Die Hüllen fallen gelassen
hat
die Ausstellung
plastinierter Körper, sogar die menschliche Hülle
schlechthin, die Haut. Darüber sich aufzuregen, ist an sich
absurd, auch dann, wenn die Körper im Geschlechtsakt
angeordnet
sind. Plastinierte
Körper, man kann an
ihnen sowohl das
Künstliche, ihre Plastinierung als solche, wie das
Natürliche, ihre pure Menschlichkeit hervorheben. Beides ist -
sowohl getrennt als auch auf die ein oder andere Weise vereint - in der
Menschheitsgeschichte seit Alters her Gegenstand distanzierter wie
involvierter Befassung und macht seine Anziehung aus. Es ist mehr als
dämlich, zum Zwecke der Verurteilung in den ausgestellten
Gegenständen allein Kommerz zu wittern, wie es die Augsburger
Allgemeine
tut, als ob ausgerechnet sie Kritiker
des Kommerzes
wäre (und gegen überregional bedeutsame Messen und
Ausstellungen, die Augsburg zu einem Magneten alllgemeinen Interesses
machen, hat sie ja sonst auch nichts)! [Großes
Gelächter!]Ob J.C., am Kreuze hängend,
wirklich einen »Lendenschurz«
getragen hat, man weiß es nicht. Ob sein Flittchen, Maria
Magdalena, den so Hängenden, noch einen zu blasen versucht hat
oder ihm in Ermangelung erreichbar Höherem wenigstens noch den
Schwanz geküßt hat, man weiß es nicht. Es
würde
auch nichts am Los des »Herrn«
ändern. Ändern würde es allein
etwas an seiner
Mystifizierung, an der Behauptung nämlich, daß mit
ihm die
moralische Integrität schlechthin in die Welt gekommen sei.
Dabei
ist gar nicht bestritten, daß J.C. als wandelnder Moralist
sich
betätigt hat, das taten und tun viele, manche mit mehr, manche
mit
weniger Erfolg. Was das institutionalisierte Christentum dann aus eben
diesem J.C. gemacht hat, ist genau diese Mystifizierung, der mit Beginn
der Neuzeit der Lack abzublättern begann. Es sei an
Michelangelo
erinnert, der der erste war, der die Madonna
mit dem Kinde
in all ihrer fraulichen Natürlichkeit dargestellt hat, ihr
also
das Göttliche genommen und gewissermaßen
gleichzeitig
zurückgegeben hat (zu sehen in der Liebfrauenkirche zu
Brügge; ca. 1501/4, siehe Abbildung). Mit der zunehmenden
Kapitalisierung der
Welt
ging dann auch eine Veränderung des aufkommenden Naturalismus
einher. So wurde zum Beispiel in der eben erst 100 Jahre alt gewordenen
Stilrichtung des Futurismus, die Bewegung, die Dynamik, die
Motorisierung des maschinellen Zeitalters explizit in die Darstellung
aufgenommen. Der »Godfather of Soul«,
James Brown, etabliert 1970 mit dem
Song »Sex
machine«
ebenso weltweit anerkannte Kunst wie Charles Bukowski mit seiner
fantasiereichen Story »Fuck machine«, die
in der Kurzgeschichtenausgabe mit dem
Titel »Erections, Ejaculations, Exhibitions and
General
Tales of Ordinary Madness, 1967-72« 1972 in San Francisco
erschienen ist (auf
deutsch: 1980).Wo liegt also der Skandal heute? Er
besteht darin,
alles wieder zuzudecken und zu mystifizeren, was längst
aufgedeckt
und in all seiner Natürlichkeit entblößt
ist, in seiner
Kapitalisierung auch so verwertet werden kann und - vom
ästhetischen, also gefühlsmäßigen
Standpunkt aus
betrachtet seine eigentümliche Anziehungskraft entwickeln
kann,
wenn man sich darauf einzulassen bereit ist und nicht mit - in aller
Regel geheuchelten - moralischen Dogmen auf die Dinge zugeht wie OB
Gribl und seine Spießgesellen aus CSU, AZ
und dem römisch-katholischen Kuttenträgerlager, die
auf ihre
Weise die Hüllen fallen lassen, die ihrer
reaktionären
Gesinnung nämlich. (30.08.09)
Madonna
Das polnische
Wochenblatt Angora
(34-2009) [WARSZAWA-CHICAGO-DORTMUND-TORONTO-NOWY JORK] hat sich nach
dem Konzert erst recht nicht um die Reaktionen der Kirche geschissen
und Madonna so gezeigt, wie sie auftritt. Wenn das Papst Woityla noch
hätte erleben dürfen! (20.08.09)
"Verantwortung"
(ver)heißt nichts Gutes
Über ein Plakat, eines von der CSU hat sich die Augsburger
Skandal-Zeitung
Gedanken gemacht: Sie meint, in dem Slogan: "Was unser Land jetzt braucht:
Verantwortung" stecke ein falsches Wort. Doch es gibt
daran mehr klarzustellen, als das "unser".
