Sexualverhalten der Jugend

Alljährlichen wird es erforscht, weil die Jugendforschung dem Staat wichtig ist, schließlich handelt es sich um das ihm zur Verwertung anheimgestellte Material, das ihm seinerseits fortpflanzungsmäßig zu Diensten sein möge - weder zu früh noch zu spät. Nun, früher war manches anders, also Verhütungsmittel noch nicht so bekannt und preiswert wie heute und der Staat somit weniger demografische Sorgen. Plimm schrieb damals folgendes:
" ... Klein Plimm mußte sich vor seinem Vater verantworten.
Es lag Klage gegen ihn vor.
Er hatte einen Ball durch ein offenes Fenster geschossen. Unglücklicherweise, als der Bäckermeister Laugenhuber mit Frau und Tochter Zenzi beim Essen saß.
Es hat furchtbar geplatscht — und die Suppe war verteilt. Leider nicht im Magen, sondern an den Kleidern. Klein Plimm verteidigte sich wie ein Minister: Zwar habe er den Ball geschossen, aber es war ein ganz, ganz winziger Ball.
Und mußte die Frau Laugenhuber bei geöffnetem Fenster ausgerechnet Suppe auf den Tisch bringen?
Bei Kartoffelküchlein wäre das nie passiert. Die spritzen nicht so wie Suppe.
»Es stimmt«, sagte der Vater. »Suppe spritzt tatsächlich mehr.«
Er war ganz stolz auf seinen so logisch denkenden Sohn.
Wie ein Politiker in der Fernsehsendung »Bürger fragen, Politiker antworten« auf sich selbst.
Die Lina Holdmännlein brachte — worüber Klein Plimm, der noch an den Storch glaubte, sehr staunen mußte — alle zwölf Monate ein kleines Holdmännlein zur Welt.
Nur einen Mann hatte sie nicht. Ihre Großmutter schlug die Hände überm Kopf zusammen und rief jedesmal: »Mädle, Mädle, was machsch denn?«
Die Lina sagte, sie mache nichts. Andere machten. Dagegen sei nichts zu machen.
Männer seien so.
Und jetzt, sagte sie empört, wolle man sie verantwortlich machen?
Oh, die Welt sei gemein!
Jeden Tag passiere ein Mord.
Ob man ihr vielleicht einen Mord nachsagen könne?
Oder Betrug?
Diebstahl?
Erpressung?
Leichenschändung?
»Hör auf, hör auf!« rief die Oma und nahm die Lina in den Arm. »Du bisch halt a guater Kerl!«
Dann machte sie der Lina eine Tasse Kaffee und sich selbst Vorwürfe.
Außerdem sprach sie für alle Babys zu sorgen, ging in den Hohen Dom und beichtete, daß sie so ungerecht gewesen war."
(03.09.10)

Augsburg Macau Las VegasAugsburg - Macau - Las Vegas

Letztes Jahr hat Macau, die chinesische Glücksspielstadt, Las Vegas an Umsatz überholt. Jetzt greift Augsburg an: Eine Spielstätte mit ambitioniertem Namen in Lechhausen hat sich hohe Ziele gesetzt. Wird Augsburg nun zum Wallfahrtsmekka der Glücksritter? (10.08.10)


Jean Stein: Konzert-Veranstaltungstips:
ACHTUNG ES GIBT ÄNDERUNGEN, weil die Ballonfabrik nicht rechtzeitig eröffnet: Auf Veranstaltungsplakate in Kneipen etc achten!

Do. 09.09. 2010,  Ballonfabrik, Austraße 27, Augsburg – erstes Konzert in der Ballonfabrik!
Burning Heads (Frankreich) Mix aus dub-punk-rock-reggae + support: Seit 1988 sind die Burning Heads in Frankreich als Band aktiv. Im Jahr 2010 begeistern sie mit einer gelungenen Fusion aus Reggae,Punk und Rock und kommen im September 2010 wieder auf Deutschland Tour. Im Gepäck haben sie ihre bereits 7 CD "Spread the Fire". Ihre erste CD produzierte Donnel Cameron von Bad Religion. 1998 unterschrieben sie bei Epitaph. Ihr Album "Escape" produziert von Jack Endino von Nirvana, gilt heute noch als legendär.
Do. 30.09. JEAN STEIN Offspace oder Ballonfabrik Augsburg

Nayekhovichi (Rußland/ St.Petersburg) Mix aus Klezmer mit Skaelementen, einige ihrer original Kopositionen sind in Yiddish, einige sind Soviet pop, und manche sind klezmerized rock
Nayekhovichi also known as Moscow Klezmer Trade Union or the Ultimate Klezmer Garage Band (UKGB) were founded in Moscow in 2004 by former guitar hero Vanya Zhuk. Exploring and exploiting their roots in Ashkenaz, Russian and Soviet traditions Nayekhovichi create a special sonic borsht.
+ Mäkkalä´s Trashlounge (Finnland) mit Clark Nova (Berlin) als langjähriger Tourbody von Nikki Sudden mit reichlich Erfahrung ausgestattet.
Clark Nova's Nikki-Suddengeschulter Lofi-Blues mit unüberhörbarem Alt.Country-Touch gepaart mit Mäkkelä's stets leicht verquerem Storyteller-Lofi-Pop finnischer Provenienz sorgte auf der ersten gemeinsamen Tournee im vergangenen Jahr für einiges an Aufsehen. Die reichlich unkalkulierbare Bühnenpräsenz – insbesondere bei den gemeinsamen Nummern – vereint schlicht großartiges Songwriting mit augenzwinkernder Spielfreude.
Do. 14.10. Ballonfabrik
FUO (Hamburg) - Freunden des Spannungsfeldes von Entertainment und Kunst  wird - dem mürben Trott des Immergleichen entgegnend – die Hamburger Band  FUO wärmstens ans Herz gelegt! Einerseits als verspieltes Quintett, andererseits als  Cut-Up-Montage-Trio und weiterhin gänzlich instrumental zugange, präsentieren sie im üppigen Gewächshaus zwischen Pop und Experiment gärtnernd: Swingende Rock-Avantgarde
Sa. 23.10. 
Jean Stein – off Space

Geoff Berner (Kanada)  GEOFF BERNER, der Whiskey Rabbi aus Vancouver / Kanada, hat im Herbst 2008 sein viertes Album „Klezmer Mongrels“ veröffentlicht. Seine 4-wöchige Solotour führte ihn sehr erfolgreich auf die unterschiedlichsten Bühnen – in Bars, Clubs, Varietés, kleine Theater, einen Bauwagenplatz, großen und kleine Festivals und in große Hallen als Support der norwegischen Kultband Kaizers Orchestra!
Daß Geoff Berner kein Vertreter der traditionellen Klezmerklänge ist, ist vermutlich bekannt. Durch die unorthodoxe Interpretation und nicht immer politisch-korrekten Texte kratzt er unaufhörlich an der schönen Fassade. Geoff Berner ist bissig und respektlos, ohne dabei verletzend zu sein. Seine Musik ist genauso Klezmer, wie sie Punk und politisches Songwritertum ist. Er bekennt sich offensiv zu einem musikalischen Erbe, dem ein Erneuerer wie Geoff Berner sehr gut zu Gesicht steht.
Mi. 3.11. Ballonfabrik
Alex Face (Schweden) Manche sagen Blues. Andere sagen Punk, Rock’n’Roll, Country oder Garage. Oder alles zusammen. Das Debutalbum Smell like a woman (auch auf Alleycat Records erschienen) wurde 2008 für den schwedischen Manifestpreis (Manifestpriset) nominiert  und nun ist also die Nachfolgeplatte Never been alright hier und wird mittlerweile auf dem öffentlich-rechtlichen schwedischen Radiosender P3  rauf und runter gespielt.
Do. 4.11. Ballonfabrik
SANTO BARRIO (Chile) SANTO BARRIO ist für Ihre lateinamerikanische Mischung aus Ska, Rock, Cumbia, mächtigen Bläsern und jeder Menge Percussion bekannt. Zudem schätzen ihre Fans die kritische Auseinandersetzung mit politischen Themen, die ihnen sehr am Herzen liegen. SANTO BARRIO hatten 2001 mit Ihrem 2. Album in Südamerika ihren großen Durchbruch und machten sich daraufhin das erstmal auf nach Europa. Alles in Eigenregie organisiert, spielten sie u.a. das "Festival de la Cultura Latinoamericana" auf dem Salvador Allende Platz in Hamburg. 2005 folgte ihre nächste Europa Tournee. Gut 8 Wochen waren sie auf dem europäischen Kontinent unterwegs, um ihr 3. Album Plan Maestro, welches via Übersee Records hier in 13 Ländern veröffentlicht wurde, vorzustellen. Angeheizt vom Erfolg dieser Tour und durchweg positiven Feedbacks kamen sie 2007 und 2009 erneut über den großen Teich. Mit neuer Platte im Gepäck kommen sie 2010 zurück.
Do. 11.11.  Jean Stein – off Space

