"Bundesbankchef Jens Weisdmann möchte die EZB-Anleihekäufe am liebsten auslaufen lassen. Wofür gebe es schließlich den Euro-Rettungsfond EFSF? Doch mit den Stützkäufen aufzuhören, ist schwierig, Märkte und Politiker haben sich daran gewöhnt [Das ist natürlich kein wirklicher Grund!]. Insgesamt 211 Milliarden Euro hat die EZB seit Mai 2010 in diese Papiere investiert, in der vorrigen Woche waren es 3,3 Milliarden Euro,... – nach 635 Millionen in der Vorwoche.
Gegenüber den Banken gibt sich die EZB hingegen spendabler. Von Mittwoch an können sich Banken unbegrenzt Notenbankgeld leihen, und zwar auf drei Jahre – so lange wie nie zuvor. Banken haben deshalb zuletzt italienische und spanische Staatsanleihen gekauft, um diese dann als Sicherheit bei der EZB für diese Drei-Jahres-Kredite zu hinterlegen. Für die Banken ein gutes Geschäft, können sie doch das Kapital zu viel höheren Zinsen wieder verleihen. Die EZB hält dieses Banken-Notopfer für unerläßlich – schließlich verlieren viele Kunden das Vertrauen in die Geldhäuser." (SZ, 20.12.11)
Banken, die keine Kredite vergeben können, sind naturgemäß für Anlage suchendes Kapital nicht interessant. Denn woher soll denn sonst eine Rendite kommen? Nun springt also an dieser Stockung des Geldflusses der Staat ein. Die Stockung unterbindet den Lebensnerv des Systems und das darf natürlich nicht sein. Wie groß die Stockung ist, kann man an dem Kapitalbedarf sehen, für den der Staat mit seinem Kredit einspringt. Die Kreditvergabe seitens der Banken hängt also nicht mehr in erster Linie von einer erfolgreichen Verwertung von Kapital in Produktion und Handel ab, umgekehrt hängt der am seidenen Faden eines staatlicherseits aufrechterhaltenen Kreditswesens, das sich je mehr es sich eben dadurch auch aufbläht, seiner Entwertung entgegenstrebt und die Kapitale immer mehr in die Entwertung mitzureißen droht, die von ihm abhängen. Alles in allem droht eine Entwertung des nationalen Kredits. Zur Entwertung nationalen Kredits trägt der Staat noch das seine bei, indem er ihn ziemlich maßlos strapaziert, nämlich ausweitet.
Gerade deshalb, weil der Bundesbankchef nicht so recht weiß, wo und wie man der Entwertung begegnen soll, spielt er auf Zeit. Und was bitteschön soll sich in den drei Jahren ereignen? Eine kommunistische Revolution, die den ganzen Kredit hinwegfegt, der eh nichts anderes ist als eine Vorspiegelung falscher ökonomischer Tatsachen, eine künstliche Unterdrückung der Stockung nämlich?
Im übrigen mutet Marx Beschreibung der Stockung noch geradezu idyllisch an, hielt er es zum Zwecke der Erklärung der Kapitalzirkulation für angebracht, von einer gesamtgesellschaftlichen Stockung abzusehen: "Der Gesamtkreislauf stellt sich für jede Funktionsform des Kapitals als ihr spezifischer Kreislauf dar, und zwar bedingt jeder dieser Kreisläufe die Kontinuität des Gesamtprozesses; der Zirkellauf der einen funktionellen Form bedingt den andren. Es ist eine notwendige Bedingung für den Gesamtproduktionsprozeß, besonders für das gesellschaftliche Kapital, daß er zugleich Reproduktionsprozeß, und daher Kreislauf jedes seiner Momente ist. Verschiedne Bruchteile des Kapitals durchlaufen sukzessiv die verschiednen Stadien und Funktionsformen. Jede Funktionsform, obgleich sich stets ein andrer Teil des Kapitals darin darstellt, durchläuft dadurch gleichzeitig mit den andren ihren eignen Kreislauf. Ein Teil des Kapitals, aber ein stets wechselnder, stets reproduziert, existiert als Warenkapital, das sich in Geld verwandelt; ein andrer als Geldkapital, das sich in produktives verwandelt; ein dritter als produktives Kapital, das sich in Warenkapital verwandelt. Das beständige Vorhandensein aller drei Formen ist vermittelt durch den Kreislauf des Gesamtkapitals durch eben diese drei Phasen.
Als Ganzes befindet sich das Kapital dann gleichzeitig, räumlich nebeneinander, in seinen verschiednen Phasen. Aber jeder Teil geht beständig der Reihe nach aus der einen Phase, aus der einen Funktionsform in die andre über, fungiert so der Reihe nach in allen. Die Formen sind so fließende Formen, deren Gleichzeitigkeit durch ihr Nacheinander vermittelt ist. Jede Form folgt der andren nach und geht ihr vorher, so daß die Rückkehr des einen Kapitalteils zu einer Form durch die Rückkehr des andren zu einer andren Form bedingt ist. Jeder Teil beschreibt fortwährend seinen eignen Umlauf, aber es ist stets ein andrer Teil des Kapitals, der sich in dieser Form befindet, und diese besondren Umläufe bilden nur gleichzeitige und sukzessive Momente des Gesamtverlaufs.
Nur in der Einheit der drei Kreisläufe ist die Kontinuität des Gesamtprozesses verwirklicht statt der oben geschilderten Unterbrechung. Das gesellschaftliche Gesamtkapital besitzt stets diese Kontinuität und besitzt sein Prozeß stets die Einheit der drei Kreisläufe." (Das Kapital, Band II, MEW 24, S. 108)
So sehr der kontinuierliche Gesamtkreislauf auf dem fungierenden Kreislauf der einzelnen Kapital beruht, so sehr beruht er nicht mehr darauf, sofern er insgesamt ins Stocken gerät, an welcher Stelle der Einzelkreisläufe auch immer verursacht. Auf dem erreichten Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung wird eine Stockung am Geldkapital und seiner überragenden Bedeutung deutlich, einer Bedeutung, die darauf beruht, daß, wie Marx an anderer Stelle ausgeführt hat, das für die Produktion erheischte konstante Kapital immer größer wird und werden muß und eben dafür immer mehr Geldkapital benötigt wird, letzthin soviel Geldkapital für sich selber zum Geschäft wird, daß die von Marx exemplarisch vorstellig gemachte Kontinuität des Gesamtprozesses im Falle einer Stockung gar nicht mehr gewährleistet werden kann. Eben das wußte Marx erst recht:
"In einem Produktionssystem, wo der ganze Zusammenhang des Reproduktionsprozesses auf dem Kredit beruht, wenn da der Kredit plötzlich aufhört und nur noch bare Zahlung gilt, muß augenscheinlich eine Krise eintreten, ein gewaltsamer Andrang nach Zahlungsmitteln. Auf den ersten Blick stellt sich daher die ganze Krise nur als Kreditkrise und Geldkrise dar. Und in der Tat handelt es sich nur um die Konvertibilität der Wechsel in Geld. Aber diese Wechsel repräsentieren der Mehrzahl nach wirkliche Käufe und Verkäufe, deren das gesellschaftliche Bedürfnis weit überschreitende Ausdehnung schließlich der ganzen Krisis zugrunde liegt. Daneben aber stellt auch eine ungeheure Masse dieser Wechsel bloße Schwindelgeschäfte vor, die jetzt ans Tageslicht kommen und platzen; ferner mit fremdem Kapital getriebne, aber verunglückte Spekulationen; endlich Warenkapitale, die entwertet oder gar unverkäuflich sind, oder Rückflüsse, die nie mehr einkommen können. Das ganze künstliche System gewaltsamer Ausdehnung des Reproduktionsprozesses kann natürlich nicht dadurch kuriert werden, daß nun etwa eine Bank, z.B. die Bank von England, in ihrem Papier allen Schwindlern das fehlende Kapital gibt und die sämtlichen entwerteten Waren zu ihren alten Nominalwerten kauft. Übrigens erscheint hier alles verdreht, da in dieser papiernen Welt nirgendswo der reale Preis und seine realen Momente erscheinen, sondern nur Barren, Hartgeld, Noten, Wechsel, Wertpapiere. Namentlich in den Zentren, wo das ganze Geldgeschäft des Landes zusammengedrängt, wie London, erscheint diese Verkehrung; der ganze Vorgang wird unbegreiflich; weniger schon in den Zentren der Produktion." (Das Kapital, Band III, MEW 25, S. 507, Hervorhebung: KoKa)
Tja, was sollen sie also tun die Herren nationaler Gelder? "Trichet erhöhte die Leitzinsen, Draghi senkte sie. Trichet forcierte den Kauf italienischer und spanischer Staatsanleihen, Draghi deutet das Ende dieser umstrittenen Interventionen an." (SZ, 20.12.11) Wie man sieht, haben sie den Laden noch immer gut im Griff: Er läuft weiter, weil er aus politischen Gründen einfach muß. (Diese schöne Diktatur heißt übrigens Demokratie.) (29.01.12)
»Die Rettung Griechenlands«
– geht es denn überhaupt darum? Und wenn ja, inwiefern?