Da wäre zum einen der Begriff "Land", der so verharmlosend den
Staat, die monopolisierte Gewalt meint. Klar, mit einem Begriff "Land",
mit dem man Landschaft und Leute verbindet, fällt die
Identifizierung viel leichter als mit diesem gigantischen staatlichen
Gewaltapparat, der noch die letzte Regung seiner Untertanen seiner
Zuständigkeit unterstellt. Er entscheidet jeden
Scheißdreck
danach, ob er "in die Landschaft" paßt oder nicht, und
erläßt entsprechende Gebote und Verbote. So ist das
dann
auch mit der "Verantwortung" gemeint, wenn sie die offenkundig
für
blöd erachteten Bürger angeht: Die haben zu arbeiten,
die
Gesetze zu befolgen und auf ihre demokratisch legitimierte Obrigkeit zu
hören. Ob die Verantwortung zeigt, ist keine Frage. Ihr kommt
Verantwortung von Amts wegen zu. Da kann ein Politiker so deppert sein,
wie er will, als Staatsmann
gehört er respektiert und sein Erfolg als deutscher
Staatsmann gehört sich gewünscht. Dieser Quatsch
nennt sich
recht zutreffend Demokratie, also Herrschaft/Staat unter Berufung auf
das Volk. Und da sich der Staat ein mündiges Volk
wünscht,
wird dieses sich auch schwer Gedanken machen, welchen Personen es den
Erfolg deutscher (Staats)gewalt anvertraut und welchen eher nicht.
Lasche Typen und Gewalt passen da weniger zusammen als echt kernige
Sprücheklopfer, die der BRD ein Fortkommen in ihren politisch
unersättlichen Ambitionen versprechen und dabei über
Leichen
gehen wollen - nicht nur im Ausland und nicht nur die durch
militärische Gewalt, vor allem durch die radikal
durchgezogenen
eisernen Gesetze der ökonomischen Rentabilität,
für die
der Staat allenthalben Rahmen und Bedingungen abgibt. (18.08.09)
Blondinen-Witz
Nun
ist der Wahlkampf
also ganz unverkrampft da angekommen, wo er immer schon war. Warum
immer die nationalen Erfolgsmaßstäbe und
-(an)sprüche
bemühen, wenn man den »Menschen im Lande«
auch ganz nah auf die Pelle rücken kann? Am besten mit einer
Blondine. Aber nicht nur, daß wir hier in Augsburg mit
Claudia
Roth (Grüne) und Miriam Gruß (FDP) schon satt genug
an
Personenkult aushalten müssen. Auch die SPD will
diesbezüglich nicht zurückstehen. Zwar hat sie
personell
nichts Konkurrenzfähiges zu bieten, doch warum nicht mit einer
völlig unbekannten Blondine aus einem Männermagazin
plakatieren, deren Spruch es zweifellos in sich hat?: "Bildung darf nicht vom
Geldbeutel der Eltern abhängen. Und deshalb wähle ich
die SPD."
Ausgerechnet diese Vollidiotenpartei?, möchte man
anfügen.
Muß man da eigentlich noch wissen, wieviel Jahre jene Partei
an
der Regierung war und sich nichts daran geändert hat, ganz im
Gegenteil? Kam die Sortierung der Kinder nach dem Geldbeutel der Eltern
der Partei nicht gerade recht, einer Partei die unter ihrem Kanzler
Schröder den Aufbau von Elite-Universitäten zu einem
allerhöchsten Erfordernis machte?
