Aktuelle Konzerte
(KarmaN)


Wofür die Stadt Geld übrig hat...
Wie das Internetportal DAZ berichtet, beschloß der Kulturausschuß des Stadtrats – bei nur einer Gegenstimme (Verena von Mutius/Grüne – die hat vielleicht Mut!) – den Vertrag mit Joachim Lang für drei weitere Jahre zu verlängern. Auf welchem Niveau sich dieser Kulturverschaffende bewegt, stellte Freie-Wähler-Stadträtin Kranzfelder-Poth heraus: "Brecht aus einer verkrampften intellektuellen Höhe in die Sinnlichkeit herunter zu holen. Raus aus der kalten Intellektualität, hinein in die Sinnlichkeit, in die Breite - das hat Qualität." (Zitat nach DAZ v. 31.01.) Wie breit muß diese Frau in jener Sitzung gewesen sein, daß sie das so gut getroffen hat? Die Augsburger Skandalzeitung jedenfalls weiß auch schon das Motto der drei nächsten Brecht-Festivals: ♣ Brecht und Mozart  Brecht und Fugger  Brecht und Roy Black!
Dazu kann man nur noch den Segen des Bischofs Zdarsa wünschen!
(31.01.12)

»Brecht und Politik«
Das ist das Motto der diesjährigen Brecht-Tage. Mit Politik ist natürlich die herrschende gemeint, weshalb der Veranstalter Joachim Lang die geniale Idee kam, die Parteien zu Brecht zu befragen, also ausgerechnet die, die an den Lebenslügen des Kapitalismus stricken und weiterstricken. Brecht hingegen war nicht so blöd wie beispielsweise die SPD, die, so Brecht, "den Sozialismus dadurch einführen wolle, indem sie den Kapitalismus rette" (Programmheft). Ob es wirklich interessant ist, ob sich jene Partei noch zu einem »Sozialismus« bekennt, der zwar nichts mit der Sache des Begriffs zu tun hat, aber heutzutage immerhin noch dazu taugt, Brecht für sich zu vereinnahmen, das mag glauben, wer will. Zumal es ja überhaupt nicht notwendig ist, mit Brecht den Begriff Sozialismus zu gebrauchen: Joachim Lang selbst beweist es: "Brecht sah sich zeitlebens als bürgerlichen Dichter, der lediglich die »soziale Sache« vertrat, weil er in den unkontrollierten Geschäften des Kapitalismus das Potenzial für Gewalt und Kriege sah. Diese Haltung Brechts wurde oft als kommunistisch bezeichnet. Brecht plädierte dagegen für eine Bezeichnung, die er nach dem Kriege fand: »Die Weisheit des Volkes«, das hieß, für die Erfahrung des Alltäglichen, der Besorgung des Lebensunterhalts und der unmittelbaren Lebensgrundlagen. [Und weiter an die Adresse diesmal der CSU:] Wie läßt sich konservative Politik damit in Zusammenhang bringen? Und sollte christlich-soziale Politik nicht die von Brecht betonten Aspekte stärker diskutieren." Das ist wirklich schön, wie Lang Brecht zum Deppen einer Politik stempeln will, die dessen Absichten allemal konträr war. Sicher, der kommunistische Standpunkt Brechts war in vielerlei Hinsicht wenig wirklich durchdacht und fehlerhaft. Wenn man jedoch so tut, als wären diese Fehler die Sache gewesen und die Abschaffung des Kapitalismus nicht der Zweck, sondern lediglich eine fehlerhafte Verlängerung eines ganz anderen Zwecks, der stellt Brecht von den Füßen auf den Kopf. Brecht dachte schon, daß der Krieg eine notwendige Konsequenz kapitalistischer Herrschaft sei, daß der Kapitalismus nicht für die notwendigen Lebensgrundlagen des Individuums zu sorgen sich verpflichtet fühle, ebensowenig wie die Parteien, die sich um die Banken sorgen, aber nicht wirklich um die Sozialhilfeempfänger. Bevor man also Brecht dermaßen umdreht wie Lang, könnte man sich denn doch die Frage stellen, was heißt denn »sozial« in einem kapitalistischen Staat. Und man wird zu dem Ergebnis kommen können, daß dessen Sozialität eine sehr zweckgebundene (an den Zweck der Kapitalvermehrung gebundene) und damit sehr relative Angelegenheit ist.
Doch wer von dem Festival anderes erwartet, als die Herstellung einer Kompatibilität Brechts mit den herrschenden kapitalistischen deutschen Verhältnissen, der ist wohl eh schon auf dem Holzweg. Der wird u. U. auch der großen Abschlußpodiumsdiskussion beiwohnen, zu denen folgende Politiker erscheinen: Claudia Grün, PDS-Gysi, CSU-Goppel jun., Berufsjude Michel Friedman, ein Vertreter der Piratenpartei namens Nerz und ein Professor namens Nida-Rümelin. KoKa entnimmt solch langweilige, ergebnislose Ereignisse vorzugsweise der Augsburger Allzugemeinen.
Übrigens: Lang liegt auch mit seiner These falsch, nach der »Denken Verändern sei«. Denn es ist seinem eigenen Programm zu entnehmen, daß Denken dazu gebraucht wird und werden soll, Veränderung zu verhindern. Dazu wird jede Anstrengung unternommen, denen, die eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse wollen, eine Berufungsinstanz wie Brecht aus der Hand zu schlagen. Ein bürgerlicher Verstand denkt nämlich immer ad personam: Die könne nämlich gar nicht anders, als für die bestehenden Verhältnisse einzutreten, deren negative Wirkungen nie und nimmer auf diese selbst, vielmehr auf Abweichungen von ihnen, an sich guten und richtigen Verhältnissen zurückzuführen seien. Im Grunde sei Brecht auch ein solcher gewesen, der die Heiligung der bestehenden Verhältnisse gegen manches, im Grunde nicht notwendiges Manko wie Krieg betrieben habe, dafür gedichtet habe und schauspielern lassen habe.
Gegen die Veränderung der Verhältnisse wird heutzutage ein Kult um Brecht gesponnen, ein Personenkult, der den Vergleich mit den realsozialistischen Staaten nicht zu scheuen braucht, weil die nicht mehr existieren. Die Leistung eines Personenkults besteht immer darin, der Gesellschaft moralische Impulse zu verleihen, die ihrer eigenen Rechtfertigung dienen. Gründlicher allerdings kann man Brecht nicht mißverstehen. Doch das Interesse, dem dieses »Mißverständnis« entspringt, ist ja längst kein Geheimnis mehr, allenfalls noch für manche Besucher des Festivals...
(25.01.12)

Augsburger Puppenkiste Kabarett 2012 Eurovisionen - KoKa AugsburgEurovisionen
Sogar dem Kasperle von der Augsburger Puppenkiste wird ganz blümerant vor lauter EURO-Rettungsschirmen und -Rettungshebeln. Die hohe Politik des Geldes steigt ihm im Kabarett 2012 der Augsburger Puppenkiste so zu Kopf, daß er fast die Niederungen der Augsburger Lokalpolitik vergißt. Das Tohuwabohu einer CSU-Sitzung wird nichtsdestotrotz eingeblendet, ebenso die nach 20-jähriger Verschiedenheit gefeierte Wiederauferstehung von »Ganz in Weiß«. – Die Dummheit des US-Imperialismus wurde anhand eines Flugzeugträgerkapitäns ebenso in Szene gesetzt wie die der politischen Szene in der Bundeshauptstadt. Dort meidet die Bundeskanzlerin fürderhin ihren täglichen Blick in den Spiegel (Spieglein, Spieglein...) und Gysi kümmert sich um den letztlichen Abtransport der geplagten Person, schließlich hat er (wohl durch seinen Kumpan Lafontaine) immer noch die besten Beziehung zum italienischen Bunga-Bunga-Amigo. Das meiste Fett kriegt das FDP-Milchbübchen ab, das ins Bett geschickt wird, Steinbrück steht schon mit Pickelhaube bereit, die Eherolle zu beziehen. Aber zuviel sei an dieser Stelle nicht verraten. Die Augsburger Puppenkiste freut sich auf den Besuch zahlreicher Gäste aus nah und fern.
Ach ja, jene gute Idee empfiehlt sich zur Nachahmung. Die Sache mit den zwei Teufeln, die Hausbesuche machen!
[Abbildung: Programmheft] (19.01.12)

 Unbekanntes Augsburg
Fritz Beck ist der Künstler, der den Nymfenbrunnen schuf. Über den Meister der beiden freizügigen Mädchen ist nur wenig bekannt. Die Gruppe fristet seit 1928 ein einsames Dasein vor dem (früheren) Fernmeldeamt nahe dem Eisstadion. Mit einer kleinen Unterbrechung, welche den rechten Kunstbanausen zu verdanken ist: Das Kunstwerk sollte als Metallspende gegen Kriegsende eingeschmolzen werden. Durch einen glücklichen Zufall wurden die Figuren nach Kriegsende auf einem Hamburger Schrottplatz entdeckt und gerettet. Nun fristen die Mädchen, von denen das eine einen noch lebendigen Fisch hält, vor dem das andere Deckung sucht, wieder ihr unbeachtetes kümmerliches Dasein zwischen zwei Trauerweiden. Übrigens: Der depperte bayerische Prinzregent könnte wirklich mal eingeschmolzen, verschrottet werden! (10.01.12)
Augsburg Nymfenbrunnen von Fritz Beck - KoKa Augsburg

Almanya – Willkommen in Deutschland

Dieser schon im Frühjahr auf den »Tagen des Unabhängigen Films« gezeigte Streifen hat durch die jüngsten Ereignisse, die nunmehr aufgeklärten Morde an türkischen Imbißbudeninhabern eine neue Aktualität geworden. Es fehlt jegliches Einfühlungsvermögen in die Gedankenwelt anderer und, sofern es sich um falsche Gedanken handelt, um Illusionen, an deren Kritik. Und zwar nicht nur bei den Nazis, die andere umbringen, weil sie aus ihrem Deutschsein ableiten, etwas Besseres zu sein. Nicht nur andere, ganz normale Deutsche, die mit Ausländern möglichst nichts zu tun haben wollen. Diese elitäre Haltung adaptieren auch die Türken, die einen deutschen Paß beantragen, ja die gar in deutsche Parteien eintreten... und auch schon der kleine Junge bekommt sie zu spüren, der seinem Freund in der Türkei eine deutsche Cola mitbringt – zwar ohne Hintergedanken, doch die werden ihm dann sofort unterstellt.
Eine wunderbare, halb lustige, halb traurige Geschichte. Der Bahnhof Augsburg-Oberhausen ist übrigens ein Drehort: Hier werden die Neuankömmlinge begrüßt und angeworben – u.a. von »Krüpp« im rheinischen Oberhausen. Das Manko des Films besteht allein darin, daß man die politische Seite des ganzen gar nicht mehr richtig ernst zu nehmen gedenkt, allzu sehr geht alles in persönlichem Herz & Schmerz auf. Nichtsdestotrotz sei dieser Film wärmstens empfohlen. Es gibt ihn als DVD. (18.12.11)
Almanya - Willikommen in Deutschland - Bf. Augsburg-Oberhausen - KoKa Augsburg

»Augsburg – Stadt der Renaissance«
liest der Autofahrer, wenn er auf der Autobahn in die Nähe der Stadt kommt. Er denkt das naheliegenderweise in Bezug auf sein Fahrzeug, insofern eine solche dem guttäte und findet denn auch den Profi, den er sucht, in einer versteckten Ecke des Stadtteils Oberhausen:
Autopflege Augsburg-Oberhausen - KoKa Augsburg
Ganz im Gegensatz zu den
spießig-deutschen, braunen Autobahnplakaten, die nichts als ein Schandfleck in der Autolandschaft sind, findet er überdies geschmackvolle Gestaltungen. (05.12.11)

Das Buch, der Computer und eine Dichterin
Das Verscheiden eines Dichters gibt Anlaß, sich die Frage zu stellen, ob denn seine hinterlassene Literatur von Nutzen für den Leser war und ist. Geschrieben und gedruckt wird viel und das Wenigste ist es wert, dem Papierkorb vorenthalten zu werden. Jeder Depp schreibt heutzutage ein oder mehrere Bücher, allen voran Politiker und Wirtschaftskapitäne. Deren Bücher werden zwar als »Sachbücher« gehandelt, sind aber nichts anderes als Dichtungen und ihre Qualität ist schon daran zu ermessen, daß sich keiner der Autoren der Beschränkt- und Bescheuertheit seiner Aussagen, die allenthalben ein Affront gegen jede Wissenschaft sind, bewußt ist.
Da mag es guttun, wenn sich ein Dichter auch als solcher bezeichnet und wie die aktuell verstorbene Christa Wolf sich ihrer Dichtung als solche auch bewußt ist. Sie schreibt: "Hüten wir uns vor Verstiegenheiten. »Prosa« – das ist doch nichts anderes als eine Idee, eine Vorstellung, eine Abstraktion. Ihre Verkörperung wird auf dem Markt in Form einer Ware gehandelt: als Buch. Dieser Vorgang, der ziemlich reibungslos funktioniert, wird nicht genügend bestaunt – wir haben uns daran gewöhnt, daß man uns Erfindungen, deren praktische Verwendbarkeit höchst zweifelhaft, wenn nicht ausgeschlossen ist, zum Kauf anbietet. Manche Menschen haben die Stirn, ihre eigene Existenz auf diese höchst unseriöse Manipulation zu gründen: nicht nur Verleger, Drucker, Buchhändler und Propagandisten, sondern sogar Autoren sind so frei."
Mittlerweile ist die Form, die Ware, der Inhalt pur. Man denke nur an die Piratenpartei. Der Computer ist ihr Inhalt ohne Inhalt, außer eben dem, daß er funktioniert, technisch und somit als Ware. Von ihrem Standpunkt aus erledigt sich Literatur, sie ist dementsprechend der Entwertung unterworfen. Es ist kein Wunder, daß die Piratenpartei gegen das »geistige Eigentum« Sturm läuft: Nicht weil es für sich genommen, wie Christa Wolf zutreffend andeutet, absurd ist, nein, weil es nichts mehr wert ist, weil der Nutzen – hier ist nicht die Rede von der praktischen Verwendbarkeit! – höchst zweifelhaft geworden ist: Warum noch Bücher lesen und wenn ja, dann war es bisher – von der Höhe des Preises einmal abgesehen – ziemlich einerlei, welches (Hauptsache: leicht verdaulich). Heute ist es so, daß der einzige Zweck, der der geistigen Zerstreuung, also ein Zweck, der der Reproduktion der Arbeitkraft  geschuldet ist, durch das Surfen am Computer weitgehend ersetzt wird. Funktioniert man nicht allenthalben noch glatter und reibungsloser, wenn man Computerapplikationen beherrscht? Als Zahnrädchen des kapitalistischen Systems ganz bestimmt!
Ja, facebook macht funktionstüchtig! Und die Piraten sind kindisch genug, um nicht zu fragen: Wofür der ganze Scheiß? Sie unterstellen den Nutzen und nicht nur die, die mit den elektronischen Geräten horrende Geschäfte machen, auch die Staatsmänner reiben sich deshalb die Hände. So geil und widerspruchslos ist der Kapitalismus indessen geworden.
(Es versteht sich von selber, daß die Bücher, die auf KoKa empfohlen werden, auf ihre praktische Verwendbarkeit hin geprüft sind.)
(05.12.11)

Der Container verändert die Landschaft

Die Rede ist an dieser Stelle nicht vom neuen Scheißhaus des Augsburger Theaters, dem »Container«. Die Rede ist von einem kleinen Büchlein, das 1985 zum 15-jährigen Jubiläum des legendärsten aller Augsburger Verlage neuester Zeit, dem Maro-Verlag, erschienen ist. Es enthält eine bunte Ansammlung von literarischen Zückerchen. Gleich nach dem Vorwort des Verlegers
findet sich ein Grußwort von Charles Bukowski:
"Ich habe Benno Käsmayr nur einmal kurz getroffen, aber das genügte, um mir zu zeigen, daß er unter allen Kleinverlegern, die ich in Amerika oder Europa kenne, eine Ausnahme ist. Wir saßen beim Essen und tranken etwas, und es wurde nicht viel geredet. Ich soff mich gerade quer durch Europa [damals! als Europa noch ohne Suff zu  ertragen war!] und wurde als neue Entdeckung und große Nummer herumgereicht und bekam einen dicken Schädel davon. Ich war eine Nutte und hatte es mit Geld und Erfolg und großen Verlagen zu tun, aber Benno hatte mich lange vor den großen Verlagen entdeckt. ..."
Einem Faksimile-Brief von Tiny Stricker folgt ein zerknitterter Stiefel des Augsburger Zeichners Stefan Beck, dann folgt Jan Kerouac mit »Die Zeit vergeht, verweht« und viele andere. Auch Bukowskis Lieblingsautor John Fante ist vertreten und natürlich sein Übersetzer Carl Weissner, der über Buk aus dem Nähkästchen plaudert. Der Meister kommt natürlich mit einer Extrastory zu Wort: »Hundekuchen in der Suppe«. Okay. So weit, so wunderhübsch und hier noch ein »Stilleben mit Aktentasche« von Alfred Miersch:
Der Container verändert die Landschaft - KoKa Augsburg1
Aufstehen bevor der Hahn kräht
Heimkehren wenn der Tag ausläuft
Den Kopf freihalten in abgeschotteten Büros
Den Blick heben über Schaufensterhöhe.
2
Sieh: die Häuserzeile auf der anderen Seite
Der Straße Prunk des Jahrhundertbeginns
Erker Balkone Verzierungen
Unterhöhlt von der Modernen Zeit
Glattgeschliffene Ladenketten Rauchglaspomp
Der Banken Apothekerarchitektur.
3
Den Glauben nicht verlieren an
Die Geborgenheit in den Büros
Das Schulterklopfen an den Maschinen
Die Kompetenz in Sitzungen
Die dampfenden Teller bei der Massenspeisung
Die Liebe zu handtuchgroßen Vorgärten
Das Sammeln in Wohnwagenherden am Wochenende.
4
Sieh: die Pendler betreten die Stadt
Einkaufsbeutel Aktentaschen Butterbrotpakete
Ihre Augen Mitteilungen
Vom Klingeln des Weckers drei vier fünf Uhr früh
Von seichten Klängen aus Autoradios
Von überfüllten Nahverkehrszügen vom Gähnzwang
Sie stellen das Bild eines Lebens
Das sich jeden Morgen aufs Neue formiert
Stilleben mit Zeitung geschlossenen Augen
Müden Träumen im Bahnabteil
Stammplatz für Generationen.
(04.12.11)


Plimm geht durch die Stadt - AugsburgPlimm geht durch die StadtAugsburg Vogeltor - KoKa Kommunikation & Kaffee
Das Vogeltor ist ins Gerede gekommen. So fahrlässig ließ die Stadt das historische Tor herunterkommen, daß von Vorsätzlichkeit gesprochen werden muß. Plimm widmete seinerzeit dem Leben rund um das Tor eine hübsche Geschichte:
"Gleich hinter dem Vogeltor mit seiner gotischen Gewölbedurchfahrt geht es über das alte Stadtgrabenwässerlein, den Augsburger Canal Grande, zur Schlossermauer. Es ist zwar keine richtige Rialtobrücke, die in das Lechviertel führt, auch Klein-Venedig geheißen, aber es riecht genauso historisch wie in der Perle der Adria. Die vielen fleißigen Töchter des Lechs, die sich hier durchschlängeln, haben die Gesichter der Häuser längst blätterteigig gemacht. Manchmal streichelt die Sonne liebevoll darüber und tröstet sie.
In den Ritzen der Mauern sitzen die Seufzer aus vielen Jahrhunderten. Aber auch das Lachen der Baderstochter Agnes Bernauer ist dabei und der Pfiff der Bewunderung, den der Jörg Hennenmeier anno 1793 ausstieß. Damals, als er von seinem Kammerfenster aus, im gegenüberliegenden Dachgeschoß die ehrbare Jungfer Mathilde Knabenbrot beobachtete, wie sie sich im Schlafzimmer, vor dem Spiegelein und bei Kerzenlicht, die langen schwarzen Zöpfe aufband.
Viele Kanäle sind heute unter Beton versteckt. Aber es gibt doch noch manche romantische Seufzerbrücke. Da fahren richtige Gondeln hindurch, die die Gondolieri Mugginger Peter und Zirbelmeier Karle selbst gebaut haben. Aus Zeitungspapier. Sie sehen aus wie der umgedrehte Zweispitz, den der Türhüter früher bei Sankt Moritz auf dem Kopf trug, wenn er, in blauer Uniform, mit einem langen Marschallstab den frommen Betern ihren Stehplatz beim Hochamt anwies. Es ist aber kein Mädchenname am Bug zu lesen. Höchstens eine Zeitungsschlagzeile: Metaller fordern acht Prozent mehr!
Der Plimm hat gehört, daß nachts, wenn der Mond sich in den Altstadtkanälen badet, manchmal auch silbern schimmernde Geister von Ertrunkenen lautlos wasserabwärts treiben. Vielleicht ist da auch ein armes Augsburger Gretchen dabei, das einst ins kühle Naß sprang, als es von seinem Gevatter sitzen gelassen worden war?
In seiner Jugend hat der Plimm einmal das Wasserdrama gesehen »Der Tod der schwarzen Mimi und ihrer sieben Kindeln«. Die Katze trieb mausetot den Mittleren Lech hinunter, gefolgt von ihren sieben stocksteifen Jungen. Der Plimm sah ihnen vom Geländer aus nach, bis sie unter der Brücke verschwanden. Selbstmord! dachte er. Warum hat sie das gemacht? Heute kann er es sich schon denken. Sicherlich hat sie die sieben unehelich gehabt.
In unseren Tagen kann man, falls nicht ein Handtaschen- oder sonstiger Räuber seine Schicht hat, gefahrlos durch das Augsburger Venezia gehen. Im Mittelalter war das nicht so. Da leerte die Hausfrau morgens die Nachttöpfe aus dem Fenster auf die Straße hinunter, weil es noch kein Wasser und kein Klo in den Häusern gab. Wenn man im richtigen Augenblick vorbeikam, wurde man so gut durchgedüngt, daß einem bereits Frühkartoffeln auf dem Kopfe wuchsen, wenn man zu Hause ankam. Die Ehefrau konnte dann abernten und Kartoffelküchlein machen.
Der Plimm hat in seiner Jugend immer zu den Krangiebeln an den Häusern hochgeschaut, aus denen die Seilrollengalgen in den Himmel ragten. Zu gerne hätte er gesehen, wie ein Strolch dort hochgezogen würde. Man hievte aber höchstens einmal ein Sofa, das man nicht über die engen Stiegenhaustreppen tragen konnte, in den zweiten Stock. Richtige Galgenvögel sah er nie baumeln. Die einzigen Vögel, die er dort entdeckte, waren Tauben, die oben auf dem Holzbalken hockten und auf die Straße hinuntergurrten.
Wenn der Plimm heute zu dunkler Stunde durchs Lechviertel geht, wartet er auf einen mittelalterlichen Nachtwächter und dessen Ruf: »Hört ihr Herrn und laßt euch sagen, unsre Glock' hat zwölf geschlagen!« Bald ist Polizeistunde. In mancher Gaststube in Augsburgs Klein-Venedig wird der letzte Schluck Bier getrunken, der letzte Tropfen Wein mit Bedacht geschluckt und das letzte Prosit gerufen. Und die braven Bürger gehen in ihre Betten und schlafen, jeder mit einem guten Gewissen unter der Decke. Bis zum nächsten Morgen, wenn der Mond in den Canal Grande taucht und die Sonne an seiner Stelle hinterm Vogeltor aufsteigt.
Dann wachen auch die Gondolieri Mugginger Peter und Zirbelmeier Karle auf und gehen als Schulbuben mit der Büchertasche über den grauen Asfalt der nächsten Seufzerbrücke. Zu Plimms Zeiten war in dieser Gegend noch viel lustiger Kopfsteinpflasterbelag. Wenn der Plimm im Leiterwägelchen saß, das er mit der Deichsel zwischen den Füßen lenkte, während der Paule Gurglhuber schob, holperte es so stark, daß es ihn ganz furchtbar im ganzen Leib bitzelte. Bis tief hinein in den Magen. Das war ein moralisch völlig einwandfreier Nervenkitzel, mit dem heute nur noch ganz wenige Augsburger zufrieden wären."
(12.11.11)

Love Hurts
[in neuem Tab öffnen!] – mit dieser Version hat Joan Jett Nazareth begraben. Da wird wohl niemand ernsthaft widersprechen.
(11.11.11)

Lauschangriff

heißt der poetry slam in Augsburg. Gewinnerin im September war Sarah Maria Nordt [in neuem Tab öffnen!]. Eine Aufzeichnung ihres furiosen Auftritts im Juli des Jahres in Friedberg ist auf youtube zu sehen.
(31.10.11)

Die Studentin der Filosofie Lucy Herat
Nicht, daß sich Frauen nicht bilden sollten, nein, die Veröffentlichung dieser über 100 Jahre alten Novellette von H. Römer soll vor Augen führen, wie wenig das, was unter »Wissenschaft« verkauft wird, geeignet ist, dem weiblichen Geschlecht die Bildung zu verschaffen, mit dem es aus dem engen Dunstkreis privater Befindlichkeiten ausbrechen und ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Frauen brauchen nicht über »Benachteiligung« in der Gesellschaft jammern, da das System diesen Vorwurf zurückweist: Schließlich sei alles systemadäquat, gleichberechtigt und damit auch dem Individuum gemäß, von Benachteiligung könne also nicht die Rede sein. Die Frage wäre also, was ist das für ein Ding, das (Bildungs-)System? Ist das ein »Ding an sich«?
Das Erquickliche an der Geschichte ist, den Antimaterialismus der Filosofie – immerhin ein nie in Frage gestelltes, für systemnotwendig erachtetes Universitätsfach –  plastisch vor Augen geführt zu bekommen.
(30.10.11)

"Er kann es" Spiegel-SPD-NSDAPDas deutsche Durchblickermagazin
Auf die Frage, warum KoKa keine Werbung für das Intellektuellenmagazin namens Spiegel macht, kann es nur eine Antwort geben: Der Nationalismus dieses Blattes wird leicht unterschätzt. Doch an dieser Stelle sei das Versäumnis mal beglichen. Weitergeholfen hat dabei eine historisch zu nennende Abbildung des schwarz-rot-goldenen – nur oberflächlich betrachtet orangenen – Hochglanzmagazins im online-Portal der Satirezeitschrift Titanic, das hier gerne einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Wie KoKa aus eigener Beobachtung bekannt sollen nämlich unter den – vornehmlich sozialdemokratisch wählenden, sich nach Führerfiguren mit Format sehnenden – Lesern des Blattes gar viele blind sein.
(29.10.11)

Der Kapitalismus macht Träume wahr - auch für Türken!
"In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle sehr schön..." (Gebrüder Grimm,  Der Froschkönig - zitiert nach Peter Handke, der dies seinem 1974 erschienenen Buch »Als das Wünschen noch geholfen hat« vorangestellt hat) Und nun vernimmt man, daß der ungekrönte König Frankreichs von seiner schönen italienischen Frau ein ebenso schönes Töchterchen gekriegt hat. Und gleichzeitig sein geschätzter Geschäftspartner Gadafi das Zeitliche segnen mußte, nachdem er ihm aus allerhehrsten politischen Gründen die Geschäftsgrundlage entziehen mußte und ihn zum Diktator gestempelt hatte. Da ist die Welt doch wieder ziemlich in Butter und es scheint gerade so, daß auch in den modernen Zeiten das Wünschen über alle Fährnisse hinweghilft und sich Licht am Horizont zeigt.
Das gilt natürlich nicht nur jenseits des Rheins, auch diesseits: Die Stadt Augsburg feiert dieser Tage mit dem großartigen Programm »Merhaba Augsburg« die Erlösung der Türkenheit, den 50. Jahrestags des Anwerbeabkommens der BRD mit der Türkei: Seitdem dürfen sich Türken für den deutschen Staat und das deutsche Kapital krumm und buckelig schuften. Sie sollen das allerdings nicht so mißverstehen, sondern als Teil ihrer kulturellen Entwicklung und Emanzipation begreifen. Anders würde es ja auch nicht in die heile Welt des deutschen Kapitalismus passen.  Daß die Türken seither in weiten Bevölkerungteilen nach wie vor als Menschen zweiter Klasse gelten, daß der deutsche Rassismus nicht im mindestens darunter gelitten hat, daß Türken nebenan wohnen, soll mit dem Programm ganz offensiv unter den Teppich gekehrt werden: In ihm wird so getan, als gäbe es diesen Rassismus einfach nicht. Dabei gebietet ihn die Konjunktur des Kapitals mehr denn je: Damals, so schreibt OB Gribl im Vorwort standen 150.000 Arbeitssuchende 650.000 offenen Stellen gegenüber, bis heute hat es der Fortschritt der Ausbeutung dahin gebracht, daß Millionen Arbeitlosen mit deutscher Staatsangehörigkeit keine offene Stelle gegenübersteht, während es Türken gibt, die (immer noch) Jobs haben, bisweilen sogar besser bezahlte als heimische Billiglöhner. Dazu Gribl: "Vielfalt ist in Augsburg der Normalfall und trotz vorhandener Defizite [woran denkt er da bloß?] haben wir in der Summe eine unendliche [!] Erfolgsgeschichte gelungener Integration. Diese ist immer auch [?] Ergebnis der individuellen Lebensleistung der einzelnen Person." Da hat er ihn wieder, der Türke, den schwarzen Peter: Wer hier nicht klarkommt, ist selber schuld, weil es ihm an Integrationswillen mangelt. Als ob der Wille nicht schon dadurch ein gebrochener wäre, wenn er zu nichts anderem als zur Unterordnung und zum Verkauf der Arbeitskraft benutzt werden soll. Darüber hinweg soll das türkische Arbeitsvieh nun mit Film und Musik aus seiner Heimat bei Laune gehalten werden. Sehr zynisch, der deutsche Staat bis hinunter zu seinen Kommunen! Das unvermeidliche Friedensgelaber, das seinen Grund in der zynischen Nutzenabwägung und den prinzipiellen Vorbehalten des deutschen Staates gegenüber all denen hat, die zumindest per Reisepaß einem anderen Staat gehören, rundet die Sache ab.
So haben sich doch alle Idealisten die Welt gewünscht: Friede, Freude, Eierkuchen, ganz so, wie in den uralten Zeiten, so hilft auch heute das Wünschen wirklich weiter bzw. zumindest über die Realität hinweg. (22.10.11)

Tsunami Fukushima - E. Ernicke-Sauer, Augsburg L A U T H A L S  5 – frisch auf den Tisch!
Die Augsburger (Literatur-)Zeitschrift für Kummer & Spott (oder so ähnlich), LAUTHALS, leistet sich in ihrer neuen Ausgabe, der Nr. 5, erneut einige Unsittlichkeiten gegen dick vorherrschenden gesellschaftlichen Dünnschiß. Kurz, sie hat die Qualität, deretwegen sie letztens von unserer Monopoltagespresse, der berühmten AZ, mit redaktioneller Nichtbeachtung geschmäht worden ist.
Diesmal wird gar ihr erzkatholischer Kirchendiener Alois »Knaller« Knoller abgeschossen, dessen Glanzleistung darin bestand, die »Erkenntnis« eines britischen Biografen breitzutreten, die, aufsehenserregend genug, darin bestand, daß sich Brecht in der DDR von einem Arzt behandeln lies (und sich deshalb für dessen Aufenthaltserlaubnis eingesetzt hatte), der vormals Nazi war, was – wie jener Bioschnüffler Stephen Parker einräumt – Brecht unbekannt gewesen sein mußte. Wofür ist das also wichtig? Von wegen also linientreuer Kommunist! Also wenn der schon, dann ist jeder »Fauxpas« von BRD-Größen mit vormaligen NS-Mitgliedschaften und -Verbindungen doch wohl entschuldbar hoch drei!
Die zweite Abhandlung, die gelobt werden muß, ist die Schizo-Story von Cornelia Koepsell, in der anbei Thomas Alva Edison als Technokrat des kapitalistischen Fortschritts gehörig Fett abkriegt: Darauf einen köstlichen Cocktail von Alexander Huckfeldt: "... Ganz Deutschland glotzt TV - Deutschland sucht den Superarsch.... ": einfach genial!
Milchgesichtige Abiturienten entdeckt Uniabgänger Peter Hanbeck, sorgvoll scheidend: Ihm schwant eine »Metallverzahnung« samt und sonderer Art. Dafür müssen die Milchgesichter noch zurechtgeschliffen werden. In der Tat: Ist nicht Kruppstahlhärte vonnöten, um in der menschlich möglichsten aller Gesellschaftsordnungen zu überleben?
Angesichts solcher Texte wird sich der ein oder andere Leser fragen, was das Eingangszitat –so unvermittelt dastehend – soll? Es stammt vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore und hat sich zum geflügelten Wort gemausert: "Die Weltgemeinschaft muß beweisen, daß ihr geistiges Potenzial ausreicht, um die von ihrer Intelligenz geschaffenen Verhältnisse zu steuern." Was soll das Gerede von einem fiktiven Subjekt namens Weltgemeinschaft? Welches also mitnichten etwas zu schaffen und zu steuern in der Lage ist! Das Rätsel ist nur dadurch zu lösen, daß »die Weltgemeinschaft« durch »die USA« ersetzt wird, womit auch schon deren imperiale Mission benannt ist. Dieser Staat mit seiner unerhörten Gewalt wird nicht müde, die Verhältnisse zu schaffen, die er als neuen Auftrag begreift. Er arbeitet sich an den Resultaten seiner Weltordnung ab, wofür er alle anderen Staat »gemeinschaftlich« in die Pflicht nehmen will. Eine Persiflage auf dieses und das überhaupt weit verbreitete Menschheitsgetue von oben und sein Echo von unten ist der Text »Das Leben geht weiter« von Michael Friedrichs: Er gipfelt in der bitteren Polemik »Die Menschen versuchen ihr Bestes«. Es ist nicht zu übersehen, daß es zum einen die Betreiber politisch etablierter Gewalt, die als Staatsmänner den Ton angeben, und zum anderen die, welche über die ökonomische Macht in Form von Kapital verfügen, sind, die »ihr Bestes« versuchen. Welches man diesen Saubermännern, die Tag für Tag über ihre Leichen gehen, ja auch noch in ihrem gelegentlichen Scheitern
(– wenn, dann scheitern sie an der Macht und nie umgekehrt die Macht an ihnen –) zugute halten soll. Alle anderen haben all die Katastrofen, die sich in Aland, in Beland, in Celand usw. ereignen, zu schlucken, schicksalsergeben.  
Soweit etwa 10 von 100 Seiten. Entdecke die Welt in Augsburg! Denn andereswo ist nicht besser.
Fukushima ist übrigens auch nicht vergessen, die nebenstehende Abbildung (wiedergegeben auf S. 15) ist ein Gemälde von Elisabeth Ernicke-Sauer.
Lauthals ist erhältlich im Augsburger Buchhandel für 5 Fugger-Goldgulden oder direkt über den Schöpfer Reinhard Gammel.
(02.09.2011)