"Serebrjanaja Svadba" Freak-Cabaret-Band aus Weißrussland
Eine musikalische Landstreichertruppe zieht durch die Lande. Jedes Lied ist eine Geschichte, jeder Auftritt ein Theaterstück an sich. Die Freak-Cabaret-Band "Serebrjanaja Svadba" ist nicht nur eine Musikgruppe – sie ist der reine Musikzirkus! Geige, Konzertina, Kontrabaß, Banjo, Posaune, Waschbrett, Tuba und Trompete begleiten den Gesang und das Schauspiel der Solistin Benka. Hinzu kommen die merkwürdigsten Inhalte der zahllosen mitgeführten Requisitenkoffer. Vor unseren Augen bereiten die Musiker einen überwältigenden, schillernden Cocktail aus einer guten Portion französischem Chanson und Bouffonerie, einigen Tropfenrussischer Volksmusik, lateinamerikanischem Straßenzirkus und Kabarett-Dixieland der 20-er Jahre.
Fr. 19.11.  Jean Stein – off space
Princes Chameaux (Frankreich) Nach ihrem ersten famosen Konzert in Augsburg im Jean Stein folgt nun nach wenigen Monaten gleich ein zweites. PRINCES CHAMEAUX gibt es jetzt knapp 7 Jahre. Das ehemalige Trio (seit kurzem sind sie zu viert) aus Paris, das in der musikalischen Tradition *Mano Negras*, bzw. deren Vorläufer-Band *Hot Pants* folgend auch erst in Metro-Stationen und unzähligen Bars und Kneipen aufgetreten ist, hat sich einen respektablen Ruf als explosive Live-Band mit herausragenden Bühnenqualitäten erspielt und ihr Bekanntheitsgrad in Frankreich ist stetig am wachsen. Sie sind erfrischend jung, ungestüm, mitreißend und liefern regelmäßig sehr energievolle Konzerte ab.
Fr. 26.11. Jean Stein – offspace oder Ballonfabrik
Les Fils de Teuhpu (Frankreich) 
Les Fils de Teuphu zu beschreiben ist schwierig: Vielleicht Babylon Circus treffen auf 17 Hippies und Cirqus Alfon? Schon eine Ahnung? "Ein präzise ausgetüfteltes System aus Bläsersätzen, Banjochords, Skabeats und Vocals […] Arabische und osteuropäische Einflüsse, dazu die Tradition des eigenen Landes gepaart mit südamerikanischen Rythmen. Interkontinentale Liebesbeziehungen der tanzende Art". "Wer einen Spaten mit zwei Nylonsaiten bespannt und diesen als Kontrabaß benutzt, wer auf Riesenmuscheln Rocksoli intoniert oder mit einer Posaue scracht, der muß jegliche Rock- und Konsumstandards ignorieren können … und ziemlich verrückt sein."(HNA 04/2006)
(alle diese Veranstaltungstips außer KoKa-Gewähr)

Der alte Marx als Ware Film

Was macht Ihr Filmprojekt, in dem sie Karl Marx spielen möchten?
Mario Adorf: Seit 5 Jahren versuche ich, das zu realisieren. Eine Geschichte über die letzte Reise des alten und kranken Marx nach Algier soll als Grundlage dienen. Das Treatment, das ich mit Michael Verhoeven geschrieben habe, wurde vom zuständigen Fernsehredakteur bisher mit der Begründung hinausgeschoben, das Publikum wisse nichts über
Der alte Marx als Ware Film

Warx [ein Wunder bei all dem TV-Quatsch?]. Man müsse den ganzen Marx zeigen, auch den jungen, den Filosofen, den in London unter ärmsten Umständen lebenden, und nicht nur den alten Marx. Aber gerade das finde ich für mich richtig und spannend.
Der alte Marx als Gegenentwurf zu Schuckert, Hansen und Co. - und ihr Beitrag zur Krise des Kapitalismus?
Mario Adorf: Ich sehe das nicht als weltanschaulichen Film - wobei natürlich vorkommt, wie genau Marx die Finanzkrisen schon damals analysiert hat. Er war aber auch ein ewig Verfolgter, der nicht nur in Deutschland unter der politischen Macht gelitten hat. Und so möchte ich ihn auch zeigen.
(Aus: mobil, dem DB-Magazin, August 2010)
Preis-Angebote über eine Verfilmung von KoKa in 100 bis 150 Jahren können bereits heute diskret abgegeben werden. 
(10.08.10)

»Testen Sie Ihr Hirn!« (neue Serie der Blödzeitung)

Da haben wir stattdessen doch mal das Hirn dieses Blattes aus dem Hause Springer untersucht: Der Befund: Es ist mit dem Anziehen einiger lockerer Schrauben nicht getan. Es handelt sich um einen - deutschem Nationalismus geschuldeten - totalen Dachschaden. Wenn wir nicht so gemein wären, würden wir Blöd mit einem Gnadenschuß erlösen. So muß es freilich weiterhin sein bekacktes Hundeleben fristen und beim deutschen Proletariat um Mitleid lechzen... (10.08.10)

Gedicht von L. Marco (um 1900)


L. Marco


Mel Ramos 1965Mel Ramos

Derzeit läuft (bis 03.10) eine Ausstellung diese Protagonisten der Pop-Art in der Villa Stuck zu München (die man sich ohnehin mal angesehen haben sollte). Was dabei verwundert ist weniger die oberflächliche Betrachtungsweise der Presse - da macht die AZ (v. 29.06.) keine Ausnahme - als die eines Typs, der sich anheischig machte, Besucher sachkundig durch die Ausstellung zu führen. Alle sprechen sie Ramos jegliches kritisches Element ab, einzig und allein in der Funktionalisierung der Kunst für die Werbung erblicken sie sein Quidproquo. Dabei kann man den nackt posierenden Damen etwas ganz anderes entnehmen: Nicht alle werden mit einem Markenartikel dargestellt. Doch ihnen allen scheint etwas zu fehlen: Und das ist in der fehlenden Kleidung symbolisiert: Ob das die angepriesenen Produkte der kapitalistischen Warenwelt bieten können, ist sehr die Frage. Allzu offenkundig ist dies bei Produkten, die Frauen wohl am allerwenigsten kaufen: Eine Zündkerze, ein Autoreifen (nicht in der Ausstellung), aber auch eine Cohiba-Zigarre - und bei Produkten des täglichen Gebrauchs wie Zahnpasta, Zigaretten, Obst und Käse [dieser ohne Markenname!] erscheint solcherart Werbung sowieso grotesk, ist also als solche gar nicht ernstzunehmen. Ob die in die Kunst aufgenommenen Produkte für die Herren der Schöpfung ein Mittel zum Ziel sind, die begehrenswert erscheinenden Damen zu ereichen, entscheidet sich am nötigen Kleingeld, wenn überhaupt. In den Produkten scheint sich eher die Illusion zu manifestieren, solcherart hübsche Damen erreichen zu können.
Noch eines wird überdeutlich: Das, was die Werbung suggeriert, das läßt sich nur schwerlich auf den Menschen übertragen.
Die ins Abstrakte übergehende Gestaltung der Figuren scheitert immer wieder an der unverwischbaren Natürlichkeit der Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke. Oder aber sie führt, konsequent verlängert, zu einer unappetitlichen Verzerrung in Form von science-fiction-Figuren wie Batman. (05.08.10)

Finanzmetropolen-FAZkes

Ausgesprochen gerne schauen die Meinungsmacher der Bourgeoisie in ihrer Finanzmetropole am Main auf die deutsche Provinz herunter. Allzugerne spricht man anderen alles ab, was man selber gerne für sich beansprucht. Umgekehrt, umgekehrt: Wenn andere etwas aufweisen, was man in der Bankenstaat nicht hat, dann ist es den Schnöseln der FAZ nichts wert. Beispiel Eishockey: Nicht nur, daß der Krösus-Klub Frankfurt Lions in der letztjährigen Runde kläglich im Viertelfinale ausgeschieden ist, nein, jetzt hat der Klub ganz aufgegeben, was bedeutet, Frankfurt ist eine glatte Null in dieser Sportart. Dementsprechend sauer urteilt das elitäre Krawatten-Blatt über die ganze Liga: Uninteressant wäre sie und ohne Stars. Die Saison 09/10 und die WM wollen sie offenkundig so schnell wie möglich vergessen: Eine Saison, die so viele NHL-Spieler wie selten zuvor aufs Eis gebracht hat, eine WM, bei der Dennis Endras vom Vizemeister Augsburger Panther zum Spieler des Turniers gewählt wurde....  
Wenn und wo Frankfurt allerdings wirklich unschlagbar ist, dann in der geistigen Provinz seiner bourgeoisen Journaille!
(31.07.10)

Susi Wong

"... Der Paule Pfurrer, der im selben Jahr das Licht der Welt erblickte wie der Plimm, kannte ein leibhaftiges Fräulein Kirschblüte. Eine, wie sie im Fernen Osten vorkommen.
Mit schwarzen Lackhaaren und Schlitzaugen und einem »Täng« wie Elfenbein. Sie war sogar aus einem Ort mit chinesisch klingendem Namen: Pei-ting. Leider war es nur Peiting bei Schongau und nicht bei Peking.
Sie hieß auch nicht Susi Wong, sondern Susi Ascherl.
Und als dann die kurzen Röcke aufkamen, sah der Paule, daß sie Beine hatte wie die Eisenbahnschienen von Hongkong nach Kanton: Sehr dünn, und kurz vor's in den Bahnhof geht, auch etwas gekrümmt.
Doch da war er schon mit ihr verheiratet und konnte nichts mehr ändern. Er ist aber dann in die Modebranche eingestiegen und sorgt unentwegt dafür, daß lange Röcke von Zeit zu Zeit immer wieder modern sind.  ..." (aus : »Kirschenzeit
« von Plimm alias Benno Plabst)
(30.07.10)

Kommunistischer Anschlag auf Hollywood?