Übrigens: Allein dem Stern
ist es eingefallen, das SPD-Wahlkampfteam süffisant analog zu
Hitlers Soldateska im Jahre 1945 als "Das letzte Aufgebot"zu
titulieren. Der Erfolgsweg Deutschlands ist allerdings nicht wie
damals an das Personal einer einzigen Partei gebunden, auch wenn die
SPD in traditionell maßloser
Selbstüberschätzung ganz
Deutschland von sich abhängig sehen möchte. (15.08.09)
Madonna
Sie
kommt nach Polen,
leibhaftig, als wäre sie der Teufel. Gottesfürchtige
Polen
haben sie sich anders vorgestellt, mehr burkamäßig
verhüllt und mit einem Kind auf dem Arm in einer anderen
Hautfarbe. Die "Königin des Pop" (Eleftherotypia
[auch: Foto]) kennen auch die Polen, obschon sie diesen Titel
meist der
einheimischen Sängerin, der die "Polska Madonna"
besingende
Maryla Rodowicz, vorbehalten. Während die
unspektakulär
auftritt, wird der Auftritt der us-amerikanischen Madonna - von
interessierter katholischer Seite - skandalös aufgebauscht,
ihr
die Anerkennnung bestritten. Dabei kann sie nicht nur
religiösen
Insignien viel abgewinnen, auch mit ihrer Moral paßt sie
bestens
hinein ins römisch-katholische Polen...
Mal angenommen, Jesus Christus würde wiederkehren und auf der
Welt
wandeln, viele Anhänger des katholischen Glaubens
würden ihn
weder er- noch als solchen anerkennen, nicht nur in Polen. Wie damals
erzürnt sich manch einer lieber, anstatt sein dogmatisch
eingetrocknetes Hirn in Bewegung zu setzen. (09.08.09)
Augsburger Friedensfest
In
Erinnerung an die
Begrabung des Kriegsbeils zwischen Protestanten und Katholiken wird
heute wie jedes Jahr das Augsburger Friedensfest begangen. Nun
denn, wenn übergeordnete Interessen, wie sie Staat und
Ökonomie verlangen, es geraten erscheinen lassen, dann wirkt
religiöses Gezänk lästig und
kontraproduktiv. Zu dieser
Einsicht waren die Streitparteien auch nicht automatisch und schon
gleich nicht aus eigener Einsicht gekommen. Und soviel hat sich ja auch
gar nicht geändert seitdem. Mit dem Beginn der Neuzeit hat die
Bedeutung der christlichen Religionen relativ zu ihrer
gesellschaftlichen Stellung
abgenommen. Ja, sie haben sich mit der ihnen abverlangten Stellung
arrangiert, zumal
sie das gut konnten, wurden ihnen doch Gratifikationen gewährt
und
ihnen damit nicht bloß ein Refugium, vielmehr eine besondere
Stellung und Aufgabe in der Gesellschaft zugewiesen: Ihnen obliegt ein
entscheidener Beitrag zur Wahrung der Sittlichkeit, die auf Grundlage
der kapitalistischen Ökonomie andrerseits ebenso
notwendigerweise
wie unbeabsichtigt aufgeweicht wird, weil diese Ökonomie ihrer
Natur nach alle Schranken einzureißen
gedenkt, die der Mehrung abstrakten Reichtums im Wege stehen.
