lin, "ist es nur noch die Willkür und Freiheit, entblößt jeden Inhalts, denen ein Künstler heutzutage in seinen Werken huldigen darf. War ein Künstler in vergangenen Epochen eindeutigen Vorgaben verpflichtet, Helden und Göttern, die er in seinen Werken anbeten durfte, lebt er heute, als Freier, verpflichtet, Freiheit absolut in seinen Werken zu rechtfertigen."«
Genau so wird ein Künstler heute zum Spielball der Freiheit des imperialistischen Westens, einem Spielball, den er seinen Gegnern ins Gesicht zu schlagen sich bemüht, wiewohl er deren ureigenes Produkt ist.
(29.12.11)

International: El capital financiero  The Agenda of the Crisis-Competition of Nations (26.12.11)

nationalistische DesinformationDemokratie – interessierte Desinformation schlechthin:
Die Volksaufklärung über den alternativlosen Weg aus der Krise
Neben den praktischen politischen Maßnahmen bedarf es Erläuterungen, denn die vielschichten Einschnitte in den Geldbeutel des gemeinen Volkes verstehen sich ja nicht gerade von selber. Diese Erläuterungen betreffen Klarstellungen, die das Publikum ohne Nachfragen zu schlucken hat. Dazu gehört, ihm die Alternativlosigkeit der Regierungsmaßnahmen einzutrichtern, die Rettung des Euro als unbedingt nötig zu verklickern und statt der Frage nach dem Grund, Schuldige zu präsentieren, die die Krise als verdammt überflüssig erscheinen lassen soll, hätten doch alle rechtzeitig das Richtige gemacht. Neben fahrlässigen Zockern und kurzsichtigen Politikern hätten nicht zuletzt die »kleinen Leute« mit ihrem materiellen Anspruchsdenken ihren Anteil an der Krise, für die sie – und das ist unabdingbar – die Kosten zu tragen haben. Sie sind die eigentlich Schuldigen, die, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, wenn sie z.B. Immobilienkredite aufgenommen hatten, die sie absehbar nicht zu schultern in der Lage sein konnten. Sie hätten also quasi die anderen mithineingeritten und der Politik nun die schwere Last aufgebürdet, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.
Darüber hinaus ist noch etwas klarzustellen: Eurozonenweit gäbe es, so wird allen Ernstes behauptet, verdammte Unterschiede: Die faulen und arbeitsscheuen Griechen, Italiener und überhaupt der südländische Menschenschlag läge nur allzugerne auf unsere, auf deutsche Kosten auf der faulen Haut, würden uns also um unseren Lohn betrügen. So kommt dann eine gewisse Entschuldigung der deutschen proletarischen »Anspruchsdenker« ins Spiel, denn schließlich wollen die politischen Agitatoren die Volkseinheit ebenso retten, wie sie sie immer in Frage gestellt sehen, nachdem sie sie in ihrem Zynismus zuvor stets selber in Frage gestellt haben. Andere Nationen verfahren nach dem gleichen Schema und auf diese Weise kommt die europäische (Un)Einigkeit ganz prima voran.
Diese verdummende Agitation ist Gegenstand in der neu erschienenen Ausgabe der Zeitschrift GegenStandpunkt 4-2011. Daneben gibt es einen Artikel, der die Fortschritte in der Krisenkonkurrenz der Weltwirtschaftsmächte und in der zwischenstaatlichen Konkurrenz der EU-Staaten beleuchtet. Ferner wird die neue Heimat des bürgerlichen Individuums, das soziale Netzwerk facebook, seiner (un)fruchtbaren Wirkung überführt. Und anderes mehr.
(22.12.11)

