Handreichungen zum vieldiskutierten Begriff des WERTs  (als pdf) (08.07.10)

Neues von Robert Kurz zur Euro-Krise (16.05.10)

Ein fast allzu klassischer Fehlgriff

Vielfach bekommt man ja zu hören, daß Marx' Kapital schwer zu lesen und überhaupt schwer verständlich sei, von den über 2000 Seiten Stoff mal ganz abgesehen, die zu bewältigen in unserer schnellebigen Zeit einfach nicht möglich erscheine. Diese Klage gibt es nicht erst neuerdings, die gibt es schon fast solange es das Werk selber gibt, ebenso das falsche Urteil über die Schrift, daß sie eine Lehre sei und keine rücksichtslose Kritik der bestehenden Verhältnisse, die auf einem Zweck namens Tauschwert basiert.
Nun passiert es ja hin & wieder, daß einem etwas in die Hand gerät, das eben dazu taugt, falsche Urteile am vorliegenden Falle dingfest zu machen. Es geht um eine Neuformulierung des Kapitals, an der sich ein gewisser Julian Borchardt im Jahre 1919 zu schaffen gemacht hat. Er wollte Marx' Werk lesbar machen: "Mein Bestreben mußte es sein, soviel wie nur irgend möglich Marx' eigene Worte stehen zu lassen und meine Tätigkeit auf das Auslassen und Umstellen zu beschränken." Damit er sich nicht zuviel selber rühmen muß, überläßt er das einer Rezension, die über sein Werk folgendes schreibt und die J.B. willkommenerweise und ohne Einwände zitiert:
" Wir freuen uns, an der Schrift von Julian Borchardt rühmen zu können, daß darin die Zentralgedanken der marxistischen Ökonomie vortrefflich und im Allgemeinen [!, im besonderen natürlich nicht, ist ja wohl auch nicht nötig, soviel jedenfalls wie der Rezensent von der "marxistischen Ökonomie" - ist das jetzt Das Kapital, also die kapitalistische Ökonomie oder was? - verstanden haben will, ohne sich mit dem Original abgegeben zu haben.] ganz im Sinne des Vorstehenden popularisiert sind.  Wie kurz, einfach und lichtvoll ist z.B. die Pointe der Mehrwerttheorie auf der ersten [! eine echt starke Leistung, fürwahr!] Seite resümiert: 'Das Kapital kauft die Arbeitskraft und zahlt dafür den Lohn. [Das versteht jeder sofort, nur der blöde Marx hat  für erklärungsbedürftig gehalten, daß einer kauft und der andere - mehr nolens als volens - seine Arbeitskraft verkauft.] Indem dann der Arbeiter arbeitet [ist ja klar, ist ja gekauft!, zu welchen Bedingungen auch immer!], erzeugt er einen neuen Wert [ist ja unmittelbar einleuchtend, schließlich entspringt seiner eingesetzten Arbeitskraft ein neues Produkt! - wie der Wert der Arbeitskraft auf die neue Ware übergeht - ebenso einerlei wie die Frage, welchen Wert denn nun eine Ware hat!], der nicht ihm, sondern dem Kapitalisten gehört [wem auch sonst, also leicht verständlich auch dies! Welchem bürgerlichen Kopf ist es schon ein Rätsel, daß der Arbeiter von den Ergebnissen seiner Produktion, den Waren, getrennt und von ihrer Verfügung ausgeschlossen ist?]. Eine Weile muß er [gemeint ist natürlich der Arbeiter] arbeiten, um nur den Wert des Arbeitslohnes wieder zu erhalten [Hier stellt sich doch die Frage, was ist der Arbeitslohn wert? Hier wäre doch einfacher formuliert einfach ausnahmsweise auch mal richtig: 'Um den Arbeitslohn zu erhalten.' Mitgedacht ist wahrscheinlich das, was Marx in seiner Ausführung für nötig erachtet hat, zu erläutern, daß nämlich der Arbeitslohn gerade für die notwendige Reproduktion der Arbeitskraft ausreichen muß, also auch der Lohn zahlende Kapitalist  das wenigstens zu berücksichtigen hat (was ihm staatlicherseits erst beigebracht werden muß(te), denn offenbar bezahlt(e) er aus eigenem Interesse dem Arbeiter oft nicht einmal das). Natürlich kann einer das lässig streichen, der sowieso nichts anderes im Kopf hat wie Beschäftigung pur als Non-Plus-Ultra eines Arbeiterinteresses.].  Aber nachdem dies geschehen, hört er nicht auf  [warum eigentlich nicht?], sondern arbeitet noch einige [?!] Stunden des Tages. [Lustiger Mensch, unser Arbeiter im Kopf des J.B.!] Der neue Wert, den er jetzt erzeugt, und der also [! sehr logisch & einleuchtend!] den Betrag des Arbeitslohnes übersteigt [soso!], ist der Mehrwert. [Hier haben wir also eine neue (Form der) Mehrwerttheorie, nach der das quantitative Übersteigen des  nichtbezahlten Teils des Werts der Arbeitskraft im Vergleich zum bezahlten, eben den Mehr-Wert ausmacht! Wäre es umgekehrt der Fall, also der bezahlte Teil der Arbeitskraft größer als der unbezahlte, dann gäbe es wohl keinen richtigen Mehr-Wert: Dann würde sozusagen der Arbeiter den Kapitalisten gar keinen Kapitalisten mehr sein lassen, sondern den Spieß umdrehen und ihn ausbeuten. Keine Frage, daß das - und nicht etwa Marx, nach dem der Mehrwert der unbezahlte Wertteil der Arbeitskraft (den er deshalb gar nicht als Wert der Arbeitskraft faßt) ist, der auf die Ware übertragen wird - den Fanatikern eines gerechten Lohns eingeleuchtet haben muß.]' Näheres über Wert und Arbeit sowie über den Kapitalprofit, ist dann gesondert in den beiden letzten der sechs in Unterabteilungen wohlgegliederten Kapitel - nicht  minder gemeinverständlich ausgeführt. ... Wie der Autor im Vorwort sagt, wollte er kein abgeschlossenes System der Wirtschaftslehre bieten, sondern nur den Gedankengang, der dem Marxschen Kapital, 1. Band, zugrunde liegt. Und das ist ihm vortrefflich gelungen und wir stehen nicht an, die Schrift denen, die vom ökonomischen Marxismus noch kein richtiges Wissen haben, zur Einführung in denselben aufs Wärmste zu empfehlen."
KoKa hat diese Rezension und das Vorwort allerdings schon gereicht, diese Schrift, die vom Marxschen Gedankengang offenkundig nicht das Geringste, geschweige denn wenigstens den Zweck des Werkes, verstanden hat, vielmehr sich in einer völlig unleserlichen Banalisier- und Fabulierkunst erquickt, dem Müll zu übergeben. Hier nochmal der einfache Leitgedanke, den Marx im Kopf hatte, als er "Das Kapital" schrieb: Wie kommt der Profit (und als dessen Grundlage der Mehrwert) wirklich - also ohne Zauberei, Trickserei und Betrug - zustande? Wie wird aus Geld mehr Geld? Doch nicht einfach so! Auch und gerade wenn es heutzutage allen Anschein haben mag, daß das Geld (von) selber arbeitet und nicht der Arbeiter.
Im übrigen ist es eine riesige Unverschämtheit unter dem Vorwand schwer verständlicher Formulierung unter dem gleichen Titel eine ganz andere, völlig unhaltbare Theorie zu verbreiten und überdies mit ihr Marx guten wissenschaftlichen Namen in den Dreck zu ziehen. Wer vermutet, daß dieser Borchardt einer jener widerlich abgefeimten "linken" Sozialdemokraten war, liegt übrigens völlig richtig. (13.03.10)