China widersetzt sich einem Schiedspruch der WTO, den es selber angestrengt hatte, um die Hürden, eine Invasion us-amerikanischer Filme zu verhindern, nicht lockern zu müssen. So sympathisch das auch auf den ersten Blick erscheinen mag, es wirft eine Frage auf: Handelt China diesbezüglich allein aus ökonomischen Überlegungen oder hat es begriffen, welche
ideologische Ware die Hollywood-Schinken liefern? Umgangsformen und Redeweisen, zu Klischees gepreßt, sollen die geforderte gesellschaftliche Anpassung erfolgreich machen: Kann man das nicht auch in China brauchen? Will China das einfach kopieren? Nichts einfacher als das: Dummes Zeug plappern kann jeder, autoritär auftreten auch, zumal wenn er eine Knarre in die Finger bekommt. Kurzum: Wieder einmal stellt sich die Frage: Quo vadis, China? (26.07.10)

DieselDiesel

heißt ja nicht nur dieser bekannte Sohn Augsburgs. Diesel ist eine Jeansmarke, die Werbung macht mit dem, was die kapitalistische Gesellschaft auszeichnet: Deshalb heißt die Werbung auch einfach nur BE STUPID. Das ist geil, das paßt ins Bild des Kapitalismus. Das ist eine Apologie des Systems, von der ein Markus Günther etwa nur träumen kann. Der verteidigt nämlich jeden Scheiß, von Gauck bis zum Gymnasium, aber daß er mal auf denTrichter käme, was den Kapitalismus sozusagen in seinem Innersten zusammenhält, das läßt auf sich warten!
Koka critiques but not Diesel! Diesel seems to be
an official intellectual sponsor of KoKa! (19.07.10)Oblatterwall Kahnfahrt 1899 Augsburg



Diesel - Sausalito summer nights



Tips für Belesene

Sonntag, 25.07.10: 14 und 20 Uhr:
Baals Wege: Literarischer Spaziergang auf den Spuren des jungen Bertolt Brecht, seiner Clique und seiner Freundinnen in der Jakober Vorstadt (das Puff-Lokal 
»Roter Hahn« natürlich eingeschlossen); Treffpunk: Brunnen an der Jakobskirche
Sonntag, 25.07.10: 16 und 18 Uhr: Vom Lech zu den Weltmeeren - die große Hafen-Vision des Karl-Albert Gollwitzer (1901), mit einer »Hafenrundfahrt« an der Oblatterwall-Kahnfahrt, sozusagen dem übriggebliebenen Relikt [siehe historisches Foto]; Treffpunk: Brunnen an der Jakobskirche
Sonntag, 08.08.10: 19 Uhr, Biergarten Drei Königinnen: »Mein wunderbarer Samowar«, Ein Tschechow-Abend mit Sibylle Fitz und Stephan Bach: Nastrovje! zum 150 Geburtstag des Dichters in diesem Jahr
Sonntag, 15.08.10:
19 Uhr, Biergarten Drei Königinnen: »Mehr Erotik, bitte!« Ein nachdenklich-vergnüglicher Abend mit Werken von Oskar Maria Graf, vorgetragen und in Szene gesetzt von Michaela Dietl (Akkordeon) und Bernhard Butz
[Abbildung aus einem Augsburg-Führer anno 1899] (16.07.10)


Marx für die deutsche Bildungselite


Marx' Kapital ist wieder ein Renner auf dem Buchmarkt. Deshalb hat sich ein Verlag namens Faber & Faber anheischig gemacht, »Das Kapital
« zum x-ten Male neu zu veröffentlichen, zumindest den ersten Band, und zwar in zwei Teilbänden, opulent in einem Schuber. In zwei Teilen deshalb, weil das Werk mit Malereien eines modernen Künstlers illustriert noch dicker wurde. Für die deutsche Bildungselite, die auch und sogar Marx in ihrem Bücherschrank stehen haben will, sicher genau das Richtige, zumal der eine Band ja als zwei Bände daherkommen. Gelesen und Marx' Kritik verstanden haben muß sie nicht, zumal der Genuß des Bilderanschauens ihr dies erübrigt. Kurzum, genau das Richtige für einen deutschen Bildungsbürger! (16.07.10)

Playboy Jesus Christus Jose SaramagoDer heilige Playboy

Die portugiesische Edition des Playboy würdigt in ihrer Juli-Ausgabe den portugiesischen Vaterlandsverräter José Saramago mit der Bebilderung seines Romans »Das Evangelium nach Jesus Christus« (O Evangelho segundo Jesus Cristo) (1991), in dem er ihn selber an der heutigen römisch-katholischen Kirche - Staatskirche in Portugal und mit der Diktatur, die 1974 endete, verbrüdert - (ver)zweifeln läßt. Nun kann man feststellen, daß das Bild des Jesus im Playboy, das im Aussehen ganz dem katholischen Klischee entspricht (langhaarig, bärtig, weich), mit den so gar nicht moralisch integren, machohaften Absichten kontrastiert. Insofern trifft es ganz gut den Roman, der dem institutionell ge- und verfaßten Jesus einen weit freizügigeren und großspurigeren gegenüberstellt. Inwieweit er der historischen Figur des Jesus entspricht sei einmal dahin gestellt. Die Schaffung einer neuen Moral, wie er sie beispielsweise in der »Bergpredigt« verkündigt hat, ist ja als Kritik der Moral keineswegs mißzuverstehen (man denke nur an die Passagen zum Ehebruch!). Insofern haben ihn nur die Leute für sich wiederentdeckt, die ebenfalls eine neue Moral zu schaffen für nötig hielten, das Urchristentum sowieso und eben der utopische Sozialismus und noch später der Realsozialismus, der als Farce, zumal es schon längst eine wissenschaftliche Religionskritik gab. So tief freilich wollte der Playboy freilich erst gar nicht schürfen, nichtsdestotrotz gibt es Zoff mit der US-Zentrale, die sich moralischer erweist als der Papst, welcher sich - soweit bekannt - nicht geäußert hat. Was Playboy Jesus zu dem allen wohl gemeint hätte? Und ob Gott Vater zürnt ob solch unwürdiger Zustände auf der Erde? Muß er nicht bald einen neuen Jesus aussenden, der die Liebe lehrt? Oder ist der Playboy heute der Bote, ein Engel Gottes? (15.07.10)

Vor dem Abpfiff

Ein Beitrag erlesener Tiefe von Corinna Stegemann in der taz vom 09.07.10, mit dem sie sich mal wieder ein liebevolles Küßchen von KoKa verdient hat! (10.07.10)


WollemieBaumsterben - ach wo!

Eine der ältesten und seltensten Baumsorten der Welt, eine Wollemie, ist nun im Augsburger Kräutergärtlein (nahe dem Roten Tor) zu besichtigen. Der ausgewachsene Baum kann eine Höhe von 40 Metern erreichen und war in Urzeiten, vor Hunderttausenden von Jahren auf der Welt, auf dem damaligen Gondwana, weit verbreitet, so daß anzunehmen ist, daß sich auch die Saurier damals von seinem Laub ernährt haben. (10.07.10)

Augsburg unter Schrecken!