Adolf Menzel - Storch & Kinder ___ koka-ausgburg
Sterben die Deutschen aus?
Eine ebenso kindische – wäre das so schlimm? – wie hochpolitische 
– das Ja ist unterstellt! – Frage. In der Zeitschrift Jugend erschien im Jahre 1901 eine Karikatur von Adolf Münzer (Paris) mit der ebenso kindlichen wie apolitischen Frage: "Mama, bringt der Storch die kleinen Kinder, weil er muß oder tut er das gern?" Als passende Antwort kann man sich hinzudenken: Er tut es gerne, weil er es einfach gerne tun muß! Schließlich gilt einzig ein höheres Interesse! [Abb. aus: Jugend 41/1901]
Soviel zu der regelmäßig ventilierten Frage, ob Deutschland mit seinen deutschen Untertanen ein »demografisches Problem« habe und woran das liege. Es fehlt freilich weniger an der Begeisterung für Deutschland als an den notwendigen Konsequenzen, die daraus der Einzelne zu ziehen hätte!
Seit wann und warum sollten die Untertanen nicht dümmer sein als die Herrschenden? Zumal wenn sie (gute und brave) Deutsche bleiben wollen...
(07.08.2011)

Pechschwarz

sind Augsburger Straßenbahnen, auf denen ein Reifenhersteller mit dem Slogan »Deutschland fährt schwarz« für seine Profile wirbt. Offenkundig weiß das Kapital genau, wie es seinen potenziellen Käufern die Ware schmackhaft machen kann. Genau so nämlich wie Politiker: Als Nationalisten muß man sie ansprechen! Schön, wenn auch Linksbewegte begreifen würden, wobei es sich beim verehrten Publikum handelt. Dann wüßten sie auch, was es gilt, aufzubrechen.
(01.08.2011)

Apropos Dummheit:
Die Augsburger Neuesten Nachrichten schreiben in ihrer Rezension zu unten erwähntem Buch Loewenfelds u.a. folgendes: "Eine der häufigsten Formen der »Dummheit der Intelligenten« ist das Steckenpferd, die übertrieben ernste und beharrliche Beschäftigung mit einem oft maßlos überschätzten, im Grunde unbedeutenden Gegenstand. Solcher Steckenreiterei begegnet man in allen Klassen, aber gewisse Berufsarten geben zur Entwicklung eines Steckenpferdes besonders leicht Anlaß. An erster Stelle ist hier der Gelehrtenberuf zu nennen. Der steckenreitende Gelehrte, der einen untergordneten Zweig seines Spezialfaches mit verblüffender Ausdauer und Pedanterie kultiviert, der in Schriften und Vorträgen auf maßlos überschätzten Theorien herumreitet, ist eine bekannte Erscheinung. Wehe dem, der im Gespräch mit ihm zufällig dies Steckenpferd berührt! Unerschöpflich fließt dann sein Redestrom, ohne Rücksicht darauf, ob das Interesse des Zuhörers ihm folgt oder nicht. Vereinsmeierei und Guttemplerei, Vegetarianismus und Jägerhemdlerei, Freiluftfanatismus und übertriebene Sprachreinigungssucht, populärer und wissenschaftlicher Spiritismus sind, in ihren Auswüchsen wenigstens, Steckenpferde, die von Vertretern aller Berufe geritten werden. ..." (30.05.1911)
Gustave Courbet - Selbstbildnis
Dummheit – Der Fall eines archetypischen Anarchisten
Im Jahre 1909 veröffentlichte der Münchener Nervenarzt Leopold Loewenfeld ein überaus bemerkenswertes wissenschaftliches Werk »Über die Dummheit – eine Umschau im Gebiete menschlicher Unzulänglichkeit«, aus dem hier die Illustration zu dem Abschnitt »Dummheit und Talent« entnommen ist, einem Fall, der durchaus etwa mit der Aufgeblasenheit eines üblichen Emporkömmlings, wie sie z.B. Fußballkaiser Franz an den Tag legt, verglichen werden kann:
"Der Maler Courbet bildet meines Wissens das auffälligste und interessanteste Beispiel einer Vereinigung hoher künstlerischer Begabung mit ausgesprochener allgemeiner Beschränktheit. Zwar sind die Kunstkritiker über die künstlerische Bedeutung Courbets nicht ganz einig, insofern einzelne ihn geradezu als Genie betrachten, während andere ihn nur als bedeutendes Talent gelten lassen; hohes künstlerisches Vermögen wurde ihm indes von keiner Seite abgesprochen. Den äußeren Lebensgang des Malers können wir hier nur kurz berühren. Gustave Courbet wurde am 10. Juli 1819 als Sohn wohlhabender Bauersleute in Ornans bei Besançon geboren, war von seinem Vater für den Advokatenberuf bestimmt und kam mit 20 Jahren nach Paris, wo er, statt nach dem Wunsche seines Vaters die Rechte zu studieren, die Ateliers von August Hesse und Steuben besuchte und sich der Kunst völlig widmete. Die Richtung, welche er in der Malerei vertrat, war die des unverfälschten Realismus, und er wurde in Bezug auf diesen der Gründer einer Schule oder Sekte. Der Realismus Courbets war jedoch nicht das Resultat irgend welcher Überlegungen, sondern in der Art seines Talentes begründet. »Sein absoluter Mangel an Phantasie,« bemerkt Maxime Descamps, »die unüberwindlichen Schwierigkeiten, die er empfand, wenn es galt, ein Gemälde zu komponieren, hatten ihn dazu gebracht, den sogenannten Realismus zu begründen, d. h. die genaue Wiedergabe der natürlichen Dinge ohne Unterschied, ohne Auswahl, wie sie sich dem Blicke darbieten.«
Camille Lemonnier nennt Courbet den grand peintre b
ê
te, den Maler der groben Materie, der nicht einsah, warum man etwas malen solle, was man nicht unter den Füßen fühlte. Der Kunstrichtung Courbets erwuchsen zahlreiche Gegner; seine Bilder wurden von den Ausstellungen vielfach zurückgewiesen; trotz alledem gelang es ihm, da er kein Mittel, das ihm förderlich schien, verschmähte, sich einen bedeutenden Namen und Vermögen zu erwerben. Infolge seiner Beteiligung an dem Kommuneaufstand 1871 wurde er mit der Zerstörung der Vendômesäule betraut, die er auch ausführte. Vor dem Kriegsgerichte, das ihn nach seiner Gefangennahme abzuurteilen hatte, suchte er auf die demütigste Weise sein Vorgehen zu entschuldigen, und er wurde auch nur zu einer sehr mäßigen Strafe (6 Monate Gefängnis) verurteilt. Nach seiner Freilassung begann er jedoch alsbald über seine vandalische Tat sich in weniger bescheidener Weise zu äußern und sich damit zu brüsten, daß er die Säule bezahlen werde, bis sich schließlich die Regierung veranlaßt sah, ihn beim Worte zu nehmen und von ihm 323 091 Frs. Schadenersatz beanspruchte. Dies war dem sehr am Gelde hängenden Meister etwas zu viel; er entfloh in die Schweiz und, starb dort am 31. Dezember 1877, nachdem er in längeren Verhandlungen mit der Regierung sich zu jährlichen Zahlungen von 10 000 Frs. verpflichtet hatte. Courbet war ein Mensch von dürftiger Schulbildung, er konnte nicht orthographisch schreiben, und es wird von ihm berichtet, daß der Anblick eines Buches ihn in Zorn versetzte und daß er vor einem Tintenfaß geradezu zurückprallte. Seine Lektüre beschränkte sich im wesentlichen auf die Zeitungen, die sich mit ihm beschäftigten. Die Beschränktheit äußerte sich bei ihm vorwaltend in geradezu maßloser Eitelkeit und Selbstüberschätzung, mit der entsprechende Unterschätzung Anderer Hand in Hand ging. Als die Jury der Weltausstellung 1855 die von Courbet eingereichten 40 Bilder nicht sämtlich annahm, veranstaltete er eine separate Ausstellung derselben, die, da es sich zum größten Teile um Selbstporträts des Malers handelte, lediglich seiner persönlichen Eitelkeit diente. Das Glaubensbekenntnis, das er in Form einer Vorrede dem Kataloge beizugeben für gut fand, war wahrscheinlich von einem Freunde verfaßt. Das Kreuz der Ehrenlegion, das ihm im Jahre 1870 von der Regierung verliehen wurde, wies er in einem an den Minister gerichteten (ebenfalls von einem Freunde verfaßten) Schreiben voll hochtrabender Phrasen zurück, und er rühmte sich nachträglich, daß seit dem Kreuze Christi kein Kreuz in der Welt so viel von sich reden gemacht habe, als das ihm zugedachte. Ernstzunehmende Personen, welche Courbet genau kannten, versichern, daß er bei der Zerstörung der Vendômesäule von persönlichen Motiven bestimmt wurde. Courbet war nämlich der Ansicht, daß durch Napoleons Ruhm der seinige beeinträchtigt werbe. Seine Gemälde erschienen ihm, wie Rosenberg bemerkt, bedeutender, als gewonnene Schlachten, das Konkordat und der Code civile. Selbst Meyer-Gräfe, der Courbet als Künstler sehr hoch stellt, kann nicht umhin, zuzugeben, daß seine Überhebung über seine Zeitgenossen an Frechheit grenzt. Als Beleg führt der Autor Folgendes an: 1862 sagte er einmal zu Corot: »Wer sind heute die wirklichen Maler in Frankreich? — Ich! — lange Pause — und dann Sie!« Und Corot äußerte später einem Freunde gegenüber: »Wenn ich nicht dabei gewesen wäre, hätte er mich gerne vergessen.« Ebenso, wie über seine Zeitgenossen, erachtete er sich über hie Meister früherer Jahrhunderte erhaben. Das Urteil, das er über die Heroen der Renaissance, Tizian, Lionardo da Vinci usw. fällte, war so geringschätzig, daß es geradezu Empörung hervorrief. Die Selbstüberschätzung Courbets beschränkte sich jedoch nicht auf seine künstlerischen Leistungen. Er betrachtete sich als eine Art Universalgenie und wollte auch als Philosoph, Moralist und Politiker Geltung erlangen. Und doch war er bei seiner mangelhaften Bildung nicht imstande, ein philosophisches Werk zu verstehen. Seine Sozialtheorie war ebenso läppisch, wie seine Auffassung der Politik, die er als eine Art Bierulk betrachtete. Selbst Graf d'Ideville, welcher der Künstlerschaft Courbets die größte Anerkennung zollte, konnte nicht umhin, zuzugestehen, daß ihm »der Philosoph, Moralist und Politiker Courbet als Idiot erscheine«. Die Dummheit Courbets war schon zu seinen Lebzeiten in den Kreisen, mit welchen er verkehrte, wohl bekannt und Gegenstand vielfacher Verhöhnung und Ausnützung. Diese Dummheit hätte jedoch allein keinen genügenden Boden für seine gigantische Selbstüberschätzung geliefert, es mußten ihr andere ungünstige Momente zu Hilfe kommen. Solche bildeten hie alkoholischen Neigungen des Künstlers — er war Potator — und die üble Gesellschaft, die sich um ihn scharte, zum Teil, weil sie von ihm Nutzen zog. Diese Leutchen machten sich den Spaß, ihm einzureden, daß er alles könne, was er wolle, daß er ebensowohl Philosoph, Nationalökonom und Staatsmann, wie Künstler sei. Jahre hindurch fortgesetzt verfehlten diese törichten Reden nicht, die Aufgeblasenheit des Künstlers, dem infolge seiner Beschränktheit jede Selbstkritik fehlte, ins Maßlose zu steigern.
Der Fall Courbets zeigt uns deutlich, wie sehr die intellektuelle Taxation des Individuums von dessen Lebensumständen abhängt. Wäre Courbet wie sein Vater Bauer geblieben, und hätte er als solcher, wie er es als Künstler tat, seinen materiellen Vorteil mit rücksichtsloser Energie verfolgt, so hätte man sicher keine Berechtigung gehabt, ihn als beschränkt anzusehen. Bei dem Künstler Courbet dagegen, der in her großen Weltstadt lebte und auch auf anderen Gebieten, als dem der Kunst sich hervortun wollte, mußte der Abstand zwischen seinem künstlerischen Vermögen und dem Grabe seiner intellektuellen Allgemeinbegabung in einer Weise hervortreten, daß man nicht umhin konnte, ihn als Schwachkopf zu betrachten. Der Fall Courbet ist aber auch ein recht bemerkenswerter Beleg dafür, daß unter den intellektuellen Gaben die Kunsttalente eine ganz besondere Stellung einnehmen. Das eine oder andere dieser Talente kann bei sehr niederem Stande her Allgemeinbegabung gut, sogar bedeutend entwickelt sein. Andrerseits können aber auch diese Talente bei Individuen von bedeutender Intelligenz eine sehr geringe Entwicklung aufweisen oder selbst ganz fehlen. Man kann diese Erfahrung phylogenetisch dahin beuten, daß hie Kunsttalente einen späteren Erwerb her menschlichen Rasse bilden als die übrigen intellektuellen Fähigkeiten. [Vergl.: A. Rosenberg: Geschichte der Modernen Kunst 1894 und J. Meier-Gräfe: Courbet und Corot, Leipzig-Inselverlag]" (S. 25ff)
Nun war kürzlich die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Reisebeilage just in dem Jura-Department Frankreichs unterwegs, in dem der Künstler aufgewachsen war und wo er aus dem Grunde, Touristen anzuziehen, – nebst anderen (Fourier, Proudhon, Victor Hugo) – entsprechend verehrt wird.  Was dem bürgerlichem Blatt gefällt, ist Courbets Beziehung zu eben jenem Proudhon, den Marx so gründlich – »Das Elend der Filosofie« – widerlegt hatte und der deshalb so sehr vor Marx warnte. In jener deutschen Zeitung gibt es dagegen eine Lobeshymne auf den falsch gewickelten Anarchisten: "Diese Erfahrungen [die mit der Art im Jura noch vorherrschenden kooperativen Landwirtschaft] ermutigten wohl auch Courbets engsten Freund, den Anarchisten Joseph Proudhon, 1849 eine Volksbank zu gründen, die Arbeitern zinsfreie Kredite gab. Seine Idee hatte Erfolg. Dennoch zwang der Kaiser den pragmatischen Visionär zur Aufgabe. Dabei war Proudhon ein Realist, der nichts anderes als kleinteilige Selbstverwaltung forderte. Vor den Utopien eines Karl Marx warnte er ausdrücklich; sie seien nur Abwandlungen militanter Zwangssysteme. Proudhon landete hinter Gittern, wo ihn Courbet besuchte."(09.06.11) Soweit zum »Realismus« von Anarchisten. Geschrieben immerhin 2011, nachdem sich für Antikommunisten vorteilhafterweise als
»Utopisten« Ausgemachte – schließlich hat die Sowjetunion abgedankt – lässig in die Schublade von »Zwangssystemen« schieben lassen, während der Kapitalismus sich als kleinteiliger Kooperativkosmopolitismus vorstellig machen läßt, wie man ihn offenbar idyllischerweise sehen soll. Ja, die Dummheit der bürgerlichen Presse kann auch nicht durch die eines Anarchisten geschlagen werden. Muß auch nicht: Sie ergänzen sich ja aufs Schönste! [Abbildung: Ein Selbstbildnis Courbets, aus dessen Gesicht die Dummheit dem Betrachter geradezu entgegenspringt.] (31.07.11)


Jakob Fugger - KoKa AugsburgKlischees über Augsburg
Daß es sich beim neuen Augsburg-Heft in der Merian-Reihe um – abgesehen von schönem Bildmaterial – um ziemlich fades Zeug handelt, versehen mit einigen Fehlern, darauf hat Arno Löb bereits hingewiesen. Exemplarisch sei das noch einmal an einem dort zu Wort kommenden Schriftsteller erläutert, an Franz Dobler, der sich nicht zu schade ist, kein noch so blödes Klischee über die Augsburger breitzutreten. Ausgerechnet einer, der es für wert befand, aus Oberbayern kommend, in Augsburg heimisch zu werden. Was »Hinfallen« mit »Niederknien« zu tun hat, erschließt sich nicht einmal dem, der Untertanengesinnung geißeln will – eine Gesinnung, die werder typisch augsburgerisch ist noch in dieser unpolitischen Art auf den Begriff gebracht zu werden vermag. Ja, es gibt die unterschiedlichsten Leute hier, natürlich wie überall auch viele bürgerliche Spießer, mit denen man wenig anfangen kann. Doch es gibt hier wohl mehr als anderswo Leute, die gegen den Strom schwimmen, nicht zuletzt deshalb, weil die Geschichte der Stadt eine Auseinandersetzung mit ihr in all ihrer Wechselhaftigkeit geradezu herausfordert. Dobler liefert ein Beispiel, wie man mit der allerdings nicht angehen sollte: "...Denn eine Stadt muß bedeutend sein, in der die älteste Sozialwohnsiedlung der Welt steht. Was man sich darauf einbildet! Weil Jakob Fugger diese Fuggerei-Siedlung an Bedürftige für fast kein Geld vermietete, was für eine christliche Tat, bezahlt aus der Portokasse seines frühkapitalistischen Unternehmens, um Arme und Arbeiterschaft ruhigzuhalten und von seinen Machenschaften abzulenken. Diese Art Vortäuschung will ich doch symbolkräftig nennen, und eine Figur wie Bischof Mixa rundet das Bild bis in die Gegenwart ab." Einmal 1. davon abgesehen davon, daß jede Stadt sich vermarktet, wie es nur geht, also das Angeben mit der Fuggerei in ihrer Art keineswegs eine Spezialität ist, einmal 2. davon abgesehen, daß dafür jede Ideologisierung nur recht und billig ist, also eben auch keine Spezialität ist und 3. davon abgesehen, daß der genannte Bischof an sich rein gar nix mit Augsburg zu tun hat, denn der wurde – der Bayer auf dem Papstthron wird schon gewußt haben, welch Sündenpuhl Augsburg ist und welcher harte Mann (Selbige nun übrigens in Berlin!) dort vonnöten – dorthin katapultiert, ganz ohne, daß hier jemand danach gefragt worden war, ob der Mann ihm hier passe oder nicht; ganz abgesehen davon trifft die Kritik die Fugger mitnichten: Die hatten es doch gar nicht nötig, auf diese Weise sich die Armen und Ausgebeuteten vom Leibe zu halten oder gar von ihren Machenschaften abzulenken! Wie man die Fugger richtig kritisieren kann, legt Autor Peter Garski in einem Dialog seines Krimis das »Fuggerei-Phantom« einem Russen in den Mund:
"....Wir unterhielten uns mit Igor, der langsam und bedächtig mit dunkler Stimme bestes Deutsch sprach, über die Fuggerei. Er kannte sich aus. Wußte alle legalen und illegalen Tricks von Jakob Fugger und seinen Genossen, wie man zu Geld kommt. Zu viel Geld. Zu Riesen-Reichtum.
»Viele Menschen glauben, die Fugger hätten die Fuggerei für die verarmten Weber als gute Tat gestiftet. Das ist Blödsinn. Absoluter Blödsinn«, äußerte Igor Negatives über die Vorfahren seiner Hausherren.
»Wir haben in Heimatkunde gelernt, daß die Fugger Mitleid mit den Armen hatten, denen sie eine günstige Herberge spendierten«, sagte ich.
»Absoluter Blödsinn«, kommentierte Igor mein Wissen aus dem Heimatkunde-Buch »Mein Augsburg«, das einen Umschlag hatte, auf dem ein kleiner Junge sein geliebtes Augsburg aus Bauklötzchen in einem Karton verstaute — oder auspackte, das war mir nie richtig klar geworden. »Die Fugger, das waren gerissene Geschäftsleute ohne Gewissen.«
»Jakob Fugger wollte doch sogar ins Kloster gehen oder Pfarrer werden«, erwiderte ich.
»Und wenn schon?« Igor hakte seine Daumen im Hosenträger ein. Wir hatten dadurch eine Wodka-Einschenk-Pause. »Die Fuggerei hat der raffinierte Kerl damals gestiftet, weil es ihm an den Kragen ging. Social Sponsoring oder so ähnlich nennen das heute die Konzerne, die Dreck am Stecken haben.«
»Dem reichen Jakob Fugger ging es an den Kragen?«, Helle stieg in einen neuen Pisa-Test ein.
»Sicher, der Pfeffersack machte Geschäfte, die nur den Juden erlaubt waren, die den Christen bei Todesstrafe verboten waren«, grinste Igor verächtlich über unseren Fugger. Da mußte widersprochen werden.
»Welche Geschäfte?«, fragte Helle.
»Die Fugger waren von Webern zu Kaufleuten und von Kaufleuten zu Bänkern geworden. Sie verliehen Geld gegen Zinsen. Das war für Christen damals streng verboten.«
»Das dürfen doch die Moslems heute noch nicht«, brachte ich mein aktuelles Wissen ein.
»Absoluter Blödsinn. Die umgehen das nur. Ich weiß das von einem tschetschenischen Geschäftsmann.«
»Die Tschetschenen sind Moslems?«, lenkte ich mit einer Frage von dem für einen aufrechten Augsbürger unangenehmen Fugger-Thema ab.
»Davon abgesehen, daß die Tschetschenen alles Faulpelze, Parasiten, Straßenräuber und Terroristen sind, sind sie auch Moslems. Religion ist sowieso absoluter Blödsinn, das war das einzige, womit die Kommunisten recht hatten«, griff Igor zornig nach der Wodkaflasche, die er mit seinen Fingern so fest umspannte, daß die hervortretenden Knöchel die darüber befindliche Haut weiß färbten. »Diese Tschetschenen, das ist eine einzige Mörderbande, ich habe sie kennengelernt, die gehören alle weg!« Igor machte mit der freien Hand die Halsabschneide-Geste. Die Wodka-Flasche schwang er wie einen Molotow-Cocktail.
»Die Fugger haben soooo viel Gutes für Augsburg getan«, lallte Helle daher. »Das sind ganz groooße Bürger unserer Stadt.« Er hatte meine Gesprächs-Strategie leider nicht erkannt. »Neulich hat ein Bäcker sogar einen Fugger-Laib vorgestellt.«
»Ich glaube beim Dichtl gibts sogar einen Fugger-Dukaten aus Schoko, oder hab ichs beim Eber gesehen?«, kratzte ich mich am Kopf. »Wir sollten mal ein Buch über eßbare Städte-Souvenirs machen«, versuchte ich Helle mit einer genialen Eingebung auf meine Gesprächsschiene zu locken. Seit ich in der Fuggerei gegen Lohn arbeitete, sah ich die Fugger auch etwas verklärter.
»Absoluter Blödsinn«, konterte Igor. »Die Fugger verdienten mit allem Geld, was Geld brachte, auf Moral achteten die nicht. Die scheuten sich nicht davor, Kriege zu finanzieren, Kinder in Bergwerken verrecken zu lassen, oder Indianer als Sklaven zu handeln, die dann wegstarben wie die Fliegen.«
»Sie haben Kaiser Karl V. auf den Thron gebracht«, verkündete Helle. »Das war schon eine Leistung.«
»Der mußte ihnen die Bergwerke abtreten. Die durften sie nach Belieben ausbeuten. Wie die Menschen. Das warf mehr ab, als sie in die Kaiserwahl hineingesteckt hatten. Sie konnten dadurch die Preise für die Metalle bestimmen. Damit haben sie viele ruiniert. Lukrativer gehts nicht mehr.«
»Sie haben Kirchen und Kapellen gestiftet«, verteidigte Helle weiter den Ruf der Augsburger Kaufleute.
»Mit dem Geld an dem viel Blut klebte. Wer weiß ob der liebe Gott ein solches Geschenk überhaupt wollte? Auch wenn sie die besten Verbindungen zum Papst hatten — die sie aber auch zur Geldmacherei nutzten.«
»Die Fugger werden gebeichtet haben und von jedem Fuggerei-Bewohner erhalten sie ein Vaterunser«, faltete Helle die Hände.
»Jaja, die Fugger und die Religion. Das ist ein besonders spannendes Kapitel. Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seel vom Fegfeuer in den Himmel springt«, krähte Igor. Er haute auf den Tisch, daß die Wodkaflasche einen Hüpfer tat, wie eine freigekaufte Seele im Fegfeuer. »Der Ablaßhandel, das war eine Idee des Papstes, der mit seinen Günstlingen in Rom in Saus und Braus lebte, um seine Schulden an den Fugger zurückzahlen zu können. Der Fugger war schlau, der ging auch nach der Methode »Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser« vor. Ein Fuchs war das. Der schickte mit den Ablaßhändlern einen Mann von sich mit. Abends beim Kassensturz der Ablaßhändler kassierte der Fugger-Mann gleich seinen Anteil ab.«
»Tetzel«, warf ich einen Namen ein. Igors beide Hände trommelten zur Betonung seiner Vorwürfe gegen die Fugger gleichzeitig auf die Tischplatte. Seine Sophia, die uns eingelegte Salzgurken aufschnitt und hinstellte, schenkte ihm dafür vorwurfsvolle Blicke. Igor bekam einen feuerroten Kopf, was durch seine Halbglatze mit Haarkranz gut zur Geltung kam.
»Die Fugger machten schon lange unerlaubte Geldgeschäfte mit dem Klerus. Viele Bischöfe wußten damals nicht wohin mit dem vielen Geld, das sie den Gläubigen abgenommen hatten. Den Juden trauten sie oft nicht. Aber die Fugger zu Augsburg, die gaben ihnen heimlich Zinsen auf ihr Geld.«
»Aber, aber, die, die Fuggerei, die gute, gute Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt«, hielt Helle ein volles Wodkaglas wie ein Glaskugel in die Luft, in der er die Wahrheit erkennen wollte. »Die wird nur von den Fuggern finanziert, das ist doch sowas von gut, finde ich.«
»Die Fugger wurden damals wegen ihren verwerflichen Geschäften, vor allem wegen den unchristlichen Zinsgeschäften angeklagt. Ihr schlauer Haus-Philosoph Peutinger, auch so eine gekaufte Klugscheißer-Seele, riet ihnen, die Vorwürfe mit einer guten Tat zu entkräften. Fuggerei, gute Tat, absoluter Blödsinn, für verarmte Weber, Blödsinn, wer hat denn dafür gesorgt, daß die Weber verarmten?«
Helle blickte weiter in seine Glaskugel. Seine Augen wurden zu stumm forschenden Instrumenten.
»Die Fugger, die hatten schon im fünfzehnten Jahrhundert erkannt, daß sie mit ehrlicher Handwerker-Arbeit, als Weber, nicht reich wurden, niemals zu den mächtigen Patriziern in Augsburg zählen würden. Deswegen heirateten und verheirateten sie geschickt, gingen in den Handel, diktierten den Webern die Einkaufspreise für die Rohware und die Verkaufspreise für die Stoffe. Nur so wird man reich, meine Herren«, setzte Igor ein wissendes Grinsen auf.
»Aber, die Augsburger, die lieben doch die Fugger, das sind doch Ehrenbürger«, hielt Helle weiter den Fuggern die Stange.
»Absoluter Blödsinn. Wieso hieß Fuggers bester Buchhalter Schwarz? Zufall? Man muß als Verbrecher nur reich genug werden, dann gilt man nicht mehr als Verbrecher. Das war so, das ist so und das bleibt so. Dann ist man auch für die Staatsmänner interessant. Dann macht man eine Stiftung für Arme, die aus der Portokasse bezahlt wird. Die Fuggerei soll dem Fugger damals nicht viel mehr als der Ring für seine Braut gekostet haben, und ist man lange genug tot, dann, schwupps, schon ist man ein Ehrenbürger, die Geschichte macht aus reichen Verbrechern Heilige
«, wurde Igors Grinsen arg hämisch. »Übrigens wurden damals die neureichen Fugger mit ihren krummen Geschäften lange Zeit von den seriösen Augsburger Patriziern geschnitten. Der Fugger-Clan mußte viel Schmiergeld ausgeben, bis er den gesellschaftlichen Aufstieg in das Patriziertum schaffte. Schauen Sie sich diese russischen Wirtschaftsbosse an, oder die amerikanischen, oder die chinesischen, oder die deutschen, diese Millionäre und Milliardäre, die machen es heute nicht viel anders«, begann Igor über die Schlitzohrigkeit der Genannten zu strahlen, als würde er dabei in den Spiegel schauen. ..." (S. 218ff)
Es versteht sich, daß solch ein Autor viel zu kritisch für ein konservatives Merian-Heft ist. Im übrigen ist auch der Text über Brecht von Jakob Hein ein apolitisches Armutszeugnis sondergleichen. Wer will, kann das Exemplar von KoKa nachgeschmissen haben. (24.07.11)
(24.07.11)

Pablo Neruda

ist allgemein als großer Lyriker anerkannt. Seine Liebe gilt Land und Leuten überall auf der Welt. Für den Ausdruck von Gefühlen, unbegriffenen Leistungen des Verstandes, die sie sind, eignet sich die Kunstform der Lyrik wunderbar. Noch dazu, wenn sie mit dem Hauch der Melancholie, mit dem Scheitern persönlicher Vorhaben verbunden ist. Allerdings ist es deshalb wohl auch sehr riskant, die Politik und ihre Kritik auf die Ebene lyrischer Betrachtung zu ziehen, ohne daß weder die Lyrik noch die Kritik Schaden zu nehmen droht. Ein Beispiel des Scheiterns der beabsichtigten Kompatibilität von Lyrik und kritischer gesellschaftlicher Haltung liegt in Pablo Nerudas Werken vor. Bis zu Stalins Tod und weit darüber hinaus war es ein riesengroßer und folgenträchtiger Fehler vieler Kommunisten (beziehungsweise jener, die sich dafür gehalten haben) außerhalb der UdSSR den Erfolg dieses Staates als Unterpfand des Erfolges ihrer Anliegen zu betrachten. So auch Neruda. Seine Lobeshymne auf einen der größten Kommunistenschlächter aller Zeiten ist einfach widerwärtig und entwertet sein ganzes Werk. In dem Gedicht »Bei seinem Tod« schreibt er: "Genosse Stalin, ich befand mich am Meer in Isla negra, ausruhend von Kämpfen und Reisen, als die Nachricht von deinem Tod wie ein Schlag des Ozeans micht traf. Zuerst war Schweigen, das Entsetzen der Dinge, und dann kam vom Meer eine Riesenwoge. Aus Algen, Metallen und Menschen, Steinen, Schaum und Tränen war diese Woge gemacht. Von Geschichte, Raum und Zeit nahm sie ihren Stoff und erhob sich weinend über die Welt, bis sie, vor mir gelangt, gegen das Gestade peitschte und vor meiner Tür ihre Trauerbotschaft niederwarf in einem ungeheuren Aufschrei, als ob die Erde plötzlich zerbarst. [...] An seiten Lenins schritt Stalin vorwärts, und so, in weißer Bluse, mit grauer Arbeitermütze, eintrat mit seinem gelassenen Schritt Stalin in die Geschichte, begleitet von Lenin und dem Wind. Seit damals baute Stalin auf.  Alles fehlte. Lenin hatte Spinnenweb und Lunpen übernommen vom Zaren. Lenin hinterließ das Erbe eines sauberen und weiten Vaterlandes. Stalin füllte es an mit Schulen und Mehl, Druckereien und Äpfeln. Von der Wolga bis zum Schnee des unzugänglichen Nordens legte Stalin seine Hand ans Werk, und von seiner Hand geführt, begann der Mensch zu bauen. Städte erblühten. Wüsten sangen zum ersten Mal mit Wassers Stimme. Die Erze gesellten sich hinzu, verließen ihre dunklen Träume und standen auf, wurden Schienen, Räder, Lokomotiven, Drähte, die über den ganzen Raum elektrische Silben in die Ferne trugen. Stalin baute auf. [...(das geht so weiter, ist aber überhaupt nicht sarkastisch gemeint, um auf die Ausbeutung der Arbeiter hinzuweisen!)]  Mensch sein! Das ist das Stalinsche Gesetz! Kommunist sein ist schwer. Man muß es werden lernen. Kommunistischer Mensch sein ist schwerer noch, und man muß von Stalin lernen, diese heitere innere Kraft, seine konkrete Klarheit, seine Verachtung des leeren Schön-Geredes, des hohlen theoretischen Leitartikels. Er ging ohne Umschweif daran, den Knoten zu entwirren, und zeigte das nicht aufzuhaltende Licht des verfolgten Ziels, drang ohne Frasen, die die Hohlheit verhüllen, in die Probleme ein, geradewegs zu auf den schwachen Punkt, den wir berichtigen werden in unserem Kampf, er beschnitt das wilde Gezweig und wies den Sinn der Früchte. Stalin ist der hohe Mittag, des Menschen und der Völker Reife. [...] Menschen Stalins! Wir tragen mit Stolz diesen Namen. Menschen Stalins! Das ist die Rangordnung unserer Zeit! Arbeiter, Fischer, Musiker Stalins! Stahlschmiede, Väter des Kupfers Stalins! Ärzte, Salpeterbrecher, Dichter Stalins! Gelehrte, Studenten und Bauern Stalins! Handwerker, Angestellte und Frauen Stalins! Gruß euch an diesem Tag! Das Licht ist nicht entschwunden, nicht entschwunden ist das Feuer, doch sich mehren soll das Licht, das Brot, das Feuer und die Hoffnung der unbezwinglichen Stalin-Epoche! [...]" (Neruda, Gedichte Band 2 S.115ff) Über solch ausgemachten Schmarrn braucht man heutzutage und hierzulande kein Wort mehr verlieren, ganz abgesehn davon, daß sich Stalinisten schon immer die Ohren zugehalten haben, wenn ihnen jemand was Unpassendes gesagt hat.
Warum kommen wir auf diesen großen Lyriker Chiles, der nicht nur den Stalin- (1953), sondern gar den Literaturnobelpreis (1971) erhielt, eigentlich zu sprechen? Welcher Leser gedacht hatte, mit der dreibändigen Luchterhand-Ausgabe wäre er komplett bedient, muß sich eines Besseren belehren lassen: Die aktuelle Ausgabe der Lateinamerika-Nachrichten weist auf eine weitere Ausgabe bisher unveröffentlichten Materials hin, die unter dem Titel »Unfruchtbare Geografie« im teamart-Verlag zu Zürich erschienen ist. Das Blatt schreibt: "Als sich Neruda in den Jahren 1971 und 1972 an den Abschluß von »Unfruchtbare Geografie« machte, hatte sich sein Leben gerade markant geändert. Mit »Spanien im Herzen«, »Canto general« und »Elementare Oden« war er seit den dreißiger Jahren zu einer Art Staatsdichter der internationalen Linken geworden, der eifrig für die Sache des Kommunismus trommelte. Noch 1969 stand er für die chilenische KP als Präsidentschaftskandidat im Wahlkampf, aus dem er sich dann zugunsten von Salvador Allende zurückzog. Im Dienste der Allende-Regierung wurde Neruda 1979 Botschafter in Paris. ..." Der Rezensent findet ihn in seinem Fazit wieder und wieder überraschend und faszinierend.
Das kann einer wohl behaupten, der auf diese Art Faszination pfeift! (17.07.11)