Das gute Gewissen des deutschen Imperialismus ist tot, das gute Gewissen des Nachbarlandes Tschechien auch:
Horst-Eberhard Richter geißelte vehement den Krieg. Vor allem den der USA gegen den Irak (siehe den Artikel aus dem Jahre 1991). Er kreierte ein Bild von Deutschland, das sich von den schlimmen, ja bekloppten USA unterscheidet und wie die BRD – ungeachtet des genauen Gegenteils – gerade in der Region, in der die USA tonangebend Krieg führen, wahrgenommen werden soll und auch wird. Symptomatisch hierfür die Haltung der pakistanischen Außenministerin Hina Rabbani Khar: "... Deutschland spielt eine positive Rolle, es zeigt viel Verständnis für die Realitäten, denen wir hier [es geht um Afghanistan und die angrenzende pakistanische Provinz Waziristan, wo die USA sich alle Freiheiten der Kriegsführung herausnehmen] begegnen und auch viel Verständnis für die Komplexität der Situation. Nicht an der [Afghanistan-]Konferenz in Bonn teilzunehmen, ist kein Signal an Deutschland. Wenn der Zeitpunkt der Konferenz ein andereer wäre, hätten wir nicht so reagiert. Aber der Vorfall [der US-Mord an 24 pakistanischen Soldaten] ist einfach zu schwerwiegend. ... Dieser Vorfall war kaltschnäuzig, er richtete sich nicht nur gegen die pakistanischen Soldaten, die ihr Leben verloren haben, sondern gegen die Souveränität des Landes. Das können wir nicht so einfach hinnehmen." (Interview in der Süddeutschen Zeitung v. 03.12.11) Daß die deutsche Rolle allein einem – von den Protagonisten der deutschen Staatsgewalt allenthalben beklagten – Mangel an militärischen wie ökonomischen Möglichkeiten entspringt, wird dabei geflissentlich übersehen. H.-E. Richter kämpfte für den Erhalt dieses durch und durch falschen Bildes von Deutschland, indem er es von seiner Verlogenheit befreien wollte, die er einfach nicht übersehen konnte und wollte. Umso mehr gefiel ihm die Illusion einer (möglichst) gewaltfreien Nation. Sein Pech war, daß er es mit seiner hochmoralischen Haltung nicht geschafft hat, Präsident zu werden, so wie es Václav Havel im Nachbarland, in der Tschechoslowakei (und dann in Tschechien), geglückt war, der opportunistisch genug war, seine hehre oppositionelle Moral gegen die Gewalt einzutauschen: Die Einführung des Kapitalismus war ein Diktat, auch wenn es große Teile einer – realsozialistisch verdummten – Bevölkerung als Befreiung verstanden. Nicht die monopolisierte Gewalt, nicht der Staat stand zur Disposition, lediglich die Staatsräson. Als ob in einer kapitalistischen Gesellschaft die Moral besser aufgehoben wäre, wenn sie sich nicht zu ihrem Erfüllungsgehilfen aufschwingt, siehe der Fall H.-E. Richter (da ist der Umsturz-, ja Kommunismusvorwurf nicht weit)! Und siehe auch tschechische Fälle wie beispielsweise den des Dichters Walter Zahorka, der ebenfalls zur Charta 77 gehört hat... Übrigens: Ein Fall, wie man Moral und Gewalt 1:1 aufeinanderbringt, ist eben auch gestorben: Kim Jong Il: Hier sieht man, wie belämmert Gewalt einerseits und Moral andrerseits sind: Sie sind sich dann wechselseitig Zweck.
(20.12.11)