Wie ein Sisifos versuchen die Kirchen also den Stein der Moral nach
oben zu rollen und manch Funktionär möchte deshalb
gerne
zurück zu gemütlicheren Verhältnissen. (Und
mit dem
entsprechenden Abstand mögen ihm mittelalterliche
Verhältnisse gerade so erscheinen.) Das ist auch der Grund
für
die Mahnung an die Adresse der Politik und Wirtschaft zu moralischer
Rückbesinnung und zur großen
Herausforderung der Ökumene, also der
Rückgängigmachung
der Spaltung des Christentums auf Grundlage des allein selig machenden
römisch-katholischen Glaubens, der, folgt man dem Papst, nicht
zur
Verhandlungsmasse gestellt werden kann und darf. Man braucht gar nicht
an einen
weiter schwelenden Konflikt wie in Nordirland zu denken, wenn man den
Vatikan sieht, wie wenig Interesse er daran zeigt, mit den anderen
christlichen Kirchen zu einer Übereinkunft zu kommen und wie
wenig
Interesse er hat, seine Finger aus der Politik zu lassen. Angesichts
des Friedensfestes vor dieser allenthalben kriegerischen Haltung die
Augen zu verschließen, ist Dummheit. Der Vatikan arbeitet an
einer Revision seiner Stellung innerhalb der kapitalistischen Welt zu
seinen Gunsten. Er wähnt, seine Zeit sei (wieder) gekommen.
Kein
Wunder, daß ihm dabei die Pius-Bruderschaft näher
steht als
jeder Lutheraner.
Genannte Dummheit wird mit den Veranstaltungen am und zum Festtag
leider gepflegt. [Im übrigen braucht man kein Systemkritiker
des
Kapitalismus zu sein, um dies ebenso feststellen zu können.
Allerdings, wenn man das schon so sieht, dann ergeben sich ja weitere
Fragen, die man sich stellen könnte und die zu beantworten
wären.]
Apropos Frieden: Die Greser-&-Lenz-Karikatur in der
aktuellen titanic,
die Göbbels mit der Sprechblase "Wollt ihr die totale
Friedensmission?"
zeigt, weist auf die Überlegenheit einer Friedenspropaganda
hin,
gegen die auch der römisch-katholischen Kirche nichts so recht
einfallen will. Sie hat es ähnlich schwer wie die Faschisten,
mit
ihren revisionistischen Bestrebungen wieder Tritt zu fassen. So und
solange versucht sie aller Moralapologetik geradezu zum Trotz, ihr
Anliegen ebenso verlogen zu verkaufen wie die Politik die ihren:
Frieden darf ihr dabei kein Fremdwort sein! (08.08.09)
Die armen deutschen Politiker!
Wenn
sie zum Essen
ausgehen, dann gehen sie zu einem Arbeitsessen, wenn sie in den Urlaub
fahren, dann handelt es sich um einen Arbeitsurlaub, und ein Hobby
pflegen sie nur, wenn es sich ihrer politischen Arbeit unterordnet
(siehe das eben erwähnte Beispiel Claudia Roth).
Natürlich
können sie sich aufgrund ihres allzu schmalen Einkommens weder
ein
Auto kaufen noch eines mieten, von einem Flugzeug ganz zu schweigen.
Sie müssen deshalb allenthalben die Flugbereitschaft der
Bundeswehr in Anspruch nehmen, was allerdings so "übertrieben"
wurde, daß es vom Bundesrechnungshof beanstandet worden war:
Weshalb die Not noch größer wurde und man
zwangsläufig
darauf verfiel, Dienstautos samt Chauffeur in den Urlaub mitzunehmen.
Wurde bislang auch nicht an die große Glocke
gehängt. Doch
glücklicherweise - muß man sagen - wurde jetzt der
Wagen
einer allzu ungeschickten Ministerin entwendet.
Kurz und gut: Der einzig senkrechte Schluß aus dem ganzen
Malheur
wäre, die Diäten kräftig anzuheben, damit
die politische
Klasse mal endlich auf ihre Kosten kommt und in Ruhe Urlaub machen
kann, ohne an die Arbeit denken zu müssen, die sie anders ja
gar
nie nicht loslassen kann.