Enteignung als die Methode der Gewinnung abstrakten Reichtums
Viel Gejammer hebt an unter den Wirtschaftsliberalen, wenn der Staat sich erlaubt, Privateigentum an Kapital zu enteignen, mitunter ja sogar darüber - die Dummheit radikaler Ideologen kennt keine Grenzen -, wenn das zu seiner Rettung geschieht - andernfalls verbittet sich der kapitalistische Staat das ja sowieso. Daß Enteignung in ganz prinzipieller Hinsicht probate Methode des Kapitals selber ist, ist dem New Yorker Professor David Harvey in aller Unbegriffenheit aufgefallen:
"Im Januar 2008 hatten über zwei Millionen Menschen ihre Wohnungen verloren. Im selben Monat wurden an der Wall Street Bonusprämien in Höhe von insgesamt 32 Milliarden US-Dollar ausgezahlt. Ich kann natürlich nicht sagen, daß das Geld, das die oben genannten Gruppen verloren haben, direkt in der Wall Street gelandet ist. Aber wenn man eine derart immense Vermögensbildung auf der einen Seite und dermaßen heftige Vermögensverluste auf der anderen Seite beobachtet, kommt man nicht umhin, einen Zusammenhang festzustellen. Ich fasse dieses Ereignis als einen Ausdruck der Klassenverhältnisse auf. Es ist eine gute Beschreibung dessen, was ich 'Akkumulation durch Enteignung' nenne: Ein Teil der Bevölkerung wird enteigent, und einem anderen Teil fließt das enteignete Vermögen zu." (analyse & kritik, Nr. 541, 08-2009)
Was haben denn die zwei Millionen Menschen gehabt? Gehörten denn die Wohnungen ihnen? Nein. Sie hofften mit dem Verkauf ihrer Arbeitskraft gegen Lohn, sich solche leisten zu können, indem sie ihre Lebensansprüche anderweitig einschränkten. Der Lohn war also teilweise verpfändet an ihnen Kredit gewährende Banken. Mit ihrem Lohn finanzierten sie sowohl dem Wohnungsverkäufer wie auch der Bank einen Profit. Bedingung dafür war natürlich, daß der Lohn solange und in genügender Höhe fließt, bis die Ansprüche von Wohnungsverkäufer und Bank abgetragen waren. Daß der Lohn das unmöglich gewährleisten kann, ergibt sich daraus, was er ist: Er ist die Entschädigung durch den Käufer der Arbeitskraft, solange er sie gebrauchen, also rentabel anwenden kann. Hier liegt schon die erste Enteignung vor: Die Trennung der Arbeitskraft von ihrem Nutzen. Sie geht ganz in den Gebrauch des Käufers ein, entschwindet also ihrem Besitzer. Dafür wird sie unter ihrem Wert bezahlt, was die Grundlage des Profits ausmacht. Es soll ja auch nur eine Entschädigung sein - eine Entschädigung für die Reproduktionskosten der Arbeitskraft, die natürlich all ihrer Schädigung zum Trotz dauerhaft zur Verfügung stehen soll. Der Lohn ist also schon eine sehr mäßige Angelegenheit, fußend auf der Enteignung der Arbeitskraft, die im Dienst nicht für sich selber, sondern für einen anderen, einen Kapitalbesitzer, steht und mangels eigenen Kapitals auf Gedeih und Verderb stehen muß.
Nun bildet sich ein Wohnungskäufer ein, mit eben diesem seinem Lohn, zumal wenn er ein bißchen höher ausfallen sollte als der Durchschnitt, sich auch einmal etwas leisten wollen zu können, schwer beeindruckt von den vielen tollen Sachen, die feilgeboten und angepriesen werden und an die mit ihrem Besitz ein Stück gesellschaftlicher Anerkennung gebunden ist. Damit stellt der Käufer an sich schon Ansprüche, die sein Lohnarbeiterdasein überfordern: Genaugenommen müßte er jetzt der anderen Seite, dem Käufer seiner Arbeitskraft, mehr abzuringen bestrebt sein. Er müßte, da er selber anspruchsvoll sein will, diese seine Ansprüche dem gegenüber geltend machen, der ihn mit dem Kauf seiner Arbeitskraft enteignet, also seine Ansprüche zurückweist. Doch offenbar war das nicht das Ansinnen genannter zwei Millionen Menschen gewesen. Die hatten glatt gemeint, der Kapitalismus sei - wenn man es nur irgendwie geschickt anstelle - ein ziemlich kostengünstiger oder gar kostenloser (Selbstbedienungs-)laden.
Kurzum, die Enteignung geht schon beim Abschluß eines Kaufvertrags los und stellt sich nicht erst hinterher ein. Was sich hinterher einstellt, ist der Katzenjammer und die Krokodilstränen über die eigene Blödheit. Und natürlich die Fabulierkunst der Filosofen, die einmal mehr die "Ungerechtigkeit" der Welt beklagen können, was leider ein nicht ausrottbarer Kassenschlager auf dem Buchmarkt zu sein scheint.
(22.08.09)