Fünfzehn Minuten lang läuteten gestern mittag in Augsburg und ganz (bayrisch) Schwaben nebst einigen angrenzenden Gebieten die Glocken der Kirchen. Viele unbescholtene Bürger wurden so aufgeschreckt. Mancher rief bei der Polizei an und wollte wissen, was denn los sei und ob jetzt die Welt unterginge. Die Polizei erklärte sich für den kirchlichen Terror allerdings als nicht zuständig.
Der Grund für die kirchliche Ruhestörung des kapitalistischen Alltags war der, daß der Papst in Rom dem Bistum einen neuen Bischof zugewiesen hatte. Das hatte auch noch viel weiterreichende Folgen: In der Augsburger Allgemeinen (08.07.) mußte der (verstorbene Fritz) Teufel von Seite 1 der Vorabendausgabe dem Antlitz (des neuen Halb-) Gottes der römisch-katholischen Kirche weichen. Der Herr heißt Konrad Zdarsa, kommt aus der Ostzone und hat - dem Namen nach zu schließen [zdarzać się: vorkommen, sich ereignen] - ebenso polnische Wurzeln wie sein oberschlesischer Vorgänger. Heute sind dann auch schon einige Stellungnahmen zu hören gewesen; die bescheuerste - weil von unsachgemäßem Wunschdenken geleitet - unter ihnen vertrat einmal mehr die Parteivorsitzende der GRÜNEN, Claudia Roth: "Bischof Zdarsas Erfolg wird daran gemessen werden, ob er das Bistum wieder zusammenführen und die erzkonservativen Kräfte, die es so tief gespalten haben, zurückdrängen kann." Heiliger Bimbam! Hauptsache, Lärm schlagen! (09.07.10)

Wer ist Reinhard Jirgl?

Wenn einer mit den folgenden geschwollen-überschwellenden Worten gepriesen wird - muß es nicht beeindruckend weit her sein mit den wirklichen Leistungen des neuen Georg-Büchner-Preisträgers?:
"In der Begründung der Jury heißt es, Jirgl habe in einem Romanwerk »von epischer Fülle und sinnlicher Anschaulichkeit ein eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert entfaltet.«
Dabei lasse er die historischen Umbrüche aus unterschiedlichsten Perspektiven alltäglichen Erlebens gegenwärtig werden und mache - so zuletzt in den großen Romanen 
»Die Unvollendeten« und »Die Stille« die Stimmen der Vergessenen und Verschütteten wieder hörbar." (Hessischer Rundfunk, 09.07.10)
Hier eine Kostprobe seines deutsch-nationalen Schwachsinns; der Autor, geb. 1953 in Ostberlin, ist bestrebt, als Nach(kriegs)geborener das seine zur Legendenbildung des - eine (bundes)deutsche Jury übergeschnappt jauchzen lassend - Deutschtums beizutragen, welches lautet: Die Deutschen - nichts als Opfer! [ungewöhnliche Zeichensetzungen, Schreibweisen sowie Hervorhebungen im Original]:
"Du mußt !weg: ! Aufderstelle: Wenn SIE die-Papiere bei dir finden, würde Alles auffliegen von wegen du=meine Nichte. DIE stelln uns an-die-Wand, dich u mich und Werweißwen noch. (Die Frau packte weitere Sachen in das pralle Bündel) —So. Das & das noch, & zieh das=hier an & achte darauf, dass-du die !Armbinde nich verlierst und !sieh dich vor du wirst die zwanzig Kilometer zurück bis Komotau fast nur durch den Wald laufen müssen. Im Wald aber dasweißtuja sind die-Russen ! Achte auf dich Kind und geh so schnell du kannst. Zieh die Regenpelerine nicht aus ?!hörst du. Unter !Keinenumständen. Und behalt das Bündel auf dem Rücken unter dem Umhang u laß auch das Kopftuch umgebunden. !Gottschützedich und grüß deine Mutter von uns. Vielleicht kommt ihr durch. Vielleicht kommen wir alle durch. Wenn es noch einen Gott gibt. So. Und !geh. Geh da-hinten raus, dort in der Stallecke, wo heutnacht auch der Mann=rein&raus gekommen ist. Halte deine Sachen zusammen, verlier den Evakuiertenschein nicht, & !rasch. !Gehdoch Kind. In!gottesnamen: rasch be!eile dich —
Der Himmel, aus schwindender Nacht herabhängend auf das Land, hielt die Kälte vergehenden Winters noch im Nebel fest=gefangen, Regen flüsterte in laublosen Zweigen. Annas derbe Schuhe schleiften über den Kiesweg, der allmählich im dichten Nadelwald versank. Tief unter dem dunklen Kopftuch 1 schmales, von den Nächten ohne Schlaf mit schmutzigen Schatten überzogenes Gesicht. Es war das Bündel, das die Nachbarin ihr soeben noch mit etwas Wäsche Geld und Kommißbrot geschnürt hatte, das die viel zu große, über die hagere Mädchengestalt fast bis zu den Schuhn herabhängende Pelerine an dieser Stelle wie einen Buckel wölbte. Wer sie flüchtig ansah, konnte tatsächlich meinen, ein altes, buckliges Weib schlurfte diesen Weg entlang, mit aller Beharrlichkeit & Furchtlosigkeit, die das Alter manchen Frauen gibt. Auch die weiße Armbinde (die abzulegen allen
Deutschstämmigen !STRENGSTENS !VERBOTEN war) hielt das undurchsichtige Grau des Umhangs verborgen. Der Anblick des weißen Stückes Stoff sollte nicht jeden Xbeliebigen zu Rachegelüsten anstacheln; bei einer Patrouille dagegen konnte Anna jederzeit den Arm mit dieser Brandmarkung rasch freibekommen. Viele der noch auf tschechischem Boden verbliebenen Deutschen machten in Diesentagen auf eigene Faust sich in Richtung Grenze auf-den-Weg; Gerüchten zufolge wurden vorerst keine weiteren Transporte aus dem Sudetenland zusammengestellt & abgeschickt. Alle dann noch verbliebenen Deutschstämmigen sollten in Gefangenenlagern der ehemaligen deutschen Besatzer für unbestimmte Zeit zur Zwangsarbeit interniert werden. Andere Gerüchte raunten von Massenexekutionen an da=gebliebenen Deutschen —:— Es war eine jener Zeiten, in denen  Gerüchte immer stimmen können."  (aus:
»Die Unvollendeten«)
So weiß man immerhin, in welchem geschockten und schockierendem Geisteszustand sich die deutsche Bildungselite befindet, wenn man es nicht eh schon wüßte. (09.07.10)

»Fußball? Wäh!«

Nationalismus-Kritik anläßlich der Fußball-WM? - ein Überblick: Augsburger Allgemeine: keine; neue Sonntagspresse: keine; neue Szene: keine; Die Augsburger Zeitung (DAZ): keine; Augsburger Friedensinitiative: keine; VVN-Augsburg: keine; Selbstverwaltetes Zentrum (Bäckerei): keine; Blogsburg: keine; attac-Augsburg: keine; Antifa: keine (kleine Ausnahme: Antifa-Horgau); Anarchistische Umtriebe Augsburg: keine; Studenten (im letzten Wintersemester streikende; Aktionsbündnis für freie Bildung; Contra): keine; Initiative Friedens- und Konfliktforschung an der Uni Augsburg: keine; die GRÜNEN, die LINKE und alle anderen im Stadtrat vertretenen Parteien: keine; Gewerkschaften: keine; pax Christi und andere religiöse Vereinigungen: keine; Bund für Geistesfreiheit: keine; und auch sonst weit und breit nichts. Wen soll es da verwundern, wenn selbst der (vor)letzte DKPist der Stadt das Auto mit zwei Deutschland-Fähnchen schmückt? - beim letzten Mal, dieses Mal hat er eines davon gegen ein griechisches getauscht: Nationalisten aller Länder vereinigt Euch!
Fast wäre KoKa allerdings aus dem Bett gefallen, als es ganz aus heiterem Himmel in der wöchentlich erscheinenden Augsburger Stadtzeitung (StaZ) einen knallharten Kommentar unter dem Titel: 
»Fußball? Wäh!« fand: "... Jahrzehntelang trauten sich die Deutschen nicht so recht, stolz auf ihr Land zu sein, weil das ja irgendwie ein Gschmäckle hatte. Stattdessen rannten sie in Ami-T-Shirts oder mit Union-Jacks herum. Und jetzt ist plötzlich Stadt und Land schwarz-rot-gold, sogar die Außenspiegel der Autos zeigen sich patriotisch. Igittigitt. Der einzige Vorteil: Man erkennt viele Armleuchter jetzt von weitem.
Daß man Fußball schon immer saudumm fand und nie begriffen hat, was so toll daran sein soll, wenn elf schwitzende Männer in häßlichen Dressen über den Rasen laufen und auch noch Millionen dafür kriegen, obwohl sie kaum einen geraden Satz sprechen können, das darf man in diesen Zeiten nicht laut sagen. Muß man ja Angst haben, man macht sich zeitlebens unbeliebt oder kriegt zumindest einen Kratzer im Lack verpaßt, frei nach dem Motto: 
»Wir wissen, wo Dein Auto steht!« Die Arbeit ruht, die Straßen sind leer, wenn Deutschland spielt. Kinder bekommen keine Hausaufgaben mehr, wenn Deutschland gewinnt, Eintrittskarten kosten nur die Hälfte, wenn Deutschland gewinnt, Fernseher gibt's ganz umsonst, wenn Deutschland gewinnt: Ja geht's noch? Darf ich Fernsehgucken statt zu arbeiten, wenn »Vom Winde verweht« kommt? Darf ich blöd hupend und singend herumfahren, wenn ich zufrieden vom Friseur komm', was mich mehr überraschte und persönlich beträfe? ..." (StaZ, 07.07.10)
(09.07.10)

Deutschland vor - am besten ohne Videobeweis!