Dafür sollte übrigens auch die bürgerliche
Presse
endlich mal kräftig agitieren: Andernfalls braucht sie sich
wirklich nicht zu wundern, wenn die vielbeschworene
Politikverdrossenheit - nicht nur bei potenziellen Politikern! - weiter
zunimmt... (27.07.09)
Analfabetismus
gebildet vorgebracht
Was
haben Josef
Stiglitz, Antoine de Saint-Exupéry, Karl Marx, Jane Fonda,
Oskar
Negt, Matthias Wedel, Mahatma Gandhi, Bertolt Brecht, Bernard
Mandeville, Willy Brandt, Colin Crouch, Vernor W. Villalobos,
André Gorz, Nelson Muntz, Albert Einstein, Grete Nestor,
Umberto
Eco, Benjamin Franklin, Hannah Arendt, Thukydides, Pablo Neruda, Jean
Ziegler, Muhammad Yunus, Rosa Luxemburg, Susan George und
Jürgen
Habermas allesamt gemeinsam? Als gebildeter Mensch wird der Leser
antworten: Natürlich absolut nichts: Purer Unfug, sie alle in
einen Topf zu werfen! Ja, da hat der Leser eben die Rechnung ohne die
Bundestagspartei DIE LINKE gemacht, die kennt nämlich nicht
nur
Versatzstücke all jener Personen, sie respektiert sie aufgrund
dieser ihrer Kenntnisse. Die Aussagen leuchten ihr ganz
widerspruchsfrei nebeneinander ein. So nimmt sie denn auch alle Autoren
gleichwertig mit dem ein oder anderen plakativen Satz in ihr neues
Programm auf, um damit als gebildete
Partei beim ziemlich ungebildeten
Wähler Eindruck zu schinden! Dafür sollte man den
Verantwortlichen eigentlich in aller Gewaltfreiheit die Fresse polieren
oder besser: Die Mauer wieder aufbauen und sie dahinter wegsperren.
An dieser Stelle mal eine Aufklärung über eines der
häufigsten Marx-Zitate:
"Die kapitalistische
Produktion
entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen
Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles
Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter."
(K I, MEW 23, S. 529f)
Man kann das Wörtchen "daher" natürlich locker
überlesen, nur dann überliest man eben, daß
dies ein
Schluß und nicht einfach eine Behauptung ist, die man genauso
gut
der Betrachtung der Oberfläche der kapitalistischen
Gesellschaft
entnehmen kann. Dann freilich hat man eines geschafft: Den Grund, warum
das so sein muß, will man gar nicht kennen [in dem Abschnitt
bei
Marx geht es ürbigens um den zum Kapital-Verständnis
zentralen Begriff des »relativen
Mehrwerts«].
Marx leitet eine notwendige Folge aus der kapitalistischen
Produktionsweise ab, die DIE LINKE gar nicht als notwendig betrachten
will. Sonst könnte und müßte sie ihre
Parteiexistenz,
wie sie steht und geht, gleich aufgeben. DIE LINKE fährt im
Anschluß an das Marx-Zitat, ohne mit der Wimper zu zucken,
fort: "Millionen
Menschen erwarten zu Recht, daß der Staat Einfluß
auf die
Wirtschaft nimmt. Die entscheidende Frage ist längst nicht
mehr,
ob die öffentliche Hand sich wirtschaftlich engagiert, sondern
in
wessen Interesse, mit welchem Zielen und auf wessen Kosten das
geschieht. Eine Demokratie funktioniert nur dann, ..." Eine
Ableitung des Staates aus dem Kapital, wie es Marx nun wirklich nicht
schrieb oder auch nur beabsichtigt hatte! Eine Affirmation des
Klassenstaats wie der des Kapitals, wenn sie nur unter seiner Fuchtel
passiert, sofern sich die des Prädikats
»demokratisch« würdig erweist, was
natürlich an der entsprechenden Regierung liegen soll!
Aus Marx' grundsätzlicher Kapitalkritik gesellschaftliche
Verbesserungsvorschläge abzuleiten, war im übrigen
schon ein
Kardinalfehler der Realsozialisten der DDR. Wenn die Rechten (von SPD
bis CSU) der Partei DIE LINKE vorwerfen, in der Tradition der SED zu
stehen, dann haben sie - ohne es inhaltlich begründen zu
können (sie machen ein grundverkehrtes Gleichheitszeichen
zwischen
Marx und Linkspartei bzw. SED) - recht. Mit Marxscher Kritik hat die
Partei DIE LINKE absolut nichts am Hut und sie braucht sich gar nicht
zu beschweren, daß sie nicht das linke Sammelbecken ist, das
sie
sein will: Ihr Programm ist in jeder Hinsicht opportunistisch,
was eben auch die Vielzahl an Autoritäten
[Autorität! - sehr aufschlußreich für den
Charakter
einer Partei!] beweist, mit denen sie sich schmückt. (20.07.09)
Crazy
Girl
In
Griechenland gab es
in den 60ern eine lebhafte Rock'n' Roll Szene. Hier ein Song aus einem
Film mit Zoi Laskari/Ζωή
Λάσκαρη,
gesungen von Aleka
Kannelidhu/Αλέκα
Καννελίδου
(Text: Mimi Plessa/Μίμη
Πλέσσα).