Klassischer Fehlgriff
Daß man heutzutage im Grunde gar nicht mehr für den Kapitalismus sein kann, wenn man nicht "aus Verantwortung" für die herrschenden Verhältnisse müßte, das haben sogar die Schlaumeier von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gemerkt. Aber nicht nur dieser monetenschwere Idiotenverein bemüht sich weiterhin, an den Lebenslügen des Systems zu stricken, selbst längst vergessene Professoren wie Gerhard Scherhorn (seinerzeit Prof. für Konsumökonomik an der Universität Hohenheim bei Stuttgart) legen sich ins Zeug: Er bietet folgendes - sehr symptomatisch gewordenes - Erklärungsmuster der Krise an:
"... Was die Welt in die Finanzkrise geführt hat, war eine Aufblähung des Geldschöpfungspotentials der Banken. Sie wurde möglich durch die Liberalisierung des Kapitalverkehrs ab Ende der 1970er Jahre. Man verzichtete auf nationale Genehmigungspflichten und Qualitätskontrollen für neue Anlageprodukte (Derivate) und neue Akteure (Hedgefonds, Private Equity Fonds), ohne sie durch internationale Vorschriften und Kontrollen zu ersetzen. Finanzgeschäfte außerhalb der Börsen und Bankgeschäfte außerhalb der Bilanzen wurden leichter möglich, Veräußerungsgewinne wurden steuerbefreit, Mehrfach- und Höchststimmrechte abgeschafft, Spielräume für Aktienrückkauf und variable Managervergütungen erweitert. ..." (taz, 02.04.09)
Wenn schon mal auf die Gründe eingegangen wird, dann so. Daß es allerdings unmöglich sein kann, daß etwas passiert, weil etwas anderes NICHT geschehen ist, ist unlogisch. Anders herum gibt es Sinn: Die Genehmigungspflichten und Kontrollen wurden aus gutem, nicht aus schlechtem Grund abgebaut, weil somit die Freiheiten des Kapitals erweitert werden sollten. Offenbar hatte das Kapital ein Bedürfnis
danach. Ja, der Gewinn erheischt immer neue Freiheiten, weil sein Verlangen prinzipiell grenzenlos ist. Dem kam der Staat nach, weil er seinerseits an einer Ökonomie interessiert ist, die erfolgreich ist und für ihn das abwerfen soll, was er braucht, um in der internationalen Rangordnung der Staatenwelt sich zu behaupten und möglichst aufzusteigen.
Das Kapital hatte aber nicht nur einfach so seinen Gewinn im Sinn. Es kennt dafür einen Bedarf, ein wesentlicher ist das Verfügen über Geld, über Kredit, denn nur mit ihm werden die Schranken der gegenwärtigen Wirtschaftsweise in dem Maße durchbrochen, wie es die - wie gesagt: prinzipiell unermeßliche - Gewinnerwartung verlangt.
Die heutzutage mit jenen damaligen staatlichen Maßnahmen erreichte Stufe des Kapitalismus, die wollen ausgerechnet die Ideologen nicht missen, die den dafür notwendigen Einriß der Schranken der alten Stufen geißeln, als wäre deren Einriß dafür nicht nur nicht notwendig, sondern kontraproduktiv gewesen!
Alles weitere zur Finanz- und Wirtschaftskrise in der nach wie vor erhältlichen Ausgabe des GegenStandpunkts 4/2008. (02.04.09)