Warum fragt sich der geneigte Fan? Vielleicht dürfen die Spiele nicht so ausgehen, wie es nicht erwünscht ist? Einiges spricht dafür, daß die »Spiele« - auch jenseits des ganzen Nationalismus drumherum - einen sehr politischen Charakter haben. So politisch, daß nichts dem Zufall überlassen werden soll. Das haben die Verlierermannschaften von Nigeria und Frankreich gleich zu spüren gekriegt: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Dabei kann durchaus an die aparte Affäre von 1934 erinnert werden:
"Die große Ära des österreichischen Wunderteams um Kapitän Matthias Sindelar startete ein Jahr später und wurde im WM-Halbfinale 1934 vom schwedischen Schiedsrichter Ivan Eklind gestopt. In der 18. Minute traten mehrere Italiener den österreichischen Tormann Peter Platzer samt Ball über die Torlinie. Eine Flanke auf Stürmer Karl Zischek köpfte der Schiedsrichter persönlich weg. Nur so wurde Italien Weltmeister. Immerhin war Eklind am Tag vor dem Spiel Ehrengast bei Diktator Benito Mussolini. Gerüchten zufolge soll der Duce während des Gesprächs mit einem Revolver auf die Männlichkeit des Referees gezielt haben." (die presse, 07.07.10)
Sowas gibt es wohl nicht mehr, die Schiris können selber antizipieren, was ist, wenn sie für die falsche Mannschaft pfeifen. Oder eben auch nicht, dann ist das Geschrei groß, ansonsten eher klein; Proteste kleiner und schwacher Nationen können leicht übergangen werden. Aber wenn Deutschland protestiert, dann ist die Hölle los! Wie oft muß jenes kuriose Wembley-Tor von 1966 noch dafür herhalten, um der deutschen Mannschaft und mit ihr einer ganzen
»betrogenen« Nation heute endlich und morgen schon wieder endlich Entschädigung zukommen zu lassen! Man fragt sich, woraus speist sich eine solch unverschämte Anspruchshaltung? Ganz einfach aus den Ansprüchen, die die politische Herrschaft auch ansonsten hat, nämlich in der Welt die ökonomisch stärkste und politische mächtigste, wenn schon nicht zu sein, so doch zu werden. Diese Ansprüche vertragen sich sehr schlecht mit einem Mißerfolg in der Sportart Nr. 1. Zumal Deutschland ja maßgeblich Anteil daran hat, daß diese Sportart die Nr. 1 in der Welt geworden ist, obwohl sie - objektiv und rein sportlich betrachtet - wirklich nicht die Interessanteste ist (- aber vielleicht gerade dumm genug zu kapieren für ein deutschnational denkendes Hirn).
Im übrigen: Wie haben sich die Deutschen aufgeführt, als die
»Falschen« mal gewonnen haben, die kleine griechische Nation 2004 Europameister geworden ist! Noch heute verteufeln sie die Griechen mit ihrem Trainer Otto Rehhagel, blaß vor Neid! »Antifußball« habe der spielen lassen! Ja, wenn er bloß die Deutschen so zum Sieg geführt hätte, dann hätte er als der souveränste Trainer und Taktiker aller Zeiten gegolten! So viel bloß zur Erinnerung an die hochgelobte deutsche Völkerverständigung mittels Fußball. Ein objektives Urteil ist von Nationalisten nicht zu erwarten. (07.07.10)  
Fußball-WM-Fieber - Nationalismus, eine Dummheit wie ihn die Obrigkeit und die ihr verpflichteten Medien berechnend zu schätzen wissen
 
(mp3) (07.07.10)
Vorsicht! Achtung! Nationalismus gefährdet Eure geistige Gesundheit und praktischen Interessen!

Alfred Kubin - WissenschaftIntelligenz, wir fangen Dich ein!

Der innenpolitische Sprecher der CDU in Berlin hat einen geradezu bahnbrechenden Vorschlag zur Krisenbewältigung eingereicht: "Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern." Darauf der Bundestagsabgeordnete aus dem Umland von Augsburg, Markus Ferber, dem zustimmend: "Kanada ist da viel weiter und verlangt von Zuwandererkindern einen höheren IQ als bei einheimischen Kindern." Bei den deutschen Leuchten ist das mehr als einleuchtend. Nicht mal mehr im Fußball kommt die Nation ohne ausländische Intelligenz aus, von der Politik ganz zu schweigen, haben es doch längst Ausländer in die Hand genommen, Deutschland voranzubringen, wie z.B. Özdemir und Özkan. Von den Zonis ganz zu schweigen, die unter Umgehung aller denkbaren Intelligenztests Bundeskanzleramt und Bundesinnenministerium besetzt haben und sogar einen der ihren ins Präsidialamt schicken wollen! War es der visionäre Gedanke an den Tod genuin deutscher Intelligenz, der Alfred Kubin zu der schon 1902 gezeichneten Fantasmagorie »Wissenschaft« veranlaßte? (30.06.10)


Το όπιο του λαού είναι τώρα το ποδόσφαιρο!

"Der Fußball ist ein geliebter Freund des Kapitalismus. In ihrem Resultat stellt die Fußballweltmeisterschaft ein weiteres Zurückweichen vor jeder radikalen Veränderung dar. Jetzt ist der Fußball das Opium des Volkes. ...", so der Literaturkritiker Terry Eagleton (gelesen in Η ΕΠΟΧΗ v. 27.06.10).  Beschissen ist halt nur, daß sich selbst so mancher Linker - wie zum Beispiel K.-P. Klingelschmitt in der taz - dieser Einsicht mit verschrobensten Ausflüchten verschließt. Jener Klingelschmitt sollte doch mal bei der DKP nachsehen - die hat nämlich schon bei Lena schwarz-rot-gold gejubelt und verschließt sich auch der deutschen WM-Besoffenheit nicht -, bevor er ausgerechnet die für den Beleg eines Einwands gegen deutschen Nationalismus heranzieht! Aber einer, der wie er über ein dermaßen national-historisch zugeschliffenes Weltbild verfügt, tut sich halt einfach schwer, seiner keineswegs altersbedingten Verkalktheit selbstkritisch gegenüber zu treten... (29.06.10)

Liebe Immer-noch-Freunde des runden Leders!

Schon ein bißchen abgekühlt? Jetzt kommt Argentinien! Der Messi wird aufräumen mit der deutschen Fußballherrlichkeit! Dann könnt Ihr Eure schwarz-rot-goldenen Fähnchen und Klamotten nur noch zum Arschabwischen benutzen - oder gleich in die Mülltonne hauen. Ach so - Deutschland besteht nicht nur aus Fußball? Ja dann! Dann wird jetzt wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt!
Merke: Wenn man als Lohnarbeiter schon das Arschloch der Nation ist, dann braucht man ihr nicht auch noch den Affen zu machen! (29.06.10)

Handke: Leckt mich!

Peter Handke ÖsterreichKein Fehldruck ist die neue Handke-Briefmarke: Die Schreibweise Osterreich anstelle von Österreich soll seine Kritik an seinem ungeliebten Heimatland dezent anschaulich machen. Der österreichische Staat bzw. zumindest die österreichische Post ist da tolerant. Übrigens wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten, was er neulich der Springer-Gazette Die Welt (21.06.10) verriet: "Herr Handke, begeistern Sie sich noch für Fußball? -
Peter Handke: Leider, leider ja. ...  - Sie sind offenbar ein Experte. Werden Sie die Weltmeisterschaft aufmerksam verfolgen? - Handke: Ich schaue mir immer die zweiten Halbzeiten an, ein ganzes Spiel macht mich zu fertig. Ich gehe dazu meist ins Café, um unter Fremden zu sein, wo man Blicke austauscht, wenn jemand danebenschießt." Peter Handke ist bekanntlich der Autor des Krimis: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. Bald erscheint übrigens sein neues Buch titels "Ein Jahr aus der Nacht gesprochen". (24.06.10)


"Dumm bleiben, Fußball gucken!" (alte KoKa-Weisheit)