Sorgeobjekt sind ja doch die als Kapital in Umlauf befindlichen Schulden in den Händen der Gläubiger Griechenlands. Kann Griechenland diese Schulden nicht mehr bedienen, hat sich dieses Kapital entwertet. Das gilt ungeachtet davon, in welcher Währung sich das abspielt. Anders ausgedrückt, es ist unerheblich, in welcher Form Kapital entwertet wird. Das allenthalben für beklagenswert Befundene ist seine Entwertung. Woran liegt es nun, daß daraus ein staatliches Problem wird? Weil staatlich bilanziert wird. Wenn nun ein Staat wie die BRD andere Staaten als ökonomischen Beitrag zur Stärkung seiner ökonomischen Macht verbucht, dafür eine »Gemeinschaftswährung« einführt, dann stellt dieser Staat Ansprüche an andere Staaten, (selbst)verpflichtet sie darauf, einen, ihren ökonomischen Beitrag für das deutsche Projekt zu erbringen. Die im Falle einer Nichterbringung bzw. Nichtmehrerbringung des Beitrags angesetzten Daumenschrauben – Erpressungen in Form von Einmischung in die griechische (Wirtschaft-)Politik, Vorschriften, was die zu tun habe, bei gleichzeitiger Drohung mit Sanktionen – bekommt die griechische Arbeiterklasse zu spüren. Denn wie jeder Staat, der auf seinen kapitalistischen Fortschritt setzt, hält sich auch der griechische Staat an dieser Klasse schadlos. Die »Gemeinschaftswährung« ist also schon der Witz der Sache, allerdings nicht nach der gemeinsamen Seite hin, sondern nach der Art, wie kapitalistischer Reichtum in seiner abstrakten Form, in Form von Geld, überhaupt zustandekommt; als das Mittel, auf das kapitalistische Staaten setzen und um das sie konkurrieren. Nur so kommt es überhaupt zum höheren Witz eines gemeinsamen, nationalen Geldes, einer gemeinsamen Währung, eines Euros. Aus Sicht Deutschlands ist sofort klar, daß Griechenland nicht als Konkurrent gesehen wird, wenn es mit seinem Nationalkredit als Beitrag in der globalen Konkurrenz verbucht wird. Hier macht sich ein staatlicher Vor- und Eingriff in die sonst übliche (mit Handelsabkommen etc.) ökonomische Sfäre unter Staaten geltend. Aus der Perspektive der USA haben die ihrerseits natürlich kein Interesse, daß ein europäischer Nationalkredit ihrer Währung eine Nation und deren Geschäftssfäre solcherart für sich beansprucht, als Objekt nationaler Konkurrenz entzieht. (Wenn man schon mal ins Reich der Spekulation abdriftet, dann ist sofort klar, daß ein gesundgeschrumpfter griechischer Nationalkredit in Form eigener Währung, der Drachme, sofort die Konkurrenz darüber eröffnen würde, wer diesen für seine Zwecke kapitalisieren könnte.)
Daß eine Währungshoheit keine exklusiv nationale Sache ist, liegt in der Konkurrenz der Nationen und ist abhängig vom Kapital, das sie für sich geltend machen können. (Auch der Euro ist ja nicht eine ausländisches Kapital ausschließende Währung, das ist ja nicht einmal der nicht so ohne weiteres konvertible chinesische Yuan. Die USA haben ja gerade auch in Griechenland den dortigen Nationalkredit, gerade weil er auf Euro lautend eine besonders gute Kapitalanlage bot, genutzt, soweit ökonomisch möglich, also auf privater Basis: Goldman Sachs hat aus dem Euro Nutzen gezogen, sehr zum Nachteil der BRD. Dabei war die »Überdehnung« des Kredits sicher nicht die Absicht.)
Der Eindruck, den ein Lohnabhängiger hier wie in Griechenland beim Blick in seinen Geldbeutel gewinnt, ist untrüglich: Früher konnte er sich mit deinen DM und Drachmen mehr kaufen als heute mit Euro. Nur: Er täuscht sich gewaltig, wenn er denkt – wie die pausenlos blökende Blödzeitung oder die fleischgewordene Ökonomieprognose Hans-Werner Sinn – dieses Weniger sei der Nationaluniform der Geldes geschuldet, als wirklich nationales Geld wäre es »sein« Geld angesichts dessen, daß dieses Mittel seines Auskommens hinten und vorne kaum ausreicht, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Deshalb ist es auch absurd, zu glauben, staatliche Wirtschafts- und Währungspolitik würde dazu taugen, ihn, die lohnabhängige Manövriermasse, - zumindest irgendwann - mal aus der Bedrouille zu bringen. Jede währungs- und wirtschaftspolitische Maßnahme wie auch jede unterlassene Maßnahme würde in der entstandenen Lage zwar Deutschland und Griechenland wechselseitig nicht viel helfen, insofern sie an der Entwertung des Kapitals nichts ändern könnte, aber es ist nie und nimmer abzusehen, daß der Schaden eines Staates einer zum Nutzen der für Lohn arbeitenden Bevölkerung eines anderen Staates wäre. Umgekehrt schlägt auch der Gewinn, den die BRD aus dem Euro geschlagen hat und weiterhin zu schlagen gedenkt, sich ja keineswegs auf der Habenseite der Arbeiterklasse hierzulande nieder. Er ist Zweck des Kapitals und als solcher schon verbucht, selbst wenn er in Form kleiner Scheine zwischendurch und zweckentfremdet mal für die Reproduktion der Arbeiterklasse taugt: Die kann ja auch nichts Besseres damit anfangen, als das Geld, das ihr nicht gehört, gleich wieder auszugeben. Hoheitlicher Eigentümer des Geldes ist der Staat, befugter Kreditnehmer das privat institutionalisierte Eigentum, beides also weder NETTO-Verkäuferin »Monika Musterfrau« noch »Schorsch Schuttler« bei MAN Diesel & Turbo. (11.05.11)
Handreichungen zum vieldiskutierten Begriff des WERTs (als pdf) (08.07.10)
Ein fast allzu klassischer Fehlgriff
Vielfach bekommt man ja zu hören, daß Marx' Kapital schwer zu lesen und überhaupt schwer verständlich sei, von den über 2000 Seiten Stoff mal ganz abgesehen, die zu bewältigen in unserer schnellebigen Zeit einfach nicht möglich erscheine. Diese Klage gibt es nicht erst neuerdings, die gibt es schon fast solange es das Werk selber gibt, ebenso das falsche Urteil über die Schrift, daß sie eine Lehre sei und keine rücksichtslose Kritik der bestehenden Verhältnisse, die auf einem Zweck namens Tauschwert basiert.