Theoretisch alles im Griff!
Das wollte die Süddeutsche Zeitung hören, von der letzten, für die Liquidität des weltweiten Kapitalismus zuständigen Instanz, der Weltbank, von ihrem Chef, Robert Zoellick (Interview v. 23.02.09). Einzig eine Lösung interessierte sie, nicht welchem Zweck es zu verdanken sei, daß laut Zoellick im vergangenen Jahr "durch die Explosion der Lebensmittel- und Energiepreise zwischen 130 und 155 Millionen Menschen zurück in die Armut gestoßen" worden sind. Sie versteht es, saublöde Fragen zu stellen wie z.B., ob die jetzt steil abstürzenden osteuropäischen Staaten "nach dem Fall des Eisernen Vorhangs" nicht große Fortschritte gemacht hätten. Zoellick hingegen weiß und betont, wie wichtig ein funktionierendes Kreditsystem ist, es ist die Grundlage der kapitalistischen Wirtschaftsordnung überhaupt. Er hat die Befürchtung, daß sich angesichts des ökonomischen Desasters Staaten vom freien Welthandel, zumindest partiell, abkoppeln. Das ist mit dem - kaum noch zu revidierenden - Scheitern der letzten WTO-Runde (Doha) allerdings bereits ebenso Fakt wie mit der Inflation der bilateralen "Freihandels"-Abkommen, deren Zahl auf mehr als 430 angestiegen ist, wovon allein 300 in den letzten acht Jahren abgeschlossen wurden. Kurzum, der US-Amerikaner Zoellick kann nicht bestreiten, daß den USA - und daran sind sie mit ihrer Unnachgiebigkeit selber maßgeblich beteiligt - die Fäden des Welthandels, die bei ihnen zusammenlaufen, langsam aber sicher entgleiten. Nichtsdestotrotz will er die Ideologie des Systems in die Köpfe der politischen Protagonisten des Kapitalismus - an dieser Stelle in die deutschen - hämmern: 1. Konjunkturprogramm, 2. dieses hauptsächlich zur Rettung des Finanzsystems, 3. nationale Kreditierung der Geschäftsbanken, 4. kein Protektionismus, 5. das alles nicht zuletzt - ein bißchen Heuchelei muß sein - im Interesse der Weltgegenden, in denen sogenannte failing states grassieren. Er erinnert an 1776, als 13 britische Kolonien sich zu den USA zusammenschlossen. Im Niedergang erinnert man halt gern an die guten alten Zeiten, als einem die Welt noch offen stand. Es gehört in der Tat schon sehr viel Idealismus und Unverfrorenheit dazu, dem Kapitalismus als weltweitem Erfolgsrezept nationaler Gewaltmonopole aus der Krise helfen auch nur zu wollen.
(01.03.2009)

Sozialismusvorwurf an eine ungewöhnliche Adresse
Er wird gegen die Regierung vorgebracht, von maßgeblichen Kräften der Bourgeoisie und ihren verlängerten Armen in Parlament und Presse. Weil dieser Vorwurf in der Sache so absurd ist, merkt man auch gleich den Agitpropcharakter der Anstrengung. Eine Seite, die sich unter dem anspruchsvollen Titel »Kapitalismus begreifen« online findet, hat sich nichtsdestotrotz Gedanken über jene Gleichsetzung von Marx und Engels mit Frau Merkel & Co. gemacht. (25.02.2009)

Heuchelei verbürgt Verantwortung
Tiefe Furchen in der dick aufgetragenen Schminke hinterließen die Krokodilstränen der Madame Schaeffler. "Die Vollkasko-Mentalität unserer Kapitalisten geht nämlich von Schadensregulierung ohne Selbstbeteiligung und ohne vorherige Beitragszahlung aus und will dann auch noch die Rückerstattung der gar nicht bezahlten Prämien." (so ein Leserbrief in der taz v. 19.02.09) Natürlich nicht bloß "unserer". Viel interessanter, als der (vermeintlichen) Verantwortungslosigkeit eine (eigentliche) Verantwortung gegenüberzustellen - die Linie, die der Schreiber des weiteren verfolgt -, wäre doch die Frage, woher diese Mentalität rührt. Kapitalisten wissen doch, daß der Staat auf sie, weniger als Verantwortungsträger, vielmehr auf sie als Leistungsträger baut, weil er sich von deren "Leistung" abhängig weiß. Dies betrachten sie als ziemlichen Freibrief für ihre Spekulationen. Je risikanter die ausfallen, desto größer die Leistung, vorausgesetzt die Spekulation geht auf. Wenn, wie im vorliegenden Falle eine solche sich als krasse Fehlspekulation herausstellt, setzt der Kapitalist nicht minder darauf, daß der Staat dafür Verständnis haben muß, will er seine Staatsräson, die im Erfolg des Kapitals ihren Grund hat, nicht revidieren. Daß der Staat hier tatsächlich Revisionen vornehmen könnte, das ist die große Befürchtung der Eigentümerbagage. Da ist ja auch was dran; denn wie die Anzahl fehlgeschlagener Spekulationen zeigt, sieht sich der Staat zunehmend gezwungen, ein eigenes Kosten-Nutzen-Verhältnis den privaten Gewinnrechnungen gegenüberzustellen. (20.02.2009)

