Italien ab 1967

Der Film beginnt mit der Gründung der potere operaio (Arbeitermacht), einer von Oreste Scalzone, Franco Piperno und Antonio (Toni) Negri 1967 gegründeten Gruppe, die die Arbeiter über die gesellschaftlichen Verhältnisse aufzuklären versuchte (daneben existierten noch weitere Gruppen wie die lotta continua, aufgelöst 1976, und die avanguardia operaia). Dies führte oftmals zu Streiks und einer Konfrontation mit der Staatsgewalt. Unter dem Vorwand der terroristischen Aktivitäten der brigate rosse (Entführung Aldo Moros) ging der Staat ganz gezielt auch gegen die zu geistigen Urhebern gestempelten Persönlichkeiten der bereits 1973 aufgelösten potere operaio vor, obwohl der Staat wußte, daß die von terroristischen Methoden nicht das geringste hielten. Unter den Bedingungen, die die Anarcho-Spontis der Roten Brigaden unter Curcio und Moretti mit ihren furchtbar praktischen Aktionen - sie waren erklärte Feinde theoretischer Überlegungen - der Bewegung aufzwangen, war die aufklärerische Politik nicht mehr weiter fortzuführen.
Die Kommunistische Partei Italiens (PCI) wiederum war seinerzeit zu revolutionären Gedanken weder fähig noch willens. Der historische Kompromiß mit den Christdemokraten und die Erfindung des Eurokommunismus war da nur die Spitze falscher stalinistischer Staatsgläubigkeit.

Antonio Negri wurde verurteilt und setzte sich - nachdem er als Abgeordneter der Radikalen Partei ins Parlament gewählt war, aber seine Immunität aufgehoben wurde - 1982 nach Paris ab, wo er dann bis 1997 weilte; und wo er, und das zeigt sein Buch "Empire", mit Leuten zusammenkam, die mit revolutionärer Politik nicht viel am Hut hatten, dafür umso weiter ihr Maul aufrissen. Bei Michael Hardt gewinnt man unzweifelhaft diesen Eindruck. Es wurde ein neues revolutionäres Subjekt gesucht, und in der "multitudo" (der Vielheit) gefunden bzw. erfunden. Denn die vielschichtige globalisierungskritische Bewegung verdient mit ihren Minimalforderungen und ihren Bittstellereien an die Herrschenden wohl kaum als revolutionäres Subjekt bezeichnet zu werden. Hätte Negri freilich da weitergemacht, wo er seinerzeit in Italien aufgehört hatte, dann wäre vielleicht auch eine brauchbare Imperialismus-Analyse entstanden. So aber ist das "Empire" nichts als ein Rechtfertigungsversuch linker Politik (gegenüber wem eigentlich?), eine profetische Beschwörung des Niedergangs des Kapitalismus, ein platter Neuaufguß der Ideologie vom historischen Materialismus. Dahinein denkt dann Negri wieder seinen revolutionären Anspruch, den er nicht aufgeben will, der so aber überhaupt nicht mehr logisch erscheint.

Der neue Film ist ein aufschlußreicher Dokumentarfilm und als solcher absolut sehenswert:
Antonio Negri: Eine Revolte, die nicht endet