Nun passiert es ja hin & wieder, daß einem etwas in die Hand gerät, das eben dazu taugt, falsche Urteile am vorliegenden Falle dingfest zu machen. Es geht um eine Neuformulierung des Kapitals, an der sich ein gewisser Julian Borchardt im Jahre 1919 zu schaffen gemacht hat. Er wollte Marx' Werk lesbar machen: "Mein Bestreben mußte es sein, soviel wie nur irgend möglich Marx' eigene Worte stehen zu lassen und meine Tätigkeit auf das Auslassen und Umstellen zu beschränken." Damit er sich nicht zuviel selber rühmen muß, überläßt er das einer Rezension, die über sein Werk folgendes schreibt und die J.B. willkommenerweise und ohne Einwände zitiert:
" Wir freuen uns, an der Schrift von Julian Borchardt rühmen zu können, daß darin die Zentralgedanken der marxistischen Ökonomie vortrefflich und im Allgemeinen [!, im besonderen natürlich nicht, ist ja wohl auch nicht nötig, soviel jedenfalls wie der Rezensent von der "marxistischen Ökonomie" - ist das jetzt Das Kapital, also die kapitalistische Ökonomie oder was? - verstanden haben will, ohne sich mit dem Original abgegeben zu haben.] ganz im Sinne des Vorstehenden popularisiert sind. Wie kurz, einfach und lichtvoll ist z.B. die Pointe der Mehrwerttheorie auf der ersten [! eine echt starke Leistung, fürwahr!] Seite resümiert: 'Das Kapital kauft die Arbeitskraft und zahlt dafür den Lohn. [Das versteht jeder sofort, nur der blöde Marx hat für erklärungsbedürftig gehalten, daß einer kauft und der andere - mehr nolens als volens - seine Arbeitskraft verkauft.] Indem dann der Arbeiter arbeitet [ist ja klar, ist ja gekauft!, zu welchen Bedingungen auch immer!], erzeugt er einen neuen Wert [ist ja unmittelbar einleuchtend, schließlich entspringt seiner eingesetzten Arbeitskraft ein neues Produkt! - wie der Wert der Arbeitskraft auf die neue Ware übergeht - ebenso einerlei wie die Frage, welchen Wert denn nun eine Ware hat!], der nicht ihm, sondern dem Kapitalisten gehört [wem auch sonst, also leicht verständlich auch dies! Welchem bürgerlichen Kopf ist es schon ein Rätsel, daß der Arbeiter von den Ergebnissen seiner Produktion, den Waren, getrennt und von ihrer Verfügung ausgeschlossen ist?]. Eine Weile muß er [gemeint ist natürlich der Arbeiter] arbeiten, um nur den Wert des Arbeitslohnes wieder zu erhalten [Hier stellt sich doch die Frage, was ist der Arbeitslohn wert? Hier wäre doch einfacher formuliert einfach ausnahmsweise auch mal richtig: 'Um den Arbeitslohn zu erhalten.' Mitgedacht ist wahrscheinlich das, was Marx in seiner Ausführung für nötig erachtet hat, zu erläutern, daß nämlich der Arbeitslohn gerade für die notwendige Reproduktion der Arbeitskraft ausreichen muß, also auch der Lohn zahlende Kapitalist das wenigstens zu berücksichtigen hat (was ihm staatlicherseits erst beigebracht werden muß(te), denn offenbar bezahlt(e) er aus eigenem Interesse dem Arbeiter oft nicht einmal das). Natürlich kann einer das lässig streichen, der sowieso nichts anderes im Kopf hat wie Beschäftigung pur als Non-Plus-Ultra eines Arbeiterinteresses.]. Aber nachdem dies geschehen, hört er nicht auf [warum eigentlich nicht?], sondern arbeitet noch einige [?!] Stunden des Tages. [Lustiger Mensch, unser Arbeiter im Kopf des J.B.!] Der neue Wert, den er jetzt erzeugt, und der also [! sehr logisch & einleuchtend!] den Betrag des Arbeitslohnes übersteigt [soso!], ist der Mehrwert. [Hier haben wir also eine neue (Form der) Mehrwerttheorie, nach der das quantitative Übersteigen des nichtbezahlten Teils des Werts der Arbeitskraft im Vergleich zum bezahlten, eben den Mehr-Wert ausmacht! Wäre es umgekehrt der Fall, also der bezahlte Teil der Arbeitskraft größer als der unbezahlte, dann gäbe es wohl keinen richtigen Mehr-Wert: Dann würde sozusagen der Arbeiter den Kapitalisten gar keinen Kapitalisten mehr sein lassen, sondern den Spieß umdrehen und ihn ausbeuten. Keine Frage, daß das - und nicht etwa Marx, nach dem der Mehrwert der unbezahlte Wertteil der Arbeitskraft (den er deshalb gar nicht als Wert der Arbeitskraft faßt) ist, der auf die Ware übertragen wird - den Fanatikern eines gerechten Lohns eingeleuchtet haben muß.]' Näheres über Wert und Arbeit sowie über den Kapitalprofit, ist dann gesondert in den beiden letzten der sechs in Unterabteilungen wohlgegliederten Kapitel - nicht minder gemeinverständlich ausgeführt. ... Wie der Autor im Vorwort sagt, wollte er kein abgeschlossenes System der Wirtschaftslehre bieten, sondern nur den Gedankengang, der dem Marxschen Kapital, 1. Band, zugrunde liegt. Und das ist ihm vortrefflich gelungen und wir stehen nicht an, die Schrift denen, die vom ökonomischen Marxismus noch kein richtiges Wissen haben, zur Einführung in denselben aufs Wärmste zu empfehlen."
KoKa hat diese Rezension und das Vorwort allerdings schon gereicht, diese Schrift, die vom Marxschen Gedankengang offenkundig nicht das Geringste, geschweige denn wenigstens den Zweck des Werkes, verstanden hat, vielmehr sich in einer völlig unleserlichen Banalisier- und Fabulierkunst erquickt, dem Müll zu übergeben. Hier nochmal der einfache Leitgedanke, den Marx im Kopf hatte, als er "Das Kapital" schrieb: Wie kommt der Profit (und als dessen Grundlage der Mehrwert) wirklich - also ohne Zauberei, Trickserei und Betrug - zustande? Wie wird aus Geld mehr Geld? Doch nicht einfach so! Auch und gerade wenn es heutzutage allen Anschein haben mag, daß das Geld (von) selber arbeitet und nicht der Arbeiter.