"The World Economy: What Would Marx Think?"
so titelt das US-Magazin Time in seiner Februar-Ausgabe. Diese Frage einmal ernstgenommen, könnte der Autor den Artikel What the Collapse of the Financial System Teaches about the Wealth of Capitalistic Nations lesen. Was macht er stattdessen? Er begibt sich auf die Spuren von Marx, begibt sich nach Trier, Paris und London. Wie zum Teufel kam er auf diese reichlich bescheuerte Idee, die man geradezu für typisch us-amerikanisch halten mag: Ist es der Erfolg der chinesischen Ökonomie, deren Urheberin eine sich kommunistisch nennende Partei ist? So mag denn der Autor Peter Gumbel denken, daß dieser Erfolg irgendwie Marx geschuldet sei, wenn er die Frage stellt: "As we work out how to save capitalism, it's worth studying the system's greatest critic"
Bestärkt darin haben ihn sicherlich die chinesischen Touristen, die sich gerne vor Marx' Geburtshaus ablichten lassen, und er kann dies selbst mit einer Chinesin, die dort die Finger zum Victory-Zeichen erhebt, stolz dokumentieren. Es mag ja sein, daß China den Kapitalismus rettet, bloß: Eine Anleitung dazu findet sich in Marx' Kapital in keiner Hinsicht. Dort beweist Marx nichts weniger als die Notwendigkeit, daß dieses System der Zerstörung selbst zerstört werden muß. Würde Marx' Kritik etwas für das System Konstruktives abwerfen, würde es dann nicht schon längst zum Standardrepertoire der Universitäten gehören? Das ist offenbar nicht der Fall, Friedman und Keynes beherrschen die Wirtschaftswissenschaften. Und damit Gumbel neben chinesisch nicht auch noch deutsch lernen muß, hier ein Auszug aus dem Kapital, Band 1, about machinery and modern industry and their work of destruction, especially in the USA:

" ... In modern agriculture, as in the urban industries, the increased productiveness and quantity of the labour set in motion are bought at the cost of laying waste and consuming by disease labour-power itself. Moreover, all progress in capitalistic agriculture is a progress in the art, not only of robbing the labourer, but of robbing the soil; all progress in increasing the fertility of the soil for a given time, is a progress towards ruining the lasting sources of that fertility. The more a country starts its development on the foundation of modern industry, like the United States, for example, the more rapid is this process of destruction. Capitalist production, therefore, develops technology, and the combining together of various processes into a social whole, only by sapping the original sources of all wealth - the soil and the labourer."  (MECW, vol. 35, p. 507 or the Chicago edition by Charles M. Kerr, 1932, Capital, vol. 1, p. 555)
Übrigens: Die Time-Ausgabe ist einfach irre! Ihr Kauf schadet Ihrer Gesundheit!
(27.01.2009)

Die demokratische Öffentlichkeit bespricht die Krise
(alle Teile zusammengefaßt; pdf-Datei)

(01.01.2009)

1932: Die KPD in den Zeiten der Wirtschaftskrise
Ein Beitrag zur Geschichte (29.12.08)

Spekulation darauf, wie es denn nun weitergeht mit "unserer" Wirtschaft, und moralische Entrüstung!
Folgt man der taz-Rezension von Ulrike Herrmann am 13.12.08, so ist dem flugs zur Fianzkrise auf den Buchmarkt geworfenen Lesestoff eigentlich nichts zu entnehmen, was wirkliches Wissen über die Vorgänge ausmachen würde. Das Urteil "Wahnsinn" ist ja nun wirklich ultrabillig zu haben. Freilich, eines leistet so ein Urteil leider todsicher: Verbesserungsvorschläge bleiben nicht aus, und es kann sich so innerhalb des Systems prima gezankt werden. Bei den erlesenen Büchern handelt es sich um: 
Wolfgang Köhler: "Wall Street Panik – Banken außer Kontrolle. Wie Kredithaie die Weltkonjunktur ins Wanken bringen",
Wolfgang Münchau: "Vorbeben. Was die globale Finanzkrise für uns bedeutet und wie wir uns retten können",
Wolfgang Münchau: "Kernschmelze im Finanzsystem",
George Soros: "Das Ende der Finanzmärkte – und deren Zukunft. Die heutige Finanzkrise und was sie bedeutet",
Sahra Wagenknecht: "Wahnsinn mit Methode. Finanzcrash und Weltwirtschaft", 
Lucas Zeise: "Ende der Party. Die Explosion im Finanzsektor und die Krise der Weltwirtschaft".
Wer zu diesen Werken Anmerkungen oder Kritik verfassen will, kann die wie immer an die KoKa-E-mail-Adresse schicken oder an die speziell zum Thema Finanzkrise eingerichtete Website "Von Marx lernen". 
(16.12.08)