i andi-merkel - sahra wagenknecht - koka AugsburgSahra Wagenknecht gibt sich nicht bloß als:
Die Anti–Merkel
vielmehr sonnt sie sich im Geiste von Karl Marx als besonders system-, also kapitalismuskritisch. In der Finanzkrise der vergangenen Jahre hat sie allerdings ihr Argument gefunden. Ein Argument für eine von ihr erfundene, gleichwohl Marx unterstellte »Bedarfsdeckungswirtschaft«, in welcher die »Konsumtion« die Produktion bestimme, als wäre sie je das Subjekt und nicht eine Notwendigkeit von Individuen, die gewaltsam eingerichteten Gesellschaftsverhältnissen unterworfen sind. Auf Schritt und Tritt merkt man ihr ihre falsche, DDR-affine Kapitalismuskritik an, der sie nach wie vor verhaftet ist, wie nicht allein, aber vor allem die völlig falsche Bestimmung des Zwecks der Produktion an den Tag legt; des Zwecks, eine Konsumtion zu ermöglichen, welche unter kapitalistischen Verhältnissen keineswegs durch das »Ausmaß der Produktion« bestimmt ist, insofern – entgegen der Behauptung – eine »bestimmte Profitrate« gar nicht dafür abgeworfen wird. Daß das auf Seite 186 ihres Buches »Wahnsinn mit Methode – Finanzcrash und Weltwirtschaft« mit einem Marx-Zitat »belegt« wird, das keines ist, ist also nicht bloß ein literarischer Fauxpas.
Bevor sich Sahra Wagenknecht also in die höheren Sfären des Finanzkapitals begibt, wäre ihr zu raten, mit folgendem zu beginnen, wenn sie schon auf »Konsumtion« abzielt: "Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine »ungeheure Warensammlung«, ..." Oder ist das der Marx, der nicht nach ihrem Geschmack und dem ihrer Linkspartei zurechtmodelliert ist? Übrigens: Gerade jetzt zur Weihnachtszeit ist die Konsumtion wieder ein Riesenthema, eines, das ebenso regelmäßig wie argumentfrei den Materialismus des Kapitalismus anprangert. Dabei wird sein Wesen übersehen: Konsumieren kann nur der, der über das nötige Geld verfügt. Und damit ist auch schon gesagt, daß viele von vielen wunderhübschen Dingen, die aus den Schaufenstern heraus sie anlachen, per Preis ausgeschlossen sind!
So verquer wie Sahra Wagenknecht dagegen denkt, kann man durchaus ankommen in einer demokratischen Marktwirtschaft: Ihr werden als Wirtschaftssachverständigen Avancen auf eine Spitzen-, wenn nicht gar eine Kanzlerschaftskandidatur angetragen. Diese in zahlreichen Interviews zu dementieren, bereichert den demokratischen Blätterwald zumindest mit hübscheren Fotos als sie die Bundeskanzlerin zu liefern imstande ist. [Abbildung aus dem Wochenendmagazin der eleftherotipia v. 14.08.2010]
(18.12.11)

Die IG Metall führt einen konsequent nationalen Feldzug! – bis zum Endsieg?
Der Krieg der IG Metall gegen die Abschaffung von Lohnarbeit
Unter dem Motto »Krieg schafft (Lohn-)Arbeit, (Lohn-)Arbeit macht tierisch Spaß« mobilisiert die IG Metall nun für das UAS [unmanned aerial system]-Rüstungsprojekt Talarion, das auf der Streichliste der Bundeswehr steht, obschon ähnliche Flugkörper die USA Tag für Tag erfolgreich gegen eine ihr nutzlos erscheinende Bevölkerung, eine »Über«bevölkerung in der »Dritten Welt« einsetzen. Die IGM fürchtet um Lohnarbeitsplätze in dem kleinen Ort Manching. Doch nicht nur dort. Bundesweit fürchtet die sich als bessere Wehrmacht aufspielende IG Metall um rund 25.000 Arbeitsplätze aufgrund der neuen Kriegsstrategien eines vor Kraft strotzenden Deutschlands, das für eben dieses neue Programm etliche Rüstungsgüter für ungeeignet, andere für vorläufig entbehrlich erachtet. Der IG Metall ist es überhaupt nicht egal, ob, was und wieviel produziert wird. Ihren nationalen Standpunkt hält sie nämlich für das Unterpfand ihrer amtlich beglaubigten Schmarotzerexistenz in der kapitalistischen Gesellschaft. Einige ihrer nationalen (Maul-)Helden, Thomas Pretzl, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der EADS Deutschland GmbH, Bernhard Stiedl, der Unternehmensbeauftragte der IG Metall für die EADS Deutschland GmbH, und Tobias Weber, IG-Metall-Vertrauenskörperleiter des Cassidian-Standortes in Manching rechtfertigen ihren kriegsgeilen Standpunkt so: "Die wehrtechnische Luftfahrtindustrie ist zusammen mit den vielen mittelständischen Zulieferern ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für Deutschland, stellte Tobias Weber heraus. Deshalb müssen Forschungs- und Entwicklungspotenziale in diesem Bereich nachhaltig gestärkt und weiter ausgebaut werden, auch um die Vorteile für die zivile Nutzung zu erhalten. Gerade das UAS-Programm Talarion biete die Chance, die Technologieführerschaft zu erlangen und unbemanntes Fliegen für zivile Anwendungen zu erschließen." (IGM-Stellungnahme, Hervorhebung: KoKa) Logisch, wenn bei der Produktion von Kriegsmitteln auch noch ein Abfallprodukt anfallen sollte, was ja zufälligerweise sein könnte, dann erübrigt sich jeder Einwand gegen die Produktion von militärischen Waffen sowieso! Die Gewerkschaftshalunken wissen also genau, wofür sie eintreten; wenn sie es ihrem Publikum schmackhaft machen wollen, tun sie allerdings so, als wären sie alles andere als vorsätzliche Kriegsbefürworter, die für einen Krieg eben die entsprechenden Waffen brauchen, wofür denn auch sonst.
Die Arbeiter hält die Gewerkschaft für genau so blöd, wie sie sie gerne haben möchte; Beweis: Sonst wären sie ja kein Gewerkschaftsmitglied! Sonst würden sie sich ja nicht breitschlagen lassen, sich um den Erhalt von Lohnarbeitsplätzen zu bemühen, vielmehr würden sie es vorziehen, um deren Abschaffung zu streiten – mitsamt einer daran hängenden kläglichen Existenz als Lohnarbeiter und einer Verwendung als Kanonenfutter der Nation.