Augsburg-Oberhausen Hamburgerpalast Römerdenkmal - KoKa AugsburgDer Hamburgerpalast
Nachdem die Fußballscheiße praktisch beendet ist – das deutsche Team versagte kraß –, können wir uns wieder wichtigeren Themen zuwenden. Z.B. dem Fressen, das Brecht zufolge vor der Moral kommt. Der Hamburgerpalast gehört dabei ausnahmesweise keiner jener großkotzigen us-amerikanischen Fastfoodketten an, die den Kapitalismus ebenso aushaltbar wie ungenießbar machen. Er findet sich im Stadtteil Oberhausen, in der August-Wessels-Straße, unweit des römischen Denkmals, wenn man zur ehemaligen Schuhfabrik oder weiter zum stillgelegten Gaswerk geht. Es gibt also echte Augsburger Hamburger. Leider nicht jeden Tag und nicht rund um die Uhr.
Nach einer Spekulation deutscher Filosofen soll ja das römische Reich deshalb untergegangen sein, weil es ihm an Freßbuden gefehlt habe. Eine wahrlich kühne These! Doch andererseits hat sie auch etwas Wahres an sich: An Freßbuden werden die Imperien des Kapitalismus nicht scheitern. Dagegen, daß wenig Begüterte früher sterben, weil ihr Geld für eine gesundheitsunschädliche Ernährung nicht langt, dagegen hat kein Staat etwas, ist doch jeder seiner Untertanen zigfach ersetzbar, wenn nicht gleich total überflüssig in einer Arbeitslosen- oder Rentnerstatistik angesiedelt.
Das Hamburgeremblem erinnert übrigens verdammt an titanic-Stulli, das legendäre Pausenbrot, allerdings muß einem bei dem süßen Anblick keineswegs das Kotzen kommen und beim Reinbeißen ebensowenig!
(10.07.11)


DIE LINKE klar im Abseits

Man würde ja nichts Oberflächliches sagen müssen, wenn DIE LINKE in Augsburg um politische Inhalte
sich auch nur den Anschein gäbe sich zu bemühen. Ihre lokale Website ist jedenfalls ein einziges Armutszeugnis. Und dann sowas: Alexander Süßmair, MdB und Stadtrat, kommentiert die Frauenfußball-WM. Geht es um Stimmenfang? Hat man glatt übersehen, daß einem dabei der politische Gegner Sympathie für das stalinistische Nord-Korea unterstellen kann? Womit DIE LINKE, kaum hat sie das letzte Scheibchen Staatsräson – das Existenzrecht Israels – auch noch gefressen, wieder in die Ecke gestellt wird, der man auf Biegen und Brechen zu entkommen gedenkt. So kann es gehen, wenn man an nationale Veranstaltungen ums Verrecken positiv anknüpfen will, anstatt sie als solcherlei Unfug zu kritisieren.
Extrem widerwärtig ist es übrigens, wenn so am Nationalismus angeknüpft wird, wie es die Ostzonenzeitung junge welt tut: Einer stilisierten Fußballspielerin wurde der Kopf von Rosa Luxemburg aufgesetzt: Nationalismus als Kitsch bzw. Kitsch als Nationalismus = Sozialismus! Ein Hohn auf Rosa Luxemburg, weshalb die Werbeanzeige an dieser Stelle nicht wiedergegeben wird.  (05.07.11)


Pissoirs Augsburg   -    KoKa AugsburgWildpinkler
Die Stadt läßt sie jagen. Verwarnungsgeld droht, wer wild pinkelt. Doch gibt es eine Alternative? In den vielgepriesenen goldenen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es Pissoirs, wie einem Stadtführer damaliger Zeit zu entnehmen ist. Wohin sind sie verschwunden? Müssen das die Nazis auf ihre Kappe nehmen? Doch haben die nicht längst abgedankt? Dabei könnte man mit kunstvoll gemeißelten Pissoirs das Stadtbild aufbessern und die heimische Wirtschaft ankurbeln. Denn es steht außer Frage, daß solche ein Exportschlager werden. Jetzt müßten sich nur OB Gribl und seine Stadtregierung flexibel zeigen. Den Hundehäufchen hatte ja der Saubermann-OB höchstselbst  den Kampf angesagt. Kann man da nicht auch den Wildpinklern entgegenkommen und ihren Bedürfnissen entsprechen? Oder gehört es zur Strategie im CSU-Grabenkampf, vor die Dietz-Lokale pissen zu lassen? Ja, in der CSU da pinkelt ja mittlerweile fast jeder jeden an. Wird es nicht Zeit, diese ganze Bagage nach Bayern hinüber abzuschieben und gesittete Pißmöglichkeiten einzurichten?
In diesem Zusammenhang soll ein Hinweis auf Erich Maria Remarques Roman »Der Obelisk« nicht fehlen.
(02.07.11)

Herumhampelnde Puppen!
Unser allzu beliebtes Heimatblatt, die grundsätzlich national orientierte AZ, ist immer für ein Eigentor gut: Die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft auf der Titelseite von hinten abzulichten, weil sie von vorne so unansehlich ist, das ist wirklich gelungen (27.06.)! Großes Gelächter! Geschieht den Girls nämlich ganz recht, wenn sie meinen, ausgerechnet als Nationalmaskottchen anderweitig fehlende Anerkennung einsacken zu wollen! Noch bescheuerter ist allerdings taz-Schlafmütze Jan Feddersen, der meint, es ginge bei dem Nationalevent allen Ernstes um Sport (25.06.)!
Die Augsburger Puppenkiste hat jetzt die unsportlich wirkenden deutschen Fußballerinnen in Lindenholz geschnitzt. Wohl eher in Anspielung auf das wenig sportliche Geholze zu Ehren der Nation als in Anspielung auf den rumänischen Sommerhit aus dem Jahre 2004 »dragostea din tei« [»Liebe aus einer Linde«, was soviel bedeutet wie Liebe aus Sperrmüll, gesungen von Paula Mitrache, »Hajducii«] oder vielleicht auch beides, wer weiß; vielleicht haben sich die Schnitzer bei allem ebensowenig gedacht wie die, die sie geschnitzt haben.
Jeffy Bones-Schwoerlich KoKa Augsburg --  KoKa Augsburg (28.06.11)

Volkskultur Fußball
Der helle Wahnsinn ist es, wie die Frauenfußball-WM 
als nationaler Event in die Öffentlichkeit gepusht wird: Der Rathausplatz wird mit einer Stadionattrappe verschandelt und, weil das noch nicht genug ist, steht dann in großen Lettern auf den Außenwänden nicht bloß »City of Peace«, sondern auch noch »Alle Menschen werden Brüder!« - was so blöd wie kurios ist, wo doch die Schwestern nun die Bälle schlagen. Bälle springen läßt auch ein bekanntes Herrenmagazin, welches diverse Fußballerinnen von ihrer schöneren Seite zeigt, nackt nämlich. Wahrscheinlich schon als Ersatz dafür, daß bei den Spielen die sonst üblichen Zuschauer nicht anwesend sind, die nämlich, die mit »Ausziehen«-Rufen etwas Leben in die Arena brächten. Beim Eishockey, beim AEV wurde damit bekanntlich der Unsinn von Cheerleader-Girls erfolgreich verhindert.
Und jetzt droht laut AZ, die sich alle Mühe gibt, den gehörigen Ernst in die nationale Angelegenheit zu tragen, der »hübschesten deutschen Spielerin« das harte Schicksal der Ersatzbank! Wenn das nicht für einen programmierten Mißerfolg spricht!
Schön ist es obendrein – in der Augsburger Skandal-Zeitung – zu lesen, daß der dem Frauenfußball gewidmete Theateraufführung auf der Freilichtbühne unter dem Titel »Abseits«, wofür mit hochhackigen Fußballschuhen auch in Nachbarstädten geworben wird, jetzt eine Absage droht, weil der Regisseur Marcel Keller aus dubiosen Gründen abgesetzt worden sein soll. Intendantin Juliane Votteler soll überdies abgetaucht sein. Das kann sie ruhig auch bleiben. Vielleicht erledigt sich der Container auf diese Weise doch noch.
Echt was von Kunst versteht genannter Zeitung zufolge übrigens die Fußball-Managerin Jeffy Bones-Schwoerlich, die viel von Body-Painting hält. Respekt, soviel Nacktwerbung für Augsburg war selten. Natürlich ist das nicht in den »seriösen« Medien zu sehen. Weshalb wir hier mal das hübsche Foto der Augsburger Skandal-Zeitung übernommen haben (im Hintergrund, nicht unpassend, der Voyeur Brecht).
Wir bleiben am runden »Leder«!
(24.06.11)

»Rock the Nation«
Die Nation mußte nach Augsburg blicken und diesmal auch kommen, um ein Highlight zu erleben:
Die Rock-City Augsburg bot gestern unter freundlicher Mithilfe des Radiosenders Rock-Antenne ein brachiales, gigantisches Feuerwerk in der Schwabenhalle: NIGHT RANGER (zum ersten Mal seit 1985 in der BRD), KANSAS, FOREIGNER und (für KoKa Geschmack dagegen deutlich abfallend) auch noch JOURNEY.  Ja, Rockmusik ist Subkultur geblieben und deshalb auch in Augsburg weit besser aufgehoben als in den bekannten Großkotzstädten (Berlin, Köln, München, Frankfurt).
Wie auf politischer, auch auf musikalischer Ebene muß die Republik kräftig gerockt werden: Der Bourgeoisie soll das Mozart-Hören vergehen!
(23.06.11)

Kirche Banken AntimaterialismusMoral muß sein – die Banken stehen dafür!
Es ist schon bemerkenswert, daß vor zwei Jahren, die »Bundeszentrale für politische Bildung«, d.h. für die erünschte nationale Aufklärung, sich von der wenig fantasiereichen Bebilderung einer Broschüre der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands ("Hochmut kommt vor dem Fall" war deren Artikel überschrieben!) inspirieren ließ und sie übernahm. Eine Agitation des Volkes mit einer gehörigen Portion Antimaterialismus scheint beiden Seiten, der staatlich-kirchlichen wie der antikapitalistischen vonnöten. Die Staatsagitatoren klären das für sehr unwissend erachtete Volk darüber auf, daß die Kirchen "ein wichtiger Faktor als religiöse Heimat der Mehrheit der Deutschen bleibe". Die MLPD fragt sich, "welcher »Schirm« soll eigentlich den Staatsbankrott verhindern", angesichts der immer neuen Milliardenhilfen für die Banken im Zeichen der Finanzkrise. Die deutsche Agitationszentrale schiebt in ihrer Broschüre einen Artikel aus einem deutschen Magazin ein, titels "Das Produkt Glaube".  Allem Anschein nach bewegen sich beide Seiten aufeinander zu: Glauben tun beide Seiten ja ganz fest und, daß man ans große Geld nicht so recht glauben kann, darin stimmen sie auch so ziemlich überein.
Das Gemeine jedoch ist nicht immer das Gemeinsame, sondern das, daß jeglicher Glaube in seinem Objekt der Anbetung und in seiner Intention immer auch so ein wenig fundamental ist, also sich so gar nicht auf den anderen zubewegen will. Und so werden die verschiedenen Glaubensrichtungen weiter im Schatten der Wolkenkratzer der Banken stehen. Vielleicht stürzen die auch irgendwann einmal ein. Dann werden sie die kleine Kirche unter sich begraben, die sie nicht stützen kann.
Bis es soweit ist, wollen alle »die Kirche im Dorf« lassen, wie man so schön sagt, die "komplexe Realität" (Bundeszentrale) der Kirche in Deutschland soll nicht abgebaut werden, im Gegenteil, ebensowenig wie die der Banken. Doch was wäre dabei schlecht, wenn die herrschende Moral den Glauben in die Banken nicht mehr stützen würde? Wenn sie denn könnte, die römisch-katholische Kirche versteht sich ja eh als der Bankier Gottes (und nicht nur Roberto Calvi von der Banco Ambrosiano)! Wäre es nicht auch schön, wenn der ML-Glaube dazu beitrüge, die Banken zu Fall zu bringen? Ja, doch dazu ist er, Glaube, der er ist, und Moral, an die er appelliert, schlechthin nicht geeignet.

(19.06.11)


Die Deutungshoheit über nationales Denken und internationale Dichter

Das (vorläufig) Letzte über Jorge Semprún (Madrid), Bertolt Brecht (Augsburg), die deutsche Presse, das deutsche Kulturleben und die Ossimutti als amtierender Vorstand (ja Vorstand, nicht Verstand!).

(11.06.11)

Madonna um 1750 Augsburg, Jakobervorstadt  --  KoKa AugsburgPfingsten: Beschmutzt der Heilige Geist in Gastalt einer Taube die Gottesmutter?
W
ie wir im Religionsunterricht gelernt haben, zeigt sich der Heilige Geist gerne in Gestalt einer Taube. Von der Mutter Jesu heißt es, sie habe vom Heiligen Geist empfangen, wie es in Saint Jean zu Lyon so wunderbar plastisch dargestellt ist. So auch hier. Nur daß es sich bei der Statue (um 1750) nicht um eine bewegliche Maria handelt, was der lebendige Geist des Fliegers zu schätzen weiß. Der Täuberich benetzt die erst kürzlich renovierte Madonna wohl regelmäßig mit seinem göttlichen Sperma, denn den Gedanken, daß der Heilige Geist die Heilige Jungfrau bekotet, wagt wohl niemand auch bloß zu denken. Weshalb also mußte die Madonna nun hinter Gitter? Wollte man dem unsittlichen Treiben des Heiligen Geistes nicht länger zusehen? Darf der Heilige Geist die selige Jungfrau Maria nur im Schlafgemach hinter zugezogenen Vorhängen befruchten? Weiß Bischof Konrad Zdarsa Bescheid? Handelt es sich um einen Anschlag seines rachsüchtigen Vorgängers? [KoKa-Fotos aus der Jakobervorstadt; das Gebiet der fünf Quergäßchen, in dem die Madonna zu finden ist, hieß früher  »Im Elend«]
(10.06.11)

Stammt die CSU vom Dackel ab?

"...Wenn sie [die Augsburger Postzeitung und ihre Gesinnungsgenossen] trotzdem Zwang in religiösen Dingen befürworten, so tun sie das, nicht weil es ihnen um die Verbreitung wahrer Religiosität und Frömmigkeit zu tun ist, sondern, weil sie die Leute aus politischen und kirchlichen Gründen absolut und sicher in der Hand haben wollen. Das ist des Pudels Kern." (AAZ, 24.01.1911)
Es ging damals um einen Regierungserlaß zum Kirchenzwangsbesuch, gegen den zu verstoßen natürlich Sanktionen nach sich ziehen sollte. Nicht daß die Augsburger Abendzeitung irgendetwas gegen Religiosität und ihre gesellschaftlich erwünschte Massenverblödung gehabt hätte: Ihrer Auffasung nach ist die staatliche Einmischung geradezu kontrafunktional (wie sie im weiteren dann auch noch auszuführen sich nicht entblödete).
Heute zeigt sich Ähnliches; der Islam ist einem CSU-Bundesinnenminister nur allzu scheißegal, aber wenn es darum geht, Muslime in der Hand und unter staatlicher Kontrolle zu haben, dann muß der Staat auch deren Religionsausbildung in die Hand nehmen. Anders geht das nicht. Natürlich soll das nicht als fulminanter Anschlag auf die grundgesetzlich verbriefte Religionsfreiheit gewertet werden. Schließlich soll ja nur der in den Genuß dieser großzügigen Freiheit kommen, der sich willig 
und das soll er gefälligst unter Beweis stellen  dem Staat unterwirft, der aus überlegener christlicher Nächstenliebe heraus diese Freiheit gewährt. Am besten wäre es natürlich, die Muslime wechselten nicht allein ihre staatliche Zugehörigkeit, sondern auch gleich ihre Religion. Angesichts dieser widerlichen Unverschämtheiten christlicher Politiker wiederum kann sich natürlich erst recht ein Muslim als der bessere Mensch fühlen.
Doch dieser Gedankengang ist einem konservativen deutschen Innenminister sowieso viel zu hoch, einem Mann, der allen Ernstes der Meinung ist, der Mensch sei von »Gott« erschaffen worden und nicht umgekehrt (und es gibt Zeitungen, die drucken diesen Quatsch widerspruchslos ab, weil sie der ihr maßgebenden Meinung der Obrigkeit dankbar sind). Daß er überdies dem Monotheismus sehr viel abgewinnen kann, liegt daran, daß der eine Gott symbolisch den weltlichen Absolutismus verkörpert, der keine Widersprüche zu dulden gewillt ist und der nicht einer Aufklärung über die wirklichen Verhältnisse, die ganz gut ohne den religiösen Zinnober auskommen könnten, geopfert werden soll.
Als fünfte Kolonne nämlich soll das Christentum – dem sich im Schmalspurdenken eines CSU-Dackels Islam und Judentum als etwas minderwertige Religionen »anzuschließen« haben 
dem Kapitalismus, dem deutschen zumal, erhalten bleiben. Ja sogar eine wichtige Produktivkraft sein! Wuff, wuff! (06.06.11)

Augsburg Peter Garski Afras Wunderbalsam --  KoKa AugsburgAfras Wunderbalsam
Der neue Augsburg-Krimi streckt den Leser nieder: So darniederliegend verbringt er zwei Tage – just neben einigen Flaschen köstlichen Weizenbieres – sich durch weniger die Ober- als die Unterwelt Augsburgs kämpfend, ab- und jenseits aller Öffentlichkeit. Denn diese verschließt die Augen vor einem blindwütigen Krankheitserreger, dem Kapitalismus. Dieser Erreger ist Dreh- und Angelpunkt des Romans, für den Lösungen, Patentrezepte allenthalben – und im Ökozeitalter vorzüglich auf Kräuterbasis –, gesucht werden. Derentwegen wird über Leichen gegangen, versprechen sie doch Gesundheit und mehr, immerzu ignorant gegen die sozialen Zustände, die Krebsgeschwüre und manch andere unübersehbare Gesundheitsschäden hervorrufen. Diese absurde Welt ist keine Fiktion. Peter Garski ist ihr auf der Spur und trachtet danach, sie als Ermittler zur Strecke zu bringen. Listig, witzig, spritzig.
Noch etwas sei angemerkt: Wiewohl einem Augsburger so manches, was in dem Buch vorkommt, bekannt sein mag, vielleicht auch nur am Rande und oberflächlich, so erquickend ist auch für einen Nicht- oder Nochnicht-Augsburger, diese Story zu verschlingen. Allein Leuten mit schwachen Nerven und empfindlicher Moral sei dringlich vom Genuß des famosen und faszinierenden Einblicks abgeraten. Und nun viel Spaß!
Der Krimi ist in allen Augsburger Buchhandlungen – insbesondere den fördernden der Firma Wintergerst im HBf und im Oberhauser Bahnhof – erhältlich, daneben in allen Bahnhofsbuchhandlungen in Raum Schwaben: Gerade in Günzburg übrigens ist er angesagt, ist doch dieses unscheinbare Städtchen mit den Vorgängen in Augsburg eng verknüpft. Wer hätte das gedacht?
[Das KoKa-Foto zeigt Peter Garski vor dem Genuß eines Afra-Balsams und vor seiner Buchpräsentation in der Oberhauser Bahnhofsbeiz am letzten Sonntag.] (25.05.11)

Weltstadt als Großstadt
Zur Großstadtfeier, die vor 100 Jahren anberaumt worden war, nachdem Augsburg im Jahr zuvor die 100.000 Einwohnermarke überschritten hatte, schrieben die Augsburger Neuesten Nachrichten u.a. folgendes Bemerkenswertes: "Mit hunderttausend ist man wohl eine große Stadt, aber Großstadt heißt eigentlich Weltstadt. Großstädte gibt es sehr verschiedene, Newyork, Tokio, Peking. Also mag es auch Augsburg hingehen, das als alte Reichsstadt Weltstadt war. Augsburg ist auch heute noch Weltstadt, soweit es in sich die Welt umfaßt. ...
Und weil die Liebe die ganze Welt umfaßt, so sei es gleich gesagt: Es fehlt uns hier auch nicht an jenen Blüten und Blumen, als die man so häufig Frauen und Mädchen preist. Schon Ende des achtzehnten Jahrhunderts schrieb ein Ausländer, der einige Zeit in Augsburg weilte - in unserer Stadtbibliothek kann man das jederzeit gedruckt nachlesen -, über Augsburgs Mädchen: 'Zur Steuer der Wahrheit muß ich bekennen, daß die hiesigen Mädchen wirklich ganz hübsch sind und ihre Reize durch interessante Kleidung noch mehr erheben.' Wenn der Mann sie erst im Humpelrock sähe, der doch allein schon so sehr fesselt, wie würde er heute Augsburgs Lob als Weltstadt singen! ...
Und die Bar umfaßt auch die ganze Welt. Direkt im Zentrum der Großstadtfeier hat ja auch Augsburg seine Bar. Deren Ventilator saugt mit Gebrumme fast alle, die des Weges kommen, in sich hinein. Und drinnen schüttelt die Barmaid den Flip, der Geiger die Locken, das kleine Mädel die Nasenspitze und der müde Jüngling den Kaffeesatz. ...
Der Name »Großstadtfeier« ist zwar eine Reklame, die man allenthalben vernehmen wird. Und auch die Reklame ist etwas, was die Welt umfaßt. ... Vorgestern meinte ein Herr aus Westfalen, der zum erstenmal nach Augsburg kam, ein solches Ereignis werde anderswo meist stillschweigend übergangen. Augsburg habe er selbstverstündlich schon lange als bedeutende Stadt gekannt. Aber daß Augsburg noch nicht Großstadt war, das habe er noch gar nicht gewußt. ..." (ANN, 21.05.1911)

Vorteil für Augsburg?
Wie man hört, hat die Stadt Leipzig - eine Stadt in der Fußball so gut wie nicht existiert - ihre Bibliothek um einen Neubau erheblich vergrößert. Gleichzeitig weiß man, daß die bedeutende Augsburger Staats- und Stadtsbibliothek aus allen Nähten platzt. Nichtsdestotrotz wird jeder Euro, der ihr von der Stadt bewilligt wird, wenn er denn überhaupt bewilligt wird, mindestens zehnmal dahingehend umgedreht, ob dafür nicht das Geld zu schade sei. Klar, man kann daraus schon entnehmen, daß das offizielle Politikergeschwätz in Sachen Bildung eben Geschwätz ist. Für einen kotzüberflüssigen Container für ein Stadttheater mit altbackenem Programm - es muß ja dem Geschmack seiner ebenso betuchten wie betagten Besucher, die offenbar vorzugsweise Opern- und Operettenscheiße konsumieren (die Sparte Schauspiel ist aus dem Großen Haus verbannt), Rechnung tragen - hat man andrerseits zig Millionen lässig übrig. Für das Image der Stadt taugt das Theater zwar nicht viel. Aber das Image, das Investoren anlocken soll, ist jetzt sowieso auf ein anderes Feld verlegt, auf das Fußballfeld der Impuls-Arena. Es sei hier nicht erörtert, ob Augsburg es wirklich nötig hat wie viele andere Städte, die außer Fußball (und Maloche!) nichts zu bieten haben, ausgerechnet auch
damit noch für den Standort zu punkten; die Einbildung bei den Verantwortlichen ist jedenfalls immens. Und diese wahnhafte Einbildung hat sich bereits in gewaltigen Investitionen geltend gemacht. So flossen für das neue Stadion im Stadtteil Haunstetten und seine Anbindung reichlich städtische Gelder. Für den Erfolg flossen überdies Millionen privater Sponsoren und es dauerte einige Zeit, bis diese auch den sportlichen Erfolg erbrachten: Zunächst einige Jahre von der dritten Liga in die zweite und nun einige Jahre von der in die erste Bundesliga. Es wurde ein Team zusammengeschachert, bis es zwangsläufig so weit war. Die FAZ hat zwar recht, wie sie kürzlich bemerkt hat, daß zum Spiel der Ökonomie die Ökonomie des Spiels stoßen müsse. Doch dieses Verhältnis hat sich seit der Zeit, als der FCA mit dem einheimischen Superstar Helmut Haller im traditionsreichen Rosenaustadion schon einmal (1973/74) an die Tür des Oberhauses geklopft hatte, drastisch verändert. Waren damals vielleicht 20% dem Spiel der Ökonomie geschuldet, sind es heute mit ziemlicher Sicherheit über 80%. (Im Kapitalismus ist Erfolg käuflich, wenngleich nie garantiert.) Dementsprechend hat der Fußballsport seinen Reiz auch verloren, ob man sich das eingestehen mag oder nicht. Es ist sehr zu befürchten, daß der Erfolg der Geldgeber des FCA blind macht für die wirklichen Nöte dieser Stadt, insbesondere seiner lohnarbeitenden Bevölkerung (auch in ihrer zeitweiligen Eigenschaft als Auszubildende, Lernende, Kranke, Arbeitslose, Rentner), deren Belange in den Hintergrund rücken, und gleichzeitig sich schädlich auswirkt auf die Betätigung vieler Köpfe ebendieser Klasse (was hingegen Gribl zusammendenkt, ist wurscht). Aber genau das wünschen sich wohl die Augsburger Blätter, die AZ und die neue Sonntagspresse, welche in all ihrer Hohlheit von einem »Greater Augsburg« träumt. Größe und Großkotzigkeit vermögen manche eben nicht auseinanderzuhalten. KoKa hofft, der Spuk möge bald vorbei sein (nicht nur hier, versteht sich!), auch wenn KoKa die einzige Stimme in der Öffentlichkeit ist, die auf dem Teppich bleibt.
(Ein Zuschlag für einen Erweiterungsbau der Staats- und Stadtsbibliothek in Höhe von 5 Euro pro Eintrittskarte und einen von ebenfalls 5 Euro für KoKa-Augsburg müßte in der kommenden Fußball-Bundesligasaison eigentlich drin sein. Das würde nämlich auch jede Niederlage versüßen - sie war ja dann immerhin für einen guten Zweck!)
(10.05.11)

Udo Lindenberg Alla Pugatschowa LP 1988  --  KoKa AugsburgGespielte Coolness bereichert die Unterhaltungsbranche
Wenn einer so seine Masche gefunden hat, sich durch die Widrigkeiten kapitalistischer Umstände zu schlagen und ihnen somit ein Schnippchen, dann hat er damit sich ein Alibi geschaffen, ein Alibi mitten in ihnen. Das gelingt selten genug, denn schließlich will die Masche erfolgreich vermarktet, eine Nische auf dem kapitalistischen Markt gefunden werden. Einer, der das geschafft hat und zu dessen Markenzeichen seine Marotte geworden ist, ist Panik-Udo Lindenberg. Er vertont seine schrägen Sprüche mit seiner Stimme. Rock-Musik kann man das nicht unbedingt nennen. Vielleicht ist es daher ein guter Einfall seinerseits, es nun mit Malerei zu versuchen. "Malt zum Beispiel seine »Likörelle«, Bilder aus Blue Curaçao, Grenadine und ... genau: Eierlikör – mit dem Finger. ... Wie er darauf gekommen ist? 'War so 'ne Suff-Idee: Leute kamen an den Tresen, wollten ein kleines Udogramm, da mal cih denen so'n Pamiler mit'm Hut auf – auf einmal kippt das Glas, platsch, platsch, alles auf's Bild – und ich denke, hey das sind ja geile Farben! Die muß ich nur noch konservieren.'" (mobil, Mai 2011) Ja, ja, die Bahn hat es ja auch schwer nötig, moderner zu wirken als sie ist. Mit ihren Verspätungen kommt sie freilich auch im Falle Udo zu spät. Wer kräht noch nach ihm? Ja, damals noch, 1988, als er mit Alla Pugatschowa 
[Aлла Пугачева] eine LP [Foto] gemacht hat, das waren noch Zeiten! Heute hält er seinen Daumen in den Wind oder in die Farben-Soße; das mag bizarr finden, wer will. Seine Coolheit langweilt nur noch. Wer mag ihm noch über den Weg laufen? Über 20 Jahre lang nichts hinzugelernt, armes Udo-Schwein! (01.05.11)

Augsburg Ostern Stadttheater  --  KoKa AugsburgOstern
Die Plastik dieses Namens kommt just zu Ostern ins Gerede, weil die Bildhauerin Brigitte Matschinsky-Denninghoff, die mit ihrem Mann Martin dieses Werk geschaffen hat, kürzlich mit 87 Jahren verstorben ist. Sie war übrigens Assistentin von Henry Moore und Antoine Pevsner. »Ostern« stellt – wie mit etwas Fantasie leicht erkennbar – zwei Hasen dar, einen stehenden mit angewinkelten Löffeln und einen liegenden. Ihnen obliegt die Ostereierproduktion. Zum Fest sei noch eine gar nicht traurige Nachricht nachgereicht: Nur noch 45% der Bevölkerung Augsburgs gehören der römisch-katholischen Kirche an, vor 100 Jahren waren es noch 70%, so daß man Ostern eigentlich allmählich aus dem Kalender streichen könnte. Das Schlechte bei der Nachricht freilich ist, daß die Leute stattdessen anderen Glaubensrichtungen anhängen. Glauben gereicht allenthalben sehr zum Nachteil, besteht er doch in Täuschungen über die Wirklichkeit. Nein, brauchen tut niemand einen Glauben. Und das Schöne am demokratischen Kapitalismus ist, daß er auch ganz ohne Glauben (außer dem an ihn selber und an die Nation, versteht sich) auskommen kann. Dieses System ist das erste in der Geschichte, das Religion wirklich an und für sich überflüssig gemacht hat! Was nicht heißt, daß seine Protagonisten es für nicht nützlich hielten, wenn die, die sie ausnehmen und verdummen, an etwas Jenseitiges glauben. Dafür also werden die christlichen Kirchen anerkannt, finanziert und propagandistisch in den Himmel gehoben, egal wie schweinisch deren Würdenträger sich auch immer aufführen. Die können sich das ungestraft erlauben. [Foto: KoKa-Archiv]
(21.04.11)

Diese Geschichte ist einer Literaturzeitschrift namens WIWINI, die kurzweilig im Jahre 1988 in Augsburg im Umkreis der Monatszeitschrift Szene (alt) erschien, entnommen. Sie wurde von Linda geschrieben, über die nichts Näheres bekannt ist:
Nichts

Sie haben mir nichts getan. Nichts, gar nichts. Sie haben mir alle nichts getan. Das heißt, alle im allgemeinen nicht. Aber im besonderen. im besonderen haben sie mir allerhand getan.
Sie mit ihren lauen Geschichten über die Wirklichkeit. Mit ihrer Wirklichkeit, die ich nicht greifen kann. Nur staunen kann ich über sie und ihre Geschichten. Sie mit ihren Reihenhaus-Mustersiedlungen, ihren Vierzimmer-Zwei-Kinder-Familien und ihren Lebenslang-und-Sorglos-Versicherungen. Sie, die mir nichts getan haben. Aber die mir meine Luft wegnehmen, wegschnappen und wegschnaufen!
Sie mit ihren hilflos gekonnten Ratschlägen für den persönlichen Vorteil, für nützliche Berufe und schnelles Geldverdienen. Sie mit ihrem Ja und ihrem Nein. Hier gibt es kein: ich weiß nicht. Sie wissen Bescheid. Sie wissen einfach alles. Wo man billig einkauft, welchen Wagen man fährt, wer wo mit wem und warum, wie man spricht und was frau anzieht. Und immer haben sie recht und das letzte Wort und ich stehe da und sage: Vielleicht.
Nein, sie haben mir nichts getan. Sie behaupten nur, mit einer Selbstgefälligkeit, die mir Angst macht, ein jeder sei seines Glückes Schmied oder wie man sich bettet so liegt man und ähnliche Dinge, ohne zu wissen, was sie damit sagen.
Sie unterscheiden in das, was ihnen gefällt und was ihnen nicht gefällt und verstummen dann, wenn man sie fragt, was ihnen gefällt.
Oder aber sie wissen eine Antwort und die hört sich dann an wie das Echo des Werbefunks. Ihre Wirklichkeit ist die, die sich zeigt. Ihre Fenster zum Hof, ihre Fenster auf den Garten, auf die Straße und sonstwohin,
die öffnen sie von Zeit zu Zeit und sehen hinaus. Dann gehen sie unter ihresgleichen und sagen: weißt du schon... hast du schon gehört... und... ich habe es selbst gesehen... oder...
man hat mir erzählt. Sie wissen alles ist, wie es ist.
Doch wenn es nicht so ist, wenn es nicht so wäre. Hinter so vielen Fenstern keine Welt. Nichts was ist, ist wie es ist. Wie wäre es damit?!
Irgendwas, was sie stumm macht - was ihre blöden, geschwätzigen Mäuler auf immer verschließen würde - damit es stumm wird auf der Welt und sie zum ersten Mal die Leere in ihren Köpfen wahrnehmen müßten, die sie sonst pausenlos mit Geplapper füllen. Damit die Unruhe aufkommt, die sie niedergemault haben. Damit der Drang zum Leben wiedererwacht, den sie niederreden Tag für Tag und den sie niedersaufen Nacht für Nacht. Diese satte, selbstgefällige Brut soll endlich beginnen zu zweifeln.
Mit ihren eigenen gelben und roten Krallen sollen sie sich die Brust aufreißen und Schreie ausstoßen. bis sie ihr eigenes dummes Leben verfluchen.
ICH tue ihnen nichts. SIE haben mir ja auch nichts getan.