Als das Thema einmal der Sport war und der Bund obendrein, schrieb der legendäre Plimm - wer vermißt ihn nicht schmerzlich in der Wochenendausgabe der AZ? - einmal folgendes:
".... Später las der Plimm in einem Buch, daß der Kaiser Nero auch nicht viel vom Frühsport gehalten hatte. 'Der einzige', soll er gesagt haben, 'eines Mannes würdige Sport ist die Liebe.' Nanu? Immerhin war der Nero ein Kaiser. Das ist mehr als ein Oberfeldwebel. Außerdem: Er konnte sogar Latein - der Oberfeldwebel Käsohr nur Sächsisch!" (21.06.10)


So. 27.06., 22 Uhr im Jean Stein, Kapuzinergasse 15

Spätlese mit Reinhard Gammel: Liebesgedichte: das älteste Kunstgewerbe der Welt


Jose Saramago
ist verstorben; Werke, die auch in deutscher Sprache erschienen sind:

Hoffnung im AlentejoDas Memorial • Das Todesjahr des Ricardo Reis Handbuch der Malerei und Kalligrafie • Das steinerne Floß Geschichte der Belagerung von Lissabon • Das Evangelium nach Jesus ChristusDer Stuhl und andere Dinge • Die Stadt der BlindenDie Geschichte von der unbekannten Insel • Alle NamenDas ZentrumDie portugiesische ReiseDer Doppelgänger • Die Stadt der SehendenEine Zeit ohne TodKleine Erinnerungen • (18.06.10)


Mit dem Kopf kämpfende und deshalb Kopfschutz tragende Frauen

Athina 340/330 p.Ch.  Silke Burmester  Oriana Fallaci

Von links nach rechts: * Athina, Göttin, Statue im Museum von Pireas, ca. 330-340 v.Chr. Silke Burmester in ihrer wöchentlichen taz-Kolumne, Jetztzeit
* Oriana Fallaci als Kriegsreporterin in Vietnam 1967/8 in der griechischen Zeitung Tachidhromos, die das Foto für Fallacis Augenzeugen-Bericht von den brutal niedergeschlagenen Studentenprotesten in Mexiko benutzte. 
Sie unterscheiden sich krass von den Dummtussis, die zwar auch einen Helm tragen, aber für die Bundeswehr Dienst tun. (18.06.10)


Brecht-Tage 2008Brecht-Feschtle

Die Augsburger Skandal-Zeitung schreibt: "Das war ja immer ein Gedöhns mit diesem Brecht-Feschtle an der Kahnfahrt. Diese vielen Leute und diese Musik und diese Lesungen. Alles von und über den Augsburger Lyriker und Theatermacher Bert Brecht, der hier aufgewachsen ist.
* Es reicht doch wirklich, wenn im Goldenen Saal ein Bert-Brecht-Preis vergeben wird. Das ist die ruhige elegante Brecht-Pflege, wie wir Datschis das lieben.
* Da holen wir uns dann doch lieber so richtig teure Brecht-Experten irgendwo her, die dann irgendwelche teure Stars holen, die dann irgendwann alle wieder aus Augsburg abdampfen. Damit halt wieder brechtige Ruhe herrscht.
* Gott sei Dank ist dieses endlich ausgesetzte billige Brecht-Festival bei der Kahnfahrt den Augsburger Kultur-Politikern keinen Aufschrei wert! Dann wäre doch wieder der schöne ruhige Augsburger Sommer, diese idyllische Grabesstille, beim Teufel."

Danke, Arno, für diese Worte aus der CSU/SPD/ProAugsburg-Seele! [Das KoKa-Foto zeigt Arno Loeb bei den Brecht-Tagen 2008 am Ruder der Seebühne.] (17.06.10)

Internationale Sport- und Kulturevents

Party-Time ist angesagt in der schwarz-rot-goldenen Republik und nicht nur da, wenn so eine Veranstaltung wie WM, Olympiade, Songcontest ansteht. Viele lassen sich dazu herbei, ihre Freizeit mit dazu angesetzten public viewings zu vergeuden. Was ist da also los? Hier ein Vortrag von Prof. Huisken. (mp3) (13.06.10)


Maja Prinzessin von Hohenzollern (38 J.)

Sie weiß sich nicht nur in den Glamourgazetten gut ins Bild zu setzen, in der taz vom 05.06. beantwortete sie die Frage, ob »wir« noch einen Bundespräsidenten bräuchten, so: "Ja, Deutschland braucht einen Bundespräsidenten/in, der ohne parteipolitische Interessen als oberste Instanz einer Demokratie in letzter Konsequenz Dinge verhindern oder auf den Weg bringen kann. Man sollte dieses Amt sogar mit mehr Befugnissen und Machtfülle ausstatten, sicher hat sich auch Herr Köhler oft mehr Handlungsfreiheit gewünscht, um schneller helfen oder eingreifen zu können. Als »Reservemacht in politischen Krisen« ist der Bundespräsident ein wichtiges Instrument, das allerdings auch nur so gut sein kann wie sein Rückhalt innerhalb der eigenen Reihen. Der Bundespräsident sollte klare Worte und Taten sprechen lassen, kulturell gebildet, vorzeigbar, sensibel und kompetent sein! Ich schlage zur Neuwahl Margot Käßmann vor!" Mit ihren intellektuellen Fähigkeiten hat sie überaus klar und eindringlich bewiesen, daß sie selber das Zeug dazu hat, den höchsten Thron der Republik zu besteigen! Und übrigens, wenn sie auch noch Königin der Arbeiterklasse werden möchte, bräuchte sie nur ihre Titten auf Seite 1 von Blöd präsentieren, textilfrei versteht sich! [Und jetzt bitte nicht alle nach einem Foto ihrer Majestät surfen: So hübsch ist sie nun auch wieder nicht.] (07.06.10)



Remembering »Muhackl«
Homesick

Wie Musik mit Nationalismus vereinbar ist - eben auf dem entsprechenden Nivaeu

"Mir ist diese Deutschtümelei von XXXX suspekt. Hier eine Fahne, da eine Fahne. Es geht doch bei dem Wettbewerb nicht um Nationen, es geht um Musik." (ein taz-Leser) Völlig verkehrt! Es geht einzig und allein um Nationalismus und dessen Pflege, deshalb ist die Veranstaltung auch musikalisch gesehen so überaus kläglich - es kommt schlicht nicht auf die Musik an! - Mehr zum »Grand-Prix-Faschismus«? (02.06.10)


Carlos Fuentes

Warum dichtet Carlos Fuentes der Demokratie einen "sozialen Rythmus" an, einen "zugunsten der Armen" obendrein, wo er es doch besser weiß? Einen Atemzug später läßt er ja anklingen, wenn er auf die Tendenz süd- und mittelamerikanischer Staaten zum Autoritarismus verweist, daß diese keineswegs Produkt der armen Massen sein können, wenn die sich auf die Obrigkeit beziehen. Woraus resultiert also diese Hoffnung?
Wenn er auf den Autoritarismus zu sprechen kommt, spricht er den Massen ab, jemals selber Subjekte der gesellschaftlichen Verhältnisse werden zu können, wiewohl er mit seiner Literatur einiges dazu beigetragen hat, sie der geistigen Verwahrlosung zu entreißen, in der sie die kapitalistische Gesellschaft - bald demokratisch, bald diktatorisch - gefangen hält. Er betrachtet sein Vermächtnis offenbar als gescheitert, wenn er seine Hoffnungen auf die Demokratie setzt, die weder die Armut beseitigt noch ein Kommunikationsforum schafft, in welchem die Massen sich ihrer Situation vorbehaltlos bewußt werden können. Gleichwohl sieht er sich einem fortschrittlichen historischen Materialismus verpflichtet, wiewohl der in der Sache nichts anderes ist als ein idealistischer Historizismus.
In der Illusion einer wegweisenden Kommunikation(sform) bestärkt ihn die »freie« Presse (hier die Süddeutsche Zeitung) deshalb, weil sie damit sowohl Unumstößlichkeit wie Verherrlichung staatlicher Gewalt demokratischer Sorte betreibt, was sie sich zur permanenten agitatorischen Aufgabe gemacht hat. So pflegt sie den Schein einer Debatte, der sie selber den Boden entzieht.
Schade, daß Fuentes sich der schamlosen und unverschämten Gepflogenheiten des Imperialismus in seinen Zentren nicht bewußt ist. (30.05.10)


BP Öl Katastrofe titanicBP

Die neue Ausgabe der titanic (Juni 2010) nimmt sich ausführlich der Ölkatastrofe im Golf von Mexiko an. Sie ergreift Partei für ein viel gescholtenes Unternehmen, welches diese Vorwürfe so nicht stehen lassen will und soll. Es findet sich eine sehr persönliche Stelllungnahme von Tony Hayward, CEO der BP. Daß Öl ein Stoff vieler Mißverständnisse ist, erklärt Prof. Dr. Charles Papshmir vom BP-Forschungsinstitut »Promineralis«. Daneben wird erklärt, was BP tut und was wir, d.h. Sie, geneigter Leser, tun könn(t)en. Ausdrücklich distanzieren muß man sich freilich von den Ölgemälden, die die Augsburger Allgemeine mittlerweile zum regelmäßigen Titelschmuck erkoren hat - das ist nicht mehr witzig! (28.05.10)