(16.12.11)

Ist Bundespräsident Wulff korrupt?
Ach was! Bei uns ist Korruption doch längst institutionalisiert und legalisiert! Wir sind doch ein zivilisiertes Land! Wohin kämen wir denn, wenn Politik und Kapital nicht vertraulich Hand in Hand arbeiten könnten! Würde es – erstens – denn ansonsten die vom Kapital ge- und verhätschelte FDP (Wulff wurde mit ihren ausschlaggebenden Stimmen gewählt) überhaupt noch geben? Eine Partei, die immer damit aufschneidet, die Partei der Freiheit zu sein, aber immer verschweigt, daß sie mit dieser ihrer Freiheit nichts anderes als die des Kapitals meint: Nein, diese Extremisten der Freiheit des Kapitals müßten unweigerlich jämmerlich zugrundegehen! Würde – zweitens – je ein dummer Dackel bis an die Spitze des Staates gelangen können? Wohl eher nicht, wie die letzte Bundespräsidentenwahl gezeigt hat, in der ein nur leicht verkappter Nazi den kürzeren gezogen hat.
Kurz & gut: Alles spricht für Wulff, seine Freunde und sein Format. Sogar die opportunistischste aller Parteien der Republik zollt ihm jetzt Anerkennung dafür, daß er nicht einfach, was jetzt – im nachhinein wenigstens – ehrlich gewesen wäre, zurückgetreten ist: Die deutsche Sozialdemokratie ist ja stets bemüht die erste zu sein, wenn es darum geht, Schaden von Deutschland abwenden zu wollen. Ein Rücktritt eines Staatspräsidenten gilt – natürlich nicht nur ihr – locker als solcher.
(15.12.11)

Das Weltklima:
Warum sollten kapitalistische Staaten eine Verantwortung haben, die Folgen ihrer Wirtschaftsweise zu bekämpfen? Wenn sie notwendig sind für diese Wirtschaftsweise, die allenthalben außer Frage steht, dann müssen sie eben in Kauf genommen werden! Worum es bei den Verhandlungen in Kioto 1997 und nun in Durban geht, ist die Aufrechterhaltung eines Scheins von Verantwortung jenseits der ökonomischen Notwendigkeiten kapitalistischer Gewinnrechnungen. Dieser Schein wurde als solcher in aller Deutlichkeit unter Beweis gestellt. Es ist ein – im Grunde – völlig überflüssiges Herumgezappele, bei dem es auch völlig einerlei ist, wenn ein Staat – wie Kanada jetzt – nicht mehr mitquatscht. Dann mag zwar auch das politische Weltklima im Keller sein, dafür sind die die Politik beherrschenden Gegensätze umso heißer auf der Tagesordnung.
Im übrigen ist es überhaupt kein Problem, wenn es beispielsweise im Allgäu weniger Schnee gibt: Da macht man halt dann ein Riesengeschäft mit Schneekanonen! Auch an dieser Front steht Aufrüstung an. Was denn auch sonst!
(13.12.11)