(17.04.11)

Liebe Carina! Geburtstagsanzeige  --  KoKa AugsburgEndlich 18!
Nun ist es bekanntlich eine Sache, mit der Schule und der beruflichen Ausbildung klarzukommen, denn man weiß als Jugendliche/r natürlich immer 
noch! – Besseres zu tun. Dazu kommen oft genug die Eltern, die an einem herumnörgeln. Manchmal hört das ja nicht einmal auf, wenn man 18 ist. Umso erfreulicher ist diese (Selbst-)Anzeige, in der die Mutter sich ihrer Blödheit heuchlerisch bezichtigt, schließlich habe sie es ja nur "gut gemeint". Carina hofft, daß ihre Mutter ihr nicht mehr auf den Senkel geht. Dann hätte sie ganz sicher ein »Problem« weniger! Dann fände sie ihre Mutti auch echt Klasse! [Anzeige in AZ v. 25.03.11]
(10.04.11)

Endlich 80!
"Heute geißelt Hochhuth eine »amoralische« Gegenwart. »Frau Merkels Bundesrepublik ist der reichste Staat in der deutschen Geschichte und knausert bei Hartz-IV-Empfängern um jeden Euro; es ist ein Staat, in dem viele Kinder ihr Schulessen nicht bezahlen können.«" (AZ, 01.04.11)
Hat die BRD es glatt vergessen, auf ihrem Weg zu immer noch mehr Reichtum, an die Moral zu denken? Und wenn? Ist die nicht immer für die Untertanen da, die zu kurz kommen? Und müssen nicht umso mehr zu kurz kommen, je mehr Reichtum aufgehäuft wird?
Ja, das wären Fragen, auf deren Beantwortung wir von dem nun 80-jährigen Rolf Hochhuth immer noch warten müssen. "»Wenn man politisch schreibt wie ich, dann darf man nicht nur über die Vergangenheit schreiben«, sagt er." Wäre es dabei nicht angebracht, mal die Sache von Staat und Wirtschaft so amoralisch zu betrachten, daß dabei nicht moralisches Genörgel herauskommt? Ist ihm etwa nicht aufgefallen, daß die Demokratie kaum weniger leichenträchtig ist als der Faschismus, sich nur in der Herstellungsart von Leichen von ihm unterscheidet? Hat er nie Brecht gelesen, welcher schreibt: "Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stecken, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einem zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten." Wäre eine solche Erkenntnis nicht ein kolossaler Lebensfortschritt?
(10.04.11)


Ein Gedicht, entstanden um die Jahrhundertwende von Léon Xanrof (1867 - 1953), der eigentlich Fourneau hieß, sich zu Fornax latinisierte und dann den Namen rückwärts gelesen vorzog; deutsche Übersetzung von Hans Carl Müller; die Illustration ist ein Buch eines in Batignolles, einem Pariser Stadtteil spielenden Romans von Xanrofs Zeitgenossen Claude Izner, welcher – er versetzt zurück in die Pariser Kommune – ebenfalls nicht ohne ist, das Gemälde ist von Jean Béraud, dessen Vorliebe Straßenszenen galt:
Gassenmädchen 
Batignolles  --  KoKa AugsburgWir sind der Stolz von Batignolles,
Wenn wir auch Gassenmädchen sind.
Daß jedes sich nur schleunigst trolle,
Weckt früh Mama uns — nicht gelind!
Man steht gleich auf,
zieht sich sein Kleid an
In aller Hast — dann fort im Nu!
Wir laufen emsig durch die Stadt dann,
Ein Hörnchen knabbernd für 'nen Sou.

Wir schauen frech wie Gassenjungen
Den Männern allen ins Gesicht.
Weil unsre Schuhe aufgesprungen,
Lacht man uns aus, doch stört's uns nicht.
Wir gehen bummeln froh und frisch,
'ne Blume noch ins Haar geschwinde:
Aufreizend wie ein toll Gemisch
Von Sünderin und reinem Kinde.

Stolz sind wir, wenn wir Eindruck machen,
Besonders auf die alten Herrn!
Sie werden rot, es ist zum Lachen,
Und zwinkern uns schon zu von fern.
Man läßt sie erst zum Spaß gewähren,
Dann sagt man keck ganz nebenbei:
»Mein Herr! Wenn wir schon sechzehn wären,
Vielleicht! Jetzt kommse mit zur Polizei!«

Ein Anzeigenblättle, nicht mehr
Die Monatszeitschrift neue Szene feiert ihr 20-jährges Bestehen. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin der (alten) Szene hat man sie fast ebenso schnell durchgeblättert wie gelesen. Die Macher des Blattes mit dem kunterbunten potthäßlichen Layout werden sich denken, daß, würden sie die neue Szene nicht kostenlos rausknallen, sie ja dann inhaltlich auch etwas bieten müßten, und umgekehrt, daß es ja viel einfacher ist, nichts zu bieten und ein allein mit Anzeigen finanziertes Blättchen zu drucken. So gehen Geist(losigkeit) und Gewinnstreben Hand in Hand. Den Veranstaltungskalender kann man übrigens auch online aufrufen, dann spart man Hausmüll...
Gute Besserung bzw. schnelles Ableben!
(31.03.2011)

Die Augsburger Schwäbische Volkszeitung meldet am 29.03.1911:
"Christkatholischer Terrorismus
Ein beispielloses Terroristenstück haben sich oberpfälzische Zentrumsblättter geleistet. In der Zementfabrik zu Berching stand bis vor kurzem unser Genosse Hohmeier in Arbeit, der sich um die Verbreitung unserer Ideen, besonders um die Einführung der sozialistischen Preise, bemüht hatte. Infolge eines schweren Leidens konnte er die Arbeitsstätte nicht länger behalten, und nachdem ihm der Arzt möglichst staubfreie Beschäftigung und viel Aufenthalt im Freien verordnet hatte, ging er nach der einige Stunden entfernten Stadt Neumarkt, wo er bei einem Maschinenfabrikanten eine Stelle als Reisender für landwirtschaftliche Maschinen fand. Er war aber noch keine acht Tage in seiner neuen Stellung, als in den Zentrumsblättern der in Betracht kommenden Bezirke eine gleichlautende Notiz erschien, in der es heißt:
Ehrenkleinod Augsburg 1544  --  KoKa Augsburg »Allen gutgesinnten kirchentreuen Katholiken, besonders aber Obmännern der christlichen Bauernvereine, wird auf diesem Wege zu wissen getan, daß seit einigen Tagen in der Neumarkter Gegend und weiteren Umkreis ein Mann sich herumtreibt, der bei einer Neumarkter Firma als Maschinenreisender in Stellung steht. Derselbe ist ein ausgesprochener Sozialdemokrat, welcher es ... als seine Lebensaufgabe betrachtet, durch Verbreitung von kirchenfeindlichen Schundblättern in katholischen Gegenden das Glaubensfundament zu untergraben. Wenigstens hat dieser Hasser katholischen Lebens dieses gehässige Treiben seit längerer Zeit in Berching zu treiben sich bemüht ... Vor diesem gefährlichen Treiben ... sei anmit jede christliche Familie aufs nachdrücklichste gewarnt.«
Auf dieses Schmähprodukt hin war es mit der Stellung für den Genossen Hohmeier zu Ende, der Zweck der Dunkelmänner war erreicht. Interessant ist, daß die Nachricht von dem Unterkommen Hohmeiers in Neumarkt durch eine Pfarrersköchin nach Berching gebracht wurde, weshalb man nicht fehlgehen wird mit der Annahme, daß der Urheber dieses Bravourstückes christlicher Duldsamkeit in einem Pfarrhause zu suchen ist. Für diesen Beweis werktätigen Christentumsgegenüber einem politischen Gegner, der noch dazu durch Krankheit in seiner Erwerbstätigkeit beschränkt ist, kann jeder anständige Mensch nur ein kräftiges Pfui! haben.
Alles im Namen der christlichen Liebe!"
Der Opportunismus der SPD schimmert auch in dier Nachricht durch (»sozialistische Preise« - was soll den das sein?). Gerade deshalb ist es verwunderlich, daß dieses national ausgerichtete Parteiblatt doch auch mal eine Polemik gegen ihre Feinde gewagt hat. Doch das ist längst Geschichte. Mit dem »chistkatholischen Terrorismus« und seinen Förderern in den heutigen, so wahnsinnig augegeklärt sich gebenden Gazetten legen sich Sozialdemokraten 
worunter heutzutage hauptsächlich die Linkspartei angesprochen werden muß – schon längst nicht mehr an. (29.03.2011)

»Bürgermacht & Bücherpracht«
heißt die derzeit im Maximilianmuseum laufende Ausstellung  (bis 19.06.). Wie in der Schule gelernt wird, beginnt die Neuzeit mit der Entdeckung Amerikas durch Columbus 1492. Sie ist allerdings nichts als ein Resultat politökonomischer Umbrüche. In der Gesellschaft war Reichtum in die Hände einer aufstrebenden neuen Klasse gelangt, der dazu beitrug, Grenzen zu sprengen, der neue technische Entwicklungen ebenso erheischte wie hervorbrachte. Doch nicht nur technisch und nach außen verlief die Entwicklung raumgreifend, auch politisch und im Innern der alten Mächte griff sie Raum. So wurde die Politik immer mehr von denen bestimmt, die sie es sich leisten konnten, von den vornehmen Geschlechtern. So wie dieses Patriziat vom Adel ausgegrenzt wurde, grenzte es sich selber nach unten ab. Allein sein personeller Schrumpfungprozeß ließ den Großen Rat der Stadt es geraten erscheinen, neue und vor allem neureiche Familien in die Herrenstube aufsteigen zu lassen, so zum Beispiel im Jahre 1538. Auf  nebenstehendem Ehrenkleinod der Stadt Augsburg des Jahres 1544 sind die Patriziergeschlechter im inneren Wappenkranz genannt (von rechts im Uhrzeigersinn, oben beginnend: Herwart, Welser, Langelmant[e]l (vom Sparren), Ravensburger, Langenmant[e]l (vom doppelten R), Rudolf [Ruedolff], Walther, Fugger, Pfister, Mair, Rehlinger, Vöhlin. Im äußeren Kranz finden sich die Zünfte (Kaufleute [Kauffleut], Weber, Kramer, Bäcker [Becker], Metzger, Schu[e]ster, Kürschner [Kirsner], Schneider, Bierbrauer [Bierprewen], Zimmerleute [Zimerleut], Loder [Tuchweber, »Loden«], Fischer [Vischer], Wagner, Schmid, Hugker [Hucker, Lebensmittelhändler], Lederer, Salzfertiger).  deren Vertreter durch entsprechende Regelung (siehe Katalog S. 23) – hierbei spielte die Verheiratung eine große Rolle – ins Herrenhaus aufsteigen konnten. Daß es deshalb unter den Bürgern der Stadt nicht ohne gehörigen Zoff abging, ist verständlich, so berichtet der Chronist von einer großen Zwietracht in den Jahren 1514 bis 1517. Im Tanzhaus der Geschlechter (auf dem Weinmarkt) wurden zwar einerseits oftmals die einschlägigen Verbindungen angebahnt, doch andrerseits war der Zutritt beschränkt. Ohne Beziehungen zur Herrenstube fast unmöglich, es sei denn für schmucke Weibsbilder, die durch ihren Charme eine passende Begleitung vorweisen konnten. Nichtsdestotrotz haben auch unübersehbare Verdienste zum Aufstieg geführt, Verdienste, die sich in Barem sichtbar gestalteten. Eine andere Art bestand darin, sich in Turnieren, dem damaligen Sport schlechthin, hervorzutun; so hat sich – wie der Chronist berichtet – die Familie Walther darin hervorgetan (Katalog S. 88), wobei man sagen muß, daß meist das eine zum anderen kam: Bernhard Walther wurde »Mehrer«, also Aufstiegskandidat, als er 1526 Felicitas Rehlinger heiratete.
Um sich die Politik besser vorstellen zu können: Der Stadtrat war damals der Große Rat, in dem neben den Patriziern auch die Zünfte vertreten waren, das Herrenhaus war die Stadtregierung. Das klingt alles ziemlich demokratietechnisch schon, wobei es freilich noch von Gott und nicht vom gemeinen Volke legitimiert ist: "Jedermann sei untertan der Oberkeit. Denn es ist keine Gewalt ohne von Gott. Die Oberkeit aber, die allenthalben sind, ist von Gott verordnet. Also daß wer sich wider die Oberkeit setzt, der widerstrebet der Ordnung Gottes." (die Abbildung umlaufender Text) Bemerkenswert, die mit dem Bürgertum durchgesetzte deutsche Sprache, die das Lateinische 
die Sprache der Kirche  auf die allernötigsten Prinzipien beschränkt (Veritas. Amor. Pax. Iustitita), deren solcherart Betonung nicht von ungefähr kommt.
Kurzum, wer sich ein bißchen für Geschichte interessiert, sollte sich die sehenswerte Ausstellung ansehen bzw. zumindest den Katalog kaufen. Wer selber nachforschen will, findet in der Augsburger Staats- und Stadtbilbliothek reiche Möglichkeiten. [Abbildung: Katalog]
(27.03.11)




Mode in Augsburg 1911  --  KoKa Augsburg»Zwanglos«
in die Geschäfte gehen (links: "Die in meinem Geschäft zur zwanglosen Besichtigung ausgelegten letzten Modeerscheinungen in Kleidern und Blusenstoffen geben ein Bild des gediegenen Geschmackes unserer Zeit. ..."; rechts: "... Zwanglose Besichtigung erbeten"), das hört sich gut an, denn der Zwang steckt im eigenen Geldbeutel. Der zwingt den Menschen niederen Einkommens nichts bzw. nicht zuviel zu kaufen. Ganz schön blöd, wo es doch jetzt Frühling wird, und die neuen Modekollektionen zu erstehen wären, die vielfach so gut gefallen. Schöne Anzeigen für eine berauschende Frühjahrsmode fand man dafür
wie man sieht – schon vor 100 Jahren in Augsburger Tageszeitungen - damals gab es deren fünf - wie den Augsburger Neuesten Nachrichten, woraus diese hier entnommen sind.
(23.03.11)


And the show must go on.... with the democratic bullshit

Gott, so formulierte es der Schriftsteller mit der proletarischen Ader, Charles Bukowski, einmal treffend, sei nichts als Scheiße im Hirn der Menschheit. »Gott«, ein Begriff für Alles & Nichts, für die Beliebigkeit dessen, was man in diesen Begriff hineinzudenken gedenkt, dokumentiert die Leere der Köpfe, die eben jenen Begriff mit sich führen, ganz egal, wie sie ihn dann nennen, Hare Krishna, Jesus Christus, Allah, Buddha usw. usf. Im Gegensatz zu Urreligionen, die in ihrem Grund aus einem unbefriedigenden materiellen Verlangen keine Hehl machen - ihre Götter saufen und huren, daß es eine wahre Freude ist - verdammen moderne Religionen menschliche Bedürfnisse geradezu: Die Heiligkeit des Menschen wächst, je mehr er ihnen zu entsagen weiß. Keine Frage, daß das gut ins Konzept demokratisch-kapitalistischer Staatenlenker paßt, die ihre Untertanen zwecks Mehrung ihrer Macht kurz halten, viele gar darben lassen. Und damit das auch jedem klar ist, wie der Hase läuft, gehört in unseren so schrecklich laizistischen Staaten Europas der Heiland auch an die Wand gehängt, vor allem in Erziehungsanstalten. Sogesehen ist das wiederum gar nicht dumm, was den Kindern die Hohlköpfe von CSU da - ziemlich widerspruchslos - zumuten. 
Von den politischen Fragen soll ja sowieso abgelenkt werden, die Untertanen sollen in ihrem Verarschtwerden gleichwohl bei Laune gehalten werden und wenn sie schon nicht langweilige Gottesdienste  manch Junggottesmann versucht sie poppig zu gestalten – besuchen wollen, dann ist ihnen da anderweitig Gelegenheit reichlich geboten.
So kam nun der deutsche Hansdampf schlechthin, Thomas Gottschalk, nach Augsburg und verkaufte auf dem Rathausplatz knusprige Hähnchen für einen guten Zweck: Der Erlös soll den an Krebs erkrankten Kindern zugute kommen, die von friedlich vor sich hinstrahlenden Atomkraftwerken geschädigt wurden, was man aber nicht laut sagen darf, weil sonst ist ja die voll geile Stimmung im Eimer: Gottschalk selber wies ja dann bei der großen TV-Show am Abend im Augsburger Messezentrum darauf hin, daß es »heute« nicht um Japan und Libyen gehe. Dies Äußerung wurde natürlich vom demokratisch völlig verblödeten Publikum mit lebhaften Beifall quittiert, geht es doch bei dem eh nie darum. Krebs kriegen Kinder bekanntlich auch schon vom Rauchen, wie der Obertrottel der AZ, Markus Günther, in der Samstagsausgabe ausdrücklich nahezulegen sich veranlaßt sah. Oder wie der Londoner »nuclear consultant« John Large bereits 4 Tage nach der Reaktor-Katastrofe von Fukushima das »Problem« auf den Punkt brachte: "
The real problem now, particularly in the United States and Europe, is that the public will have nothing to do with nuclear power for the next ten years." (zitiert nach naturenews)
Ist es nicht höchste Zeit, diesem Unfug das Licht auszumachen? (21.03.11)


Fußball Traumteam WM 2011 Augsburg   --  KoKa AugsburgNationalismus-Werbung mittels Frauen
Jetzt tragen selbst Straßenbahnen Werbung für die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft. Die soll sich bekanntlich als Standortfaktor bewähren. Da Frauenfußball jedoch keine Publikumssportart ist, steht ein ausgesprochener Flop bevor, wenn, ja wenn es nicht gelingen sollte, den Deutschen im Sportfan zu mobilisieren. Als Nationalist soll sich der dem Ereignis nicht entziehen dürfen. Und so werden denn auch genügend Trottel in die Impuls-Arena pilgern, selbst wenn die deutsche Mannschaft gerade nicht spielt und ihnen Frauenfußball ansonsten überhaupt am Arsch vorbeigeht. Doch wenn die WM in Deutschland ausgetragen wird, dann wollen sie sich nicht lumpen lassen. Daß das nationale Image internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung beansprucht, dafür wird obendrein gesorgt. Unter dem Motto »City of Peace« wird ein kulturelles Begleitprogramm angeboten, das im wesentlichen aus Filmen rund um das runde Etwas besteht. Außerdem soll eine FCA-Altherrenmannschaft gegen eine Mannschaft namens »Brecht Boys« antreten, ja, das ist Kultur, höhere Kultur halt, die man auch nicht zu verstehen braucht. Hauptsache, es spielt sich auf dem für Politiker verständlichen Niveau ab. [Abbildung: Eine Exklusiv-Aufnahme einer, ja der weiblichen deutschen Traumelf]

Dasselbe Strickmuster nationalistischer Agitation gibt es in der Nachbarstadt München zu sehen, die sich mit ihrer Olympiabewerbung als wahre »Weltstadt« für Deutschland in Szene setzen will. Sogar Katarina Witt turnt mit. Über sie bzw. ihren Opportunismus - zuerst in Osten - heute im Westen - fand sich ein Artikel titels Das eiserne Mädchen neulich in der taz. (18.03.11)


Wie oft wurde der Kö umgebaut - auf diese oder ähnliche Weise?

"Noch manch andere Fragen in unserer Stadt mußten lange auf ihre Entscheidung warten. Die Ausgestaltung des Königsplatzes steht endlich ihrer Lösung nahe. Das letzte Projekt der Firma Krauß u. Dürr zur Ueberbauung des Buttschen Anwesens hat nunmehr die Genehmigung der Regierung gefunden, und es ist bereits Vorsorge getroffen, daß ein eventueller Neubau auf dem Falkenanwesen ohne Schwierigkeiten Anpassung zu finden vermag. Freilich erscheint dieses Projekt noch in ziemliche Ferne gerückt, denn es handelt sich hierbei um sehr kostspielige Werte. Dagegen wird bekanntlich der Umbau des Kähnschen Anwesens im nächsten Jahre in Angriff genommen. ..." (ANN, 05.03.1911) 


Japanischer Garten Augsburg Botanischer Garten  --  KoKa Augsburg Technologie-Partnerschaft Augsburg - Japan
Die deutsch-japanische Allianz zur Neuordnung der imperialistischen Kräfteverhältnisse mit dem 2. Weltkrieg ist noch nicht so lange her. Nach der Niederlage dieses politischen Projekts dauerte es nicht lange, bis die beiden Weltkriegsverlierer wieder Kontakte knüpften, um wieder Anschluß an die führenden Industriestaaten zu gewinnen. So ist es nicht verwunderlich, daß gerade ein Zentrum der Hochtechnologie wie Augsburg schon damals, 1959,  japanische Partnerstädte - Nagahama und Amagasaki - als die Begleiterscheinung erhielt, die bei der technologischen Zusammenarbeit der MAN mit japanischen Firmen abfiel. 1957 stiftete als Dank für die deutsche Entwicklunghilfe der japanische Motorenhersteller Yanmar den Rudolf-Diesel-Gedächtnishain im Wittelsbacher Park; der Botanische Garten erhielt 1985 dann einen japanischen Garten im Stile eines Teichgartens, gestiftet von den Partnerstädten zum 2000-jährigen Jubiläum der Stadt.
Wie nun anläßlich des Fukushima-SUPER-GAUs zu erfahren war, hat sogar der Vorort Stadtbergen (ca. 14.500 Einw.) eine Partnerstadt in Japan - es ist Fukushima, welches mit knapp 300.000 Einwohnern um einiges größer ist (das AKW Fukushima I liegt etwa 80 km entfernt).
Der Glaube, mit überlegener Technik Staatenhierarchien wie Berge versetzen zu können, hat bereits zwei Weltkriege, einige andere Kriege und weitere nicht gerade kleine Katastrofen überdauert, sehr zur Freude der Profiteure in den Chefetagen von Politik und Wirtschaft  und zum Leidwesen derer, die sie in Dienst nehmen. Ja, auch jene hübschen Gartenanlagen, in denen man so prima abschalten kann (was man unter den kapitalistischen Lebensumständen auch muß, nur viel zu selten kann!) , sollen über die allenthalben schädlichen Machenschaften der Staaten und Konzerne hinwegtäuschen. [Foto KoKa: Japanischer Garten in A.]

(17.03.11)

Lauthals 4 Augsburg --  KoKa AugsburgLAUTHALS 4 da:   TOTSCHWEIGEN!
Seit heute im Umlauf - das Blatt, das gegen die steht, die immerzu von Kulturverfall labern, ihm selber Vorschub leisten, kulturlos wie sie sind. Der Herausgeber selber, Reinhard Gammel, hat sich einen dieser Fälle (ein anderer wäre Markus Günther von der AZ!), vorgeknüpft: Es handelt sich um eine ganz besonders große Augsburger Leuchte, den Umweltreferenten Rainer Schaal. Der kennt sich nämlich mit der Umwelt aus, sie sei von Gott und verlange Glauben an ihn, blablabla. Die Standortbestimmung nimmt Gammel an der AZ vor, diesem gottgefälligen Blatte römisch-katholischen Segens. Er schreibt: "Unser rühriges Heimatblatt bietet jedem seligen Glaubensbekenntnis eine weit geöffnete Plattform." Betonung auf »selig«. Denn erst vor einigen Wochen ist die AZ ganz bös über die Zeugen Jehovas hergezogen, sie seien eine Sekte, vor der sie ihr offenbar strohdummes Publikum ausdrücklich warnen wollte. Dabei tun Jehovas Zeugen auch nichts anderes als glauben, glauben bis zum Abwinken. Dabei noch an den gleichen Gott wie alle anderen Christen, nämlich den Herrn Jesus Christus: Oder ist der etwa nicht für alle gestorben, die an ihn glauben??? In all ihrem religiösen Wahn scheint die AZ noch nicht einmal bibelfest zu sein!
Um Glauben geht  es in LAUTHALS 4 auch bei einem Erlöserverein anderer Sorte, beim KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschland). Himmlische Zustände geitiger Art müssen das gewesen sein, damals, wie Cornelia Koepsell über den Sommer 1977 erzählt. In diesem Jahr schickte sich diese politische Glaubensgemeinschaft an, gar den OB-Sessel Augsburgs zu erstürmen; mittels braver Kandidatur, versteht sich: am 05.03.78 erzielte dann der Kandidat 97 Stimmen und unterlag damit dem amtierenden SPD-OB Hans Breuer (66.453 Stimmen) knapp. -
Dem Kindermund ist Michael Friedrichs auf der Spur. Ob der iranisch und ironisch schon unterscheiden kann, glaubt er zwar selber nicht, aber für einen Sprachfilosofen ist jener ein gefundenes Fressen. Multikulti-Kinder machen es möglich. Multikulti auch die künstlerische Umschlagsgestaltung und einiges andere in der neuen Ausgabe. Heimatlich gleichzeitig: Die Citygalerie und das Butzenbergle (R. Dengler) bieten einen beeindruckend-bemerkenswerten Kontrast.

Am 02.04. lesen 4 Lauthals-Autoren zur Vorstellung der neuen Ausgabe in der Buchhandlung am Roten Tor, Ecke Kirchgasse/Spitalgasse, 20.00 Uhr: Christin Zenker, Cornelia Koepsell, Michael Friedrichs und Thomas Laschyk; Eintritt frei. (12.03.11)

Kulturrepublik Deutschland (KRD)
Armut in D - soll es ja geben. So oft soll das aber nicht offen ausgesprochen werden, schließlich ist es da schon besser, von »Armutskultur« zu sprechen. Diesen Begriff hat die taz kreiert, schon lange bevor das Gezänk um die Hartz-IV-Reform losging, welches nun dem Begriff alle Ehre zuteil werden ließ.
 Es ist Mode geworden, »Kultur« an alles dranzuhängen, was einem über den Weg läuft: Der Geck Guttenberg hat die deutsche »Arschlochkultur«, insbesondere die bayerische ein gutes Stück vorangebracht. Und dabei fällt auf, daß solcherart Adelstitel keineswegs jedem angehängt werden kann. Der amtierende bayerische Ministerpräsident Seehofer ist - ein Hinweis auf den FAZ-Leitartikel von heute, indem das ganz unverblümt zwischen den Zeilen ausgedrückt wird, mag genügen - ist ein solches, ganz ohne Kultur: Ihm - wie die taz - Unbelehrbarkeit vorzuwerfen, trifft die Sache, reicht aber bei weitem nicht aus, wie man im Vergleich sieht. Jedenfalls müßte man ihn nach den übereinstimmenden Zeitungsberichten aus der KRD ausgrenzen, zumindest als Politiker. Übrigens, wenn schon von Unbelehrkeit die Rede ist, dann muß man auch sagen, daß das ein markengeschütztes Markenzeichen der Konservativen ist.
Container Kultur Augsburg   --  KoKa Augsburg Selbst in einer Proletarier-Stadt wie Augsburg wird Kultur geschaffen: Entsprechend auf diese Klasse - wenngleich unabsichtlich - zugeschnitten, gibt es jetzt eine »Containerkultur«. Dafür wurden schon mal Bäume gefällt, denn sonst kann ja nichts wachsen (jedenfalls nichts Kulturelles), mag der dafür erforderliche Stadtratsbeschluß auch noch ausstehen. Es ist gar nicht sicher, daß der einst gefaßte und nun zurückverwiesene Beschluß eine erneute Mehrheit für den Container ergibt, in dem Kultur gemacht werden soll, genauer gesagt, man erhofft, für die dort gegebenen Schauspiele die Massen anzulocken. Für soviel Kultur - wichtig für Standort! - sind 6,9 Millionen gut angelegt, und für das Theater insgesamt 90 Millionen in den nächsten 20 (?) Jahren auch. [Abb.: So etwa könnte der Erfolgscontainer aussehen (Ausschnitt).]
Quizfrage: Wie passen jetzt »Armut
«, »Arschloch« und »Container« zusammen? Na, deutsche Kultur halt! (08.03.11)

»Der aufrechte Gang«
Wer meint lediglich die römisch-katholische Kirche sei im Mittelalter verhaftet, irrt. Aber was heißt schon Neuzeit, die Hexen wurden ja bekanntlich verbrannt, als  diese Ära bereits angebrochen war, von der evangelisch-lutheranischen Kirche nicht minder als von der r.-k.. Und was heißt schon 21. Jahrhundert für religiöse Menschen, die ihr gläubiges Selbstbewußtsein darüber beziehen, an möglichst alten, möglichst mysteriösen Vorstellungen festzuhalten?
In der Augsburger Altstadt gibt es mindestens ebenso viele protestantische Gotteshäuser wie katholische, die Protestanten sind ebenso umtriebig, allerdings nicht ganz so im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehend, in Sachen bischöflichen Personenkults und verbrecherischer Skandale ist ihnen die christliche Konkurrenzfirma weit voraus. Nun haben sie einen Rundgang durch Augsburg veranstaltet, unter dem genannten Titel; es war der Auftakt zum Themenjahr 2011 »Reformation und Freiheit«. In dem dazu herausgegbenen Faltblatt wird man dann über die Gesinnung dieser Leute - 494 Jahre nach Luthers Thesen - aufgeklärt:
"Der Mensch ist zur Freiheit der Kinder Gottes geboren, damit er in Freiheit das Rechte tun kann. Die Taufe befreit zum Leben und macht frei von den Verstrickungen, die dieses Leben behindern - so glauben und bekennen es Christinnen und Christen. Seine Freiheit erfährt der Mensch in der Bindung an Christus. Und kraft seiner Christusbindung vermag er sich frei und dankbar an seine Mitmenschen zu binden."
Soweit also der private Schwachsinn. Doch sogleich folgt der national inspirierte:
"In Deutschland ist Religionsfreiheit eine Selbstverständlichkeit [sie wird einem ja praktisch schon in die Taufe gelegt!]. In vielen anderen Ländern der Erde leider nicht. [Müssen da deutsche Christen nicht aufräumen? Nur Religionskriege führen doch bekanntlich zum Religionsfrieden?] Menschen, die wegen ihrer Religion benachteiligt, unterdrückt, gefoltert oder verfolgt werden, sollen in verschiedenen Kirchen der Innenstadt sowie in der Synagoge zu Wort kommen. [Moslems ausgeschlossen, versteht sich, schließlich werden anderswo nur Christen unterdrückt!] Schauspieler [in der Nachfolge Christi!] leihen ihnen ihre Stimme und setzen ihre Texte in Szene - aufrecht und frei. Gottesdienste stehen am Beginn des Tages. Führungen durch die Städtischen Kunstsammlungen ergänzen und bereichern ihn."

Unter den Veranstaltern ist auch das Kulturamt der Stadt Augsburg zu finden. (
27.02.11)

Zwiebelscharfe Argumente
naja, nett gemacht, aber mit den antirassistischen, politischen Argumenten ist es nicht allzuweit her. Vielleicht lohnt ja auch mal eine Auseinandersetzung mit dem Nationalismus und Rassismus der deutschen Gewerkschaften? (26.02.11)

Offene Zweierbeziehung
Dieses Stück wurde wieder ins Programm genommen: Sehr empfehlenswert: siehe KoKa-Literaturtip Mai 2010.  Termine siehe hier.
(18.02.11)

Ein Waschweib
sondergleichen, welches heute in der taz einmal mehr ihr von Moral getragenes Weltbild als ein politisches Programm zu verkaufen versucht. Wie man auf drei langen Spalten soviel nichtssagenden (Un)sinn zusammenquatschen kann - das muß man erst einmal fertigbringen! Deswegen hat es offenkundig zur Parteichefin der LINKEN gereicht. [Kann KoKa bitteschön jemand erklären, was an deren Gewäsch LINKS sein soll?) Angesichts des Gequatsches geht das Abendland sicherlich leider, leider nicht unter, aber an der Fähigkeit des Menschen, logisch zu denken und zu argumentieren kann man schier verzweifeln. Solch brunsdumme Leute hat die Ostzone ganz ohne Kapitalismus hervorgebracht. Wie auch sonst. Da ist man geradezu versucht, den Kapitalismus wegen seiner materialistischen Seite zu loben, wenn sie nicht zum Nachteil der einen Klasse wäre.
Mit einer ernsthaften Kritik kann man da gar nicht anfangen, solche Texte entziehen sich jeglicher Kritik. Eine ernsthaft versuchte Kritik erschiene zum einen lächerlich, zum anderen stieße sie bei der Kritisierten auf größtes Unverständnis: Aus dem Vorliegenden spricht Dummheit ebenso wie Ignoranz. (
08.02.11)

Ein Tag im Leben
der Vorsitzenden mit der großen Klappe: Samstag, den 05.02.2011. Sicherheitskonferenz in München - doch nicht bei den demonstrierenden Gegnern der Manager des kapitalistischen Weltfriedens ist sie zu finden, vielmehr mitten unter den Fanatikern von ganz viel Gewalt, bei den Herren über Leben und Tod. Am Abend dann der große Opernball in Augsburger Stadttheater - demonstriert sie dagegen, schreibt sie einen flammenden Aufruf, wie man nur könnte, wo beispielsweise in Ägypten usw.? Nein, nichts dergleichen! Sie feiert mittenmang mit der dort versammelten Bourgeoisie. Woher wir das wissen? Die Süddeutsche Zeitung druckte ein Getty-Foto von der einen, die neue sonntagspresse ein eigenes Foto von der anderen Veranstaltung. Schon erraten, wer es ist? Noch eine kleine Hilfe: Beide Aufnahmen zeigen einen Zähne bleckenden, zu einem gekünstelten Lachen verzerrten Mund, welcher dem Gesichtsausdruck nicht nur ein hohes Maß an geistiger Hohlheit verleiht, ja er erinnert geradezu an eine geistig völlig gestörte Persönlichkeit, die krampfhaft versucht, alle daran zu hindern, sie als solche zu erkennen. Ja, es ist die Vorsitzende der mittlerweile potenziell zweitstärksten Partei hierzulande. Was nun freilich auch kein Ruhmesblatt für deren Wähler ist. (07.02.11)

Mahagonny
Ein Skandal am Augsburger Stadttheater.  Kein Skandal darob in der AZ. Kein Wunder, die hat ja nicht einmal versucht nachzuvollziehen, was Brecht gemeint haben könnte. Daß Mahagonny am kapitalistischen Materialismus zurgunde geht, das leuchtet ihr ein, weswegen nicht sein kann, was nicht sein darf, nämlich, daß damit auch der ideologische Überbau kaputtgeht. Brecht hat den Typen, der im Kapitalismus überflüssiger- wie unverständlicherweise noch von Gott faselt, als ziemlich weltfremd vorstellig gemacht und aufgrund solch seltener Blödheit hinrichten lassen. Natürlich darf man ihn als Affe darstellen. Ja, man muß geradezu. Er ist nämlich der Prototyp für Dummheit. Wie sagt doch der Typ zuvor: "Wozu Türme bauen wie der Himalaya, wenn man sie nicht umwerfen kann, damit es ein Gelächter gibt?" Die Twin Towers waren damals weder errichtet noch eingerissen. Doch nur ein Hohlkopf möchte über den Kapitalismus lachen, der einem alles, nur eben nicht den höheren Blödsinn, madig macht: Fressen, Leibesakt, Boxsport [in Augsburg: Eishockey, wo es ja mitunter auch Boxeinlagen gibt], Saufen. Vielleicht sollte man sich doch lieber um diesen "Fortbestand des goldenen Zeitalters" kümmern, in arger Sorge um seine Abschaffung? Sogesehen sind Affen nur lästige Randfiguren, die einen vom Ziel ablenken.
Brecht hat das Stück so exzessiv angelegt, als Oper aufgeblasen, daß für den bürgerlichen Betrachter freilich der Übergang zur Moral naheliegt. Ja, die moralischen Schattenseiten des Kapitalismus! Der Kulturverfall! Und man weiß am Ende nicht mehr, ob Brecht einer ist, der das angeprangert haben möchte, weil er im Sozialismus eine moralische Alternative sieht, die keinen Gott neben sich duldet - oder ob Brecht selber ein Opfer seiner Kapitalismuskritik ist, bei der er Idealismus und Materialismus nicht mehr recht auseinanderzuhalten vermag. Kurzum, ein ziemlich mieses Stück, das allerdings jede Menge künstlerischer Freiheit in einer Theateraufführung hervorlockt. Diese Freiheit hat jetzt einen Kniefall vor dem Papst gemacht und sich selber pervertiert. Dabei wurde nur ein Affe an einen Affenbrotbaum genagelt und der Papst sabbert weiter ungestört vor sich hin. D.h. der Affe durfte nicht genagelt werden - wäre der Intendantin Votteler der Papst lieber gewesen und zwar gleich an ein richtiges Kreuz aus Gründen der Tradition? Da möchten wir die AZ aber schreien hören! (03.02.11)

Mircos Mörder
l
as täglich die Blödzeitung. Davon will die Blödzeitung nichts wissen. Noch irgendwelche Fragen zu diesem Thema? Nein, dann wird der Fall als ge- und erklärt betrachtet. (03.02.11)

Bahnsinn
Es gibt ja die Meinung, daß der Wahnsinn bei der Bahn auf die Führungskräfte in den Führungsetagen zurückzuführen ist. Da ist zum Beispiel ein CSU-Wiesheu, der ganz sicher besoffen autofahren kann (freilich nicht immer ganz unfallfrei), aber was kann er sonst? Oder der Grube? Der kann vielleicht mit Spitzenpolitikern parlieren und und dabei damit glänzen, daß die Bahn seit der Bahnreform im Artikel 87e des Grundgesetzes steht, was dem doch schon senilen Hamburger Altkanzler glatt entgangen ist. Man kann aber auch zu der Meinung gelangen, daß es am System liegt, am System, Profit zu machen, auf Teufel komm raus. »Es«, damit ist gemeint die totale Kundenverarschung und -abzocke, die die Bahn seit der Bahnreform betreibt. Selbst die Mitarbeiter werden gründlich verarscht. Eigentlich kann niemand mehr über die Bahn lachen, es sei denn, er geht in die Augsburger Puppenkiste und schaut sich das Kabarett 2011 an, das unter dem Titel »Bahnsinn« den 3. Klasse-Effekt aufspießt: Weniger Platz, weniger Entspannung, weniger Komfort - vor allem natürlich für die, die sich die erste Klasse nicht leisten können. 
Auch der übrige Wahn- und Schwachsinn der deutschen Republik von Berlin bis Augsburg wird wie üblich gestreift, wobei nicht nur der gelbe Außenhampel, auch so eine Lichtgestalt wie der Kriegsminister keinen Ausweg mehr wissen bzw. finden.... Das grüne Ungeheuer Claudia steht wie immer doof im Weg rum und versperrt den Ausweg aus der Gorleben-Grotte, in die sich die Häupter des Staates verirrt haben.
(21.01.11)

Blöken wofür?