Im übrigen ist es eine riesige Unverschämtheit unter dem Vorwand schwer verständlicher Formulierung unter dem gleichen Titel eine ganz andere, völlig unhaltbare Theorie zu verbreiten und überdies mit ihr Marx guten wissenschaftlichen Namen in den Dreck zu ziehen. Wer vermutet, daß dieser Borchardt einer jener widerlich abgefeimten "linken" Sozialdemokraten war, liegt übrigens völlig richtig. (13.03.10)
Enteignung
als die Methode der Gewinnung abstrakten Reichtums
Viel Gejammer
hebt an unter den
Wirtschaftsliberalen, wenn der Staat sich erlaubt, Privateigentum an
Kapital zu enteignen, mitunter ja sogar darüber - die Dummheit
radikaler Ideologen kennt keine Grenzen -, wenn das zu seiner Rettung
geschieht - andernfalls verbittet sich der kapitalistische Staat das ja
sowieso. Daß Enteignung in ganz prinzipieller Hinsicht
probate
Methode des Kapitals selber ist, ist dem New Yorker Professor David
Harvey in aller Unbegriffenheit aufgefallen:
"Im Januar 2008 hatten
über zwei
Millionen Menschen ihre Wohnungen verloren. Im selben Monat wurden an
der Wall Street Bonusprämien in Höhe von insgesamt 32
Milliarden US-Dollar ausgezahlt. Ich kann natürlich nicht
sagen,
daß das Geld, das die oben genannten Gruppen verloren haben,
direkt in der Wall Street gelandet ist. Aber wenn man eine derart
immense Vermögensbildung auf der einen Seite und
dermaßen
heftige Vermögensverluste auf der anderen Seite beobachtet,
kommt
man nicht umhin, einen Zusammenhang festzustellen. Ich fasse dieses
Ereignis als einen Ausdruck der Klassenverhältnisse auf. Es
ist
eine gute Beschreibung dessen, was ich 'Akkumulation durch Enteignung'
nenne: Ein Teil der Bevölkerung wird enteigent, und einem
anderen
Teil fließt das enteignete Vermögen zu."
(analyse & kritik,
Nr. 541, 08-2009)
Was haben denn die zwei Millionen Menschen gehabt? Gehörten
denn
die Wohnungen ihnen? Nein. Sie hofften mit dem Verkauf ihrer
Arbeitskraft gegen Lohn, sich solche leisten zu können, indem
sie
ihre Lebensansprüche anderweitig einschränkten. Der
Lohn war
also teilweise verpfändet an ihnen Kredit gewährende
Banken.
Mit ihrem Lohn finanzierten sie sowohl dem Wohnungsverkäufer
wie
auch der Bank einen Profit. Bedingung dafür war
natürlich,
daß der Lohn solange und in genügender Höhe
fließt, bis die Ansprüche von
Wohnungsverkäufer und
Bank abgetragen waren. Daß der Lohn das unmöglich
gewährleisten kann, ergibt sich daraus, was er ist: Er ist die
Entschädigung durch den Käufer der Arbeitskraft,
solange er
sie gebrauchen, also rentabel anwenden kann. Hier liegt schon die erste
Enteignung vor: Die Trennung der Arbeitskraft von ihrem Nutzen. Sie
geht ganz in den Gebrauch des Käufers ein, entschwindet also
ihrem
Besitzer. Dafür wird sie unter ihrem Wert bezahlt, was die
Grundlage des Profits ausmacht. Es soll ja auch nur eine
Entschädigung sein - eine Entschädigung für
die
Reproduktionskosten der Arbeitskraft, die natürlich all ihrer
Schädigung zum Trotz dauerhaft zur Verfügung stehen
soll. Der
Lohn ist also schon eine sehr mäßige Angelegenheit,
fußend auf der Enteignung der Arbeitskraft, die im Dienst
nicht
für sich selber, sondern für einen anderen, einen
Kapitalbesitzer, steht und mangels eigenen Kapitals auf Gedeih und
Verderb stehen muß.
Nun bildet sich ein Wohnungskäufer ein, mit eben diesem seinem
Lohn, zumal wenn er ein bißchen höher ausfallen
sollte als
der Durchschnitt, sich auch einmal etwas leisten wollen zu
können,
schwer beeindruckt von den vielen tollen Sachen, die feilgeboten und
angepriesen werden und an die mit ihrem Besitz ein Stück
gesellschaftlicher Anerkennung gebunden ist. Damit stellt der
Käufer an sich schon Ansprüche, die sein
Lohnarbeiterdasein
überfordern: Genaugenommen müßte er jetzt
der anderen
Seite, dem Käufer seiner Arbeitskraft, mehr abzuringen
bestrebt
sein. Er müßte, da er selber anspruchsvoll sein
will, diese
seine Ansprüche dem gegenüber geltend machen, der ihn
mit dem
Kauf seiner Arbeitskraft enteignet, also seine Ansprüche
zurückweist. Doch offenbar war das nicht das Ansinnen
genannter
zwei Millionen Menschen gewesen. Die hatten glatt gemeint, der
Kapitalismus sei - wenn man es nur irgendwie geschickt anstelle - ein
ziemlich kostengünstiger oder gar kostenloser
(Selbstbedienungs-)laden.
Kurzum, die Enteignung geht schon beim Abschluß eines
Kaufvertrags los und stellt sich nicht erst hinterher ein. Was sich
hinterher einstellt, ist der Katzenjammer und die
Krokodilstränen
über die eigene Blödheit. Und natürlich die
Fabulierkunst der Filosofen, die einmal mehr die "Ungerechtigkeit" der
Welt beklagen können, was leider ein nicht ausrottbarer
Kassenschlager auf dem Buchmarkt zu sein scheint. (22.08.09)
Klassischer
Fehlgriff
Daß
man heutzutage im Grunde gar
nicht mehr für den Kapitalismus sein kann, wenn man nicht "aus
Verantwortung" für die herrschenden Verhältnisse
müßte, das haben sogar die Schlaumeier von der
Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft
gemerkt. Aber nicht nur dieser monetenschwere Idiotenverein
bemüht
sich weiterhin, an den Lebenslügen des Systems zu stricken,
selbst
längst vergessene Professoren wie Gerhard Scherhorn
(seinerzeit
Prof. für Konsumökonomik an der Universität
Hohenheim
bei Stuttgart) legen sich ins Zeug: Er bietet folgendes - sehr
symptomatisch gewordenes - Erklärungsmuster der Krise an:
"... Was die Welt in die
Finanzkrise
geführt hat, war eine Aufblähung des
Geldschöpfungspotentials der Banken. Sie wurde
möglich durch
die Liberalisierung des Kapitalverkehrs ab Ende der 1970er Jahre. Man
verzichtete auf nationale Genehmigungspflichten und
Qualitätskontrollen für neue Anlageprodukte
(Derivate) und
neue Akteure (Hedgefonds, Private Equity Fonds), ohne sie durch
internationale Vorschriften und Kontrollen zu ersetzen.
Finanzgeschäfte außerhalb der Börsen und
Bankgeschäfte außerhalb der Bilanzen wurden leichter
möglich, Veräußerungsgewinne wurden
steuerbefreit,
Mehrfach- und Höchststimmrechte abgeschafft,
Spielräume
für Aktienrückkauf und variable
Managervergütungen
erweitert. ..." (taz,
02.04.09)
Wenn schon mal auf die Gründe eingegangen wird, dann so.