griechische Säulen, Dusan Petricic, Belgrad, Politika, KoKa AugsburgDeutschland und Frankreich finden ein Rezept:
Mit Gewalt gegen die Entwertung eines politisch-ökonomischen Projekts
Den Widerspruch wollen sie damit endlich loswerden: Daß an den Euro ganz unterschiedliche Interessen gebunden sind, nationale Interessen. Den Widerspruch werden sie allerdings nicht los: Daß das Anlage suchende Kapital heute verstärkt auf die Sicherheit seiner Rendite blickt, mehr als auf die Höhe: Es kalkuliert die Entwertung über die Laufzeit der Anlage längst ein. Es hat zur Kenntnis genommen, daß mit jeder erfolgten Ausweitung des Staatskredits eine Einschränkung des privaten Kreditumfangs anvisiert wird, der auf eine »reale Basis« zurückgeführt werden soll. Es weiß, daß die brachiale Gewalt des Staates auf den Finanzmärkten völlig kontraproduktiv für jede Art von Geschäft ist. Aber es wird gezwungen, sich zu seinem eigenem Wohl einer Regulierung, einer faktischen Entwertung zu unterziehen, die ihren Ausgangspunkt in der Beschränkung von Nationalkrediten hat. Es verwundert nicht, sollte gerade angesichts der als Erfolg bejubelten Verpflichtungsbeschlüsse mehr denn auf eine Entwertung des Euro und des mit ihm verbundeten imperialistischen Projekts Deutschlands und seines französischen Juniorpartners Frankreich spekuliert werden. Es verwundert allerdings, wieviel Stabilität dem euopäischen Kartenhaus von den Staaten zugebilligt wird, die jegliche eigene Ambition darin begraben können. Es scheint so, daß u.a. Monti und Papadhimos – ganz im Gegensatz zum britischen Regierungschef Cameron – die letzten wirklich vaterlandslosen Gesellen Europas sind. Und die, das weiß eine deutsche Regierungschefin aus (un)seliger Vergangenheit am besten, steckt man am besten in eine Zwangsjacke und empfiehlt sie ihnen mit dem Spruch »Arbeit macht frei«.
[Karikatur: Dušan Petri
čić in der politika vom 06.11.11, Belgrad: Griechische Säulen: dorisch, ionisch, korinthisch, realistisch]
(11.12.11)

Saudi-Arabien:
Wie dem neuesten Bericht von amnesty international zu entnehmen ist, hat sich die Situation von regimekritischen Demonstranten dort nochmals verschlechtert. "Jetzt habe die Regierung Gesetze auf den Weg gebracht, denen zufolge eine vom Regime abweichende Meinung als Terror-Straftat eingestuft und bestraft  werden könnte. ... Seit März seien allein in drei Provinzen im Osten mehr als 300 Menschen, die an friedlichen Protesten teilnahmen, vorübergehend festgenommen worden. In anderen Landesteilen habe das Innenministerium gewarnt, harte Maßnahmen zu ergreifen, wenn jemand »die Ruhe störe«. Im November seien 16 Männer, darunter 9 prominente Reformbefürworter zu Haftstrafen von 5 bis 30 Jahren verurteilt worden. Das Gerichtsverfahren sei »extrem unfair« gewesen, wurde berichtet." (zit. nach taz v. 02.12.11) Wenige Tage später erschien der Rüstungsexportbericht der deutschen Bundesregierung. Ein Regierungssprecher rechtfertigte den Waffenexport nach Saudi-Arabien mit den Worten: "Saudi-Arabien ist ein wichtiger Partner Deutschlands, politisch und wirtschaftlich." (zit. nach taz v. 08.12.11) Es ist nun wirklich nicht neu, daß Deutschland über Leichen geht; auf denen fußt ja sein globaler Erfolg, müssen also in Kauf genommen werden! Das beweist die deutsche Politik immer wieder aufs neue. »Menschenrechte« werden allein gegenüber den Staaten in Anschlag gebracht, gegen die die wirklichen Waffen der Ökonomie und der militärischen Gewalt nicht viel ausrichten. Ein exemplarischer Kommentator hat zum 63. Jahrestag der Verkündigung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen denn auch stromlinienförmig seine Rede nicht auf die arabischen Diktaturen gelenkt, die nach wie vor in Amt und Würden vom »freien Westen« großzügig ausgehalten werden, vielmehr auf Rußland und China (Michael Stifter, AZ, 08.12.11).
(09.12.11)