Wenn die römisch-katholische Kirche ihren Schäfchen Glauben macht, ihre politische Heimat sei die CSU und diese dann das auch glauben, dann braucht die CSU sich ihnen erst gar nicht als Heimstatt zu empfehlen. Deren Geblöke fängt sie quasi automatisch auf den Stimmzetteln ein. Wenn die Schwesterpartei CDU jetzt in ihr Programm schreibt, sie glaube an Deutschland als Industriestandort, dann braucht sich das in Produktionsmitteln investierte Kapital natürlich ebenso wenig Sorgen machen, daß diese und keine andere Partei ihr die optimalen Verwertungsbedingungen für ihr Kapital zu bieten gedenkt. CSU-OB Gribl hat jetzt allerdings Verwirrung gestiftet, als er in einer Grußbotschaft zum neuen Jahr anmahnte, daß ohne eine starke Wirtschaft auch die besten Ideen nicht umgesetzt werden können: Er hat den Herrn Jesus Christus doch glatt vergessen! Empörte Christen meldeten sich sogleich bei der Augsburger Skandalzeitung, die den Schuß in den Kasten der römisch-katholischen Kirche nicht hinnehmen wollten. Doch sie können beruhigt werden - es war abseits und das Tor wird nicht anerkannt: Sie haben nämlich die Kirche mit einem Idealistenhaufen verwechselt. Dabei ist sie ein fast stinknormaler kapitalistischer Konzern, fußend auf der Gewalt der imperialistischen Staaten und mit der - allerdings außergewöhnlichen - Aufgabe betraut, ihre Schäfchen in ihrem wie in deren Interesse dumm, duldsam und demütig zu halten. Das gefällt denen und sie blöken dann ganz laut, wenn sich der Papst auf dem Petersplatz oder sonstwo »zeigt« und den Ausputzer des kapitalistischen Teams spielt. Dabei wird er neuerdings vom Chefredakteur der AZ unterstützt, der sich keineswegs zu schade ist, für die römisch-katholische Kirche zu agitieren. Untertanengesinnung wird eben nach wie vor hoch gehandelt. (21.01.11)

Die 25 heißesten Party-Fotos
von und mit dem heißesten Party-Girl des Silvio Berlusconi.  Schon Margaret Thatcher hatte einmal bekannt: "We all are prostitutes." Okay, Nicole Minetti ist entscheidend entschieden hübscher.  (19.01.11)

Madonna für 2011
»Jeder denkt, ich sei total verrückt nach Sex. In Wahrheit lese ich viel lieber ein gutes Buch.« sagt Madonna. Kaum zu glauben, aber wahr. Auch Sexgöttinnen können dazulernen. ...
Und hier noch der Kommentar der Augsburger Skandal-Zeitung zur heißesten Party der Republik, die über Facebook-Einladung im Wolfram-Viertel standfand, von der die regionale wie überregionale Presse zu berichten sich in Verteidigung des Privateigentums verpflichtet fühlte und bei der unter anderem in einen bourgeoisen Swimmingpool gepißt wurde: "Wieder mal ist Augsburg in den deutschen Schlagzeilen. Eine Silvesterparty wurde ein bißle zu fröhlich. Da staunen selbst die Jecken in Köln und Mainz, wie lustig wir Datschis unsere Feschtle feiern!"
(06.01.11)

Auxtsch
boy miez girl - ein (hübsches) pop-projekt: Es steht unter dem Titel: hm... schon mal liebe vorgetäuscht?  (31.12.10)

Walter Moers: AdolfAdolf: »Äch bin wieder da!«
So lauteten zwei hübsche Bändchen des Komikzeichners Walter Moers von 1997, die heute auf dem Antikmarkt satte Sammlerpreise erzielen. Moers ahnte offenbar schon, was kommen sollte. Freilich nicht ganz so auf den Namen zugeschnitten, das war ja nun wirklich nicht vorauszusehen. »Sarrazin« war damals ja noch im Untergrund als Kanalarbeiter beschäftigt ("Naja, ond dann habe äch den Krääg verloren, leider, ond äch moßte eine Weile ondertauchen, nicht wahr...") und dachte über seine Fehler nach: "Äch hätte Rossland besser öber die Flanke angreifen sollen.." Was auch sehr treffend ist, wenn man neulich die Wikileaks-Dokumente las, nach denen auch das Baltikum zum NATO-Aufmarschgebiet gegen Rußland hergerichtet werden soll. Doch Moers wäre nicht Moers, wenn er seinen Lesern das eigene Denken so ganz ersparen würde: Das skurrile Objekt Sarrazin kann sich auch ganz anders erklären, in Zeiten, in denen ernsthaft darüber nachgedacht wird, unter fadenscheinigsten Vorwänden einen neuen, angepaßten und endlos vernutzbaren Menschen zu züchten, in Zeiten von Klontechnik, Präimplantationsdiagnostik und wie sich der Scheiß alles nennt. Kurzum, in Zeiten, in denen die Gewaltordnung namens Demokratie sich an nichts so stört wie am freien Willen ihrer Untertanen, insofern sie diesen nicht wie Mutter Teresa - dieser Nutte Gottes widmete die Deutsche Post heuer gar eine Sonderbriefmarke! - selber zu bekämpfen und zu unterdrücken verstehen. (31.12.10)

Brechtfestival 2011
Mit 390.000 Euro hat die Stadt das Festival 2011 ausgestattet. Es steht unter dem Motto »Musik - Misuk«. Wie es zu dem Wort Misuk kommt, weiß kein Mensch. Aber egal. Wahrscheinlich wird es auch nicht groß interessieren. Sind eh keine Lerntage. Brecht für die Bourgeoisie eben. Hier das Programm. Heavy Metal-KoKa fühlt sich darob gelangweilt. (19.12.10)


Peter O. Chotjewitz   --  KoKa AugsburgPeter O. Chotjewitz
verstorben. Wenn man sich so sein Bild anno 1966 anschaut, welches im Literaturkalender 1967 Im Spektrum des Geistes veröffentlicht worden ist. Nun ist  der Schreiber unanständiger Witze und Verse, von Kneipen-Geschichten und Hinterhofepisoden, von Erörterungen sonderbarer Art verstorben. Seitenlange Fußnoten waren eine seiner Spezialitäten, mit denen er den Leser aus dem Konzept zu bringen versuchte. (19.12.10)

Der verwaiste Stuhl

Da bleibt ein Stuhl leer. Ein Stuhl, geneigter Leser, auf den Sie, ihn zu besetzen, seit Jahrzehnten hingearbeitet haben, ja in einem Metier hingearbeitet zu haben Sie sich nicht zu schade waren, das Gewaltfragen erster Güte in die erwünscht geordneten Bahnen zu lenken zur Aufgabe hat. Und nicht nur das: Die Besetzung des Stuhles wäre einem anderen zugekommen, der nicht nur nichts Ihnen Vergleichbares geleistet hat - wenn überhaupt etwas -, nein, an dessen Verstand zu zweifeln auf der Hand liegt, scheint jener noch nicht einmal wahrgenommen zu haben, von wem er sich als Geehrter benutzen läßt. Muß das nicht überhart sein für Sie, geneigter Leser, dem Ihr Auftrag aus vollster Überzeugung immer so klar vor Augen gelegen ist? Und nun sagen Sie selber, muß einem da nicht der Kragen platzen? (17.12.10)

»Der« Stuhl
Kulturbewußtsein, das man einem Peter Grab gar nicht zugetraut hat: Das Bürgeramt der Stadt Augsburg an der Blauen Kappe glänzt mit einer neuen Sitzeinrichtung für das nötigste Bedürfnis. Vorbild des neuen Dreisitzerklos - es fehlt lediglich die Abflußrinne - ist die öffentliche Latrinenanlage der antiken Stadt Efesos, wo sie unweit des Freudenhauses installiert war: Das Freudenhaus, so klären den Touristen die türkischen Fremdenführerinnen auf, lag direkt gegenüber des Bibliothek der Stadt, mit welcher es durch einen unterirdischen Gang verbunden war. Die Augsburger Klos sind also noch ausbaufähig. Allein bei der Planfähigkeit scheint es an der Blauen Kappe schwer zu hapern.
Latrinen-Wartebank Bürgeramt Augsburg   --  KoKa Augsburg Im allgemeinen wird jedoch begrüßt, daß mit der sowohl fortschrittlichen wie traditionsbewußten Einrichtung der Kontakt- und Diskutierfreudigkeit Rechnung getragen wird, die amtlichen Wartezeiten also sinnvoll genutzt werden können. [Schnappschuß: Augsburger  Skandalzeitung] (18.12.10)

»Deutschland geschockt«
Wie geschockt muß man eigentlich sein, um sich so eine Unterhaltungsshow mit einem großspurigen, gelackten Effekthascher als Moderator reinzuziehen? Diese Frage kann man sich ja mal stellen. Daß es Millionen deutscher Staatsbürger sind, die das tun, spricht nicht gegen diese Frage, gegen die Gucker allerdings schon. Um darauf eine Antwort geben zu können, ist es zweckmäßig, die Frage ein wenig anders zu formulieren: Warum machen die das? Man kann ja nicht behaupten, daß sie sich vorsätzlich verblöden lassen, wer möchte das schon! Nein, die vorliegende Verblödung ist bereits gelaufen. Sie sind verblödet und werden in ihrer gesellschaftlich erwünschten Verblödung festgehalten, eben mit dem ganzen Schmarrn, der allabendlich in zig Programmen, in Shows sonder Zahl über die Bildschirme flimmert. So und nur so, in dieser Rolle sind sie brauchbar, völlig ungefährlich, gern gesehen, entschuldigt, handsam, pflegeleicht. Die Zuschauer in den Fernsehsesseln sollen bei all dem, was sie sich im Alltagsleben - nicht immer, aber oft auch gerne - gefallen lassen, bei Laune gehalten werden. Die billigsten Späße sind da gut genug, wenn man überhaupt von Späßen reden kann: Spleenigste Spinnereien! Über Autos hechteln, wow! Jeder einigermaßen normal Gebliebene greift sich ans Hirn! Aber was heißt schon »normal«, wo Millionen systematisch verblödet herumlaufen und die Blödzeitung dieses ihr Publikum tagelang mit dicken Schlagzeilen über eine mißlungene Show füttert, als hätte sie das Unglück extra provoziert, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. (08.12.10)

Plimm geht durch die Stadt - AugsburgPlimm geht durch die Stadt
[
...] Plimms Oma hatte nie einen Tango getanzt. Trotzdem verstand sie allerhand von der Liebe. Wenn sie mit dem Opa Streit hatte, schaute sie zwei Stunden lang an ihm vorbei, als wäre er gar nicht da. Dann strich sie ihm über die Platte und sagte: »Vadder, geh, mir sin doch wie ein alter Hendra. Wega jedem Dreckle geh mr auseinander. Aber trotzdem sin mer ein Stück!« Da mußte der Großvater lachen, hob den Zeigefinger und sagte: »Des isch Liebe!«
Klein Plimm versuchte, das zu verstehen. Doch wegen des Vergleichs mußte er lange scharf nachdenken. Von da an wollte er genau herausbekommen, was Liebe ist. Er machte aber keine rechten Fortschritte.
Vor allem verstand er den Zeitungsartikel nicht, in dem drin stand, daß der Anton Steinschlag aus Hettenbach seine Geliebte Anni Maier umgebracht hatte. Sogar mit dem Messer!
»Weil,« sagte Klein Plimm, »wenn er sie umbringt, liebt er sie nicht von Herzen, und sie kann nicht seine Geliebte gewesen sein. Hat er sie aber von Herzen geliebt und sie war seine Geliebte, dann konnte er sie nicht umbringen, weil man niemand umbringen kann, den man von Herzen liebt!«
Er wurde ganz trübsinnig bei dieser Studiererei, und seine Mutter sagte, das sei nun halt mal so. Aber Klein Plimm glaubte es nicht. Er hätte am liebsten den Mörder Anton Steinschlag selbst gefragt. Doch seine Mutter sagte, der sei in einem Gefängnis in Buxtehude, das mit dicken, hohen Mauern umgeben ist. »Hosch a Geld zum Hinfahren?«
Ein bißchen etwas über die Liebe erfuhr Klein Plimm eines Tages von dem Ehepaar Florian und Hedwig Fleischberg, geborene Wogebauch. Sie war gut zwei Zentner und fünfzig Pfund schwer und wackelte beim Gehen nach beiden Seiten wie eine riesengroße Ente. Und alle Leute sagten: »Mei, is die Fleischbergerin fett!« Doch der Fleischberg Florian lächelte gütig und sagte: »Sie hat eine Rubensfigur! Jaja, der Rubens war ein großer Künstler!«
»Das also ist die Liebe«, dachte Klein Plimm, »wenn man eine dicke Frau hat und sie herzlich anschaut.«
Viele Dichter haben die Liebe beschrieben, nachdem sie sie vorher - aber nicht nur bei Rubensfiguren - studiert hatten. Was aber die Frau Elsa Häberle aus der Pfladergasse sagte, als sie mittags wieder einmal Pellkartoffeln mit Pellkartoffeln machen mußte, weil ihr der Mann kein Haushaltsgeld gegeben hatte, verstand Klein Plimm besser. »Wer liebt, der gibt!« sagte sie und streute etwas Salz in den Teller und ein paar Tränen dazu. Sie hatte einen Geizkragen geheiratet. Der sammelte das Geld wie ein Schmetterlingssammler Schmetterlinge und versteckte es in Schachteln und Truhen.
Lauthals 3 Literaturzeitschrift Augsburg Wenn er alleine war, nahm er es heraus und schaute es lustvoll an. Seiner Frau gab er zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig.
»Wenn er sie mögen tät«, dachte Klein Plimm, »tät er ihr die ganze Küchenschürze voll mit Geld füllen. Weil er ihr aber nichts gibt, mag er sie nicht.«
Es war fast wie mit dem Mörder Steinschlag, der seine Anna umgebracht hat. Doch die Liebe ist formenreich. Eine besondere Form lernte Klein Plimm später kennen, als er hörte, wie sein Vetter Friedrich zu der schönen Karin sagte: »Pfffhhh, ich könnt Dich fressen vor Liebe!« Der Plimm schaute die Karin an und fand, daß sie appetitlich war. Aber zwei große Semmelknödel zum Essen wären ihm schon lieber gewesen als das, was die Karin an ihrer Statt zu bieten hatte.
Bald danach lernte er in der Schule, daß es Spinnen gibt, die anders denken, und wo die Spinnenfrau den Spinnenmann aus tiefer Liebe auffrißt. Nur seine Beine bleiben übrig. »Die Beine?« staunte der Plimm, »Wo die doch - das wußte er vom Hühneressen auf der Jakober Kirchweih - das Beste sind!« (28.11.10)

Lauthals 3
Die Augsburger Literaturzeitschrift ist in ihrer 3. Ausgabe seit einigen Wochen schon käuflich zu erwerben. Rainer Gammel hat KoKa seinen darin vorfindlichen Bericht geschickt. Nach dem Motto "Was ich schon immer mal für wichtig hielt, der Weltöffentlichkeit mitzuteilen", plädiert er entschieden dafür, die gesellschaftskritische Debatte von 1968 fortzuführen. Ob diese Ausgabe deshalb von der AZ mit Nichtachtung gestraft wurde? Auf alle Fälle geben wir hier gerne seine Rede - leicht und unwesentlich gekürzt - wieder: EINE NICHT GEHALTENE REDE AUS UNGEHALTENEM ANLASS  
Heraushebenswert hübsch auch die Geschichte von Cornelia Koepsell: ZUGEZOGEN. - Nach Meinung des Leiters der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek, Dr. Helmut Gier, entspricht Augsburg heute nicht seiner kulturellen Tradition; das gilt freilich allein für das offizielle Augsburg, das Augsburg der Politik und des Kapitals. Andere Städte wären froh, sie hätten so lebendige Literatur- und Musikszenen; Subkultur nannte man das mal. (16.11.10)

Arbeiterlieder - Moral hoch 3

Die Büchergilde lädt zu einem musikalischen Ritt durch die Arbeiterlieder des 19. und 20. Jahrhunderts ein, am 19.11.10, 16 Uhr, in der Buchhandlung am Obstmarkt. Dr. Jürgen Schebera hat dafür in alten Plattenkisten gekramt. Für den heutigen Geschmack ist das Gesangel absolut ungenießbar und der Sache der Arbeiter auch keineswegs nützlich; was es übrigens auch damals nicht war. Es waren Songs der moralischen Selbsterbauung mit Titeln wie "Drum haltet fest zusammen", "Dem Morgenrot entgegen", "Im Januar um Mitternacht", "Roter Wedding", "Unser Singen muß ein Kämpfen sein", "Wir sind die Moorsoldaten", "Mann, der arbeitet, aufgewacht!" und anderer ausgemachter deutschsprachiger Schmarrn. Den ganzen gibt's auf 12 CDs in 4 Boxen für 159,60 Euro auch zu kaufen. KoKa steht in seiinem unersättlichen Appetite For Destruction ja sowieso auf Heavy Metal und wurde zum Glück musikalisch vom AFN sozialisiert und nicht von Ernst Busch (DDR) und Väterchen Degenhardt (DKP), die KoKa schon seit eh und je angewidert haben. (13.11.10)

Titanic mit Guttenberg 11-2010  --  KoKa Augsburg»Der Geist in der Flasche (Franz Müntefering!)«
Dieser besonders gelungene Komik findet sich in der November-Ausgabe der einzigen Zeitschrift für die, die sonst wenig zu lachen haben, der titanic. Mit Ursula von der Leyen in der Hauptrolle und ihrem großen kleinen Helferlein Franz M.! Wer sich diese Story entgehen läßt, dem entgeht das Geheimnis, das in Hartz IV steckt! Und auch der herrliche Biertölpel. Nicht zu reden von dem integrationsunwilligen Rabauken, der unserer Ursula an die Kehle will. Und dann noch das kleine Mädchen, voll auf Speed und für gewaltgeile Onlinespiele zu haben! (13.11.10)

Paula Banholzer - Bertolt Brecht - Augsburg "Jetzt ist er tot, der Hund!"
Nachdem und indem die demokratische deutsche Kulturwelt Brecht für sich entdeckt hat, gibt es kein Bremsen mehr. Es wird in dessen persönlicher Vergangenheit gewühlt, was das Zeug hält. Sicherlich war er ein eingebildeter und eitler Tropf, was unmitelbar Ausfluß seiner Gewitzheit war und was ihm wohl gar nie so recht zu Bewußtsein kam, zumal er sich um die (Ehren-)Rettung proletarischen Untertanenbewußtseins verdient zu machen sich auserkoren wußte. Wie er von seiner Person auf einen politischen Gedanken stieß und warum gerade auf einen solchen moralisch-proletarischen, der dem Realsozialismus dann auch noch wunderschön in den Kram paßte, wiewohl Brecht seinerseits keineswegs alles an der ML-Staatsideologie zu schlucken beabsichtigte, das wäre schon mal ein schöner Aufsatz wert. Der ist jedoch von dem Theaterstück, ein "Musiclett" über die Liebe zwischen Paula Banholzer und BB - ab 13.11. im s'ensemble-Theater -, nicht zu erwarten, dafür steht schon der Märchenonkel und Autor Peter Dempf, dem zugetraut werden kann, eher ein bürgerlich-spießiges Publikum im Auge zu haben. Politik und deren Kritik kürzt sich da eben raus. Dafür ist Musik drin, hoffentlich keine allzu schwülstige. Vom Haifisch mit den Zähnen hat man jedenfalls schon lange die Schnauze voll. [Abbildung: Paula & Bert; Ellert & Richter Verlag]
(07.11.10)

Nutten an die Macht
Man weiß ja nicht, was die seit ihrem Afghanistan-Song europaweit bekannte Augsburger Rockcombo IMPOTENZ geritten hat, just am 28. 10. ihr neues Album in der Rockfabrik zu präsentieren, wenn gleichzeitig die TITANIC-Boy-Group im Reese-Theater für einen Knaller sorgt. Na gut, wer ifür die eine Veranstaltung keine Karten mehr kriegt, der kann mit dem Taxi zur anderen jetten, um dann auch dort vor längst wegen Überfüllung geschlossenen Türen zu stehen. Nur Glück, daß die Panther auswärts spielen - aber in deren DEL-like umgebauten Stadion sieht man ja eh nix mehr...
[Abbildung aus: Augsburger Skandalzeitung] (03.11.10)

Impotenz - Nutten an die Macht - Arno Loeb - Augsburg"Wer zieht eine Pistole, wenn er »Kultur« hört?"
Ob das der erste sachlich richtige Satz des bekannten Autors Umberto Eco war? Hätte man nicht auch bei ihm schon gerne mal eine Pistole für dummes Geschwafel gezogen, anstatt den Deckmantel des Schweigens darüber zu breiten? Kann er eigentlich Kultur von Kommerz unterscheiden - schließlich hat er doch sogenannte Bestseller verbrochen? Bringt ihn die Ära Berlusconi nun doch auf ganz andere Gedanken??
Erinnert das nicht schon fast an Bertolt Brecht, der einmal folgendes schrieb:
 "Als ich schon jahrelang ein namhafter Schriftsteller war, wußte ich noch nichts von Politik und hatte noch kein Buch und keinen Aufsatz von Marx oder über Marx zu Gesicht bekommen. Ich hattte schon vier Dramen und eine Oper geschrieben, [...], ich hatte Literaturpreise erhalten, und bei Rundfragen nach der Meinung fortschrittlicher Geister konnte man häufig auch meine Meinung lesen. Aber ich verstand noch nicht das ABC der Politik und hatte von der Regelung öffentlicher Angelegenheiten in meinem Lande nicht mehr Ahnung als irgendein kleiner Bauer auf einem Einödshof. [...] 1918 war ich Soldatenrat und in der USPD gewesen. Aber dann, in die Literatur eintretend, kam ich über eine ziemlich nihilistische Kritik der bürgerlichen Gesellschaft nicht hinaus. Nicht einmal die großen Filme Eisensteins, die eine ungeheure Wirkung ausübten, und die ersten theatralischen Veranstaltungen Piscators, die ich nicht weniger bewundere, veranlaßten mich zum Studium des Marxismus. [...] Dann half  mir eine Art Betriebsunfall weiter. Für ein bestimmtes Theaterstück brauchte ich als Hintergrund die Weizenbörse Chicagos. Ich dachte, durch einige Umfragen bei Spezialisten und Praktikern mir rasch die nötigen Kenntnisse verschaffen zu können. Die Sache kam anders. Niemand, weder einige bekannte Wirtschaftsschriftsteller noch Geschäftsleute - einem Makler, der an der Chicagoer Börse sein Leben lang gearbeitet hatte, reiste ich von Berlin bis nach Wien nach -, niemand konnte mir die Vorgänge an der Weizenbörse hinreichend erklären. Ich gewann den Eindruck, daß diese Vorgänge schlechthin unerklärlich, das heißt von der Vernunft nicht erfaßbar, und das heißt wieder einfach unvernünftig waren. Die Art, wie das Getreide der Welt verteilt wurde, war schlechthin unbegreiflich. Von jedem Standpunkt aus außer demjenigen einer Handvoll Spekulanten war dieser Getreidemarkt ein einziger Sumpf. Das geplante Drama wurde nicht geschrieben, statt dessen begann ich Marx zu lesen, und da, jetzt erst, las ich Marx. Jetzt erst wurden meine eigenen zerstreuten praktischen Erfahrungen und Eindrücke richtig lebendig."
(26.10.10)

Kültürtage Augsburg
Merhaba Claudia Roth, Schirmherrin der Kültürtage Augsburg 2010 im Zeichen der deutsch-türkischen Arkadaş! Wir freuen uns natürlich, daß Sie sich freuen über das Stattfinden der deutsch-türkischen Kültürtage. 2010, so schreiben Sie, wäre ein ganz wichtiges Jahr für die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei. Sie verstehen also nicht nur die beiden Sprachen, sondern obendrein eine viel wichtigere Übersetzung, nämlich die von den täglich-alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen in die von Staaten, an die man als Mensch immerzu denken soll und die man sich zum Gegenstand wirklicher Sorge zu machen hat. Also was soll dann folgendes Gelabere: "Veranstaltungen wie diese Kulturtage fördern etwas, das alltäglich sein sollte: ein Miteinander geprägt von gegenseitigem Respekt, Anerkennung und Freundschaft."? Das ist kein Problem, sogar dann meistens nicht, wenn Staat und Wirtschaft hineinpfuschen. Denn auch der Rassismus wird von oben und muß von oben verabreicht werden, damit die Untertanen im Geiste der Nation denken lernen. Ansonsten gäbe es vielleicht ab und an ein zwischenmenschliches Verständigungsproblem, aber kein Verständnisproblem. Ach ja, Frau Roth, wissen Sie eigentlich wie Rassismus geht? Fragen Sie doch mal ihren Parteigenossen Cem Özdemir, der weiß es nämlich auch nicht (siehe taz-Interview von gestern). In diesem Sinne: Merhaba Bertolt Brecht am 14.11. im Hempels (Annapam), 20 Uhr. [Die übrigen Veranstaltungen sind den ausliegenden Infozettteln zu entnehmen.] (14.10.10)
der steinerne Mann - der Bäcker Konrad Hackherr (auch: Hackher und Hacker) --  KoKa Augsburg
Ja, woisch - d'stoinerne Männer
(die derzeitige Nr 1 der Charts)
[Foto: KoKa-Archiv]

Literatur-Nobelpreis 2010
Auf den diesjährigen Träger, den Peruaner Mario Vargas Llosa, trifft das zu, was Herbert Marcuse einmal sehr treffend bemerkt hat: "Es gibt Fälle, in denen ein authentisches Werk eine rückschrittliche politische Aussage enthält - das gilt von Dostojewskij. Dann aber wird die Aussage durch das Werk selbst widerrufen: der rückschrittliche politische Inhalt wird absorbiert, aufgehoben in der künstlerischen Form: im Werk als Literatur." (H. M. in Repressive Toleranz, zit. nach: edition suhrkamp 181, 1965, S. 100f., Hervorhebung durch den Verf.) 
Wen vermag es zu verwundern, daß ein solcher Fall die Anerkennung der kulturimperialistischen Instanzen der freien Welt verdient hat?  Der komplette Aufsatz von Marcuse ist übrigens sehr zu empfehlen! (12.10.10)

Der »neue Hitler«
erschienen! Der von einer interessierten Öffentlichkeit schon lange, das heißt, im Grunde schon gar nicht mehr erwartete zweite Band von »Mein Kampf« ist erschienen und wurde enthusiastisch aufgenommen. Volles Verständnis ist der Presse dafür zu zollen, daß sie die Veröffentlichung unter Pseudonym akzeptierte, zumal jedermann davon ausgehen konnte, Hitler sei längst tot. Wie schon im ersten Band verknüpft der große Autor - der zeitbedingt natürlich in einer anderen Partei ist als damals - gekonnt die »Durchrassung« des deutschen Volkskörpers mit seiner Intelligenztheorie, nach der sich Geist, genetisch bedingt, auf die Menschenmassen unterschiedlich verteile, so daß man hauptsächlich deshalb von Menschenrassen sprechen müsse. Am obersten Ende der Hierarchie befinde sich allerdings meist ein einzelner, einem, dem kraft seines seherischen Willens eine Wiederauferstehung glücke; dem würden all jene folgen, die an eine solche glauben; ganz unten dann die aber- und ungläubigen Schädlinge des deutschen Volkskörpers, der durch seinen genetischen Intellekt besticht. So kommt es nicht von ungefähr, daß im neuen, alten Hitler sich die deutsche Öffentlichkeit selber feiert: Immer ist sie zur Stelle, wenn es gilt, die Gretchenfrage »Deutsch oder Nicht-Deutsch« in die Köpfe ihres Publikums zu impfen...
Es liegt auf der Hand, daß der Spiegel deutschen Geistes, das neue Buch prompt ganz oben in seiner Hitliste führt. (13.09.10)

Sexualverhalten der Jugend
Alljährlich wird es erforscht, weil die Jugendforschung dem Staat wichtig ist, schließlich handelt es sich um das ihm zur Verwertung anheimgestellte Material, das ihm seinerseits fortpflanzungsmäßig zu Diensten sein möge - weder zu früh noch zu spät. Nun, früher war manches anders, also Verhütungsmittel noch nicht so bekannt und preiswert wie heute und der Staat somit weniger demografische Sorgen. Plimm schrieb damals folgendes:
Plimm geht durch die Stadt - Augsburg  --  KoKa Augsburg " ... Klein Plimm mußte sich vor seinem Vater verantworten.
Es lag Klage gegen ihn vor.
Er hatte einen Ball durch ein offenes Fenster geschossen. Unglücklicherweise, als der Bäckermeister Laugenhuber mit Frau und Tochter Zenzi beim Essen saß.
Es hat furchtbar geplatscht — und die Suppe war verteilt. Leider nicht im Magen, sondern an den Kleidern. Klein Plimm verteidigte sich wie ein Minister: Zwar habe er den Ball geschossen, aber es war ein ganz, ganz winziger Ball.
Und mußte die Frau Laugenhuber bei geöffnetem Fenster ausgerechnet Suppe auf den Tisch bringen?
Bei Kartoffelküchlein wäre das nie passiert. Die spritzen nicht so wie Suppe.
»Es stimmt«, sagte der Vater. »Suppe spritzt tatsächlich mehr.«
Er war ganz stolz auf seinen so logisch denkenden Sohn.
Wie ein Politiker in der Fernsehsendung »Bürger fragen, Politiker antworten« auf sich selbst.
Die Lina Holdmännlein brachte — worüber Klein Plimm, der noch an den Storch glaubte, sehr staunen mußte — alle zwölf Monate ein kleines Holdmännlein zur Welt.
Nur einen Mann hatte sie nicht. Ihre Großmutter schlug die Hände überm Kopf zusammen und rief jedesmal: »Mädle, Mädle, was machsch denn?«
Die Lina sagte, sie mache nichts. Andere machten. Dagegen sei nichts zu machen.
Männer seien so.
Und jetzt, sagte sie empört, wolle man sie verantwortlich machen?
Oh, die Welt sei gemein!
Jeden Tag passiere ein Mord.
Ob man ihr vielleicht einen Mord nachsagen könne?
Oder Betrug?
Diebstahl?
Erpressung?
Leichenschändung?
»Hör auf, hör auf!« rief die Oma und nahm die Lina in den Arm. »Du bisch halt a guater Kerl!«
Dann machte sie der Lina eine Tasse Kaffee und sich selbst Vorwürfe.
Außerdem sprach sie für alle Babys zu sorgen, ging in den Hohen Dom und beichtete, daß sie so ungerecht gewesen war." (03.09.10)
Augsburg - Macau - Las Vegas --  KoKa Augsburg
Augsburg - Macau - Las Vegas
Letztes Jahr hat Macau, die chinesische Glücksspielstadt, Las Vegas an Umsatz überholt. Jetzt greift Augsburg an: Eine Spielstätte mit ambitioniertem Namen in Lechhausen hat sich hohe Ziele gesetzt. Wird Augsburg nun zum Wallfahrtsmekka der Glücksritter? (10.08.10)

Der alte Marx als Ware Film
"Was macht Ihr Filmprojekt, in dem sie Karl Marx spielen möchten?
Mario Adorf: Seit 5 Jahren versuche ich, das zu realisieren. Eine Geschichte über die letzte Reise des alten und kranken Marx nach Algier soll als Grundlage dienen. Das Treatment, das ich mit Michael Verhoeven geschrieben habe, wurde vom zuständigen Fernsehredakteur bisher mit der Begründung hinausgeschoben, das Publikum wisse nichts über Marx [ein Wunder bei all dem TV-Quatsch?]. Man müsse den ganzen Marx zeigen, auch den jungen, den Filosofen, den in London unter ärmsten Umständen lebenden, und nicht nur den alten Marx. Aber gerade das finde ich für mich richtig und spannend.
Der alte Marx als Gegenentwurf zu Schuckert, Hansen und Co. - und ihr Beitrag zur Krise des Kapitalismus?
Mario Adorf: Ich sehe das nicht als weltanschaulichen Film - wobei natürlich vorkommt, wie genau Marx die Finanzkrisen schon damals analysiert hat. Er war aber auch ein ewig Verfolgter, der nicht nur in Deutschland unter der politischen Macht gelitten hat. Und so möchte ich ihn auch zeigen."
(Aus: mobil, dem DB-Magazin, August 2010)
Preis-Angebote über eine Verfilmung von KoKa in 100 bis 150 Jahren können bereits heute diskret abgegeben werden. (10.08.10)

»Testen Sie Ihr Hirn!«
(neue Serie in der Blödzeitung)
Da haben wir stattdessen doch mal das Hirn dieses Blattes aus dem Hause Springer untersucht: Der Befund: Es ist mit dem Anziehen einiger lockerer Schrauben nicht getan. Es handelt sich um einen - deutschem Nationalismus geschuldeten - totalen Dachschaden. Wenn wir nicht so gemein wären, würden wir Blöd mit einem Gnadenschuß erlösen. So muß es freilich weiterhin sein bekacktes Hundeleben fristen und beim deutschen Proletariat um Mitleid lechzen... (10.08.10)

Gedicht von L. Marco (um 1900)  L. Marco --  KoKa Augsburg

Finanzmetropolen FAZkes
Ausgesprochen gerne schauen die Meinungsmacher der Bourgeoisie in ihrer Finanzmetropole am Main auf die deutsche Provinz herunter. Allzugerne spricht man anderen alles ab, was man selber gerne für sich beansprucht. Umgekehrt, umgekehrt: Wenn andere etwas aufweisen, was man in der Bankenstaat nicht hat, dann ist es den Schnöseln der FAZ nichts wert. Beispiel Eishockey: Nicht nur, daß der Krösus-Klub Frankfurt Lions in der letztjährigen Runde kläglich im Viertelfinale ausgeschieden ist, nein, jetzt hat der Klub ganz aufgegeben, was bedeutet, Frankfurt ist eine glatte Null in dieser Sportart. Dementsprechend sauer urteilt das elitäre Krawatten-Blatt über die ganze Liga: Uninteressant wäre sie und ohne Stars. Die Saison 09/10 und die WM wollen sie offenkundig so schnell wie möglich vergessen: Eine Saison, die so viele NHL-Spieler wie selten zuvor aufs Eis gebracht hat, eine WM, bei der Dennis Endras vom Vizemeister Augsburger Panther zum Spieler des Turniers gewählt wurde....  
Wenn und wo Frankfurt allerdings wirklich unschlagbar ist, dann in der geistigen Provinz seiner bourgeoisen Journaille! (31.07.10)

Plimm geht durch die Stadt - AugsburgSusi Wong
"... Der Paule Pfurrer, der im selben Jahr das Licht der Welt erblickte wie der Plimm, kannte ein leibhaftiges Fräulein Kirschblüte. Eine, wie sie im Fernen Osten vorkommen.
Mit schwarzen Lackhaaren und Schlitzaugen und einem »Täng« wie Elfenbein. Sie war sogar aus einem Ort mit chinesisch klingendem Namen: Pei-ting. Leider war es nur Peiting bei Schongau und nicht bei Peking.
Sie hieß auch nicht Susi Wong, sondern Susi Ascherl.
Und als dann die kurzen Röcke aufkamen, sah der Paule, daß sie Beine hatte wie die Eisenbahnschienen von Hongkong nach Kanton: Sehr dünn, und kurz vor's in den Bahnhof geht, auch etwas gekrümmt.
Doch da war er schon mit ihr verheiratet und konnte nichts mehr ändern. Er ist aber dann in die Modebranche eingestiegen und sorgt unentwegt dafür, daß lange Röcke von Zeit zu Zeit immer wieder modern sind.  ..." (aus : »Kirschenzeit« von Plimm alias Benno Plabst)
(30.07.10)


Kommunisticher Anschlag auf Hollywood?