Daß
es allerdings unmöglich sein kann, daß etwas
passiert, weil
etwas anderes NICHT geschehen ist, ist unlogisch. Anders herum gibt es
Sinn: Die Genehmigungspflichten und Kontrollen wurden aus gutem, nicht
aus schlechtem Grund abgebaut, weil somit die Freiheiten des Kapitals
erweitert werden sollten. Offenbar hatte das Kapital ein
Bedürfnis
danach.
Ja, der Gewinn erheischt immer neue Freiheiten, weil sein Verlangen
prinzipiell grenzenlos ist. Dem kam der Staat nach, weil er seinerseits
an einer Ökonomie interessiert ist, die erfolgreich
ist und
für ihn das abwerfen soll, was er braucht, um in der
internationalen Rangordnung der Staatenwelt sich zu behaupten und
möglichst aufzusteigen.
Das Kapital hatte aber nicht nur einfach so seinen Gewinn im Sinn. Es
kennt dafür einen Bedarf, ein wesentlicher ist das
Verfügen
über Geld, über Kredit, denn nur mit ihm werden die
Schranken
der gegenwärtigen Wirtschaftsweise in dem Maße
durchbrochen,
wie es die - wie gesagt: prinzipiell unermeßliche -
Gewinnerwartung verlangt.
Die heutzutage mit jenen damaligen staatlichen Maßnahmen
erreichte Stufe des Kapitalismus, die wollen ausgerechnet die Ideologen
nicht missen, die den dafür notwendigen Einriß der
Schranken
der alten Stufen geißeln, als wäre deren
Einriß
dafür nicht nur nicht notwendig, sondern kontraproduktiv
gewesen!
Alles weitere zur Finanz- und Wirtschaftskrise in der nach wie vor
erhältlichen Ausgabe des GegenStandpunkts
4/2008. (02.04.09)
Theoretisch
alles im Griff!
Das wollte die Süddeutsche
Zeitung
hören, von der letzten, für die Liquidität
des
weltweiten Kapitalismus zuständigen Instanz, der Weltbank, von
ihrem Chef, Robert Zoellick (Interview v. 23.02.09). Einzig eine
Lösung interessierte sie, nicht welchem Zweck es zu verdanken
sei,
daß laut Zoellick im vergangenen Jahr "durch die Explosion
der
Lebensmittel- und Energiepreise zwischen 130 und 155 Millionen Menschen
zurück in die Armut gestoßen" worden sind. Sie
versteht es,
saublöde Fragen zu stellen wie z.B., ob die jetzt steil
abstürzenden osteuropäischen Staaten "nach dem Fall
des
Eisernen Vorhangs" nicht große Fortschritte gemacht
hätten.
Zoellick hingegen weiß und betont, wie wichtig ein
funktionierendes Kreditsystem ist, es ist die Grundlage der
kapitalistischen Wirtschaftsordnung überhaupt. Er hat die
Befürchtung, daß sich angesichts des
ökonomischen
Desasters Staaten vom freien Welthandel, zumindest partiell, abkoppeln.
Das ist mit dem - kaum noch zu revidierenden - Scheitern der letzten
WTO-Runde (Doha) allerdings bereits ebenso Fakt wie mit der Inflation
der bilateralen "Freihandels"-Abkommen, deren Zahl auf mehr als 430
angestiegen ist, wovon allein 300 in den letzten acht Jahren
abgeschlossen wurden. Kurzum, der US-Amerikaner Zoellick kann nicht
bestreiten, daß den USA - und daran sind sie mit ihrer
Unnachgiebigkeit selber maßgeblich beteiligt - die
Fäden des
Welthandels, die bei ihnen zusammenlaufen, langsam aber sicher
entgleiten. Nichtsdestotrotz will er die Ideologie des Systems
in die Köpfe der politischen Protagonisten des Kapitalismus -
an
dieser Stelle in die deutschen - hämmern: 1.
Konjunkturprogramm,
2. dieses hauptsächlich zur Rettung des Finanzsystems, 3.
nationale Kreditierung der Geschäftsbanken, 4. kein
Protektionismus, 5. das alles nicht zuletzt - ein bißchen
Heuchelei muß sein - im Interesse der Weltgegenden, in denen
sogenannte failing states grassieren. Er erinnert an 1776, als 13
britische Kolonien sich zu den USA zusammenschlossen. Im Niedergang
erinnert man halt gern an die guten alten Zeiten, als einem die Welt
noch offen stand. Es gehört in der Tat schon sehr viel
Idealismus
und Unverfrorenheit dazu, dem Kapitalismus als weltweitem Erfolgsrezept
nationaler Gewaltmonopole aus der Krise helfen auch nur zu wollen. (01.03.2009)
Sozialismusvorwurf
an eine ungewöhnliche Adresse
Er wird gegen
die Regierung
vorgebracht, von maßgeblichen Kräften der
Bourgeoisie und
ihren verlängerten Armen in Parlament und Presse. Weil dieser
Vorwurf in der Sache so absurd ist, merkt man auch gleich den
Agitpropcharakter der Anstrengung. Eine Seite, die sich unter dem
anspruchsvollen Titel »Kapitalismus begreifen« online findet, hat
sich nichtsdestotrotz Gedanken über jene Gleichsetzung
von Marx und Engels mit Frau Merkel & Co.
gemacht. (25.02.2009)
Heuchelei
verbürgt Verantwortung
Tiefe Furchen
in der dick aufgetragenen Schminke hinterließen die
Krokodilstränen der Madame Schaeffler. "Die
Vollkasko-Mentalität unserer Kapitalisten geht
nämlich von
Schadensregulierung ohne Selbstbeteiligung und ohne vorherige
Beitragszahlung aus und will dann auch noch die Rückerstattung
der
gar nicht bezahlten Prämien." (so ein Leserbrief
in der taz
v. 19.02.09) Natürlich nicht bloß "unserer". Viel
interessanter, als der (vermeintlichen) Verantwortungslosigkeit eine
(eigentliche) Verantwortung gegenüberzustellen - die Linie,
die
der Schreiber des weiteren verfolgt -, wäre doch die Frage,
woher
diese Mentalität rührt. Kapitalisten wissen doch,
daß
der Staat auf sie, weniger als Verantwortungsträger, vielmehr
auf
sie als Leistungsträger baut, weil er sich von deren
"Leistung"
abhängig weiß. Dies betrachten sie als ziemlichen
Freibrief
für ihre Spekulationen. Je risikanter die ausfallen, desto
größer die Leistung, vorausgesetzt die Spekulation
geht auf.