Christmas Election USA RussiaRußland wählt geradezu vorbildlich demokratisch und der Westen ist überhaupt nicht zufrieden:
Wahlen immer gut,
Wahlfälschungen immer schlecht?
US-Außenministerin Hillary Clinton äußerte sich »besorgt« über die jüngsten Wahlen in Rußland. Nicht bezüglich der Wahlen als solche, sondern wegen deren Ausgang. Es haben nämlich nicht die Arschkriecher des »freien Westens« (Jabloko) gewonnen, die die USA favorisierten. Stattdessen gewann die Putin-Partei; weitere drei Parteien zogen ins Parlament ein, die sich der russischen Nation noch viel mehr verpflichtet wähnen als das »Geeinte Rußland« Putins. Wie sollte es auch anders sein? Ist es in den USA etwa so, daß vaterlandslose Parteien ins Parlament einziehen, ist es in der BRD so, in Frankreich, in Italien oder in Spanien? Nein, es ist nirgendwo so. Oder ist es da, in den EU-Staaten, wenigstens auch so, daß die USA »Wahlmanipulationen« anprangern? Oder etwa so, daß es in den USA keine Wahlmanipulationen gäbe? Erinnert sich Frau Clinton etwa nicht an die Präsidentschaftswahlen im Jahre 2000, in denen ihre Partei Opfer eben solcher  zumindest in Florida offenkundig gewordener, bezogen auf das Ergebnis weitaus schwerwiegenderer – Manipulationen wurde? Warum fällt es ihr heute im Falle Rußlands nicht viel leichter, gute Miene zum bösen Spiel zu machen?
Beklagen die USA nicht in vielen Teilen der Welt eine »fehlende Stabilität«? Aber wenn Rußland Fortschritte in dieser Hinsicht macht, dann soll das komplett falsch sein, dann muß man unbedingt mit der Förderung und Steuerung von Nichtregierungsorganisationen aus dem Ausland die verbesserte innenpolitische Lage zu unterminieren versuchen? Warum um Himmels Willen sind 1000 Demonstranten in Moskau eine Riesen-Aufregung im »freien Westen«, während kürzlich die occupy-Bewegung in Oakland, Portland, Los Angeles, New York und anderen Städten von der US-Staatsgewalt niedergeprügelt wurde, ganz ohne daß ein Regierungsmitglied zugunsten der Malträtierten interveniert hätte? Von der Trostlosigkeit einer »freien Presse« dies- und jenseits des Atlantiks mal ganz zu schweigen – kritischer als die russische Presse ist die mit Sicherheit überhaupt nicht, obwohl sie das immerzu vorgibt, zu sein.
Jeder sieht anhand dieser Überlegungen schon, was der Antrieb zu solchem Verhalten ist. Es geht überhaupt nicht um Wahlen. Es geht um die Gewaltfrage schlechthin. Eine Gewaltfrage im innern eines Staates und eine Gewaltfrage nach außen. Was die innere Front des Staates gegen seine »mündigen« Untertanen anbelangt, so setzt er umso mehr auf Gewalt, je mehr seine nationalen Erfolge zu wünschen übrig lassen. Das liegt einfach daran, daß die national erzogenen »Bürger« nur dann einen (Ansatz von) Aufstand machen, wenn sie sich durch ihre Nation als Anhänger eben dieser betrogen sehen. Und es zeugt von einem hohem Maß an »Zivilisierung« dieser Untertanen, wenn sie dann nicht auf die Straße gehen, sondern eine Opposition wählen, eine nationale Opposition, die die Nation wirklich beziehungsweise jedenfalls noch viel besser voranzubringen verspricht. Diesem auch von ihr geschürten Nationalismus verdankt die russische KP ihren relativen Wahlerfolg [sie klagt – ja so bescheuert sind jene »Kommunisten« – dort allen Ernstes gegen Wahlmanipulationen zu ihren Ungunsten!]. Kurz und gut, ausgerechnet ein Staat, in dem selbst die Kommunisten dermaßen auf Linie sind, wie es selbst in den USA nicht einmal die Partei ist, die am häufigsten den Präsidenten stellt, ausgerechnet der Staat steht unter Anklage des »freien Westens«, wo doch jeder halbwegs nüchterne und objektive Betrachter zugeben muß, daß Rußland und seine Führungsmannschaft  eine solche Kritik nie und nimmer verdient hat.
Ja, die USA sind trotz des fundamentalen Systemwechsels, der mit dem Abdanken der Sowjetunion erfolgt war, weiterhin in ihrer Freiheit beschränkt. Ihre Gewalt ist zwar nun ein ganzes Stück weiter gegen Moskau vorgeschoben, aber ohne Moskau zu dem Vasallentum nötigen zu können, den sie dort gerne hätten. Rußland ist Atommacht und bleibt es und für die USA bleibt das – ebenso wie für ihre imperialistischen Verbündeten – ein besonders schweres Ärgernis ihrer Weltordnung. Das hatten sich die USA in ihrer Naivität schon lange anders vorgestellt: Doch der Wechsel einer Staatsräson schafft den Gegensatz zwischen souveränen Gewalten nicht aus der Welt. Nicht einmal jetzt innerhalb der EU, wo eine ökonomische Krise offenbart, daß der nationale Kredit eines Euro auf nichts anderem als auf Gewalt beruht, es aber keine einheitliche Gewalt in diesem EU-Euro-Projekt gibt.
[Not & Elend unter dem weltweiten Regime des Geldes ist natürlich kein Thema auf all diesen höheren Ebenen der politischen Gewalt. Das wäre ja geradezu a- bzw. antipolitisch und gehört an die verwiesen, die als tüchtige Leute höherer Geschäftsfilosofie die Gewissenswürmer einer Nation für ihre »Botschaft« auszunützen verstehen; gerade jetzt in der Weihnachtszeit bleibt niemand von deren Propaganda verschont. Nie wird dabei vergessen, die Herzen für frierende und hungernde Kinder in Rußland zu erwärmen. Das ist dann der Gipfel des demokratischen Zynismus und allerdings sehr politisch.]
(08.12.11)