China widersetzt sich einem Schiedspruch der WTO, den es selber angestrengt hatte, um die Hürden, eine Invasion us-amerikanischer Filme zu verhindern, nicht lockern zu müssen. So sympathisch das auch auf den ersten Blick erscheinen mag, es wirft eine Frage auf: Handelt China diesbezüglich allein aus ökonomischen Überlegungen oder hat es begriffen, welche ideologische Ware die Hollywood-Schinken liefern? Umgangsformen und Redeweisen, zu Klischees gepreßt, sollen die geforderte gesellschaftliche Anpassung erfolgreich machen: Kann man das nicht auch in China brauchen? Will China das einfach kopieren? Nichts einfacher als das: Dummes Zeug plappern kann jeder, autoritär auftreten auch, zumal wenn er eine Knarre in die Finger bekommt. Kurzum: Wieder einmal stellt sich die Frage: Quo vadis, China? (26.07.10)

Diesel --  KoKa AugsburgDiesel
heißt ja nicht nur dieser bekannte Sohn Augsburgs. Diesel ist eine Jeansmarke, die Werbung macht mit dem, was die kapitalistische Gesellschaft auszeichnet: Deshalb heißt die Werbekampagne auch einfach nur »BE STUPID«. Das ist geil, das paßt ins Bild des Kapitalismus. Das ist eine Apologie des Systems, von der ein Markus Günther etwa nur träumen kann. Der verteidigt nämlich jeden Scheiß, von Gauck bis zum Gymnasium, aber daß er mal auf denTrichter käme, was den Kapitalismus sozusagen in seinem Innersten zusammenhält, das läßt auf sich warten!(19.07.10)

Marx für die deutsche Bildungselite
Marx' Kapital ist wieder ein Renner auf dem Buchmarkt. Deshalb hat sich ein Verlag namens Faber & Faber anheischig gemacht, »Das Kapital« zum x-ten Male neu zu veröffentlichen, zumindest den ersten Band, und zwar in zwei Teilbänden, opulent in einem Schuber. In zwei Teilen deshalb, weil das Werk mit Malereien eines modernen Künstlers illustriert noch dicker wurde. Für die deutsche Bildungselite, die auch und sogar Marx in ihrem Bücherschrank stehen haben will, sicher genau das Richtige, zumal der eine Band ja als zwei Bände daherkommen. Gelesen und Marx' Kritik verstanden haben muß sie nicht, zumal der Genuß des Bilderanschauens ihr dies erübrigt. Kurzum, genau das Richtige für einen deutschen Bildungsbürger! (16.07.10)

Playboy Jesus Christus Jose Saramago   --  KoKa AugsburgDer heilige Playboy
Die portugiesische Edition des Playboy würdigt in ihrer Juli-Ausgabe den portugiesischen Vaterlandsverräter José Saramago mit der Bebilderung seines Romans »Das Evangelium nach Jesus Christus« (O Evangelho segundo Jesus Cristo) (1991), in dem er ihn selber an der heutigen römisch-katholischen Kirche - Staatskirche in Portugal und mit der Diktatur, die 1974 endete, verbrüdert - (ver)zweifeln läßt. Nun kann man feststellen, daß das Bild des Jesus im Playboy, das im Aussehen ganz dem katholischen Klischee entspricht (langhaarig, bärtig, weich), mit den so gar nicht moralisch integren, machohaften Absichten kontrastiert. Insofern trifft es ganz gut den Roman, der dem institutionell ge- und verfaßten Jesus einen weit freizügigeren und großspurigeren gegenüberstellt. Inwieweit er der historischen Figur des Jesus entspricht sei einmal dahin gestellt. Die Schaffung einer neuen Moral, wie er sie beispielsweise in der »Bergpredigt« verkündigt hat, ist ja als Kritik der Moral keineswegs mißzuverstehen (man denke nur an die Passagen zum Ehebruch!). Insofern haben ihn nur die Leute für sich wiederentdeckt, die ebenfalls eine neue Moral zu schaffen für nötig hielten, das Urchristentum sowieso und eben der utopische Sozialismus und noch später der Realsozialismus, der als Farce, zumal es schon längst eine wissenschaftliche Religionskritik gab. So tief freilich wollte der Playboy freilich erst gar nicht schürfen, nichtsdestotrotz gibt es Zoff mit der US-Zentrale, die sich moralischer erweist als der Papst, welcher sich - soweit bekannt - nicht geäußert hat. Was Playboy Jesus zu dem allen wohl gemeint hätte? Und ob Gott Vater zürnt ob solch unwürdiger Zustände auf der Erde? Muß er nicht bald einen neuen Jesus aussenden, der die Liebe lehrt? Oder ist der Playboy heute der Bote, ein Engel Gottes? (15.07.10)

Vor dem Abpfiff
Ein Beitrag erlesener Tiefe von Corinna Stegemann in der taz vom 09.07.10, mit dem sie sich mal wieder ein liebevolles Küßchen von KoKa verdient hat! (10.07.10)

Augsburg unter Schrecken!

Fünfzehn Minuten lang läuteten gestern mittag in Augsburg und ganz (bayrisch) Schwaben nebst einigen angrenzenden Gebieten die Glocken der Kirchen. Viele unbescholtene Bürger wurden so aufgeschreckt. Mancher rief bei der Polizei an und wollte wissen, was denn los sei und ob jetzt die Welt unterginge. Die Polizei erklärte sich für den kirchlichen Terror allerdings als nicht zuständig.
Der Grund für die kirchliche Ruhestörung des kapitalistischen Alltags war der, daß der Papst in Rom dem Bistum einen neuen Bischof zugewiesen hatte. Das hatte auch noch viel weiterreichende Folgen: In der Augsburger Allgemeinen (08.07.) mußte der (verstorbene Fritz) Teufel von Seite 1 der Vorabendausgabe dem Antlitz (des neuen Halb-) Gottes der römisch-katholischen Kirche weichen. Der Herr heißt Konrad Zdarsa, kommt aus der Ostzone und hat - dem Namen nach zu schließen [zdarzać się: vorkommen, sich ereignen] - ebenso polnische Wurzeln wie sein oberschlesischer Vorgänger. Heute sind dann auch schon einige Stellungnahmen zu hören gewesen; die bescheuerste - weil von unsachgemäßem Wunschdenken geleitet - unter ihnen vertrat einmal mehr die Parteivorsitzende der GRÜNEN, Claudia Roth: "Bischof Zdarsas Erfolg wird daran gemessen werden, ob er das Bistum wieder zusammenführen und die erzkonservativen Kräfte, die es so tief gespalten haben, zurückdrängen kann." Heiliger Bimbam! Hauptsache, Lärm schlagen! (09.07.10)

WollemieBaumsterben - ach wo!
ine der ältesten und seltensten Baumsorten der Welt, eine Wollemie, ist nun im Augsburger Kräutergärtlein (nahe dem Roten Tor) zu besichtigen. Der ausgewachsene Baum kann eine Höhe von 40 Metern erreichen und war in Urzeiten, vor Hunderttausenden von Jahren auf der Welt, auf dem damaligen Gondwana, weit verbreitet, so daß anzunehmen ist, daß sich auch die Saurier damals von seinem Laub ernährt haben. (10.07.10)

Wer ist Reinhard Jirgl?
Wenn einer mit den folgenden geschwollen-überschwellenden Worten gepriesen wird - muß es nicht beeindruckend weit her sein mit den wirklichen Leistungen des neuen Georg-Büchner-Preisträgers?:
"In der Begründung der Jury heißt es, Jirgl habe in einem Romanwerk »von epischer Fülle und sinnlicher Anschaulichkeit ein eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert entfaltet.«
Dabei lasse er die historischen Umbrüche aus unterschiedlichsten Perspektiven alltäglichen Erlebens gegenwärtig werden und mache - so zuletzt in den großen Romanen »Die Unvollendeten« und »Die Stille« die Stimmen der Vergessenen und Verschütteten wieder hörbar." (Hessischer Rundfunk, 09.07.10)
Hier eine Kostprobe seines deutsch-nationalen Schwachsinns; der Autor, geb. 1953 in Ostberlin, ist bestrebt, als Nach(kriegs)geborener das seine zur Legendenbildung des - eine (bundes)deutsche Jury übergeschnappt jauchzen lassend - Deutschtums beizutragen, welches lautet: Die Deutschen - nichts als Opfer! [ungewöhnliche Zeichensetzungen, Schreibweisen sowie Hervorhebungen im Original]:
"Du mußt !weg: ! Aufderstelle: Wenn SIE die-Papiere bei dir finden, würde Alles auffliegen von wegen du=meine Nichte. DIE stelln uns an-die-Wand, dich u mich und Werweißwen noch. (Die Frau packte weitere Sachen in das pralle Bündel) —So. Das & das noch, & zieh das=hier an & achte darauf, dass-du die !Armbinde nich verlierst und !sieh dich vor du wirst die zwanzig Kilometer zurück bis Komotau fast nur durch den Wald laufen müssen. Im Wald aber dasweißtuja sind die-Russen ! Achte auf dich Kind und geh so schnell du kannst. Zieh die Regenpelerine nicht aus ?!hörst du. Unter !Keinenumständen. Und behalt das Bündel auf dem Rücken unter dem Umhang u laß auch das Kopftuch umgebunden. !Gottschützedich und grüß deine Mutter von uns. Vielleicht kommt ihr durch. Vielleicht kommen wir alle durch. Wenn es noch einen Gott gibt. So. Und !geh. Geh da-hinten raus, dort in der Stallecke, wo heutnacht auch der Mann=rein&raus gekommen ist. Halte deine Sachen zusammen, verlier den Evakuiertenschein nicht, & !rasch. !Gehdoch Kind. In!gottesnamen: rasch be!eile dich —
Der Himmel, aus schwindender Nacht herabhängend auf das Land, hielt die Kälte vergehenden Winters noch im Nebel fest=gefangen, Regen flüsterte in laublosen Zweigen. Annas derbe Schuhe schleiften über den Kiesweg, der allmählich im dichten Nadelwald versank. Tief unter dem dunklen Kopftuch 1 schmales, von den Nächten ohne Schlaf mit schmutzigen Schatten überzogenes Gesicht. Es war das Bündel, das die Nachbarin ihr soeben noch mit etwas Wäsche Geld und Kommißbrot geschnürt hatte, das die viel zu große, über die hagere Mädchengestalt fast bis zu den Schuhn herabhängende Pelerine an dieser Stelle wie einen Buckel wölbte. Wer sie flüchtig ansah, konnte tatsächlich meinen, ein altes, buckliges Weib schlurfte diesen Weg entlang, mit aller Beharrlichkeit & Furchtlosigkeit, die das Alter manchen Frauen gibt. Auch die weiße Armbinde (die abzulegen allen Deutschstämmigen !STRENGSTENS !VERBOTEN war) hielt das undurchsichtige Grau des Umhangs verborgen. Der Anblick des weißen Stückes Stoff sollte nicht jeden Xbeliebigen zu Rachegelüsten anstacheln; bei einer Patrouille dagegen konnte Anna jederzeit den Arm mit dieser Brandmarkung rasch freibekommen. Viele der noch auf tschechischem Boden verbliebenen Deutschen machten in Diesentagen auf eigene Faust sich in Richtung Grenze auf-den-Weg; Gerüchten zufolge wurden vorerst keine weiteren Transporte aus dem Sudetenland zusammengestellt & abgeschickt. Alle dann noch verbliebenen Deutschstämmigen sollten in Gefangenenlagern der ehemaligen deutschen Besatzer für unbestimmte Zeit zur Zwangsarbeit interniert werden. Andere Gerüchte raunten von Massenexekutionen an da=gebliebenen Deutschen —:— Es war eine jener Zeiten, in denen  Gerüchte immer stimmen können."  (aus: »Die Unvollendeten«
)
So weiß man immerhin, in welchem geschockten und schockierendem Geisteszustand sich die deutsche Bildungselite befindet, wenn man es nicht eh schon wüßte. (09.07.10)

Nationalismus-Kritik anläßlich der Fußball-WM? - ein Überblick: Augsburger Allgemeine: keine; neue Sonntagspresse: keine; neue Szene: keine; Die Augsburger Zeitung (DAZ): keine; Augsburger Friedensinitiative: keine; VVN-Augsburg: keine; Selbstverwaltetes Zentrum (Bäckerei): keine; Blogsburg: keine; attac-Augsburg: keine; Antifa: keine (kleine Ausnahme: Antifa-Horgau); Anarchistische Umtriebe Augsburg: keine; Studenten (im letzten Wintersemester streikende; Aktionsbündnis für freie Bildung; Contra): keine; Initiative Friedens- und Konfliktforschung an der Uni Augsburg: keine; die GRÜNEN, die LINKE und alle anderen im Stadtrat vertretenen Parteien: keine; Gewerkschaften: keine; pax Christi und andere religiöse Vereinigungen: keine; Bund für Geistesfreiheit: keine; und auch sonst weit und breit nichts. Wen soll es da verwundern, wenn selbst der (vor)letzte DKPist der Stadt das Auto mit zwei Deutschland-Fähnchen schmückt? - beim letzten Mal, dieses Mal hat er eines davon gegen ein griechisches getauscht: Nationalisten aller Länder vereinigt Euch!
Fast wäre KoKa allerdings aus dem Bett gefallen, als es ganz aus heiterem Himmel in der wöchentlich erscheinenden Augsburger Stadtzeitung (StaZ) einen knallharten Kommentar unter dem Titel: »Fußball? Wäh!« fand: "... Jahrzehntelang trauten sich die Deutschen nicht so recht, stolz auf ihr Land zu sein, weil das ja irgendwie ein Gschmäckle hatte. Stattdessen rannten sie in Ami-T-Shirts oder mit Union-Jacks herum. Und jetzt ist plötzlich Stadt und Land schwarz-rot-gold, sogar die Außenspiegel der Autos zeigen sich patriotisch. Igittigitt. Der einzige Vorteil: Man erkennt viele Armleuchter jetzt von weitem.
Daß man Fußball schon immer saudumm fand und nie begriffen hat, was so toll daran sein soll, wenn elf schwitzende Männer in häßlichen Dressen über den Rasen laufen und auch noch Millionen dafür kriegen, obwohl sie kaum einen geraden Satz sprechen können, das darf man in diesen Zeiten nicht laut sagen. Muß man ja Angst haben, man macht sich zeitlebens unbeliebt oder kriegt zumindest einen Kratzer im Lack verpaßt, frei nach dem Motto: 
»Wir wissen, wo Dein Auto steht!« Die Arbeit ruht, die Straßen sind leer, wenn Deutschland spielt. Kinder bekommen keine Hausaufgaben mehr, wenn Deutschland gewinnt, Eintrittskarten kosten nur die Hälfte, wenn Deutschland gewinnt, Fernseher gibt's ganz umsonst, wenn Deutschland gewinnt: Ja geht's noch? Darf ich Fernsehgucken statt zu arbeiten, wenn »Vom Winde verweht« kommt? Darf ich blöd hupend und singend herumfahren, wenn ich zufrieden vom Friseur komm', was mich mehr überraschte und persönlich beträfe? ..." (StaZ, 07.07.10)
(09.07.10)

Deutschland vor - am besten ohne Videobeweis!

Warum fragt sich der geneigte Fan? Vielleicht dürfen die Spiele nicht so ausgehen, wie es nicht erwünscht ist? Einiges spricht dafür, daß die »Spiele« - auch jenseits des ganzen Nationalismus drumherum - einen sehr politischen Charakter haben. So politisch, daß nichts dem Zufall überlassen werden soll. Das haben die Verlierermannschaften von Nigeria und Frankreich gleich zu spüren gekriegt: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Dabei kann durchaus an die aparte Affäre von 1934 erinnert werden:
"Die große Ära des österreichischen Wunderteams um Kapitän Matthias Sindelar startete ein Jahr später und wurde im WM-Halbfinale 1934 vom schwedischen Schiedsrichter Ivan Eklind gestopt. In der 18. Minute traten mehrere Italiener den österreichischen Tormann Peter Platzer samt Ball über die Torlinie. Eine Flanke auf Stürmer Karl Zischek köpfte der Schiedsrichter persönlich weg. Nur so wurde Italien Weltmeister. Immerhin war Eklind am Tag vor dem Spiel Ehrengast bei Diktator Benito Mussolini. Gerüchten zufolge soll der Duce während des Gesprächs mit einem Revolver auf die Männlichkeit des Referees gezielt haben." (die presse, 07.07.10)
Sowas gibt es wohl nicht mehr, die Schiris können selber antizipieren, was ist, wenn sie für die falsche Mannschaft pfeifen. Oder eben auch nicht, dann ist das Geschrei groß, ansonsten eher klein; Proteste kleiner und schwacher Nationen können leicht übergangen werden. Aber wenn Deutschland protestiert, dann ist die Hölle los! Wie oft muß jenes kuriose Wembley-Tor von 1966 noch dafür herhalten, um der deutschen Mannschaft und mit ihr einer ganzen »betrogenen« Nation heute endlich und morgen schon wieder endlich Entschädigung zukommen zu lassen! Man fragt sich, woraus speist sich eine solch unverschämte Anspruchshaltung? Ganz einfach aus den Ansprüchen, die die politische Herrschaft auch ansonsten hat, nämlich in der Welt die ökonomisch stärkste und politische mächtigste, wenn schon nicht zu sein, so doch zu werden. Diese Ansprüche vertragen sich sehr schlecht mit einem Mißerfolg in der Sportart Nr. 1. Zumal Deutschland ja maßgeblich Anteil daran hat, daß diese Sportart die Nr. 1 in der Welt geworden ist, obwohl sie - objektiv und rein sportlich betrachtet - wirklich nicht die Interessanteste ist (- aber vielleicht gerade dumm genug zu kapieren für ein deutschnational denkendes Hirn).
Im übrigen: Wie haben sich die Deutschen aufgeführt, als die »Falschen« mal gewonnen haben, die kleine griechische Nation 2004 Europameister geworden ist! Noch heute verteufeln sie die Griechen mit ihrem Trainer Otto Rehhagel, blaß vor Neid! »Antifußball« habe der spielen lassen! Ja, wenn er bloß die Deutschen so zum Sieg geführt hätte, dann hätte er als der souveränste Trainer und Taktiker aller Zeiten gegolten! So viel bloß zur Erinnerung an die hochgelobte deutsche Völkerverständigung mittels Fußball. Ein objektives Urteil ist von Nationalisten nicht zu erwarten. (07.07.10)  
Fußball-WM-Fieber - Nationalismus, eine Dummheit wie ihn die Obrigkeit und die ihr verpflichteten Medien berechnend zu schätzen wissen 
(mp3) 
Vorsicht! Achtung! Nationalismus gefährdet Eure geistige Gesundheit und praktischen Interessen!
(07.07.10)
Alfred Kubin - Wissenschaft   --  KoKa Augsburg
Intelligenz, wir fangen Dich ein!
Der innenpolitische Sprecher der CDU in Berlin hat einen geradezu bahnbrechenden Vorschlag zur Krisenbewältigung eingereicht: "Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern." Darauf der Bundestagsabgeordnete aus dem Umland von Augsburg, Markus Ferber, dem zustimmend: "Kanada ist da viel weiter und verlangt von Zuwandererkindern einen höheren IQ als bei einheimischen Kindern." Bei den deutschen Leuchten ist das mehr als einleuchtend. Nicht mal mehr im Fußball kommt die Nation ohne ausländische Intelligenz aus, von der Politik ganz zu schweigen, haben es doch längst Ausländer in die Hand genommen, Deutschland voranzubringen, wie z.B. Özdemir und Özkan. Von den Zonis ganz zu schweigen, die unter Umgehung aller denkbaren Intelligenztests Bundeskanzleramt und Bundesinnenministerium besetzt haben und sogar einen der ihren ins Präsidialamt schicken wollen! War es der visionäre Gedanke an den Tod genuin deutscher Intelligenz, der Alfred Kubin zu der schon 1902 gezeichneten Fantasmagorie »Wissenschaft« veranlaßte? (30.06.10)

Το όπιο του λαού είναι τώρα το ποδόσφαιρο!
"Der Fußball ist ein geliebter Freund des Kapitalismus. In ihrem Resultat stellt die Fußballweltmeisterschaft ein weiteres Zurückweichen vor jeder radikalen Veränderung dar. Jetzt ist der Fußball das Opium des Volkes. ...", so der Literaturkritiker Terry Eagleton (gelesen in Η ΕΠΟΧΗ v. 27.06.10).  Beschissen ist halt nur, daß sich selbst so mancher Linker - wie zum Beispiel K.-P. Klingelschmitt in der taz - dieser Einsicht mit verschrobensten Ausflüchten verschließt. Jener Klingelschmitt sollte doch mal bei der DKP nachsehen - die hat nämlich schon bei Lena schwarz-rot-gold gejubelt und verschließt sich auch der deutschen WM-Besoffenheit nicht -, bevor er ausgerechnet die für den Beleg eines Einwands gegen deutschen Nationalismus heranzieht! Aber einer, der wie er über ein dermaßen national-historisch zugeschliffenes Weltbild verfügt, tut sich halt einfach schwer, seiner keineswegs altersbedingten Verkalktheit selbstkritisch gegenüber zu treten... (29.06.10)

Peter Handke ÖsterreichKein Fehldruck ist die neue Peter-Handke-Briefmarke: Die Schreibweise Osterreich anstelle von Österreich soll seine Kritik an seinem ungeliebten Heimatland dezent anschaulich machen. Der österreichische Staat bzw. zumindest die österreichische Post ist da tolerant. Übrigens wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten, was er neulich der Springer-Gazette Die Welt (21.06.10) verriet: "Herr Handke, begeistern Sie sich noch für Fußball? -
Peter Handke: Leider, leider ja. ...  - Sie sind offenbar ein Experte. Werden Sie die Weltmeisterschaft aufmerksam verfolgen? - Handke: Ich schaue mir immer die zweiten Halbzeiten an, ein ganzes Spiel macht mich zu fertig. Ich gehe dazu meist ins Café, um unter Fremden zu sein, wo man Blicke austauscht, wenn jemand danebenschießt." Peter Handke ist bekanntlich der Autor des Krimis: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. Bald erscheint übrigens sein neues Buch titels "Ein Jahr aus der Nacht gesprochen". (24.06.10)

"Dumm bleiben, Fußball gucken!" (alte KoKa-Weisheit)
Als das Thema einmal der Sport war und der Bund obendrein, schrieb der legendäre Plimm - wer vermißt ihn nicht schmerzlich in der Wochenendausgabe der AZ? - einmal folgendes:
".... Später las der Plimm in einem Buch, daß der Kaiser Nero auch nicht viel vom Frühsport gehalten hatte. 'Der einzige', soll er gesagt haben, 'eines Mannes würdige Sport ist die Liebe.' Nanu? Immerhin war der Nero ein Kaiser. Das ist mehr als ein Oberfeldwebel. Außerdem: Er konnte sogar Latein - der Oberfeldwebel Käsohr nur Sächsisch!" (21.06.10)

Jose Saramago ist verstorben; Werke, die auch in deutscher Sprache erschienen sind:
Hoffnung im Alentejo • Das Memorial • Das Todesjahr des Ricardo Reis • Handbuch der Malerei und Kalligrafie • Das steinerne Floß • Geschichte der Belagerung von Lissabon • Das Evangelium nach Jesus Christus • Der Stuhl und andere Dinge • Die Stadt der Blinden • Die Geschichte von der unbekannten Insel • Alle Namen • Das Zentrum • Die portugiesische Reise • Der Doppelgänger • Die Stadt der Sehenden • Eine Zeit ohne Tod • Kleine Erinnerungen • (18.06.10)

Mit dem Kopf kämpfende und deshalb Kopfschutz tragende Frauen
* Athina, Göttin, Statue im Museum von Pireas, ca. 330-340 v.Chr. Silke Burmester in ihrer wöchentlichen taz-Kolumne, Jetztzeit * Oriana Fallaci als Kriegsreporterin in Vietnam 1967/8 in der griechischen Zeitung Tachidhromos, die das Foto für Fallacis Augenzeugen-Bericht von den brutal niedergeschlagenen Studentenprotesten in Mexiko benutzte. 
Sie unterscheiden sich krass von den Dummtussis, die zwar auch einen Helm tragen, aber für die Bundeswehr Dienst tun. (18.06.10)
Athina 340/330 p.Ch.   --  KoKa Augsburg  Silke Burmester   --  KoKa Augsburg  Oriana Fallaci   --  KoKa Augsburg

Brecht-Tage
Die Augsburger Skandal-Zeitung schreibt: "Das war ja immer ein Gedöhns mit diesem Brecht-Feschtle an der Kahnfahrt. Diese vielen Leute und diese Musik und diese Lesungen. Alles von und über den Augsburger Lyriker und Theatermacher Bert Brecht, der hier aufgewachsen ist. * Es reicht doch wirklich, wenn im Goldenen Saal ein Bert-Brecht-Preis vergeben wird. Das ist die ruhige elegante Brecht-Pflege, wie wir Datschis das lieben. * Da holen wir uns dann doch lieber so richtig teure Brecht-Experten irgendwo her, die dann irgendwelche teure Stars holen, die dann irgendwann alle wieder aus Augsburg abdampfen. Damit halt wieder brechtige Ruhe herrscht. * Gott sei Dank ist dieses endlich ausgesetzte billige Brecht-Festival bei der Kahnfahrt den Augsburger Kultur-Politikern keinen Aufschrei wert! Dann wäre doch wieder der schöne ruhige Augsburger Sommer, diese idyllische Grabesstille, beim Teufel." Danke, Arno, für diese Worte aus der CSU/SPD/ProAugsburg-Seele! (17.06.10)

Inter-Nationale Sport- und Kulturevents
Party-Time ist angesagt in der schwarz-rot-goldenen Republik und nicht nur da, wenn so eine Veranstaltung wie WM, Olympiade, Songcontest ansteht. Viele lassen sich dazu herbei, ihre Freizeit mit dazu angesetzten public viewings zu vergeuden. Was ist da also los? Hier ein Vortrag von Prof. Huisken. (mp3) (13.06.10)

Maja - Prinzessin von Hohenzollern (38 J.)
Sie weiß sich nicht nur in den Glamourgazetten gut ins Bild zu setzen, in der
taz vom 05.06. beantwortete sie die Frage, ob »wir« noch einen Bundespräsidenten bräuchten, so: "Ja, Deutschland braucht einen Bundespräsidenten/in, der ohne parteipolitische Interessen als oberste Instanz einer Demokratie in letzter Konsequenz Dinge verhindern oder auf den Weg bringen kann. Man sollte dieses Amt sogar mit mehr Befugnissen und Machtfülle ausstatten, sicher hat sich auch Herr Köhler oft mehr Handlungsfreiheit gewünscht, um schneller helfen oder eingreifen zu können. Als »Reservemacht in politischen Krisen« ist der Bundespräsident ein wichtiges Instrument, das allerdings auch nur so gut sein kann wie sein Rückhalt innerhalb der eigenen Reihen. Der Bundespräsident sollte klare Worte und Taten sprechen lassen, kulturell gebildet, vorzeigbar, sensibel und kompetent sein! Ich schlage zur Neuwahl Margot Käßmann vor!" Mit ihren intellektuellen Fähigkeiten hat sie überaus klar und eindringlich bewiesen, daß sie selber das Zeug dazu hat, den höchsten Thron der Republik zu besteigen! Und übrigens, wenn sie auch noch Königin der Arbeiterklasse werden möchte, bräuchte sie nur ihre Titten auf Seite 1 von Blöd präsentieren, textilfrei versteht sich! [Und jetzt bitte nicht alle nach einem Foto ihrer Majestät surfen: So hübsch ist sie nun auch wieder nicht.] (07.06.10)

Wie Musik mit Nationalismus vereinbar ist - eben auf dem entsprechenden Niveau
"Mir ist diese Deutschtümelei von XXXX suspekt. Hier eine Fahne, da eine Fahne. Es geht doch bei dem Wettbewerb nicht um Nationen, es geht um Musik." (ein taz-Leser) Völlig verkehrt! Es geht einzig und allein um Nationalismus und dessen Pflege, deshalb ist die Veranstaltung auch musikalisch gesehen so überaus kläglich - es kommt schlicht nicht auf die Musik an! - Mehr zum »Grand-Prix-Faschismus«? (02.06.10)

Carlos FuentesCarlos Fuentes
Warum dichtet Carlos Fuentes der Demokratie einen "sozialen Rythmus" an, einen "zugunsten der Armen" obendrein, wo er es doch besser weiß? Einen Atemzug später läßt er ja anklingen, wenn er auf die Tendenz süd- und mittelamerikanischer Staaten zum Autoritarismus verweist, daß diese keineswegs Produkt der armen Massen sein können, wenn die sich auf die Obrigkeit beziehen. Woraus resultiert also diese Hoffnung?
Wenn er auf den Autoritarismus zu sprechen kommt, spricht er den Massen ab, jemals selber Subjekte der gesellschaftlichen Verhältnisse werden zu können, wiewohl er mit seiner Literatur einiges dazu beigetragen hat, sie der geistigen Verwahrlosung zu entreißen, in der sie die kapitalistische Gesellschaft - bald demokratisch, bald diktatorisch - gefangen hält. Er betrachtet sein Vermächtnis offenbar als gescheitert, wenn er seine Hoffnungen auf die Demokratie setzt, die weder die Armut beseitigt noch ein Kommunikationsforum schafft, in welchem die Massen sich ihrer Situation vorbehaltlos bewußt werden können. Gleichwohl sieht er sich einem fortschrittlichen historischen Materialismus verpflichtet, wiewohl der in der Sache nichts anderes ist als ein idealistischer Historizismus.
In der Illusion einer wegweisenden Kommunikation(sform) bestärkt ihn die »freie« Presse (hier die Süddeutsche Zeitung) deshalb, weil sie damit sowohl Unumstößlichkeit wie Verherrlichung staatlicher Gewalt demokratischer Sorte betreibt, was sie sich zur permanenten agitatorischen Aufgabe gemacht hat. So pflegt sie den Schein einer Debatte, der sie selber den Boden entzieht.
Schade, daß Fuentes sich der schamlosen und unverschämten Gepflogenheiten des Imperialismus in seinen Zentren nicht bewußt ist. (30.05.10)

Bukowski
Ob sich Charles Bukowski für ein Museum eignet? In seiner Geburtsstadt Andernach ist ein solches nun in Errichtung, auch wenn er sein Geburtshaus schon im 2. Lebensjahr verließ und nach Los Angeles übersiedelte, wo die Bungalow-Siedlung, in der er von 1963 bis 1972 gewohnt hatte, in den Status eines Kulturerbes (cultural heritage) erhoben wurde.
Mit dabei bei der Hilfe zur Errichtung des Museums ist natürlich auch Benno Käsmayr vom legendären 
Maro-Verlag, der Bukowski seinerzeit - zumindest hierzulande - entdeckt und publiziert hat und der nun eine Broschüre gedruckt hat, die den neu gestalteten Schuppen, ein mondänes Bürgerhaus, unterstützen soll. Im übrigen wird der Verlag heuer 40 Jahre alt und wird das kräftig feiern. (25.04.10)


(Miß-)Erfolg: So schön kann Kapitalismus sein!