Auf Schallplatte ist der Song in der gesungenen Version von Nelli
Manu/Νέλλι
Μανού erschienen.
Auf der vor einigen Jahren neu aufgelegten CD mit dem Titel "Shakin' in
Athens - The Story of the '60s Rock'n' Roll Underground" zu finden.
Außerdem finden sich auf der CD Bands wie die Idols,
Bluebirds,
Olympians, Charms, Vikings, Zoo, New Hopes, Crowns etc.
(02.07.09)
Europa: Geistige Verwahrlosung setzt sich durch
Wie
die in Augsburg erscheinende Deutsch-Russische
Zeitung (Немецко-русская
газета)
in ihrer Juli-Ausgabe berichtet, wurde in der ungarischen Stadt
Szombathely eine Statue des berühmten Dichters Alexander
Puschkin
in die Abstellkammer verbannt, weil ein Beamter in dem Russen
gleichzeitig einen Kommunisten gesehen hat. Das entspricht ja voll der
ideologischen Höhe etwa eines Joschka Fischer! (30.06.09)
Demokratie bürgt für Lebensqualität
(in Afghanistan zumindest) II
Just
einen Tag
nach der untenstehenden Meldung hat es drei Ossis bös
erwischt.
Und das ausgerechnet beim Export der blühenden Landschaften
nach
Afghanistan. Trotzdem ein gutes Zeichen für die
Ökonomie: Der
durch die Wirtschaftskrise etwas angeschlagene Exportweltmeister
läßt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen, die
Welt zu
beglücken. Verteidigungsminister Jung tönte
jedenfalls
sinngemäß: "Wollt ihr den totalen Wiederaufbau!?"
Und
niemand erhob dagegen Einwände, lediglich die Formulierung
ließe zu wünschen übrig und zwar
dahingegend, daß
die Kosten des Wiederaufbaus doch nicht ganz richtig veranschlagt
werden würden. Gebongt sind die jedenfalls auch bei den
Kritikern
aus den Reihen der politischen Konkurrenz. [Und DIE LINKE hat nur
deshalb zarte Einwände, weil sie als Ostzonenpartei gerne
andere
Prioritäten beim "Wiederaufbau" gesetzt hätte, oder
etwa
nicht?]
(25.06.09)

Demokratie
bürgt
für Lebensqualität
(in Afghanistan zumindest)
Wie
bekannt wurde, will
es sich die Bundeskanzlerin nicht nehmen lassen, die ersten vier der
Eisernen Kreuze im Krieg tapfer kämpfenden Staatsdienern um
den
Hals zu hängen (mit Küßchen?). Bist Du
arbeitslos, hast
Du kaum bis keine Berufschancen, geh nach Afghanistan,
schmeiß'
Dich vor den Feind, hab' Glück und hol' Dir das Kreuz bei der
Kanzlerin persönlich ab! Das ist Lebensqualität
demokratischer Art! Lebensqualität pur. Sie schmeckt nach
Freiheit
und Abenteuer. Sie soll Gewohnheit werden. (22.06.09)
Liebe
Corinna Stegemann,
Deine
Anekdote über den berühmten Filosofen gelesen (taz,
18.06.09), kommt KoKa auch eine Anekdote in den
Sinn. Es ist auch schon
lange her, so etwa 25 Jahre schätzungsweise. Zwei Freunde,
nennen
wir sie Karl und Theo, hatten soeben ihre Erkenntnisse über
die
Welt in einem Buch veröffentlicht, das, wie es der Zufall
will, im
gleichen Verlag erschienen war, in dem der große Filosof zu
veröffentlichen pflegte (und immer noch pflegt), bei suhrkamp.