Slowenien:
In der früheren jugoslawischen Teilrepublik standen am Wochenende Wahlen an, also nichts besonderes an sich, auch der Nachbar Kroatien hatte das Volk zu den Urnen gebeten. Doch der Eurostaat Slowenien ist geradezu ein Idealfall von Demokratie. So empfahl sich der Oppositionskandidat Zoran Janković als der, der etwas von Wirtschaft versteht: Jetzt bräuchte es, so tönte er im Wahlkampf, einen Unternehmer an der Spitze des Staates. Der Fall Berlusconis vor der Haustür war ihm egal. Und den Wählern auch. In der Krise braucht es also Experten, nämlich einen wie ihn, den Chef der größten Supermarktkette des Landes. Und wie könnte es auch anders sein, er gewann die Wahlen im 2-Millionen-Einwohner-Staat mit seinem Wahlverein »Positives Slowenien«. Positiv, na logo, muß man sein, je tiefer die Krise ist: Optimismus ausstrahlen, je weniger Grund es zur Hoffnung auf wirkliche Veränderung gibt! Kurios ist allerdings: Dieser Jugo (er kommt aus Serbien) wird mit seiner Partei im allgemeinen als links eingestuft. Dafür gibt es nun nicht einmal formelle Anhaltspunkte wie beispielsweise bei der russischen KP.
Ob damit eine Änderung in der Beurteilung der ökonomischen Lage den Zuständigen im Ausland leichter fällt — die Staatsverschuldung liegt bei über 100 % des Bruttoinlandsprodukts und trotzdem gilt der Staat unverändert als solide –, bleibt abzuwarten. Ziel der neuen Regierung muß es also sein, eine Neueinstufung, die eine Abwertung wäre, zu verhindern. Das ist sicher kein Widerspruch gegen die Ankündigungen des neuen Regierungschefs, wohl aber ein ganz entschiedener gegen die Interessen der Arbeiterklasse, die dafür gerade stehen muß.
(05.12.11)