NS-Agitator Dr. Ludwig Wegele

Siehe dazu die Rubrik -> Faschismus
(28.05.10)


Baaria Tornatore

Filmtip:   BAARÌA  *******

Erstaunlich wie es Giuseppe Tornatore gelungen ist, in zweieinhalb Stunden einen Film über die Geschichte Siziliens zu skizzieren, beginnend unter der Ära des Duce. Er zeigt die Welt aus der Perspektive des kleinen Ortes Baarìa, aus der Perspektive der "kleinen Leute" dort. Der Film ist eingewickelt in eine Liebesgeschichte, ist aber viel mehr, er ist ein Politikum, das keine Tabus vor Göttern kennt und sei es die Kommunistische Partei selber. Deren Opportunismus wird mit dem Einzug in die Parlamente überdeutlich; allein wieviel - von einem nicht-opportunistischen Standpunkt aus: nutzlose - Anstrengungen dafür in Wahlkämpfen aufgewendet werden... und dann werden die Kommunisten bloß wegen der Mafia gewählt, die sie als einzige bekämpfen - als Vertreter ordentlicher staatlicher Verhältnisse, die sie schon für geradezu sozialistisch halten und deren Illusionen sie nicht entlarven - können oder wollen. Als wacher Arbeiter kann man das gesellschaftliche Spiel, in der die PCI eine Rolle zu übernehmen beginnt, leicht durchschauen. Die Partei jedoch zieht es vor, sich in der Dummheit ihrer eingebildeten Größe und Alternativlosigkeit mit den ungebildeten Volksmassen zu verschmelzen, und zieht sich so letzten Endes nur den Unmut vieler zu.
Die sonstigen Schönheiten, die Lachnummern und gekonnten Darstellungen des Alltagslebens - ein Genuß zum Zusehen. Derzeit im Liliom [Lili 2]. (18.05.10)




(Miß-)Erfolg: So schön kann Kapitalismus sein!

Karikaturen von Harry Ardeias, vielleicht kennt ihn noch der ein oder andere aus der Zeit seines Grafik-Studiums in Augsburg:

Börse Erfolg Mißerfolg Dummheit
 (17.05.10)


Stuhlgang


Der 1. Mai stand in Augsburg ganz im Zeichen des Stuhlgangs. Hunderte Stühle und andere Sitzgelegenheiten wurden vom Rathausplatz über den Ulrichsplatz, wo eine Performance stattfand, in die Kapuzinergasse getragen. Hier eröffnete das neue Künstlerzentrum JEAN STEIN. Gekocht wurde von Vietnamesen, die gleichzeitig den 35. Jahrestag der Befreiung Saigons am 30.04.1975 vom Joch des US-Imperialismus feierten. Wie Ho Tschi Minh schon sagte: Jedem Arbeiter sein eigener Stuhl [gemeint: Arbeitsplatz]! Ein Mediziner wies sodann in einer Ansprache nach, daß für das Scheißen ein Stuhl völlig unangebracht, weil ungesund sei - die muskulatorischen Details konnte sich wohl kaum jemand merken. Nur in Deutschland wird der Scheißhausgang mit einem Stuhl begrifflich in Verbindung gebracht.
Für nunmehr 3 Monate steht das zum Abriß vorgesehene ehemalige Bräustüble der Hasenbrauerei allen Künstlern der Stadt und denen, die es werden wollen, offen. (01.05.10)

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Patty Smyth & Scandal
Mal wieder was für's Ohr!

Bukowski

Ob sich Charles Bukowski für ein Museum eignet? In seiner Geburtsstadt Andernach ist ein solches nun in Errichtung, auch wenn er sein Geburtshaus schon im 2. Lebensjahr verließ und nach Los Angeles übersiedelte, wo die Bungalow-Siedlung, in der er von 1963 bis 1972 gewohnt hatte, in den Status eines Kulturerbes (cultural heritage) erhoben wurde.
Mit dabei bei der Hilfe zur Errichtung des Museums ist natürlich auch Benno Käsmayr vom legendären 
Maro-Verlag, der Bukowski seinerzeit - zumindest hierzulande - entdeckt und publiziert hat und der nun eine Broschüre gedruckt hat, die den neu gestalteten Schuppen, ein mondänes Bürgerhaus, unterstützen soll. Im übrigen wird der Verlag heuer 40 Jahre alt und wird das kräftig feiern. (25.04.10)

BlutDie verblüffende Wahrheit des Oster-Plärrers

In den Katakomben eines Augsburger Domes sprudelt das Blut unschuldiger Kinder. Nicht Jesus hat es vergossen, die Welt zu retten. Doch der Herodes von Schrobenhausen hat seinen Teil dazu beigetragen. (24.04.10)

Alles hängt am Geld - wirklich alles?
Absolut geil - der AEV im Finale!

mit einem 3:2-Sieg im 4. Halbfinalspiel (3:1 Siege) gegen die Grizzly Adams Wolfsburg erreichtem die Augsburger Panther das Finale um die deutsche Eishockeymeisterschaft, nachdem sie zuvor den Favoriten Adler Mannheim (2:0 Siege) und den amtierenden Meister Eisbären Ostberlin (3:2 Siege) ausgeschaltet hatten. Der Klassenkampf geht weiter - im Finale gegen die Hannover Scorpions, die man schon deshalb besiegen muß, weil deren Namensgeber-Rockgroup so einen unsäglich blöden Politsong verbrochen hat. (16.04.10) - Gratulation an Hannovers Team! War zwar keineswegs besser, aber glücklicher. (25.04.10)


Wer war Philipp Melanchthon?

Nun ist er 450 Jahre tot. Er gilt als Schulreformer. "Ohne Philipp Melanchthon gäbe es keine Bibelübersetzung Luthers, er ist der Verfasser der »Confessio Augustana«, des »Augsburger Bekenntnisses« von 1530, durch ihn gewann die evangelische Kirche in ganz Europa Gestalt und Organisation. Sein Einfluß reichte von Island bis nach Siebenbürgen, von Finnland nach Italien. Philipp Melanchthon war nicht nur der »Lehrer Deutschlands«, der Praeceptor Germaniae, sondern gilt mit Fug und Recht als Lehrer Europas. ... Seine »Loci communes« von 1521 gelten als erste lutherische Dogmatik, die bis heute Maßstäbe setzt. Aber seine gelehrte Kompetenz reichte weit über Filologie und Theologie hinaus. Geografie und Medizin, Astronomie und Dialektik bezeichnen das Spektrum, in dem er sich durch Publikationen und Lehrbücher europaweit einen Namen machen konnte. ... Bahnbrechend war seine Wittenberger Antrittsvorlesung vom 28.08.1519, »De corrigendis adulescentiae studiis«. In ihr entwarf er das Leitbild des universitären Lehrens und Lernens, das bis weit ins 19. Jahrhundert hinein bestimmend war. Er lehnte das vom Geist der Scholastik geprägte Lernen von vorgefertigtem Wissen ab. Notwendig war die Kenntnis der ursprünglichen Quellen, also in erster Linie Aristoteles, Platon, Cicero. ... Neben der klassischen Bildung kam der Geschichte ein ebenso hoher Rang zu. Bemerkenswert auch seine Hochschätzung der Naturwissenschaften, er sah einen inneren Zusammenhang zwischen der Mißachtung der Mathematik und dem Niedergang der Theologie. ... Zur Vorbereitung eines erfolgreichen Studiums war eine Grundlegung in der Schule vonnöten. Philipp Melanchthon setzte sich dafür ein, daß jedes Kind Zugang zur Schulbildung erhielt. Als der Rat der Stadt Nürnberg daranging, das Schulsystem der Stadt zu reformieren und eine neue »höhere Schule« zu gründen, wurde Philipp Melanchthon als Berater beigezogen. So konnte er – aufbauend auf einer nach seinen Vorstellungen reformierten dreiklassigen Lateinschule – die höhere Schule als eine vom Geist des Humanismus und der Renaissance geprägte Artistenfakultät einrichten, die eine optimale Vorstufe des Universitätsstudiums bilden sollte. Dialektik und Retorik, Latein und Griechisch, Musik und Mathematik standen im Vordergrund. Die Beschäftigung mit den Quellen wurde ebenso betrieben wie der freie Umgang mit den Sprachen durch eigene Dichtungen, selbst verfaßte Reden und Theaterstücke. Nur wer sprechen kann und sich auszudrücken weiß, kann am Gespräch der Wissenschaften teilnehmen. Geschichte, die große Lehrmeisterin für alles, vor allem das politische Handeln, darf nicht fehlen. Dieses Pilotprojekt in Nürnberg wurde allseits bekannt und begründete Philipp Melanchthons Ruf als Schulreformer. An mehr als 50 Schulgründungen war er beteiligt, und in seiner Visitationsordnung, durch die das Kirchenwesen neu gegründet wurde, achtete er auf die Schulen mit derselben Aufmerksamkeit, die dem kirchlichen Leben im engeren Sinn zukam.
Allein die Tatsache, daß er sich in seinen Reden immer wieder nicht nur an die Professorenkollegen und die Träger der Universitäten, also vor allem die Fürsten, richtete, sondern ausdrücklich auch an die Studierenden, zeigt die Grundrichtung an. Jeder Student sollte in Begleitung eines Tutors einen individuellen Studienplan erhalten, der ihm eine auf die individuellen Bedingungen zugeschnittene Gestaltung des Studiums ermöglichte. Philipp Melanchthon, seit 1523 Rektor der Universität, lebte seine schul- und hochschulpolitischen Überzeugungen auch im Alltag. In seinem Haus in Wittenberg sammelte er eine lebendige Gemeinschaft von Studierenden um sich, die mit ihm, seiner Frau Katharina, .., und ihren eigenen Kindern in einer Art Wohngemeinschaft lebten. Einmal rühmte er sich, daß an seinem Mittagstisch elf verschiedene Sprachen gesprochen wurden. Verständigt hat man sich natürlich auf Lateinisch....
Spätestens seit dem Augsburger Reichstag von 1530 wußte Melanchthon, daß es in der Auseinandersetzung zwischen den Reformatoren und den Verteidigern der 
»Altgläubigkeit« mit dem Kaiser an der Spitze weder um abgehobene akademische Streitereien noch um bloße Kirchenpolitik ging, sondern um massive Machtpolitik in Europa, die letztlich auf eine kriegerische Auseinandersetzung hinauslief. Der Gedanke, daß es im Streit um religiöse Wahrheiten, womöglich sogar im Namen Gottes, zum Krieg kommen könnte, beunruhigte ihn zutiefst. ..." (die presse, 10.04.10) (15.04.10)