Karikaturen von Harry Ardeias, vielleicht kennt ihn noch der ein oder andere aus der Zeit seines Grafik-Studiums in Augsburg:
Börse Erfolg Mißerfolg Dummheit   --  KoKa Augsburg
Blut   --  KoKa AugsburgUnvermutet
Die verblüffende Wahrheit des Oster-Plärrers:
In den Katakomben eines Augsburger Domes sprudelt das Blut unschuldiger Kinder. Nicht Jesus hat es vergossen, die Welt zu retten. Doch der Herodes von Schrobenhausen hat seinen Teil dazu beigetragen. (24.04.10)

Alles hängt am Geld - wirklich alles?
Absolut geil - der AEV im Finale!
mit einem 3:2-Sieg im 4. Halbfinalspiel (3:1 Siege) gegen die Grizzly Adams Wolfsburg erreichtem die Augsburger Panther das Finale um die deutsche Eishockeymeisterschaft, nachdem sie zuvor den Favoriten Adler Mannheim (2:0 Siege) und den amtierenden Meister Eisbären Ostberlin (3:2 Siege) ausgeschaltet hatten. Der Klassenkampf geht weiter - im Finale gegen die Hannover Scorpions, die man schon deshalb besiegen muß, weil deren Namensgeber-Rockgroup so einen unsäglich blöden Politsong verbrochen hat. (16.04.10) - Gratulation an Hannovers Team! War zwar keineswegs besser, aber glücklicher. (25.04.10)

Philipp Melanchthon?
Nun ist er 450 Jahre tot. Er gilt als Schulreformer. "Ohne Philipp Melanchthon gäbe es keine Bibelübersetzung Luthers, er ist der Verfasser der »Confessio Augustana«, des »Augsburger Bekenntnisses« von 1530, durch ihn gewann die evangelische Kirche in ganz Europa Gestalt und Organisation. Sein Einfluß reichte von Island bis nach Siebenbürgen, von Finnland nach Italien. Philipp Melanchthon war nicht nur der »Lehrer Deutschlands«, der Praeceptor Germaniae, sondern gilt mit Fug und Recht als Lehrer Europas. ... Seine »Loci communes« von 1521 gelten als erste lutherische Dogmatik, die bis heute Maßstäbe setzt. Aber seine gelehrte Kompetenz reichte weit über Filologie und Theologie hinaus. Geografie und Medizin, Astronomie und Dialektik bezeichnen das Spektrum, in dem er sich durch Publikationen und Lehrbücher europaweit einen Namen machen konnte. ... Bahnbrechend war seine Wittenberger Antrittsvorlesung vom 28.08.1519, »De corrigendis adulescentiae studiis«. In ihr entwarf er das Leitbild des universitären Lehrens und Lernens, das bis weit ins 19. Jahrhundert hinein bestimmend war. Er lehnte das vom Geist der Scholastik geprägte Lernen von vorgefertigtem Wissen ab. Notwendig war die Kenntnis der ursprünglichen Quellen, also in erster Linie Aristoteles, Platon, Cicero. ... Neben der klassischen Bildung kam der Geschichte ein ebenso hoher Rang zu. Bemerkenswert auch seine Hochschätzung der Naturwissenschaften, er sah einen inneren Zusammenhang zwischen der Mißachtung der Mathematik und dem Niedergang der Theologie. ... Zur Vorbereitung eines erfolgreichen Studiums war eine Grundlegung in der Schule vonnöten. Philipp Melanchthon setzte sich dafür ein, daß jedes Kind Zugang zur Schulbildung erhielt. Als der Rat der Stadt Nürnberg daranging, das Schulsystem der Stadt zu reformieren und eine neue »höhere Schule« zu gründen, wurde Philipp Melanchthon als Berater beigezogen. So konnte er – aufbauend auf einer nach seinen Vorstellungen reformierten dreiklassigen Lateinschule – die höhere Schule als eine vom Geist des Humanismus und der Renaissance geprägte Artistenfakultät einrichten, die eine optimale Vorstufe des Universitätsstudiums bilden sollte. Dialektik und Retorik, Latein und Griechisch, Musik und Mathematik standen im Vordergrund. Die Beschäftigung mit den Quellen wurde ebenso betrieben wie der freie Umgang mit den Sprachen durch eigene Dichtungen, selbst verfaßte Reden und Theaterstücke. Nur wer sprechen kann und sich auszudrücken weiß, kann am Gespräch der Wissenschaften teilnehmen. Geschichte, die große Lehrmeisterin für alles, vor allem das politische Handeln, darf nicht fehlen. Dieses Pilotprojekt in Nürnberg wurde allseits bekannt und begründete Philipp Melanchthons Ruf als Schulreformer. An mehr als 50 Schulgründungen war er beteiligt, und in seiner Visitationsordnung, durch die das Kirchenwesen neu gegründet wurde, achtete er auf die Schulen mit derselben Aufmerksamkeit, die dem kirchlichen Leben im engeren Sinn zukam.
Allein die Tatsache, daß er sich in seinen Reden immer wieder nicht nur an die Professorenkollegen und die Träger der Universitäten, also vor allem die Fürsten, richtete, sondern ausdrücklich auch an die Studierenden, zeigt die Grundrichtung an. Jeder Student sollte in Begleitung eines Tutors einen individuellen Studienplan erhalten, der ihm eine auf die individuellen Bedingungen zugeschnittene Gestaltung des Studiums ermöglichte. Philipp Melanchthon, seit 1523 Rektor der Universität, lebte seine schul- und hochschulpolitischen Überzeugungen auch im Alltag. In seinem Haus in Wittenberg sammelte er eine lebendige Gemeinschaft von Studierenden um sich, die mit ihm, seiner Frau Katharina, .., und ihren eigenen Kindern in einer Art Wohngemeinschaft lebten. Einmal rühmte er sich, daß an seinem Mittagstisch elf verschiedene Sprachen gesprochen wurden. Verständigt hat man sich natürlich auf Lateinisch....
Spätestens seit dem Augsburger Reichstag von 1530 wußte Melanchthon, daß es in der Auseinandersetzung zwischen den Reformatoren und den Verteidigern der 
»Altgläubigkeit« mit dem Kaiser an der Spitze weder um abgehobene akademische Streitereien noch um bloße Kirchenpolitik ging, sondern um massive Machtpolitik in Europa, die letztlich auf eine kriegerische Auseinandersetzung hinauslief. Der Gedanke, daß es im Streit um religiöse Wahrheiten, womöglich sogar im Namen Gottes, zum Krieg kommen könnte, beunruhigte ihn zutiefst. ..." (die presse, 10.04.10) (15.04.10)

Schlaftablette für Schnarchzapfen: ARD
Hier ein Auszug aus der heutigen
taz-Kolumne von Silke Burmester, die wie üblich von der Medienfront berichtet: "...Wer sich dieser Tage auch selbst feiert, weil es kein anderer tut, ist die ARD. Die wird 60. Und sieht auch so aus. Und fühlt sich auch so an. Und riecht auch so. Vor allem samstags. Und am Dienstag. Die ARD ist auch so etwas, das der Bürger bezahlt, ohne Mitsprache bei der Gestaltung zu haben. Obwohl sie ja quasi seins ist. ..." Da sind wir doch froh, daß wir das Augsburg-tv haben, das neulich zwar nicht wußte, wen es da vor Kamera und Mikrofon hatte, aber auch nicht näher nachfragen wollte: War das KoKa-Statement in Sachen AEV so überzeugend? (14.04.10)
Brecht auf die Füße gestellt
In der März-Ausgabe des Augsburg-Journals hat die CSU festgestellt, daß Brecht ziemlich genial auf ihrer Linie liegt, ja sie hat sich geradezu gewundert, das bisher nicht erkannt, ja geradezu vorsätzlich verkannt zu haben. Reinhard Gammel hat in der 2. Ausgabe des Kunst- und Literaturmagazins lauthals einen Dreh dieses - jenseits und zusätzlich zur üblichen moralischen Qualifizierung von Brecht (an der ja was dran ist und die ihn allen Staatsprotagonisten östlich und westlich der Elbe so ergiebig macht) - einen Dreh dieses Umgangs mit Brecht kurz skizziert [Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Autors].
lauthals - die Antwort auf stimmlos, einem vor Jahren erscheinendem ähnlichem Magazin dieser Art - ist übrigens im Augsburger Buchhandel für 5 € zu erwerben und bietet eine Plattform für all die, denen das ein oder andere auffällt & aufstößt und die sich nicht scheuen, deshalb anecken zu wollen. (13.04.10)

Ein Brief von Rosa L. (aus dem Jenseits):
Besoffen sein und abstürzen, das kennt man;
national besoffen sein und abstürzen, das kennt man jetzt auch!
Doch Spaß beiseite! Wie bewältigt man eine »nationale Katastrofe«? Man fügt ihr eine neue hinzu! Auf den Gedanken, daß politische Katastrofen auf Nationalismus basieren und es deshalb ratsam wäre, Nationalismus bleiben zu lassen bzw. ihn gar zu kritisieren, auf einen solchen Gedanken kommen (nicht nur) die Polen nicht mal im Traum, selbst wenn sie mal wieder aus allen Wolken fallen. Nicht erst seit Wałesa und Woityła denken sie nämlich (ausschließlich) als solche. Weitere Leichen unter dem Diktum nationalen Aufbruchs im Polen der EU und der NATO sind so vorprogrammiert, auch wenn sie - wie normalerweise - nicht so hoch dekoriert sind und werden. (12.04.10)

Apropos: nationale Elite: "'De mortuis nil nisi bene', wie der Pole sagt. Deshalb hier nur zur Information, welche 'Elite' genau beim Absturz der präsidentiellen Maschine bei Smolensk ums Leben gekommen ist:
Unter anderen nämlich Generalstabschef Franciszek Gagor, samt Ex-Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski verantwortlich für ein Kriegsverbrechen 2007, als polnische Berufssoldaten ein afghanisches Dorf ohne militärischen Grund angegriffen und dabei mindestens sechs Zivilisten - Frauen und Kinder - ermordet haben sollen. Ferner an Bord: der polnische Ombudsmann Janusz Kochanowski, der zuletzt juristisch gegen das positive Urteil aus Straßburg vorgehen wollte, das einer klagenden Frau eine in Polen untersagte Abtreibung erlaubte; der Jurist Gasiewski, der die
taz wegen der Kartoffel-Satire mit einem Interpol-Suchbefehl jagte; Zbigniew Wasserman, verantwortlich für die Verschleierung der CIA-Geheimgefängnisse in Nordpolen vor der Delegation des EU-Parlaments; der Bürochef der nationalen Sicherheit, Aleksander Szczyglo, der den Überfall auf den Irak argumentativ vorbereitet hat; Anna Walentynowicz, als Göttin der Arbeiterbewegung gehandelt, in Polen aber längst als Ikone des ultrakonservativen Radio Maryja gegen die 'Verjudung' Polens kämpfend. Aber das nur als Detail am Rande." (taz v. 15.04.10)

Ein Kunstgriff
auf den sich sogar die Blödzeitung versteht: Die vehemente Bestätigung des Systems durch die Kritik seiner Praxis: Ein Beispiel: Selbstverständlich ist es - auch und gerade für geistige Größen wie Blöd - ein Skandal, eine Verkäuferin wegen liegengebliebener und deshalb eingelöster Bons in Höhe von 1,30 Euro zu entlassen. Das paßt nicht zum System, das ansonsten nicht nur gerecht, sondern auch sehr großzügig ist. Z.B. in diesem Fall eben. Allgemein ungerecht ist das System überhaupt nicht, denn wo kämen "wir" da hin, wenn jeder mehr verdient, als er verdient. Wer das festlegt, keine Frage, Korrekturen sind immer mal möglich und nötig, aber meistens ja eh im Sinne derer, deren Profit zu wünschen übrig läßt; und wann tut er das nicht?
Das Blöde dabei ist nur, daß sich die Linken - wie insbesondere DIE LINKE  - ausgerechnet an solchen Fällen aufgeilen, meinen sie zum Mittel ihrer Agitation machen zu müssen, vielleicht sogar so, daß man daran im Gegensatz zu Blöd gar keinen Einzelfall entdeckt, sondern eben etwas für das kapitalistische System Symptomatisches. Die Kritik geht dann so: Hier sieht man es mal wieder! Und da es nicht schwer ist, weitere Beispiele anzuführen, steht die Systemkritik fest: Ja, so gemein ist der Kapitalismus, er muß deshalb überwunden werden. Anders ausgedrückt: Der Kapitalismus ist so unmoralisch, daß er an seinem moralischen Versagen scheitern kann, soll und muß: Sogesehen weiß man sich auf der Höhe geschichtlichen Fortschritts und gar nicht weit von Dr. Westerwelle entfernt, der die Dekadenz des alten Rom beschwört, nicht um den Kapitalismus zu Grabe zu tragen, sondern ihn zu retten. Gegen einen moralisch integren Kapitalismus kann sich auch DIE LINKE keine Einwände vorstellen, freilich sei der nur mit ihr als Obwalter des Klassenstaats zu haben. Das dürfte dann bestimmt auch eine Art "Überwindung des Kapitalismus" sein.
Warum diese Notiz?
DIE LINKE hat nämlich eine Aktion zu den an dieser Stelle als durch die Presse bekannt vorausgesetzten Machenschaften der Firma Schlecker, laut DIE LINKE "die Raubtierkapitalisten pur", gestartet. Sie erhielt auf Anfrage bei der Bundesregierung die Antwort: "Die Bundesregierung ist kein Forschungsinstitut, dessen Aufgabe es ist, solchen Einzelfällen [Hervorhebung: DIE LINKE] nachzugehen." und weiter schreibt die Partei in ihrem Augsburger Flugblatt: "Denken Sie bei der nächsten Wahl an Die Linkspartei, sonst werden wir alle [Hervorhebung: KoKa] nach Schlecker Tarif bezahlt." Achtung: Das ist keine Kapitalismuskritik, vielmehr Schelte von Kapital, das Die Linke außer Kontrolle geraten wähnt. (07.04.10)

Die Lokale für Ratlose

Folgender Text klingt wirklich nicht unsympathisch:
"...Unser westdeutsches Generationenprojekt Die Grünen hat sich dagegen von uns verabschiedet. Heimat- und orientierungslos geworden, stehen wir undogmatisch links sozialisierten und deshalb auch nicht der Partei Die Linke zugeneigten Individualisten von My Generation ratlos vor den Wahllokalen. Schließlich wurden wir auch von der von uns mit Rücksicht auf ihre früheren Verdienste viel zu lange am Leben (Tropf) gehaltenen SPD bitter enttäuscht. Und jetzt auch noch die Grünen. Für unseren (guten) Geschmack treiben sich inzwischen auch bei ihnen zu viele, von Mars mobil gemachte Karrieristen herum. (Verbal)radikal sind die Grünen nur noch in der Opposition (peinlich und lächerlich zugleich). Und ihre skrupellosen Blender etwa vom Schlage eines Hubert Ulrich, genannt der Panzer (Chef Grüne Saar), sind ein Ärgernis für alle aufrechten Demokraten und Republikaner im Lande. Summa summarum also: Aus und vorbei, da hilft auch kein Jammern, kein Beten, kein Trick (Degenhardt). ..." (K.-P. Klingelschmitt in seiner taz-Kolumne "Älter werden" der Generation 50 plus links v. 06.04.10)
Der Rest des Textes ist hier weggelassen, weil er sich auf Fußball bezieht, der in Augsburg in der Beliebtheit gegenüber Eishockey und dem AEV deutlich zurücksteht - zumindest bei denen, die auch in Sachen Sport einigermaßen anspruchsvoll sind. Was allerdings die Aussage anbelangt, wir stünden "ratlos vor den Wahllokalen", so muß man schon sagen, daß manche längst einen Schritt weiter sind und sich die Demokratie mit ihren Institutionen selber einmal vorknöpfen. Da kann man dann doch recht schnell zu dem Ergebnis kommen, daß die Abgabe der eigenen Stimme ein großer Fehler ist, der darin besteht, daß dadurch die Ermächtigung einer Herrschaft - die man zwar nicht will, aber genau durch eben diese Stimmabgabe - in ganz harmlos erscheinender Weise vollzogen wird. Die Demokratie führt so ein vollkommen unverdientes positives Image mit sich, beinhaltet sie nicht mehr und nicht weniger als den völligen Ausschluß derer von der Macht, die über anderweitige, ökonomische (Einfluß-)Mittel eh nicht verfügen. (07.04.10)

"Der Wohlstand unserer Gesellschaft kann nicht dauerhaft auf Wachstum basieren."
Darf man mal fragen, wer denn überhaupt den Wohlstand »unserer« Gesellschaft in Anspruch nehmen kann? Also die, die über Reichtum verfügen; und die denken an nichts anderes, als daß ihr Reichtum wächst und zwar tüchtig und anhaltend. Und denen, die vom Reichtum ausgeschlossen sind, müssen dummerweise zum bloßen Überleben schon ihre Arbeitskraft feilbieten. Ihnen wird erzählt, daß sie nur gekauft werden kann, wenn das Wachstum auch tüchtig zulegt. Dann nämlich können sie weiter in Armut dahinleben bzw. besser: dahinsiechen. Das ist also »unsere« Gesellschaft. Ihr Zweck ist der Wachstum des Reichtums in seiner abstrakten Form, Geld. Dafür wird alles Mögliche und Unmögliche an Waren produziert. Die Waren werden nicht einfach verteilt, sondern erhalten einen Preis, der die, die über kein bzw. zuwenig Geld verfügen, ganz kategorisch von ihrem Gebrauch ausschließt. So ist das also mit dem »Wohlstand«. Ja, die Nazis haben bei dem Begriff schnöden Materialismus gewittert, der die Volksgemeinschaft zerstören würde. Auch der Papst bläst in dieses Horn. Diese Leute predigen Verzicht ausgerechnet denen, die eh nichts haben (außer ihrer armseligen Existenz als solcher). Dafür versprechen sie ihnen eine extra große Nation, ein besseres Jenseits und so einen Scheiß. Nur Idioten lassen sich so ruhigstellen.
Das Schöne an obigem Zitat ist, daß es keinen Schluß kennt, den man aus ihm ziehen könnte. Jaja, soll da jeder sagen und sich jeden weiteren Gedanken ersparen. Wahrscheinlich meint derjenige, der das sagt (ein GRÜNER?), sogar auf Zustimmung zu stoßen. Nichts leichter als das in einer komplett verdummten kapitalistischen Klassengesellschaft!(04.04.10)

Afghanistan-Song

Wer den Song der Augsburger Straßenrockband IMPOTENZ sucht und auch den Text dazu, dem kann mit diesem Link geholfen werden. Übrigens: "Forscher" - seltsame Gestalten, die über Folgendes "forschen" - sollen herausgefunden haben, daß "uns" - Achtung! Nationalisten als Forscher! - der Tod von Soldaten "gleichgültiger" wird. Warum sollte es uns nicht gleichgültig sein, wenn Leute zu Schaden kommen, die so  dumm sind, sich nach Afghanistan zu begeben, und dort zu Schaden kommen? Sind sie nicht einzig & allein mit einem schwarz-rot-gold beflaggten Sarg angemessen betrauert? Warum begibt sich eigentlich Politikwissenschaftler Ulrich Roos nicht nach Afghanistan? Feigling! (25.03.10) Liebe Buben und Mädchen,
seid bitte so frech und haut Euren Eltern, sollten die die Frechheit besitzen und Euch mit der Verabreichung des Kindermagazins "
Dein Spiegel" deutsch-nationale Gesinnung zu inhalieren versuchen, haut ihnen dieses Heft um die Ohren! Wenn Ihr diesen Augenblick auch noch fotografisch festhalten könnt - schickt das Foto per E-mail an KoKa und ihr bekommt wahlweise eine Freikarte für die Augsburger Puppernkiste (Kabarett 2010) oder ein Jahresabo der Zeitschrift GegenStandpunkt, um Euch mit Argumenten gegen Verdummungsversuche zu wappnen. (23.03.10)

Das Lumpenproletariat

Michael Friechrichs hat in einem Beitrag für die erste Ausgabe des Augsburger Literaturmagazins
Lauthals (herausgegeben von Reinhard Gammel; erhältlich in Augsburger Buchläden; die zweite Ausgabe ist in Vorbereitung) sein Befremden über die Anpassungsfähigkeit eines 1-Euro-Bettlers Ausdruck verliehen. Indem er dessen Wunsch entsprach, hat er der gesellschaftlich vorstellig gemachten Gleichung, nach der - gerade für die, die nichts besitzen! - der Anstand Mittel des Erfolgs sei, recht gegeben. Er ist auf die Heuchelei des Bettlers hereingefallen, wie er selber konstatieren muß. Jener ging mit der erhaltenen Münze natürlich nicht, wie behauptet, zum Telefonieren.
Warum räumt er das so offen ein? Ist es eine dem Proletariat im allgemeinen unterstellte Moralität, die es von der Bourgeoisie unterscheiden soll, die nun aber bitter enttäuscht wurde in der schnöden Berechnung des allzu höflich Bittenden? Wenn dem so ist, wäre dann nicht ein Schluß fällig auf die Leistung eines gesellschaftlichen Systems gar sein offenkundiges Opfer in der Weise zu ideologisieren, daß es seinen Erfolgsversprechungen auch dann noch glaubt, wenn es ums pure Überleben, ums Aushalten des Daseins mit der nächsten Flasche Bier ringt?
Daß
Anstand Mittel des Erfolgs sei, dies ist auch der aus der Arbeiterbewegung einst hervorgegangenen, systemtragenden Partei namens SPD nicht fremd. Ja, es ist in jeder Beziehung ihre Agitation, auch gegenüber dem Kapital. So hat, worauf die Augsburger Allgemeine am 19.03.10 dankenswerterweise hingewiesen hat, der neue Vorsitzende der Partei Gabriel den Begriff "Lumpenelite" in die Welt gesetzt. Das Blatt hat in dem Zusammenhang sein Augenmerk darauf gerichtet, daß dieser Begriff in gewissem Gegensatz zu dem Begriff des "Lumpenproletariats" steht, der zur Zeit von Marx im Umlauf war und der die dringliche Notwendigkeit des Klassenkampfs vorstellig gemacht hat. "Lumpenelite" hingegen ist der Vorwurf des fehlenden Anstands an die "Leistungsträger" der Nation, an die Kapitalisten, die ihren Erfolg verfehlen, wenn sie sich nicht anständig benehmen, also den Arbeitern "nicht nur" ihre Existenz infrage stellen, sondern sie auch ihrer "Würde" berauben. Wie der von Friedrichs aufgegriffene Fall allerdings zeigt, lassen die sich am allerwenigsten ihre "Würde", die sich in ihrem Anstand ja manifestiert, rauben.
Es ist zwar nicht immer erfolgreich, aber ziemlich einfach, sich auf Heuchelei zu verstehen. Ein SPD-Vorsitzender befleißigt sich dieser Art Kritik am Kapital ja ebenfalls heuchlerisch, weil er als Staatsmann zu beklagen hat, daß der Erfolg des Kapitals insgesamt für die Ansprüche, die der deutsche Staat an es hat, zu wünschen übrig läßt. Er fordert also mehr Ausbeutung, aber bitte so, daß das Proletariat nichts davon merkt, weil sie "anständig", d.h. erfolgreich abgewickelt wird [Er fordert also den Erfolg, aber erfolgreich, ein schöner Pleonasmus!]. Was natürlich kaum anders geht, als daß die richtige Partei die richtigen politischen Richtlinien setzt. Im übrigen geht diese Art Kritik am Kapital in die Richtung, die unter dem Link "Faschismus" auf dieser Website die faschistische Ideologisierung der SPD zeigt: Auch der NSDAP war das Kapital viel zu wenig national verantwortlich, wurde zuviel Geld am Fiskus vorbeigeschleust, wurden Ausbeutungschancen im besten Sinne, nämlich in dem der Größe der Nation, vergeigt.
"Anstand" war ein ganz, ganz großes Thema faschistischer Agitation, gerade weil die Faschisten ganz, ganz große Opfer dem Proletariat aufbürden wollten. Hitler selbst stellte sich bezüglich des Lumpenproletariats die Frage:
"Sind dies noch Menschen, wert, einem großen Volke anzugehören?" (Mein Kampf, S. 42)  Und im Sinne des Anstands, den der Bettler beherzigt, muß man behaupten, ja sie sind es! Sie sind zu genau denselben Anpassungsleistungen fähig, die Gabriels "Lumpenelite" kaum nötig hat, weil in und zwischen den Chefetagen Ellbogen allemal erfolgversprechender sind. In diesem Sinne bekennt sich die SPD gerade dazu, Ambitionen in Richtung einer faschistischen Arbeiterpartei zu haben, die wie die NSDAP auch das Kapital auf die Nation und deren Erfolg ausrichten möchte. 
(21.03.10)

Zölibat?

Das ist die Sonntagsfrage beim Allgemeinen Rotz Deutschlands (ARD). Gibt es nicht ganz andere Fragen, die vordringlicherweise auf die Tagesordnung gestellt werden sollten? Wann endlich werden die elendensten Heuchler der Nation, die katholischen Bischöfe ans Kreuz genagelt? Und soll man nicht all die Kinder schändenden Pfaffen an den Laternen aufknüpfen? Und wäre es nicht das Allerwichtigste im Sinne eines laizistischen Staates selber, diese dreckigen Pfoten aus den Bildungseinrichtungen zu entfernen, indem man der römisch-katholischen Kirche ihren gesellschaftlichen Sonderstatus entzieht? Doch gerade daran erkennt man ja die Heuchelei der Öffentlichkeit. Sie sucht lieber auszuweichen, leisezutreten, zu beschwichtigen, das Thema ins Unsachliche zu verlagern. Sogesehen ist sie nicht minder verantwortlich an all den kirchlichen Schweinereien. Aber das ist man ja gerne, wenn man dafür im Gegenzug seine Schlagzeilen hat!
(21.03.10)

Carla Bruni   --  KoKa AugsburgÜber eine eher dritt- als zweitklassige Sängerin:

Sie wurde  1967 in Turin als Tochter eines Großindustriellen und Opernkomponisten und einer klassischen Konzertpianistin geboren. Sie ließ sich auf der Flucht vor einer Roten Brigade im Alter von 5 Jahren in Frankreich nieder. Schon sehr früh nahm sie Klavier- und Gitarrenunterricht, auch komponierte sie Lieder, so ihre zahlreichen Tätigkeiten dazu Zeit ließen. Zunächst begann sie dann ein Architekturstudium, bevor sie Fotomodell wurde, das war 1985. Bis 1997 gehörte sie zu den begehrtesten Topmodels und wurde die Muse zahlreicher Modeschöpfer. Danach versuchte sie sich als Musikerin durchzusetzen: Was anfangs nach Erfolg aussah, stellte sich spätestens mit dem 3. Album als kolossaler Flop heraus. Begleitet wurde diese Flop-Karriere von einer ehelichen Liaison mit einem hochgehandelten politischen Aufschneider, dessen Anzüge es der modebewußten Sängerin angetan hatten. Er ist denn auch - wohl deshalb - in ihrer persönlichen Biografie gar nicht erst erwähnt. Sicherlich ein bißchen zu Unrecht.
Als Fazit kann hervorgehoben werden, daß es ein schwerer Fehler sein kann, seinen Eltern einfach nachzulaufen
und nachzueifern!
(15.03.10)

Die Stadt Augsburg weist auf Folgendes hin:
"Bereits zum dritten Mal veranstaltet das Europe Direct-Informationszentrum der Stadt Augsburg einen Europa-Malwettbewerb für Schülerinnen und Schüler (1. bis 13. Klasse). Sie sind dazu aufgerufen, sich kreativ mit der EU und aktuellen EU-Themen auseinanderzusetzen. In diesem Jahr stehen den Kindern und Jugendlichen die Themen „Wachstum und Beschäftigung“, „Energie und Klimawandel“ sowie „Gegen Armut und soziale Ausgrenzung kämpfen“ zur Auswahl. Die Wahl der zeichnerischen Mittel ist frei, das Papierformat ist auf DIN A3 festgelegt."
Es ist kein objektives Urteil Über "Europa" anvisiert, sondern ein streng parteiliches: Die EU ist einfach super! Daß die EU Armut und Ausgrenzung hervorbringt, das ist zwar nicht zu übersehen, aber gerade deshalb kann man ja so tun, als wäre sie mit nichts anderem beschäftigt, dagegen zu kämpfen! Daß das tolle Wachstum zu immer weniger Beschäftigung und zu einer ziemlich radikalen Schädigung der Umwelt geführt hat, auch das sollen die Schüler malerisch ganz anders sehen! Aber vielleicht kommt ja auch ein Schüler auf die Idee, einen großen Scheißhaufen aufs Papier zu pinseln und darüber EU zu schreiben (uns am besten Deutschland gleich dazu, um nicht mißverstanden und in die national-alternative Ecke gerückt zu werden!). Die 60 besten Arbeiten sollen prämiert (mit der Unterstützung ortsansässiger Unternehmen! wow!) und in einer Ausstellung präsentiert werden.
(15.03.10)

»W
ir haben den Hunger satt!«
Mit diesem Titel geht das "Forum Eine Welt Augsburg" hausieren. Ein Forum bestehend aus ca. 20 Vereinen, überwiegend christlicher Art, aber auch
attac ist dabei, wie überall, wo es nach Politik riecht, aber natürlich nicht wirklich politich, schon gar nicht in kritischer Absicht, gedacht wird: Die Gründe für den Hunger  bleiben im Abseits.  An zu wenig Unterstützung liegt es jedenfalls nicht, wenn Jahr für Jahr mehr gehungert wird, vielmehr an der Art dieser "Hilfe"; ebenso konsequent im Abseits: Opposition gegen die Verantwortlichen für den Hunger: Weder eine Kampfansage an den deutschen Staat noch an das deutsche Kapital sind beabsichtigt. Vielmehr ein Schulterschluß mit der kapitalistischen deutschen Politik: "Kluge Entwicklungspolitik ist im Interesse aller Beteiligten! Richtig umgesetzte Kooperationen können sowohl den Not leidenden Menschen in den Entwicklungsländern helfen, als auch die wirtschaftliche Position der Geberländer stärken. Gerade der Exportweltmeister Deutschland muß ein klares Eigeninteresse daran haben, den wirtschaftlichen Erfolg der Entwicklungsländer zu unterstützen, Investitionssicherheit herzustellen und die Märkte der Zukunft zu erschließen. Darüber hinaus ist erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit fester Bestandteil einer vorsorgenden Sicherheitspolitik und kann wesentlich zum globalen Klimaschutz beitragen." so formuliert es z.B. der entwicklungspolitische Sprecher der CSU, Christian Ruck (auf eigener Website, Stand 06.03.10). Das deutsche Interesse fußt auf Hunger und Elend und deshalb ist gleichzeitige "Sicherheits"politik so notwendig! Daß damit eine Hilfe für die Menschen in den Entwicklungsländern verbunden wäre, ist eine interessiert vorgetragene, dicke Lüge, die auch nicht dadurch widerlegt ist, daß sie gebetsmühlenartig fast täglich wiederholt wird. Auf diese Lüge vorsätzlich hereinzufallen, macht sich genanntes Forum anheischig. Extra ärgerlich: Da macht man eine Veranstaltung zum Thema »Grundeinkommen« und was machen die Ignoranten von  attac kaum drei Monate später? Sie propagieren diesen Schwachsinn mit einer eigenen "Woche". Hauptsache man rennt bei der Politik offene Türen ein: Was macht es Spaß, wenn einem die Hartz IV-Parteien den roten Teppich ausrollen (ist dieser Wunsch gar der Vater des Gedankens?)! (06.03.10)

Stetten Institut Wand-Gemälde   --  KoKa AugsburgAlkoholisches
Selbstverständlich wird es einem deutschen, römisch-katholischen Militärbischof nie einfallen, etwas gegen den deutschen Afghanistan-Krieg oder sonst einen deutschen Krieg einzuwenden, ganz im Gegensatz zu einer protestantischen Bischöfin. Auch wird er nie in Gefahr geraten, alkoholisiert am Steuer erwischt zu werden. Nicht weil die römisch-katholischen Bischöfe nicht auch Schluckspechte - die ganze Menschheit ist bekanntlich ein einziges Säufergeschlecht! - wären, vielmehr deshalb, weil sie sich Chauffeure leisten. Sie achten allüberall auf den gehörigen Abstand zwischen Oben und Unten. Deshalb sind ihnen die aufgedeckten Sexaffären auch so peinlich. Und der protestantischen Bischöfin muß einfach vorgeworfen werden, daß sie die demokratisch-moralisch gebotene Distanz zwischen Führung und Untertanen vermissen läßt. Dies hat sie eingesehen und ist zurückgetreten. (06.03.10)

Roy Lichtenstein   --  KoKa AugsburgDali?
Roy Lichtenstein! Aristoteles und Schiller in einem Atemzug? Das geht doch auch nicht, liebe Schüler und Schülerinnen des Stetten-Instituts! Aber immerhin: Newton und Einstein könnten einigermaßen zusammenpassen. Ach so, tausendmal sorry, ihr wolltet das ganze Spektrum eures Wissens namentlich darstellen, das ihr an dieser eurer Schule schon erworben habt? Na dann könnt ihr ja mal loslegen! Vielleicht so wie die 12-jährige Filine Heinmold, die mit ihrem autobiografischen Romandebüt einen echten Kracher vorgelegt hat. Ihr Buch strotzt nur so von sexuellen Eskapaden, ersten Drogenerfahrungen, aber vor allem: unerfüllbarer Sehnsucht! Ein verdammt verruchtes Buch mit unerhörten Detailkenntnissen, die einen Schiller zum Waisenknaben herabwürdigen. Das ist Kultur, das ist wahre Bildung und nicht bloß Bildung als Ware! Die taz veröffentlicht in räuberischer Manier einen Vorabdruck, der kein Auge trocken läßt....
(Und der vor allem die Mathe-Hausaufgaben endgültig vergessen läßt! Scheiß doch auf den Thales!)
Übrigens: Das Gemälde eures Künstlers hält dem Original durchaus stand. Weitere Msiterwerke - sei es Bild oder Text - aus eurem Hause harren der Veröffentlichung an diesem Platze! (Geheimtip: KoKa erfüllt Sehnsüchte!) (24.02.10)


Das Wort zum Sonntag, äh, zum sexuellen Mißbrauch an Kindern durch solche, äh, na solche halt, die dem Bösen verfallen!
Die AZ hat nachgefragt. Schließlich werden die aufgedecktten Mißbrauchsfälle immer häufiger (jüngst: Hamburg: St. Ansgar-Schule; Bonn: Aloisiuskolleg; Schwarzwald: Kolleg St. Blasien; Berlin: Canisius-Kolleg u.a.). Freilich weiß man nicht so recht, ob man es dem im erzkatholischen Polen, in Chorzów, geborenen deutschen Militärbischof auf dem Augsburger Bischofsthron seine Entrüstung als ehrliche abnehmen kann. Denn Mixa versucht die Fälle zum überhaupt stattfindenden Kindermißbrauch ins Verhältnis zu setzen: "Seit 1995 gibt es in Deutschland 210.000 polizeilich registrierte Fälle von Kindesmißbrauch. Die Zahl der Fälle in kirchlichen Einrichtungen liegt dabei in einem verschwindend geringen Promille-Bereich. Das soll keinen einzigen Fall verharmlosen, rückt aber doch die tatsächlichen Verhältnisse ins rechte Licht." (AZ, 16.02.10, ebenso die folgenden Zitate). Er hat also den Imageschaden der römisch-katholischen Kirche scharf im Auge. Und überhaupt: Schuld an dem ganzen Desaster ist die "sexuelle Revolution": "Sexueller Mißbrauch von Minderjährigen ist leider ein verbreitetes Übel, das in vielfältigen Erscheinungsformen von der Familie bis zur Schule oder zum Sportverein auftritt [da kennt sich einer aber aus!]. Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig. Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt." Dem wirke die Tabuisierung der Sexualität durch die Kirche entgegen, die an dieser Stelle mal neu eingefordert werden kann und muß! Eine Tabuisierung, die im Zölibat für Priester seinen institutionellen Ausdruck findet, weshalb das Zölibat nie und nimmer mit einem mitunter im Kindesmißbrauch kanalisierten Ausbruch der Sexualität aus ihrer geforderten und gewählten Unterdrückung - die natürlich auch anderswo, in einer Ehe etwa, vorkommen kann - zu tun haben kann: "Die zölibatäre Lebensweise von Priestern hat mit dem sexuellen Mißbrauch von Jugendlichen überhaupt nichts zu tun." Warum? Weil "führende nicht-katholische Experten" - Gott sei Dank! - keinen Zusammenhang erkennen konnten (oder wollten?). Als ob der Zusammenhang ein quasi automatischer wäre!
Zervos Petros   --  KoKa AugsburgUnd: "Der ganz überwiegende Teil der entsprechenden Sexualstraftaten wird von verheirateten Männern, oft im verwandtschaftlichen Umfeld der Opfer, begangen [zwar offenbar nicht von Leuten, die freier Sexualität anhängen, aber was tut's hier zur Sache!]. Zölibatär lebende Priester sind in der Regel sexuell völlig normal orientiert, verzichten aber in der Nachfolge Christi in einer bewußten Entscheidung auf Ehe und Sexualität." Gäbe man das Zölibat auf, dann erst würde ein Sodom & Gomorrha auf Erden herrschen! "Zipfel ab" - diese alte, ultrafeministische Idee wäre zwar eine Idee für die Glaubwürdigkeit der Kirche, aber wer weiß, wie sich dann die Sexualität Geltung verschafft? Im Ansehen von Kinderpornos? Würde da die Kirche ein Auge zudrücken? Ach, das tut sie eh schon?
[Karikatur von Pétros Zervós: So klar das Ziel eines Gottesfürchtigen ist, so weit entfernt ist es oft.] (16.02.10)

Gib mehr von deinem heiligen Geist, Sankt Guido!