Bürgerliche Erkenntnis: Marx ein Psycho wie man selber!
Während die Augsburger Allgemeine (AZ) meint, Marx wäre von der Wucht der Finanzkrise doch irgendwie unangenehm überrascht gewesen, weil er selbst nicht zu den Ärmsten gehört habe, meint der britische Guardian, Marx hätte jenen Moment genossen: "Von allen Seiten bekommt der Finanzkapitalismus schwere Schläge versetzt." Komisch, daß alle an Marx denken, ohne auch nur einen Deut seiner Kritik verstanden zu haben. 
So geht es, wenn man angesichts der Spekulanten am liebsten auch Marx als Psychopathen durch die Welt laufen sähe.
Im übrigen ist es schon eine unsterbliche Leistung der realsozialistischen Staaten, die Verwechselung ihres - an alles andere als an Marx' Kritik angelehnten - Systems mit ebendieser Kritik auch in die Köpfe des imperialischen Gegners eingebimst zu haben. Die wundersame Gleichung, in der Marx-Revisionisten und bürgerliche Köpfe prima übereinstimmen, heißt: Staat = Sozialismus (und natürlich die andere Seite: Privateigentum = Freiheit).
(02.11.08)

Das Höchste an demokratischer Kapitalkritik: »Spekulanten sind geradezu kontraproduktiv!«
Wie schon in der Kritik am Falle Enron angesprochen, steht das Verhältnis von Ökonomie und der Psyche der Agenten des Kapitals in der bürgerlichen Betrachtungsweise auf dem Kopf: Nicht der Charakter der Agenten ist für Erfolg und Mißerfolg verantwortlich, er bildet sich vielmehr aus dem für den Geschäftserfolg erforderlichen Vorgehen, das ihnen - den Geschäftserfolg vor Augen - keine andere Wahl läßt. Es ist ein Witz, wenn z.B. Siemens, ja gerade Siemens!, mit seiner Compliance-Kampagne behauptet, nur im Rahmen der Legalität gäbe es einen "nachhaltigen Geschäftserfolg". Nicht daß bis jetzt wenig oder zu wenig Druck auf die Politik ausgeübt worden wäre, um alle Schranken, die der Klassenstaat dem Kapital (aus guten Gründen nicht nur seinerseits) auferlegt hat, einzureißen und kapitalistische Bedürfnisse zu legalisieren, nein, trotz Agenda 2010, trotz der Finanzierung der Parteien von SPD über CDU bis hin zu den radikalkapitalistischen Extremisten von der FDP, trotz unbestreitbarer weltweiter Geschäftserfolge, haben die Vertreter des Kapitals immer wieder Ärger, insbesondere mit der demokratischen Öffentlichkeit, die ihnen gnadenlos den ein oder anderen Mißerfolg als moralisches Versagen vorrechnet.
Wie eine solche, völlig unsachgerechte Kritik geht, sei hier am Besipiel der Spekulanten exemplarisch beleuchtet. (01.08.08)

Vom Gebrauchswert der »Süddeutschen Zeitung«
Für einen entschieden prokapitalistischen Betrachter zählen die Fragen, die Marx für das Projekt ihrer Beantwortung in seinem Werk Das Kapital [siehe Link weiter unten] aufgeworfen hat, mehr als eben die ebendiesem Werk gegebenen Antworten. Jene Fragen wurden also überhaupt nicht als irgendwie unverbindliche Überlegungen im Raum stehen gelassen, wie das filosofische Seminare zu tun pflegen und die ein bürgerliches Gemüt in seiner Langeweile schätzt. Einer Langeweile übrigens, der sich die Feuilletons ebensolcher Zeitungen gerne hingeben.
So hat die Süddeutsche Zeitung (12.06.08) darüber berichtet, daß eine "Internationale Marx-Engels-Stiftung in Amsterdam" offenbar nichts Besseres zu tun weiß, als die Manuskripte zum Kapital in all ihrer Ungeordnetheit herauszugeben, ganz so, als ob es Engels sich hätte schenken können und sollen, die Marxschen Resultate bezüglich des Zirkulationsprozesses des Kapitals - es geht um den 2. Band des Kapitals - zusammenzufassen.
Was an sich betrachtet absurd ist, hat Methode. Es eröffnet nämlich ungeahnte Perspektiven der Kritik. Die besteht dann nämlich in völliger Ignoranz dessen, was im Kapital des langen und breiten und völlig erschöpfend abgehandelt Thema ist. Das behandelt zentral den Unterschied zwischen Mehrwert und Profit, was ja gerade auch beim Thema Handelskapital interessant ist. Wie bescheuert dagegen der Einwand des von der genannten Zeitung hochgehaltenen Bertram Schefold, der die zur Erklärung der Realisation des Tauschwertes notwendige Abstraktion von einer Änderung des Gebrauchswertes infragestellt und damit zu erkennen gibt, daß für ihn das Geheimnis ein Geheimnis bleiben möge (- ansonsten würde ihm ja ein Gegenstand seiner "Wissenschaft" abhanden kommen). Was es damit auf sich hat, wenn der Gebrauchswert eine Entwertung (etwa durch seine technische Überholung) oder eine Aufwertung (etwa durch Verknappung) erfährt, hat Marx übrigens da hingeschrieben, wo es im Gesamtzusammenhang der Warenproduktion sinnvollerweise hingehört. Wahrscheinlich leuchtet es dem bürgerlichen Wissenschaftler freilich nicht einmal ein, daß an einer Ware der Tauschwert zählt und der Gebrauchswert heischende Käufer davon ausgeschlossen ist, wenn es ihm nicht gelingt, sie zu kaufen, d.h. Tauschwert aufzutreiben. Das läßt sich jedenfalls daraus schließen, wenn die genannte Zeitung ihm "sicher" rechtgibt,
"wenn er argumentiert, während[!]
der Zir­kulation von Waren ändere sich der Ge­brauchswert[!], etwa durch Moden, zeitlich und örtlich unterschiedliche Bedürfnisse, das Gechick des Händlers, ändere sich also[!] auch der Wert". 
Genau: Alle frisch aus dem Job Entlassenen, die sich keine Tomaten mehr leisten können, greifen dann nämlich zu frischen süddeutschen Billig-Birnen, haben doch die Tomaten dann ihren Gebrauchswert verloren; man kann sich jedenfalls lebhaft vorstellen, wie sie beim Händler dann auch tauschwertlos vor sich hinfaulen! Offenbar haben bürgerliche Meisterdenker noch nicht einmal das erste Kapitel des ersten Bandes des Kapital gelesen. Haben sie ja auch nicht nötig.
Da bürgerliche Wissenschaft und Öffentlichkeit sich allerdings nie dumm genug anstellen können und man mit Marx noch lange nicht fertig ist, wenn man praktisch auf das gestoßen wird, was Marx theoretisch erklärt hat: Den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. So attestiert man Marx großzügig in vielem recht zu haben - sogar der Duden bediene sich bei seinem Kapitalismus-Begriff bei Marx -, ohne offenkundig auch nur das Geringste davon kapiert zu haben, um ihm unter Vorhalten seiner Manuskripte dann Zweifel an und ein Nichtzurechtkommen mit seiner eigenen Analyse anzudichten. In der Tat, bei der Form der Darstellung hätte er sich weniger Gedanken machen müssen, wenn er die Inhalte auf das Niveau der Süddeutschen Zeitung heruntergebracht hätte: Der Schönheit willen sei zitiert, was das Münchener Intelligenzblatt seiner Leserschaft hinrotzt:
"Übrigens kann, aber muß nicht, eine Rückwirkung der Zirkulation, zum Beispiel durch kluge Buchführung und Information, auf den Wertschöpfungsprozeß stattfinden."
Soviel Klug- und Geldscheißerei gibt's täglich für unglaublich preiswerte 1,70 Euro am Kiosk... (07.07.08)