Wenn, wie im vorliegenden Falle eine solche sich als krasse
Fehlspekulation herausstellt, setzt der Kapitalist nicht minder darauf,
daß der Staat dafür Verständnis haben
muß, will
er seine Staatsräson, die im Erfolg des Kapitals ihren Grund
hat,
nicht revidieren. Daß der Staat hier tatsächlich
Revisionen
vornehmen könnte, das ist die große
Befürchtung der
Eigentümerbagage. Da ist ja auch was dran; denn wie die Anzahl
fehlgeschlagener Spekulationen zeigt, sieht sich der Staat zunehmend
gezwungen, ein eigenes Kosten-Nutzen-Verhältnis den privaten
Gewinnrechnungen gegenüberzustellen. (20.02.2009)
"The
World Economy: What Would Marx Think?"
so titelt das
US-Magazin Time
in seiner Februar-Ausgabe. Diese Frage einmal ernstgenommen,
könnte der Autor den Artikel What the Collapse of the
Financial System Teaches about the Wealth of Capitalistic Nations
lesen. Was macht er stattdessen? Er begibt sich auf die Spuren von
Marx, begibt sich nach Trier, Paris und London. Wie zum Teufel kam er
auf diese reichlich bescheuerte Idee, die man geradezu für
typisch
us-amerikanisch halten mag: Ist es der Erfolg der chinesischen
Ökonomie, deren Urheberin eine sich kommunistisch nennende
Partei
ist? So mag denn der Autor Peter Gumbel denken, daß dieser
Erfolg
irgendwie Marx geschuldet sei, wenn er die Frage stellt: "As we work out how to save
capitalism, it's worth studying the system's greatest critic"
Bestärkt darin haben ihn sicherlich die chinesischen
Touristen,
die sich gerne vor Marx' Geburtshaus ablichten lassen, und er kann dies
selbst mit einer Chinesin, die dort die Finger
zum Victory-Zeichen
erhebt, stolz dokumentieren. Es mag ja sein, daß China den
Kapitalismus rettet, bloß: Eine Anleitung dazu findet sich in
Marx' Kapital
in keiner
Hinsicht. Dort beweist Marx nichts weniger als die Notwendigkeit,
daß dieses System der Zerstörung selbst
zerstört werden
muß. Würde Marx' Kritik etwas für das
System
Konstruktives abwerfen, würde es dann nicht schon
längst zum
Standardrepertoire der Universitäten gehören? Das ist
offenbar nicht der Fall, Friedman und Keynes beherrschen die
Wirtschaftswissenschaften. Und damit Gumbel neben
chinesisch nicht
auch noch deutsch lernen muß, hier ein Auszug aus dem Kapital, Band 1,
about machinery and modern industry and their work of destruction,
especially in the USA:
" ... In modern
agriculture, as in
the urban industries, the increased productiveness and quantity of the
labour set in motion are bought at the cost of laying waste and
consuming by disease labour-power itself. Moreover, all progress in
capitalistic agriculture is a progress in the art, not only of robbing
the labourer, but of robbing the soil; all progress in increasing the
fertility of the soil for a given time, is a progress towards ruining
the lasting sources of that fertility. The more a country starts its
development on the foundation of modern industry, like the United
States, for example, the more rapid is this process of destruction.
Capitalist production, therefore, develops technology, and the
combining together of various processes into a social whole, only by
sapping the original sources of all wealth - the soil and the labourer."
(MECW, vol. 35, p. 507 or the Chicago edition by
Charles M. Kerr, 1932, Capital, vol. 1, p. 555)
Übrigens: Die Time-Ausgabe
ist einfach irre! Ihr Kauf schadet Ihrer Gesundheit!
(27.01.2009)
Die
demokratische Öffentlichkeit bespricht die Krise
(alle Teile zusammengefaßt;
pdf-Datei)
(01.01.2009)
1932:
Die KPD in den Zeiten der Wirtschaftskrise
Ein Beitrag
zur Geschichte (29.12.08)
Spekulation
darauf, wie es denn nun weitergeht mit "unserer" Wirtschaft, und
moralische Entrüstung!
Folgt man der
taz-Rezension
von Ulrike Herrmann am 13.12.08, so ist dem flugs zur Fianzkrise auf
den Buchmarkt geworfenen Lesestoff eigentlich nichts zu entnehmen, was
wirkliches Wissen über die Vorgänge ausmachen
würde. Das
Urteil "Wahnsinn" ist ja nun wirklich ultrabillig zu haben. Freilich,
eines leistet so ein Urteil leider todsicher:
Verbesserungsvorschläge bleiben nicht aus, und es kann sich so
innerhalb des Systems prima gezankt werden. Bei den erlesenen
Büchern handelt es sich um:
Wolfgang Köhler: "Wall Street Panik – Banken
außer
Kontrolle. Wie Kredithaie die Weltkonjunktur ins Wanken bringen",
Wolfgang Münchau: "Vorbeben. Was die globale Finanzkrise
für uns bedeutet und wie wir uns retten können",
Wolfgang Münchau: "Kernschmelze im Finanzsystem",
George Soros: "Das Ende der Finanzmärkte – und deren
Zukunft. Die heutige Finanzkrise und was sie bedeutet",
Sahra Wagenknecht: "Wahnsinn mit Methode. Finanzcrash und
Weltwirtschaft",
Lucas Zeise: "Ende der Party. Die Explosion im Finanzsektor und die
Krise der Weltwirtschaft".
Wer zu diesen Werken Anmerkungen oder Kritik verfassen will, kann die
wie immer an die KoKa-E-mail-Adresse schicken oder an die speziell zum
Thema Finanzkrise eingerichtete Website "Von Marx lernen". (16.12.08)
Bürgerliche
Erkenntnis: Marx ein Psycho wie man selber!
Während
die Augsburger
Allgemeine (AZ)
meint, Marx wäre von der Wucht der Finanzkrise doch irgendwie
unangenehm überrascht gewesen, weil er selbst nicht zu den
Ärmsten gehört habe, meint der britische Guardian, Marx
hätte jenen Moment genossen: "Von allen Seiten bekommt der
Finanzkapitalismus schwere Schläge versetzt."
Komisch, daß alle an Marx denken, ohne auch nur einen Deut
seiner Kritik verstanden zu haben.
So geht es, wenn man angesichts der Spekulanten am liebsten auch Marx
als Psychopathen durch die Welt laufen sähe.
Im übrigen ist es schon eine unsterbliche Leistung der
realsozialistischen Staaten, die Verwechselung ihres - an alles andere
als an Marx' Kritik angelehnten - Systems mit ebendieser Kritik auch in
die Köpfe des imperialischen Gegners eingebimst zu haben. Die
wundersame Gleichung, in der Marx-Revisionisten und
bürgerliche
Köpfe prima übereinstimmen, heißt: Staat =
Sozialismus
(und natürlich die andere Seite: Privateigentum = Freiheit). (02.11.08)
Das
Höchste an demokratischer Kapitalkritik: »Spekulanten
sind geradezu kontraproduktiv!«
Wie schon in
der Kritik am Falle Enron
angesprochen, steht das Verhältnis von Ökonomie und
der
Psyche der Agenten des Kapitals in der bürgerlichen
Betrachtungsweise auf dem Kopf: Nicht der Charakter der Agenten ist
für Erfolg und Mißerfolg verantwortlich, er bildet
sich
vielmehr aus dem für den Geschäftserfolg
erforderlichen
Vorgehen, das ihnen - den Geschäftserfolg vor Augen - keine
andere
Wahl läßt. Es ist ein Witz, wenn z.B. Siemens, ja
gerade
Siemens!, mit seiner Compliance-Kampagne behauptet, nur im Rahmen der
Legalität gäbe es einen "nachhaltigen
Geschäftserfolg".