Dem großen Filosofen entsprechend hatten auch sie in ihrem
Titel
verkaufsfördernd Begriffe auseinandergenommen, die eigentlich
zusammengehören. So nannte der große Filosof eines
seiner
Werke "Erkenntnis und Interesse", Karl und Theo das ihre "Krieg und
Frieden" (ein Schelm, wer dabei an Tolstoj und nicht an den
großen Filosofen denkt!). Nun traf es sich, daß das
Werk
der beiden reißend Absatz fand und der Verlag mit Karl und
Theo
übereingekommen war, ein weiteres zu verlegen. Doch der
große Filosof, der tagaus tagein den kommunikativen Diskurs
nicht
müde wurde zu predigen, bekam davon Wind, weil er aufgrund
seiner
Größe über einigen Einfluß bei
dem Verlag
verfügte. Ihm paßte die Konkurrenz im "eigenen"
Hause nicht.
Ihm paßte auch nicht, daß Karl seine Anschauungen
u.a. in
einem bei Hanser
erschienenen
Werk einer schonungslosen Kritik unterzogen hatte, zu der ihm, dem
großen Filosofen nichts mehr eingefallen war. Kurzum, es
wurmte
den großen Filosofen zutiefst, daß es Denker gab,
die ihm
über waren. Da hatte es sich denn auch für ihn mit
dem
kommunikativen Handeln. Jetzt war Handeln ganz anders angesagt: Er
blies sich bei suhrkamp
auf und drohte: Die oder ich! Und so kroch schließlich suhrkamp
dem großen Filosofen zu Füßen, so wie es
kürzlich
der Macht zu Füßen gekrochen ist und seinen
Firmensitz von
Frankfurt nach Berlin verlagert hat.
Karl und Theo, diese beiden nahmen das statt tragisch für
symptomatisch, für die Wahrheit jener Ethik, Diskurs als
(Rechtfertigungs-)Methode der Demokratie. (18.06.09)
Eine
»sensible« deutsche
Staatsanwaltschaft?
"Eigentlich
wollte man
die Sache am
Maria-Ward-Gymnasium in Ruhe intern regeln. So weit, daß die
Staatsanwaltschaft zwei Schülerinnen auf die Anklagebank
zitieren
will, sollte es nicht kommen. Doch nach dem Amoklauf von Winnenden
reagieren die Behörden sensibel: Gegen zwei 15 und 16 Jahre
alte
Gymnasiastinnen hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben. Der
Vorwurf: Die Mädchen sollen im März auf eine
Schulbank und
einen Zettel Sätze gekritzelt haben, die einen Amoklauf
androhten." (AZ,
18.06.09)
Aus einem
Witzle ein Argument für das Eingreifen der
Staatsgewalt machen - so totalitär
geht es also schon zu in der Demokratie. Das Psychoblatt AZ fabuliert, sie
verharmlost dies als "sensibel". Dagegen sind die Mädchen ja
völlig unsensibel! (18.06.09)
»Pocahontas«
an der Seite der peruanischen Indígenas
"Die
19 Jahre alte
US-amerikanische Schauspielerin Q'orianka Kilcher, die in Terrence
Malicks Film »The New World« die
Häuptlingstochter
Pocahontas spielte, hat sich öffentlich auf die Seite der
peruanischen Indígenas gestellt und die peruanische
Regierung
scharf für die blutige Unterdrückung der
Protestbewegung
kritisiert. Kilcher, deren Vater ein in Peru lebender Quechua ist,
sagte: »Ich
habe gehört, daß [der peruanische
Sozialdemokrat und Präsident]
Alan García öffentlich erklärt hat,
daß meine
Geschwister aus Amazonien keine Bürger erster Klasse seien.
Alle
Peruaner sind erster Klasse.«" (Redglobe
Internetportal) Soweit eine Anmerkung zum Massaker einer
sozialdemokratischen Regierung in einem Drittweltland. Lady
Kilcher [väterlicherseits peruanisch-indigener Abstammung,
Foto:
Teemix] klingt ja fast wie Mehdorn, der am liebsten die zweite Klasse
abgeschafft hätte... (16.06.09)