Die ENRON-Pleite
Seit kurzem ist eine DVD über Aufstieg und Fall des Hauses Enron auf dem Markt (Enron - It's Just Business, Arthaus, 15 Euro). Nach einem rasanten Aufstieg zum Energiegiganten und letztlich siebtgrößten Unternehmen der USA mußte das Unternehmen im Schatten der Twin-Tower-Trümmer im Dezember 2001 seine Insolvenz anmelden. Der Film führt schön vor Augen, wie ein Unternehmen aus seinem Interesse heraus all seine Verantwortlichen zu jenen Kotzkrawatten hat werden lassen, die über Leichen gingen. Leider bietet der Film geradezu kontrafaktisch eine völlig andere Erklärung der Ereignisse an: Die Verantwortlichen hätten sich am Unternehmen vergangen, ja mehr noch: Ein ganzes System diskreditiert. Wir merken uns also: So brutal ein kapitalistisches Unternehmen auch vorgeht, so brutal wird sein Prinzip des bedingungslosen Geschäftemachens auch reingewaschen, wenn es am Ende ist. Manch CEO hat dafür ein prima Gespür und macht sich rechtzeitig aus dem Staub... So viel Gespür möchte man der Arbeiterklasse auch wünschen, damit sie rechtzeitig die Firma dichtmacht, was übrigens nie früh genug sein kann. (28.06.08)

Ursachen???  -  Probleme!!!
Ein gewisser US-Ökomom namens Jeffrey Sachs (Ex-Harvard-Prof, jetzt UN-Entwicklungspolitik-Berater) antwortete der Süddeutschen Zeitung, was die Ursachen für die schlimmste Nahrungskrise der Welt seit Jahrzehnten seien, tatsächlich folgendes:
"Die Zahl der Menschen und deren Einkommen wächst, gleichzeitig stoßen wir an Grenzen, was die Anbaufläche und die Erträge der Landwirtschaft betrifft. Klimaschocks haben die Getreideernte in Australien und Teilen Europas gedrückt. Zunehmend wird Ackerland für die Produktion von Bio-Treibstoff verwendet. All das wird potenziert durch niedrige Lagerhaltung, durch Investitionen neuer Anleger in Rohstofffonds und durch den schwachen Dollar." (02.05.08)
Die Zeitung hat die Übersetzung ihrer Frage in eine ganz andere nicht reklamiert. Also hat sie ihre Frage genau so gemeint, wie der Befragte sie interpretiert hat: 1. Er hat die Unterstellung der Zeitung geteilt, bei der Weltökonomie handelt es sich seit Jahr und Tag um ein - nicht nur vorgebliches - Programm zur Bekämpfung des Hungers. 2. Er tut so, als würde dieses Vorhaben, die Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen, an objektive Grenzen stoßen, die (nur) zum Teil unbedachter menschlicher Tätigkeit geschuldet sind, welche leider verstärkend statt mildernd auf die äußeren Umstände einwirkt. 