Nicht daß bis jetzt wenig oder zu wenig Druck auf die Politik
ausgeübt worden wäre, um alle Schranken, die der
Klassenstaat
dem Kapital (aus guten Gründen nicht nur seinerseits)
auferlegt
hat, einzureißen und kapitalistische Bedürfnisse zu
legalisieren, nein, trotz Agenda 2010, trotz der Finanzierung der
Parteien von SPD über CDU bis hin zu den
radikalkapitalistischen
Extremisten von der FDP, trotz unbestreitbarer weltweiter
Geschäftserfolge, haben die Vertreter des Kapitals immer
wieder
Ärger, insbesondere mit der demokratischen
Öffentlichkeit,
die ihnen gnadenlos den ein oder anderen Mißerfolg als
moralisches Versagen vorrechnet.
Wie eine solche, völlig unsachgerechte Kritik geht, sei hier
am Besipiel der Spekulanten
exemplarisch beleuchtet. (01.08.08)
Vom
Gebrauchswert der »Süddeutschen Zeitung«
Für
einen entschieden
prokapitalistischen Betrachter zählen die Fragen, die Marx
für das Projekt ihrer Beantwortung in seinem Werk Das Kapital [siehe
Link weiter unten] aufgeworfen hat, mehr als eben die ebendiesem Werk
gegebenen Antworten. Jene Fragen wurden also überhaupt nicht
als
irgendwie unverbindliche Überlegungen im Raum stehen gelassen,
wie
das filosofische Seminare zu tun pflegen und die ein
bürgerliches
Gemüt in seiner Langeweile schätzt. Einer Langeweile
übrigens, der sich die Feuilletons ebensolcher Zeitungen gerne
hingeben.
So hat die Süddeutsche
Zeitung
(12.06.08) darüber berichtet, daß eine
"Internationale
Marx-Engels-Stiftung in Amsterdam" offenbar nichts Besseres zu tun
weiß, als die Manuskripte zum Kapital
in all ihrer Ungeordnetheit herauszugeben, ganz so, als ob es Engels
sich hätte schenken können und sollen, die Marxschen
Resultate bezüglich des Zirkulationsprozesses des Kapitals -
es
geht um den 2. Band des Kapitals - zusammenzufassen.
Was an sich betrachtet absurd ist, hat Methode. Es eröffnet
nämlich ungeahnte Perspektiven der Kritik. Die besteht dann
nämlich in völliger Ignoranz dessen, was im Kapital
des
langen und breiten und völlig erschöpfend abgehandelt
Thema
ist. Das behandelt zentral den Unterschied zwischen Mehrwert und
Profit, was ja gerade auch beim Thema Handelskapital
interessant ist. Wie bescheuert dagegen der Einwand des von der
genannten Zeitung hochgehaltenen Bertram Schefold, der die zur
Erklärung der Realisation des Tauschwertes notwendige
Abstraktion
von einer Änderung des Gebrauchswertes infragestellt und damit
zu
erkennen gibt, daß für ihn das Geheimnis ein
Geheimnis
bleiben möge (- ansonsten würde ihm ja ein Gegenstand
seiner
"Wissenschaft" abhanden kommen). Was es damit auf sich hat, wenn der
Gebrauchswert eine Entwertung (etwa durch seine technische
Überholung) oder eine Aufwertung (etwa durch Verknappung)
erfährt, hat Marx übrigens da hingeschrieben, wo es
im
Gesamtzusammenhang der Warenproduktion sinnvollerweise
hingehört.
Wahrscheinlich leuchtet es dem bürgerlichen Wissenschaftler
freilich nicht einmal ein, daß an einer Ware der Tauschwert
zählt und der Gebrauchswert heischende
Käufer davon
ausgeschlossen ist, wenn es ihm nicht gelingt, sie zu kaufen, d.h.
Tauschwert aufzutreiben. Das läßt sich jedenfalls
daraus
schließen, wenn die genannte Zeitung ihm "sicher" rechtgibt,
"wenn er argumentiert,
während[!]
der
Zirkulation von Waren ändere sich der
Gebrauchswert[!],
etwa durch Moden, zeitlich und örtlich unterschiedliche
Bedürfnisse, das Gechick des Händlers,
ändere sich also[!] auch der Wert".
Genau: Alle frisch aus dem Job Entlassenen, die sich keine Tomaten mehr
leisten können, greifen dann nämlich zu
frischen
süddeutschen Billig-Birnen, haben doch die Tomaten dann ihren
Gebrauchswert verloren; man kann sich jedenfalls lebhaft vorstellen,
wie sie beim Händler dann auch tauschwertlos vor sich
hinfaulen!
Offenbar haben bürgerliche Meisterdenker noch nicht einmal das
erste Kapitel des ersten Bandes des Kapital gelesen.
Haben sie ja auch nicht nötig.
Da bürgerliche Wissenschaft und Öffentlichkeit sich
allerdings nie dumm genug anstellen können und man mit Marx
noch
lange nicht fertig ist, wenn man praktisch auf das gestoßen
wird,
was Marx theoretisch erklärt hat: Den Widerspruch zwischen
Kapital
und Arbeit. So attestiert man Marx großzügig in
vielem recht
zu haben - sogar der Duden bediene sich bei seinem Kapitalismus-Begriff
bei Marx -, ohne offenkundig auch nur das Geringste davon kapiert zu
haben, um ihm unter Vorhalten seiner Manuskripte dann Zweifel an und
ein Nichtzurechtkommen mit seiner eigenen Analyse anzudichten. In der
Tat, bei der Form der Darstellung hätte er sich weniger
Gedanken
machen müssen, wenn er die Inhalte auf das Niveau der Süddeutschen Zeitung
heruntergebracht hätte: Der Schönheit willen sei
zitiert, was
das Münchener Intelligenzblatt seiner Leserschaft hinrotzt:
"Übrigens kann,
aber muß
nicht, eine Rückwirkung der Zirkulation, zum Beispiel durch
kluge
Buchführung und Information, auf den
Wertschöpfungsprozeß stattfinden."
Soviel Klug- und Geldscheißerei gibt's täglich
für unglaublich preiswerte 1,70 Euro am Kiosk... (07.07.08)
Die
ENRON-Pleite
Seit kurzem ist eine DVD
über Aufstieg und Fall des Hauses Enron auf dem Markt (Enron -
It's Just Business, Arthaus, 15 Euro). Nach einem rasanten Aufstieg zum
Energiegiganten und letztlich siebtgrößten
Unternehmen der
USA mußte das Unternehmen im Schatten der
Twin-Tower-Trümmer
im Dezember 2001 seine Insolvenz anmelden. Der Film führt
schön vor Augen, wie ein Unternehmen aus seinem Interesse
heraus
all seine Verantwortlichen zu jenen Kotzkrawatten hat werden lassen,
die über Leichen gingen. Leider bietet der Film geradezu
kontrafaktisch eine völlig andere Erklärung der
Ereignisse
an: Die Verantwortlichen hätten sich am Unternehmen vergangen,
ja
mehr noch: Ein ganzes System diskreditiert. Wir merken uns also: So
brutal ein kapitalistisches Unternehmen auch vorgeht, so brutal wird
sein Prinzip des bedingungslosen Geschäftemachens auch
reingewaschen, wenn es am Ende ist. Manch CEO hat dafür ein
prima
Gespür und macht sich rechtzeitig aus dem Staub... So viel
Gespür möchte man der Arbeiterklasse auch
wünschen,
damit sie
rechtzeitig die Firma dichtmacht, was übrigens nie
früh genug sein kann. (28.06.08)
Ursachen???
- Probleme!!!