Enjoy Capitalism - KoKa Augsburg»Die Marktwirtschaft und ihre Feinde«
Eine unheilige Allianz von Staat und Finanzkapital gegen das arme »Mehrwert«-Kapital
Das Handelsblatt trumpfte neulich (am 07.11.11) mit einer neuen Verschwörungstheorie auf, die sich gegen die richtete, denen der erreichte Fortschritt des Kapitalismus nicht mehr ganz geheuer ist und die deshalb um den guten Ruf des ganzen schönen Systems fürchten (darunter genannte Ehrenmänner wie Schirrmacher und Habermas und ungenannte wie Markus Günther von »unserer« AZ). Daß es sich um eines der in weiten Kreisen beliebten ideologischen Luftgefechte handelt, liegt auf der Hand. Bestürzend ist allerdings die Ernsthaftigkeit, mit der heutzutage solcherart abstruses Zeug als Wahrheit schlechthin vorgetragen und beansprucht wird. Doch Dogmatiker soll man jene Freunde der »Marktwirtschaft« wohl nicht nennen. Ihre Absichten sind allerseits konstruktiv vorangedachte Auswege aus der ökonomischen Krise von Staat und Kapital, aber eben auch nur gedachte, also keine wirklichen Hilfen bei staatlichen Kredit- wie privaten Investitionsentscheidungen.
(04.12.11)

International: I. The Development of Finance Capital's Credit Power: The Accumulation of »Fictitious« Capital
II.  The Basis of the Credit System: On the Art of Lending Money
Crisis Management in the U.S. – The Fight against the Economic Decline (02.12.11)

Volksabstimmung zu Stuttgart 21:
"... Sie [die S21-Gegner] wollten die Entscheidung in die Hände des Volkes legen. Das verdient Respekt. Jetzt müssen sie aber auch mit dem Ergebnis klarkommen. ..." (AZ, 28.11.11)
Schöner kann man die Wählerei als Instrument von Staat und Kapital kaum auf den Punkt bringen. Die Meinungsmacher der Republik sind sich sicher, das Heft in der Hand zu haben, sobald die Leute ihre Stimme an der Urne wegzugeben bereit sind. Andernfalls würden sie – man kennt ja jene Pappenheimer der Demokratie – ihren Gegnern nämlich überhaupt keinen Respekt zollen, sie würden den Untergang Deutschland beschwören, über die Manipulationen linker Verschwörer herziehen und das Urnenergebnis nicht für das letzte Wort halten: Es müßte ein neuer Wahlgang her und das solange, bis das blöde Volk mürbe agitiert ist und zustimmt.
Das sich vor Augen zu führen, könnte immerhin manchen Demokratie-Idealisten dazu bringen, von seinen Illusionen abzulassen, an dem herrschenden kapitalistischen System immer noch das ein oder andere gut zu finden. Dann könnten auch mal gesalzenere Argumente gegen den global player Deutsche Bahn auf den Tisch kommen: Wenn sich der Herr Bundesverkehrsminister für eine »profitable Bahn« ausspricht, dann bleiben Kundenservice und günstige Fahrpreise allenthalben auf der Strecke und das notwendigerweise. Wenn sich ein Ministerpräsident Kretschmann weigert, über die bereits zugesagten Landeszuschüsse hinaus Gelder für Stuttgart 21 beizusteuern, dann ist klar, daß die Fahrpreise noch viel teurer werden, als durch die in die bis dahin steigenden, in die bereits Kosten des Projekts eingerechnet sind. Und für einen Herrn Grube sind die Fahrgäste eh nichts anderes als eine Ware, die möglichst lukrativ für den Konzern von A nach B transportiert werden soll und sich dabei – eben wie eine Ware – in keiner Weise störend bemerkbar zu machen hat.
Kurz und gut, nicht nur in Sachen Auto und Straße wird der Ausschluß breiter Bevölkerungsteile von der Nutzung vorangetrieben, auch von der der Bahn. Das und nichts anderes ist das Resultat  jedes Projekts eines profitablen Betriebs schlechthin. Dafür braucht es dann ja auch tatsächlich weniger Bahnsteige. Dafür allerdings welche mit VIP-Lounge.

(01.12.11)





Beiträge (Fortsetzung) aus 2011

Kommunikation & Kaffee Augsburg