Auch hat die Zeitung nicht gefragt, wie blöd er eigentlich ist, wenn er so tut, als könnten "die Menschen" alles kaufen, aber die Erträge der Landwirtschaft gäben es nicht her: Kennt er nicht die UN-Armutsstatistiken bezüglich der zig Millionen, die nicht einmal einen Dollar pro Tag zur Verfügung haben? Warum sollte ein Anleger, der kaum weiß, wohin mit seinem Kapital, ausgerechnet auf die Idee kommen, in einem Sektor zu investieren, wo kein oder immer weniger Gewinn zu erwarten ist? Ist es nicht eher schlimm bestellt um die Lagerhaltung von Gehirnzellen bei Interviewer und Interviewtem? (18.05.08)

Der aktuelle, brandheiße KoKa-Börsentip:
Ein gewissser John Carney von dem Finanzmagnaten Pioneer Investments hat, so lobt ihn das Schweinsberg-Magazin, 4 von 5 Börsenkrisen mit Gewinn bewältigt. Er wird deshalb um Ratschläge bezüglich sicheren Spekulierens gebeten. Er antwortet u.a. dies:
"Ja. Wir haben Zimmer Holdings aufgestockt. Das Unternehmen ist auf künstliche Hüftgelenke spezialisiert und hat sich von Bristol Meyers abgespalten. Die Aktie geriet unter Druck, weil es hieß, die Menschen werden angesichts einer möglichen Rezession Operationen aufschieben. Das halte ich für unrealistisch. Wenn sie eine neue Hüfte brauchen, werden sie nicht warten. Langfristig sprechen zudem demografische Aspekte für das Unternehmen." (5-2008)
Und zudem will er das schlagende Argument den Loser-Lesern des Magazins vorenthalten: Der Imperialismus hat in Sachen Krieg & Frieden noch einiges vor auf der Welt. Es ist also mit einer Zunahme von Invaliden genauso sicher zu rechnen, wie die USA und ihre NATO-Verbündeten Kriege nicht als ihr Mittel aus dem Verkehr ziehen werden. Aus Kriegsopfern Kapital machen, ein megageiler Vorschlag für die deutsche Bourgeoisie, weil todsicher! (23.03.08)

Karl Marx · Das Kapital - Kritik der politischen Ökonomie

(Marx-Engels-Werke Band 23 · 24 · 25)

Kapital - Karl Marx



Das Kapital Band 1:

Der Produktionsprozeß des Kapitals


Das Kapital Band 2:

Der Zirkulationsprozeß des Kapital
s


Das Kapital Band 3:

Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion




"Mein Geld muß genauso hart arbeiten wie ich", warb Berti Vogts seinerzeit für eine gute Bank. Nicht ausgelassen hat er sich über die Frage, woher Geld die Fähigkeit besitzt, die allgemein "arbeiten" heißt und genau das Gegenteil bezeichnet: Sich wie von selbst zu vermehren. Irgendwo wird schon noch gearbeitet werden müssen. Von wem und wie, ist eine andere Frage – die nämlich nach dem Charakter der Arbeit in diesem besten aller Wirtschaftssysteme. Was die wirkliche Arbeit angeht – die, die gegen Geld verrichtet wird –, so bringt sie dem, der sie verrichtet, selten soviel ein, daß er sein Geld für sich "arbeiten" lassen könnte. Arbeit gegen Lohn, das weiß jeder, hat es an sich, daß von ihr andere reich werden. Wie und warum, das ist schon wieder eine andere Frage – die nämlich nach der Eigenart des Geldes, das Kapital heißt und sich durch die Arbeit anderer vermehrt. Und noch etwas fällt auf, wenn es um Geld und Arbeit geht: Einerseits gibt es zuwenig Arbeit – zuwenig , daß alle, die von ihr leben müssen, eine haben. Auf der anderen Seite gibt es zuviel – zuviel nach den Maßstäben derjenigen, die arbeiten lassen und entlassen... Das wirft schon wieder Fragen auf – die nach den Eigenarten des Verhältnisses von Arbeit und Geld nämlich.
Mehr Arbeit für weniger Geld, das ist nach allgemeiner Auffassung die einzig denkbare Konsequenz des Sachzwangs, den alle Verantwortlichen im Munde führen – der "Globalisierung". Mit immer weniger Arbeitern sollen immer größere Gewinnansprüche bedient werden – das ist kein bewußtlos wirkendes Kapitalgesetz, das ist das bewußt gehandhabte Konkurrenzmittel, zu dem sich Standortpolitik heute bekennt.
Marxisten erklären in diesem Artikel einmal ganz ohne Blick in "Das Kapital" wie und was produziert wird im System unserer globalen "Marktwirtschaft". Daß sie dabei letztlich auf ähnliche Schlüsse über Lohnarbeit und Kapital kommen wie Marx, wird kaum verwundern.

Sonderdruck des Artikels aus GegenStandpunkt 4-96 und 1-97
60 Seiten · € 5.–
Erhältlich beim GegenStandpunkt Verlag



Wolfgang Möhl / Theo Wentzke

Das Geld -
von den vielgepriesenen Leistungen des schnöden Mammons

Vorwort

GegenStandpunkt Verlag · 15,– € · ISBN 978-3-929211-11-5