Fast täglich versucht sich ein Politiker - egal ob auf kommunaler Ebene oder Bundesebene - öffentlich in Szene zu setzen. Mit der dafür nötigen Dummheit schickt er sich an, sich der interessierten Öffentlichkeit für wichtige staatliche Ämter und Aufgaben vorstellig zu machen. Diese greift in Berichterstattung und Kommentaren die vorgetragenen Äußerungen genüßlich auf. Schließlich ist das ihr täglich Brot und nichts ist leichter, als so die Seiten neben den Anzeigen zu füllen.  Aber nicht nur das. Sie fühlt sich in der Weise der Nation und ihrem Fortschritt verantwortlich, daß sie es nicht lassen kann, bezüglich der Auswahl und Qualifikation der Politiker ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.
Soll man da überhaupt der Sache nach, die in jenen Äußerungen angesprochen wird, einsteigen? Ist von einem Vertreter des politischen Arms des Kapitals schlechthin, der FDP, etwa etwas anderes zu erwarten als rassistische Äußerungen bezüglich "Leistungsträgern" und "-verweigerern" in der Gesellschaft? Ist das Echo der konkurrierenden Parteien um einen Deut besser, wenn sie die verbliebenen Reste des Sozialstaats als dessen Gütesiegel preisen? Merkt man nicht SPD-Politikern mühelos an, wie sehr es ihnen stinkt, daß sie nicht mehr in der Regierung sind und die "sozial Schwachen" - für deren rapides Anwachsen sie zum Gedeihen der Nation eigenhändig gesorgt haben - gerne nach wie vor selber verarschen möchten - dies also, da sie sich ja ob diesem Klientel geradezu selber verleugnen, mitnichten den Herren von der FDP überlassen möchten? Fürchtet ein CSU-Seehofer nicht mittlerweile auch um die dümmsten Bauern, also die, die bislang zu ihrem eigenen Schaden seiner Partei noch die Wählermehrheit in den ländlichen Regionen gesichert haben, und ist deshalb für jede Agitationsvorlage der politischen Konkurrenz dankbar?  Usw. usf.
Und überhaupt! Hätte man es nicht schon längst wissen können, was für ein Geistesriese Guido Westerwelle ist? Fällt einem zu dessen Äußerungen überhaupt noch etwas ein? Und wenn ja, macht man sich dann nicht so lächerlich wie der AZ-Kommentator, der aus ihnen die ganzen Probleme ableitet, vor denen die deutsche Nation steht bzw. angeblich stehen soll (AZ v. 13.02.10)?  (Als ob sich solches Gedankengut für jeden nationalbewußten Fachmann - und wer wähnt das nicht zu sein? -  nicht von selber verstünde!) Will man sich also einmischen, wenn Politik und Presse sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, so, daß sie sie gegenseitig auch garantiert auffangen können? Will man dabei den Spaßverderber spielen und allen Ernstes ein Foulspiel pfeifen?
Doch manchmal kommt Rettung von dort, von wo man sie sich eigentlich nicht erwartet. In Rußland ist man zu einer neuen Methode übergegangen, politische Sprücheklopfer zu entzaubern, einer Methode, die jenen adäquat  zu sein scheint. Man befragt Sternendeuter über solche Politiker. Und siehe da, einer von den so Befragten profezeite Fräulein Timoschenko ein bitteres Jahr und auch ein gewisser Sackarsch Willi (oder so ähnlich) werde heuer alt aussehen. Und wenn der deutsche Außenminister die Beziehungen zu Rußland weiter so schleifen läßt, dann - das sei hinzuzufügen gewagt -, dann hat er auch bald ganz, ganz schlechte Karten. - Weise Russen haben es offenbar glatt geschafft, ein altes römisches Sprichwort vom Kopf auf die Füße zu stellen: Per astra ad aspera!
Das Publikum? Ist bestens unterhalten. In seiner Zuschauerrolle ebenso hofiert wie in seinem sowohl privaten wie prinzipiellen Durchblick. Wählen tut es nächstes Mal die, die garantiert gute Karten haben! Darauf ist Verlaß; das tut es nämlich immer (wieder). (15.02.10)

Brecht-Festival
Gestern fand eine Diskussion statt, "Brecht und die Zeitung". Nicht uninteressant, aber auch nicht besonders erkenntnisreich. Daß Brecht dichten wollte und mit Dichtung Geld machen wollte, daß damals die Zeitungen noch offenere Blätter für Literatur waren und daß Brecht als Jugendlicher - es ging im wesentlichen um die Zeit zwischen 1914 und 1918/20 - unverfroren genug war, seine Aufzeichnungen den Zeitungen anzubieten, all das war zu hören. Der Erfolg bestärkte ihn in seiner Gewitztheit und Originalität ebenso wie in seinem Streben nach Höherem.
Für Prof.  Jan Knopf war Brecht übrigens kein Kommunist, wobei er die übliche demokratische Gleichung DDR = Kommunismus unterstellte. Daß die DDR Brecht für sich vereinnahmem und zurechtbiegen wollte, ist  ja auch nichts Neues.  Außerdem wurde in Abrede gestellt, daß Brecht im Westen und speziell in seiner Heimatstadt vernachlässigt wurde. Nun, er wurde fleißig im Theater aufgeführt, aber eben auch auf das reduziert, ansonsten wurde er in neuerer Zeit für seine Kommerzialisierung entdeckt. Für die eine Stunde Podiumsdiskussion mußte man übrigens geschlagene 8 Euro Eintritt zahlen, wobei man sagen muß, daß hier immerhin noch 3 Brecht-Experten zum Thema redeten. Am Sonntagabend findet eine Politikerdiskussion statt, für die gar 12 Euro berappt werden müssen. Fragt sich nur, wer Antje Vollmer (ausgerechnet diese Moralschachtel!), Thomas Goppel,  Leutheusser-Schnarrenberger und Franz Maget hören möchte, haben sie doch schon ansonsten zur Genüge bewiesen, daß sie nichts auf der Pfanne haben - wären sie ansonsten Politiker geworden? -, warum sollten sie also ausgerechnet über Brecht was Richtiges und Wichtiges verlauten lassen können? (07.02.10)

Politische Kultur
Was das ist, das wissen demokratische Parteien landauf landab zu zelebrieren: Personalquerelen, Intrigen, Gerangel um Macht  und Einfluß, Seilschaften, Wasserträger, Führungsfiguren - um nur einige der schönen Bezeichnungen zu nennen, die das demokratische Leben in seiner Eintönigkeit so vielfältig machen.  In der Demokratie ist die Partei DIE LINKE spätestens jetzt endgültig angekommen; Gysi hat den Geschäftrsführer geschaßt, weil der nicht daran dachte, eine integrative Rolle in der Partei zu spielen. Aber warum sollte das auch einer, der begriffen hat, wie Demokratie geht? Nun hat er dummerweise einen Machtkampf verloren und bekommt sofort ein Angebot von der SPD, die solch schweinische Typen zu schätzen weiß: Typen, die Ellbogen haben und sich durchsetzen wollen, die - wenn sie trotzdem verlieren - der eigenen Partei die Zunge herausstrecken und "Ätsch" rufen. In der SPD - das kann man mit Fug & Recht behaupten - ist die intrigante Art Bibel der Partei. - Ach so, DIE LINKE behauptet nun, sie wolle sich nunmehr wieder den politischen Inhalten zuwenden: Die sehen dann z.B. so aus:
KREISMITGLIEDERVERSAMMLUNG - JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG, Samstag, 16. Januar 2010, 14.00 Uhr Gewerkschaftshaus (Dachboden) – Am Katzenstadel 34 – 86152 Augsburg
Vorgeschlagene Tagesordnung:
1. Eröffnung und Begrüßung  - 2. Wahl der - Versammlungsleitung - Protokollführung - Wahlkommission - Mandatsprüfungskommission - 3. Beschluß über die Tagesordnung - 4. Rechenschaftsbericht des Vorstands a Entwicklung des KV Augsburg b Finanzbericht c Revision d Diskussion der Berichte - 5. Beschluß über die Billigung der Berichte a Entlastung des Vorstands  - 6. Bericht der Mandatsprüfungskommission - 7. Wahl des Kreisvorstandes und der Finanzrevision - 8. Kreissatzung  -
[9. fehlt] - 10. Antrag der BO Augsburg Ost : Gründung Ortsverband Augsburg Ost - 11. Diskussion zur zukünftigen Arbeit - 12. Anträge und Verschiedenes (Antragsschluß: Freitag, 08.01.10, 18.00 Uhr);  voraussichtliches Ende: 19.00 Uhr
Also geschlagene 11 Tagesordnungspunkte und nicht ein einziges politisches Thema findet sich dort!  Aber warum über Afghanistan, Wirtschaftskrise, Gundremmingen etc. diskutieren, wenn doch eh alles klar iat - zumindest für die GAMAZ (größten anzunehmenden Moralisten aller Zeiten)? (16.01.10)

fantasma --  KoKa Augsburg Das Gespenst des neuen Kommunismus: Steuern
Von alters her waren bekanntlich die Griechen die Vorreiter abendländischer Zivilisation. Die noch ziemlich neue griechische Regierung steht vor dem - sowohl von der EU herangetragenen wie von ihr selber geteilten - Anspruch, die Staatsfinanzen zu sanieren. Das heißt, sie muß Steuern und Abgaben eintreiben, vornehmlich bei denen, die eh kaum etwas haben, weil man die Leistungsträger bekanntlich schonen muß. Nun hat das Staatsdefizit solche Ausmaße angenommen, daß selbst die Reichen nicht verschont werden können, was bei ihnen natürlich postwendend den Aufschrei gebiert, der Staat wäre auf kommunistischen Abwegen.  Ja, dieses Szenario hat die BRD im wesentlichen noch vor sich. Einstweilen sind schon mal die Ansprüche auf Steuersenkungen bei den Reichen in "sozialistische" Gefahr geraten.
So wenig wie irgendjemand von einer Klassengesellschaft reden will, so sehr bemüht man die Gleichung der Bourgeoisie, nach der Staat = Sozialismus ist. Pervers, ja, aber völlig normal angesichts der geistigen Verwahrlosung, die ebendiese Kreise betreiben und für "Bildung" verkaufen. Dafür halten sie sich dann z.B. einen Hans Werner Unsinn.
Die Regierung selber beschließt ein Wachstumsförderungsgesetz, um es ihren Lieblingen recht zu machen, und handelt sich prompt - statt überschäumendem Lob - den Vorwurf ein, sie hätte kein richtiges Projekt, keine Agenda 2020, wo doch die Agenda 2010 des Kanzlers Schröder ein solch geiler Erfolg war (so z.B. der Kommentator in der heutigen Ausgabe der
AZ)... bei der Verschärfung des Klassengegensatzes! Und darauf kommt es doch wohl mehr denn je an. Als ob der Staat als Sozialstaat kein Klassenstaat gewesen wäre, sondern purer Sozialismus...
[Abbildung: Titelblatt der ΓΑΛΕΡΑ 1-2010, "Das Gespenst des neuen Kommunismus - Steuern"] (11.01.10)

Brecht endlich entideolgisiert?

Thema des Brecht-Festivals, das vom 29.01. bis zum 10.02.2010 stattfinden wird, ist: Brecht & Medien, insbesondere auch Brecht & Film, Thema. Freilich nicht in dem Sinne, wie Brecht sich das vorgestellt hat:
Schlimmer ist, daß bei Meinungsfreiheit nie darüber geredet wird, wie man eine Meinung kriegen kann. Zuerst müßt' ich doch instand gesetzt werden, daß ich mir eine Meinung bilde. Wenn es aber Leute gibt, die dagegen sind und die Druckerpressen, den Nachrichtenapparat, die Schreiber und das Papier besitzen, nützt es mir nicht, wenn mir erlaubt wird, daß ich eine Meinung aussprechen darf. (Flüchtlingsgespräche, Ges. Werke Bd. 14, S. 1509)
Festival-Leiter Joachim Lang meinte nämlich, es gehe (ihm) darum, das Brecht-Bild von seinen ideologischen Verstrickungen zu befreien und zu zeigen, daß es Brecht zeitlebens hauptsächlich darum ging, als Künstler mit seinen Werken Vergnügen zu bereiten. Doch recht betrachtet verhält es sich genau anders herum, er wollte dem Publikum etwas klarmachen, ohne dabei auf  Lust und Lustigkeit zu verzichten. Aber Brecht verstehen zu wollen, hieße seine Inkompatibilität zur kapitalistischen Gesellschaft festzustellen und überdies sein Dilemma, in das er sich damit begab, beim (ideologisch festgelegten) Publikum landen zu wollen.  Die Gunst der Stunde, den manche "Revolutionäre" sehnlichst erwarten, verlegte Brecht  in den Raum des Theaters, um die Wartezeit zu verkürzen. Verlängert hat er damit freilich nur den - wenn man so will: realsozialistischen - Opportunismus gegenüber dem Publikum, der darin besteht, diesem keine schlechten Seiten nachsagen zu wollen; wonach jeder Brecht-Konsument also schon als ein (zumindest halber) Revolutionär betrachtet werden kann. Gegen eine solche Vereinnahmung möchten sich bürgerliche Theaterärsche natürlich nicht zu Unrecht verwahren. Da sie allerdings nicht die Brechtsche Logik begreifen wollen, tun sie das in der Art, in der sie Brecht für sich beanspruchen. Zu diesem Zweck wollen sie, wie Lang meint, ihn "entideologisieren". Sie möchten Brecht ebensowenig Böses (= Sozialistisches) nachsagen, wie dieser darauf beharrte, sein Publikum nicht zu beschimpfen. Diesbezüglich war Handke geradezu revolutionär, als er über die herzog, die auch das neue Brechtfestival anzuziehen gedenkt. Und für die Frasen gedroschen werden, die nicht ernstzunehmen sind. Würde man nämlich eine Entideologisierung ernstnehmen, würde das nicht  zwangsläufig zu der harschen Kritik am so großartigen demokratischen Kapitalismus führen, an der Brecht im großen & ganzen gescheitert ist und der sich nunmehr so stolz über ihn erhebt? (05.01.09)

Obama Kasperl Augsburger Puppenkiste  --  KoKa AugsburgObama sings the blues
Bei seinem Auftritt anläßlich des Kabaretts 2010 in der
Augsburger Puppenkiste. Zum Gipfeltreffen mit Kasperl kam es allerdings nur hinter den Kulissen. Auch ansonsten viele gute Jokes, die einen Besuch lohnen - mehr sei an dieser Stelle gemeinerweise nicht verraten. Allein die Musik diesmal weniger rockig als gewohnt. (06.01.10)

Alfred Hrdlicka  --  KoKa AugsburgAlfred Hrdlicka
ist heute in Wien verstorben. Vielleicht einer der letzten, für den Kunst ein Mittel der Kritik an den herrschenden Zuständen war. Ein epochaler Meister trotz oder gerade wegen der kapitalistischen Umstände. Hier noch ein letztes
Interview mit ihm. (05.12.09)

Fragen zur Hofberichterstattung »made in Germany«
Kürzlich war in der pluralistischen deutschen Einheitspresse (AZ, SZ, FAZ etc.) auf Seite 1 ein Farbfoto zu sehen, das Verteidigungsminister Von & Zu Dingsbums in properer Pose zeigt, inmitten von Bundewehrsoldaten in einem Transall-Transportflugzeug. Haben die Zeitungen wohl alle sehr geil gefunden. Es wurde als Foto der Deutschen Presse-Agentur kenntlich gemacht. In der taz, in der das Bild klein und in schwarz-weiß auf einer der hinteren Seiten zu sehen war, erfuhr man dann, daß das Bild ein Reuters-Fotograf geschossen hat, also offenbar von dpa mit sämtlichen Rechten eingekauft worden war. Ob und wie sich das für dpa rechnet, ist deren Sache.
Bedenklich scheint allein die Tatsache, daß die deutsche Agentur offenbar keinen eingebetteten Journalisten in einem deutschen Flugzeug mit Prominenz an Bord sitzen gehabt hat. Die britische Agentur aber sehr wohl. Sind deutsche und britische Journalisten etwa wechselseitig im Einsatz, um die Unabhängigkeit der Presse unter Beweis zu stellen? Und der deutschen Zeitungsleserschaft macht es nichts aus, wenn trotzdem oder gerade deshalb das veröffentlichte Foto mit dpa gekennzeichnet wird? (21.11.09)

zervos großmutter  --  KoKa AugsburgDie Märchen der Gebrüder Grimm
sind ihnen, wie man weiß, größtenteils nicht selber eingefallen. Ihre Leistung war es, aus verschiedenen Quellen stammende, mündlich überlieferte Erzählungen niederzuschreiben. Dabei haben sie, um der öffentlichen Moral zu entsprechen, sexuelle Inhalte einfach herausgekürzt oder aber verbrämt dargestellt, so daß die Obrigkeit keinen Anstoß nehmen und die Schriften so die Zensur umschiffen konnten.
Selbst heute noch ist es lachhaft, wenn man z.B. sieht, was auf YouTube von der deutschen Zensurbehörde kurzerhand dem Zugriff verweigert wird. Nebenstehender Komik von Pétros Zérvos erschien in Galera Nr.48, pikant dabei: Das ΓΙΑΓΙΑ;! (gesprochen Jaja), heißt übersetzt nicht Ja!ja! [Besorg's mir!], sondern schlicht und einfach Großmutter?! ....  Aber wer weiß schon, wie die Märchen seinerzeit unter Erwachsenen erzählt wurden, wo sie vielleicht gar keine Märchen waren, sondern echt erlebte Abenteuer, die von Mund zu Mund gingen?
Aus der Mutter von Hänsel und Gretel übrigens, so ist bekannt, wurde eine Stiefmutter, weil eine Mutter, die ihre Kinder verstößt, nicht in die moralische Landschaft paßte. So waren die Grimmschen Märchen denn ziemliche science fiction stories ihrer Zeit, an die nur die Kinder glauben konnten, ungefähr solange sie auch an den Nikolaus und an das Christkind glaubten.
(16.12.09 )

Blöd SonderausgabeBildungsstreik
Welche Frage ist die Richtige: Bildung für welche Leute? Bildung für welchen Zweck? -
Wie passen die beiden Fragen zusammen?
Wenn in der freien Marktwirtschaft Bildung dem Zweck der Geldvermehrung untergeordnet ist, indem sie ihm verpflichtet ist - und zwar auf Gedeih und Verderb aller ausnahmslos -, dann empfiehlt sich eine rigorose Sortierung: Da werden dann auch die Studenten sortiert, nicht nach Leistungsträgern und Nicht-Leistungsträgern, sondern nach potenziellen Leistungsträgern und Nicht-Leistungsträgern. Warum meinen denn auch so viele Studenten heutzutage, unbedingt Wirtschaftswissenschaften und Jura studieren zu müssen? Eben darum: Sie wollen sich  - wie andere über ihre reichen Eltern - schon mal durch die bloße Fachwahl als potenziellen gesellschaftlichen Leistungsträger qualifizieren und empfehlen, sie sind ganz im Sinne des gesellschaftlichen Systems berechnend....
[Wie sollte der rund 2500 Jahre alte Konfuzius dieses so weit fortgeschrittene System auch im voraus begriffen haben?]
Wer die Sortierung ernsthaft in Frage stellen will, muß das ganze System in Frage stellen und alle Anstrengung darauf richten. Das wäre mal eine Leistung, das jenes wirklich verdient hätte!
[Foto:
uniaugsburgbrennt]
(05.12.09)

Kapitalismus -eine Liebesgeschichte
Der Film von Michael Moore, der derzeit in den Kinos läuft, bewegt die Zuseher durchaus. Drastisch stellt Moore die real existenten Verhältnisse in God's own country dar. So weit, so gut. Aber auch nur soweit. Moore konstatiert angesichts dieser ungeheuerlich erscheinenden Tatsachen einen Widerspruch zwischen Marktwirtschaft und Demokratie sowie einen Widerspruch zwischen Unmoral (Gier) und Moral, Unrecht und Recht. Anstatt zu überlegen, wie beide Seiten zusammengehören, meint er, sie fielen auseinander. Er glaubt wohl tatsächlich (noch), ein System der Stimmabgabe, also eines damit gegebenen Verzichts auf Mitsprache, könne Staat und Wirtschaft in eine andere Richtung zwingen. Das ist ebenso grotesk, wie ihm die Zustände seines Landes erscheinen. Und auch der Punkt, der ihm einfällt, wenn er sein Land von heute betrachtet, gerät ganz schön daneben: Die historischen und (inter)nationalen Vergleiche mit dem antiken Rom, mit dem Japan und dem Deutschland der Nachkriegszeit, mit Präsident Franklin Delano Roosevelt, streicht jede Besonderheit ebenso durch wie jedes allgemeine Prinzip, nach dem Macht und (kapitalistische) Ökonomie ausgerichtet sind. So tendiert der Film dazu, Verschwörungstheorien Nahrung zu geben. Des weiteren kommen die Trittbrettfahrer der Krise, die dann herausgekrochen kommen, wenn es gilt, die Schäfchen in ihrer Armut einzufangen, leider uneingeschränkt gut weg, als da wären ein Bischof aus Chicago und ein letzter (Sozial)Demokrat aus Vermont. Ausgerechnet die, die den Armen Verzicht zu predigen wissen, weil sie längst ihren Frieden mit dem System gemacht haben! Und das erste Fazit über die wahnsinnigen Veränderungen unter Obama wirkt allenthalben allein dann großartig, wenn man die Hetze der Rechten, die ihn als Sozialisten und Verräter der USA hinstellen, ernst nimmt. Bei Goldman Sachs z.B. kann man zurecht alles viel gelassener sehen. Die Täuschungen des Volkes über die Regentschaft Obamas kommen den Herren der Wirtschaft sehr zupaß. Mit kleinen "Nachbesserungen", wie sie z.B. die Süddeutsche Zeitung (v. 25.08.09 in Übereinstimmung mit dem Wall Street Journal) anmahnt, wird man im Hause Goldman Sachs kaum weniger gut "leben", d.h. Geschäfte machen können. (22.11.09)

Dauerwelle
In ihrer Spießigkeit kann die AZ dem realsozialistischen Nord-Korea sogar etwas abgewinnen und einen Kurzbericht der Rodong Simmun unkommentiert einfach so aufschreiben: "...Für Frauen im 'revolutionären Zeitalter' wiederum schicke es sich nicht, ihr Haar 'offen und wirr' zu tragen. ... Für Frauen mittleren Alters seien dauergewellte Haare angemessen. ..." Dauerwellen sind so ewig gestrig, wie AZ und nord-koreanische Presse es eben gerne sehen. Anstandswauwaus des "korrekten Lebensstils" unter sich! (20.11.09)

Depression

heißt mit einem deutschen Begriff: Niedergedrücktheit. Dabei stellt sich sofort die Frage: Wodurch ist jemand, der sie hat, niedergedrückt. Enkes Hausfrau hat »es« so ausgedrückt: "Ich habe gedacht, wir könnten »es« schaffen." Aber, verdammt noch mal, was ist dieses ES bloß. Es gibt Leute, die an dieser Stelle nicht weiterdenken wollen; hierzu gehört die ganze bürgerliche Presse, die schreit: "Krankheit!" Aus basta!
Nun kann einen eine Gurkentruppe wie Hannover 96 ja in der Tat ganz schön niederdrücken. Aber daß man sich selber vor die DB schmeißt? Wenn ja, dann liegt auf alle Fälle ein extremer Fall von »Schraube locker« vor, zumal wenn man einen millionenschweren Vertrag in der Tasche hat. Und ungezählte andere schmeißen sich doch auch fast täglich vor die Züge, freilich ohne daß die Medien ein Aufheben davon machen. Das wäre ja schon Gesellschaftskritik mit harten Tatsachen.
In der Tat: Es ist vielmehr das System, das einen auf die ein oder andere Weise niederzudrücken vermag und das man auch zu zweit nicht besser aushält. Wie und warum, das steht in einem Psychologiebuch, das hiermit mal wieder aus dem Schrank geholt zu werden sich lohnt, wenn man es schon hat - und ansonsten einfach kaufen, da spart man sich dann auf alle Fälle mal schon eine solche Quatschzeitschrift wie Psychologie heute (mit dem Sonderheft "Depression"). (16.11.09)


Dienstmädchen?

Wenn der Sohn einer Mutter durch seine Werke unsterblich wird, fällt dessen Licht auf seine Mutter zurück. So jedenfalls reimt sich der bürgerliche Verstand dessen Größe genetisch - um nicht zu sagen: rassistisch - zusammen. So hat man sich in der bürgerlichen Literaturwissenschaft Brechts Mutter wohl als eine Art Bundesfamilienministerin vorgestellt, also mit zeitraubendem Job, mit etwa 7 Kiddies und trotzdem alles allzeit im Griff. Doch welch' Überraschung! Brechts Mutter hatte Depressionen! Das ergab ein nunmehr vom Leiter der Brecht-Forschungsstätte, Jürgen Hillesheim, ausgewertetes Notizheft der Sophie Brecht. "Stets habe sich die Mutter trotz mehrerer Dienstmädchen über die Hausarbeit beklagt, ihr Frühstück im Bett eingenommen." (Stadtzeitung, 21.10.09) Ja, wenn das nicht die leistungsfeindliche, sozialistische Veranlagung des Sohnes erklärt, der trotz dieses Handicaps mütterlicherseits, verdammt gute Gedichte schrieb! Ist das Leid nicht existenzieller Bestandteil des Lebens - und nicht etwa des Kapitalismus - mit dem man einfach fertig werden muß, soll und kann, wenn man nur versteht, richtig damit umzugehen? Die Überführung romantisierten Leids in Dichtung, das geht schwer in Ordnung, jedoch nicht eine Ableitung in die Notwendigkeit einer Kritik herrschender Verhältnisse.
Wie gut paßt es freilich, daß Bertolt bei der Beerdigung seiner Mutter nicht zugegen war [laut eigener Aussage hat er sie auf seine Weise geliebt, sie aber wollte auf die ihre geliebt werden]. Hillesheim dazu: "Brecht wollte einer Drucksituation entfliehen." (ebenda) Offenbar, so der Gedanke, wollte sich Brecht von der Lethargie und den Depressionen seiner Mutter so fernhalten und nicht auf ebensolche Weise ins Grab gezogen werden; er hatte ja Größeres vor (sich): Seine Emanzipation von seinen proletarischen Wurzeln, seinen Aufstieg in den Himmel des Bürgertums und dessen Theaters...
"Nochmals für den Kauf der Schriftstücke bedankte sich Hillesheim bei Bürgermeister Peter Grab." Bei diesen bahnbrechenden Forschungsergebnissen fällt sogar ein kleines Licht auf den Kulturreferenten... (01.11.09)

Deutscher Saubermann - deutscher Konzern

Der schmierige Siemens-Konzern verpflichtet den auf seine Weise ebenso schmierigen Joschka Fischer als Berater. Konzern und Ex-Politiker bauen gleichermaßen auf Skrupellosigkeit für deutschen Welterfolg. Und der entzieht sich jeder Geschmacksfrage - welch ein Glück aber auch! (24.10.09)

Das Ende des Kommunismus
paßt dem freien Westen auch wieder nicht so recht. Da sieht er sich in Form seiner freien Presse zum hundertsten und tausendstenmal veranlaßt, ihn totzuschreiben: Stefan Kornelius z.B. in der Süddeutschen Zeitung (01.08.09) entdeckt ihn allen Ernstes ausgerechnet aus Anlaß einer Wahlniederlage, und zwar der der KP Moldawiens! Daß diese forsche Entdeckungsmethode System hat, zeigt auch die Verleihung des Literaturnobelpreises an Herta Müller. Zu mehr als blankem Antikommunismus taugt deren Beschreibung damaligen Elends (der Banater Schwaben) nämlich nicht: Kritik im und für den freien Westen buchstabisiert sich nämlich allenthalben zweisilbig: erstens moralisch und zweitens antikommunistisch. Von den politischen Umständen und Maßgaben, unter denen das Elend zustandekam, wird gekonnt abstrahiert. Ja, in derartiger Weise ist das wirklich große Kunst. Und wer den Roman Atemschaukel nicht kennt, kann ja über seinen Inhalt mal kurz nachlesen. Stilistisch besser als Solschenizyn (was ja nun wirklich keine große Kunst ist), inhaltlich ähnlicher Mist. (15.10.09)

Urlaub = Reproduktion
Eine Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Arbeitskraft im Kapitalismus! Wie wenig daraus ein Genußerlebnis wird, liegt darin, daß manche dafür gar nicht mehr fähig sind, so kaputt hat sie das schöne Wirtschaftssystem der Demokratie gemacht. Und der anderen Seite kommt es ja auch nur darauf an, den menschlichen Wracks die letzten Groschen aus der Tasche zu ziehen. So sehen sie dann aus, die all-inclusive-Pauschalurlaube von TUI & Co. Kein Wunder, daß so mancher genervt aus dem Urlaub wieder zurückkommt. Wirklich Zeit, daß die Wissenschaft die sogenannten Nachurlaubsdepressionen aufarbeitet! (14.09.09)
Michelangelo Madonna mit Kind Brügge  --  KoKa Augsburg
Zurück ins Mittelalter
Daß der Kapitalismus mit seinen atavistischen Zügen die
Süddeutsche Zeitung dazu veranlaßt hat, auch am Mittelalter allerhand gute, fortschrittliche Seiten zu entdecken, mag allein die überraschen, die das Blatt für etwas Besseres halten. Denn daß es dem heutigen SZ-Feuilleton bloß darum gegangen ist, festzustellen, daß es ohne Mittelalter keine Neuzeit und ohne Neuzeit kein Mittelalter gegeben hätte, wäre dem gebildeten Blatt gegenüber eine unglaubliche Unterstellung. Wie anders ist es auch zu verstehen, daß die kulturbeflissenen Zeitungsmacher in der gleichen Ausgabe Kult-Trottel Kehlmann in extra hervorgehobener Weise so zitieren: "Wie, wenn die Hexenverbrennungen berechtigt waren?" Und da das Mittelalter seine positiven Auswirkungen nicht nur in die frühe Neuzeit hinübergerettet hat, sondern auch in die späte, hat man glatt noch die fiese Visage des Konrad Adenauer dazu ins Bild gesetzt ("gute Gesichter"). SZ-Niveau eben. (04.09.09)

Brecht
kennt jeder, zumindest dem Namen nach. Ansonsten besteht auch bei ihm sicher Nachholbedarf. Noch immer liest man in den Schulen vorzugsweise Goethe und Schiller, als ob diese Moralheinis uns heute noch was zu sagen hätten. Aber gut, Kultur wird wie in vordemokratischen Zeiten von oben verordnet und man darf sie sich nicht einfach raussuchen. Wer aber Brecht schon kennt und weitere (zumindest ansatzweise) gesellschaftskritische Schriftsteller kennenlernen möchte, dem seien diese Hinweise auf
US-amerikanische Autoren der Zwischenkriegszeit empfohlen. (01.09.09)
Die Hüllen fallen gelassen
hat die Ausstellung plastinierter Körper, sogar die menschliche Hülle schlechthin, die Haut. Darüber sich aufzuregen, ist an sich absurd, auch dann, wenn die Körper im Geschlechtsakt angeordnet sind.
Plastinierte Körper, man kann an ihnen sowohl das Künstliche, ihre Plastinierung als solche, wie das Natürliche, ihre pure Menschlichkeit hervorheben. Beides ist - sowohl getrennt als auch auf die ein oder andere Weise vereint - in der Menschheitsgeschichte seit Alters her Gegenstand distanzierter wie involvierter Befassung und macht seine Anziehung aus. Es ist mehr als dämlich, zum Zwecke der Verurteilung in den ausgestellten Gegenständen allein Kommerz zu wittern, wie es die Augsburger Allgemeine tut, als ob ausgerechnet sie Kritiker des Kommerzes wäre (und gegen überregional bedeutsame Messen und Ausstellungen, die Augsburg zu einem Magneten alllgemeinen Interesses machen, hat sie ja sonst auch nichts)! [Großes Gelächter!]Ob J.C., am Kreuze hängend, wirklich einen »Lendenschurz« getragen hat, man weiß es nicht. Ob sein Flittchen, Maria Magdalena, den so Hängenden, noch einen zu blasen versucht hat oder ihm in Ermangelung erreichbar Höherem wenigstens noch den Schwanz geküßt hat, man weiß es nicht. Es würde auch nichts am Los des »Herrn« ändern. Ändern würde es allein etwas an seiner Mystifizierung, an der Behauptung nämlich, daß mit ihm die moralische Integrität schlechthin in die Welt gekommen sei. Dabei ist gar nicht bestritten, daß J.C. als wandelnder Moralist sich betätigt hat, das taten und tun viele, manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg. Was das institutionalisierte Christentum dann aus eben diesem J.C. gemacht hat, ist genau diese Mystifizierung, der mit Beginn der Neuzeit der Lack abzublättern begann. Es sei an Michelangelo erinnert, der der erste war, der die Madonna mit dem Kinde in all ihrer fraulichen Natürlichkeit dargestellt hat, ihr also das Göttliche genommen und gewissermaßen gleichzeitig zurückgegeben hat (zu sehen in der Liebfrauenkirche zu Brügge; ca. 1501/4, siehe Abbildung). Mit der zunehmenden Kapitalisierung der Welt ging dann auch eine Veränderung des aufkommenden Naturalismus einher. So wurde zum Beispiel in der eben erst 100 Jahre alt gewordenen Stilrichtung des Futurismus, die Bewegung, die Dynamik, die Motorisierung des maschinellen Zeitalters explizit in die Darstellung aufgenommen. Der »Godfathe