Ein gewisser US-Ökomom namens Jeffrey Sachs (Ex-Harvard-Prof,
jetzt UN-Entwicklungspolitik-Berater) antwortete der Süddeutschen Zeitung,
was die Ursachen für die schlimmste Nahrungskrise der Welt
seit Jahrzehnten seien, tatsächlich folgendes:
"Die Zahl der Menschen
und deren
Einkommen wächst, gleichzeitig stoßen wir an
Grenzen, was
die Anbaufläche und die Erträge der Landwirtschaft
betrifft.
Klimaschocks haben die Getreideernte in Australien und Teilen Europas
gedrückt. Zunehmend wird Ackerland für die Produktion
von
Bio-Treibstoff verwendet. All das wird potenziert durch niedrige
Lagerhaltung, durch Investitionen neuer Anleger in Rohstofffonds und
durch den schwachen Dollar." (02.05.08)
Die Zeitung hat die Übersetzung ihrer Frage in
eine ganz
andere nicht reklamiert. Also hat sie ihre Frage genau so gemeint, wie
der Befragte sie interpretiert hat: 1. Er hat die Unterstellung der
Zeitung geteilt, bei der Weltökonomie handelt es sich seit
Jahr
und Tag um ein - nicht nur vorgebliches - Programm zur
Bekämpfung
des Hungers. 2. Er tut so, als würde dieses Vorhaben, die
Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen, an objektive
Grenzen stoßen, die (nur) zum Teil unbedachter menschlicher
Tätigkeit geschuldet sind, welche leider verstärkend
statt
mildernd auf die äußeren Umstände
einwirkt.
Auch hat die Zeitung nicht
gefragt, wie blöd
er eigentlich ist, wenn er so tut, als könnten
"die Menschen"
alles kaufen, aber die Erträge der Landwirtschaft
gäben es
nicht her: Kennt er nicht die UN-Armutsstatistiken bezüglich
der
zig Millionen, die nicht einmal einen Dollar pro Tag zur
Verfügung
haben? Warum sollte ein Anleger, der kaum weiß, wohin mit
seinem
Kapital, ausgerechnet auf die Idee kommen, in einem Sektor zu
investieren, wo kein oder immer weniger Gewinn zu erwarten ist? Ist es
nicht eher schlimm bestellt um die Lagerhaltung von Gehirnzellen bei
Interviewer und Interviewtem? (18.05.08)
Der
aktuelle, brandheiße KoKa-Börsentip:
Ein gewissser John Carney von dem Finanzmagnaten Pioneer Investments
hat, so lobt ihn das Schweinsberg-Magazin, 4 von 5
Börsenkrisen
mit Gewinn bewältigt. Er wird deshalb um Ratschläge
bezüglich sicheren Spekulierens gebeten. Er antwortet u.a.
dies:
"Ja. Wir haben Zimmer
Holdings
aufgestockt. Das Unternehmen ist auf künstliche
Hüftgelenke
spezialisiert und hat sich von Bristol Meyers abgespalten. Die Aktie
geriet unter Druck, weil es hieß, die Menschen werden
angesichts
einer möglichen Rezession Operationen aufschieben. Das halte
ich
für unrealistisch. Wenn sie eine neue Hüfte brauchen,
werden
sie nicht warten. Langfristig sprechen zudem demografische Aspekte
für das Unternehmen." (5-2008)
Und zudem will er das
schlagende Argument den Loser-Lesern des Magazins vorenthalten: Der
Imperialismus hat in Sachen Krieg & Frieden noch einiges vor
auf
der Welt. Es ist also mit einer Zunahme von Invaliden genauso sicher zu
rechnen, wie die USA und ihre NATO-Verbündeten
Kriege nicht
als ihr Mittel aus dem Verkehr ziehen werden. Aus Kriegsopfern Kapital
machen, ein megageiler Vorschlag für die deutsche Bourgeoisie,
weil todsicher!
(23.03.08)
Karl Marx · Das Kapital - Kritik der politischen Ökonomie
(Marx-Engels-Werke Band 23 · 24 · 25)

Das Kapital Band 1:
Der Produktionsprozeß des Kapitals
Das Kapital Band 2:
Der Zirkulationsprozeß des Kapitals
Das Kapital Band 3:
Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion
Kritik der Mehrwerttheorien MEW Band 26.1 · 26.2
· 26.3
Der Kommunismus ist tot – der Kapitalismus funktioniert wie er im Buche steht:
Die Ware Arbeitskraft in der Theorie von Karl Marx – Die Lohnarbeit in der Praxis Deutschland
in GegenStandpunkt 2/1992 (für die, denen das Studium von Marx'
Kapital fürs erste zu lang ist)
![]()
"Beschäftigung"
– "Globalisierung" – "Standort" ... Anmerkungen zum
kapitalistischen Verhältnis zwischen Arbeit und Reichtum
"Mein Geld muß genauso
hart arbeiten wie ich", warb Berti Vogts seinerzeit
für eine gute Bank. Nicht ausgelassen hat er sich
über die Frage, woher Geld die Fähigkeit besitzt, die
allgemein "arbeiten" heißt und genau das Gegenteil
bezeichnet: Sich wie von selbst zu vermehren. Irgendwo wird schon noch
gearbeitet werden müssen. Von wem und wie, ist eine andere
Frage – die nämlich nach dem Charakter der Arbeit in
diesem besten aller Wirtschaftssysteme. Was die wirkliche Arbeit angeht
– die, die gegen Geld verrichtet wird –, so bringt
sie dem, der sie verrichtet, selten soviel ein, daß er sein
Geld für sich "arbeiten" lassen könnte. Arbeit gegen
Lohn, das weiß jeder, hat es an sich, daß von ihr
andere reich werden. Wie und warum, das ist schon wieder eine andere
Frage – die nämlich nach der Eigenart des Geldes,
das Kapital heißt und sich durch die Arbeit anderer vermehrt.
Und noch etwas fällt auf, wenn es um Geld und Arbeit geht:
Einerseits gibt es zuwenig Arbeit – zuwenig , daß
alle, die von ihr leben müssen, eine haben. Auf der anderen
Seite gibt es zuviel – zuviel nach den
Maßstäben derjenigen, die arbeiten lassen und
entlassen... Das wirft schon wieder Fragen auf – die nach den
Eigenarten des Verhältnisses von Arbeit und Geld
nämlich.
Mehr Arbeit für weniger Geld, das ist nach allgemeiner
Auffassung die einzig denkbare Konsequenz des Sachzwangs, den alle
Verantwortlichen im Munde führen – der
"Globalisierung". Mit immer weniger Arbeitern sollen immer
größere Gewinnansprüche bedient werden
– das ist kein bewußtlos wirkendes Kapitalgesetz,
das ist das bewußt gehandhabte Konkurrenzmittel, zu dem sich
Standortpolitik heute bekennt.
Marxisten erklären in diesem Artikel einmal ganz ohne Blick in
"Das Kapital" wie und was produziert wird im System unserer globalen
"Marktwirtschaft". Daß sie dabei letztlich auf
ähnliche Schlüsse über Lohnarbeit und
Kapital kommen wie Marx, wird kaum verwundern.
Sonderdruck
des Artikels aus GegenStandpunkt 4-96 und 1-97
60 Seiten · € 5.–
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Wolfgang Möhl / Theo
Wentzke
Das Geld -
von den vielgepriesenen
Leistungen des schnöden Mammons
Vorwort
GegenStandpunkt Verlag · 15,– € · ISBN 978-3-929211-11-5