Schlaftablette für Schnarchzapfen: ARD

Hier ein Auszug aus der heutigen taz-Kolumne von Silke Burmester, die wie üblich von der Medienfront berichtet: "...Wer sich dieser Tage auch selbst feiert, weil es kein anderer tut, ist die ARD. Die wird 60. Und sieht auch so aus. Und fühlt sich auch so an. Und riecht auch so. Vor allem samstags. Und am Dienstag. Die ARD ist auch so etwas, das der Bürger bezahlt, ohne Mitsprache bei der Gestaltung zu haben. Obwohl sie ja quasi seins ist. ..." Da sind wir doch froh, daß wir das Augsburg-tv haben, das neulich zwar nicht wußte, wen es da vor Kamera und Mikrofon hatte, aber auch nicht näher nachfragen wollte: War das KoKa-Statement in Sachen AEV so überzeugend? (14.04.10)


brecht lauthalsBrecht auf die Füße gestellt

In der März-Ausgabe des Augsburg-Journals hat die CSU festgestellt, daß Brecht ziemlich genial auf ihrer Linie liegt, ja sie hat sich geradezu gewundert, das bisher nicht erkannt, ja geradezu vorsätzlich verkannt zu haben. Reinhard Gammel hat in der 2. Ausgabe des Kunst- und Literaturmagazins lauthals einen Dreh dieses - jenseits und zusätzlich zur üblichen moralischen Qualifizierung von Brecht (an der ja was dran ist und die ihn allen Staatsprotagonisten östlich und westlich der Elbe so ergiebig macht) - einen Dreh dieses Umgangs mit Brecht kurz skizziert [Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Autors].
lauthals - die Antwort auf stimmlos, einem vor Jahren erscheinendem ähnlichem Magazin dieser Art - ist übrigens im Augsburger Buchhandel für 5 € zu erwerben und bietet eine Plattform für all die, denen das ein oder andere auffällt & aufstößt und die sich nicht scheuen, deshalb anecken zu wollen. (13.04.10)

Ein Brief von Rosa L. (aus dem Jenseits):

Besoffen sein und abstürzen, das kennt man;
national besoffen sein und abstürzen, das kennt man jetzt auch!
Doch Spaß beiseite! Wie bewältigt man eine »nationale Katastrofe
«? Man fügt ihr eine neue hinzu! Auf den Gedanken, daß politische Katastrofen auf Nationalismus basieren und es deshalb ratsam wäre, Nationalismus bleiben zu lassen bzw. ihn gar zu kritisieren, auf einen solchen Gedanken kommen (nicht nur) die Polen nicht mal im Traum, selbst wenn sie mal wieder aus allen Wolken fallen. Nicht erst seit Wałesa und Woityła denken sie nämlich (ausschließlich) als solche. Weitere Leichen unter dem Diktum nationalen Aufbruchs im Polen der EU und der NATO sind so vorprogrammiert, auch wenn sie - wie normalerweise - nicht so hoch dekoriert sind und werden. (12.04.10) Apropos: nationale Elite: "'De mortuis nil nisi bene', wie der Pole sagt. Deshalb hier nur zur Information, welche 'Elite' genau beim Absturz der präsidentiellen Maschine bei Smolensk ums Leben gekommen ist:
Unter anderen nämlich Generalstabschef Franciszek Gagor, samt Ex-Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski verantwortlich für ein Kriegsverbrechen 2007, als polnische Berufssoldaten ein afghanisches Dorf ohne militärischen Grund angegriffen und dabei mindestens sechs Zivilisten - Frauen und Kinder - ermordet haben sollen. Ferner an Bord: der polnische Ombudsmann Janusz Kochanowski, der zuletzt juristisch gegen das positive Urteil aus Straßburg vorgehen wollte, das einer klagenden Frau eine in Polen untersagte Abtreibung erlaubte; der Jurist Gasiewski, der die
taz wegen der Kartoffel-Satire mit einem Interpol-Suchbefehl jagte; Zbigniew Wasserman, verantwortlich für die Verschleierung der CIA-Geheimgefängnisse in Nordpolen vor der Delegation des EU-Parlaments; der Bürochef der nationalen Sicherheit, Aleksander Szczyglo, der den Überfall auf den Irak argumentativ vorbereitet hat; Anna Walentynowicz, als Göttin der Arbeiterbewegung gehandelt, in Polen aber längst als Ikone des ultrakonservativen Radio Maryja gegen die 'Verjudung' Polens kämpfend. Aber das nur als Detail am Rande." (taz v. 15.04.10)

Großartiger Sieg gegen Team eines US-Milliardärs!

<Dem Eishockey-Team des Herrn Anschutz, den Eisbären Berlin alias Dynamo Ostberlin, wurden die Grenzen aufgezeigt! In 5 Spielen (2:1; 1:2; 3:5; 5:3, 2:6) wurden die arroganten - sie sahen sich schon wieder als Meister - Berliner vorgeführt. Die überregionale depperte Mainstream-Presse inkl. taz  tippte zuvor übereinstimmend auf einen klaren 3:0, allenfalls 3:1 Erolg der Hauptstädter.
In Sachen Sport in Augsburg unangefochten die Nr. 1, der AEV!  
Einfach Top!
KoKa: 100 % AEV, 0 % Seinschverein!     
(07.04.10)

Ein Kunstgriff

auf den sich sogar die Blödzeitung versteht: Die vehemente Bestätigung des Systems durch die Kritik seiner Praxis: Ein Beispiel: Selbstverständlich ist es - auch und gerade für geistige Größen wie Blöd - ein Skandal, eine Verkäuferin wegen liegengebliebener und deshalb eingelöster Bons in Höhe von 1,30 Euro zu entlassen. Das paßt nicht zum System, das ansonsten nicht nur gerecht, sondern auch sehr großzügig ist. Z.B. in diesem Fall eben. Allgemein ungerecht ist das System überhaupt nicht, denn wo kämen "wir" da hin, wenn jeder mehr verdient, als er verdient. Wer das festlegt, keine Frage, Korrekturen sind immer mal möglich und nötig, aber meistens ja eh im Sinne derer, deren Profit zu wünschen übrig läßt; und wann tut er das nicht?
Das Blöde dabei ist nur, daß sich die Linken - wie insbesondere DIE LINKE  - ausgerechnet an solchen Fällen aufgeilen, meinen sie zum Mittel ihrer Agitation machen zu müssen, vielleicht sogar so, daß man daran im Gegensatz zu Blöd gar keinen Einzelfall entdeckt, sondern eben etwas für das kapitalistische System Symptomatisches. Die Kritik geht dann so: Hier sieht man es mal wieder! Und da es nicht schwer ist, weitere Beispiele anzuführen, steht die Systemkritik fest: Ja, so gemein ist der Kapitalismus, er muß deshalb überwunden werden. Anders ausgedrückt: Der Kapitalismus ist so unmoralisch, daß er an seinem moralischen Versagen scheitern kann, soll und muß: Sogesehen weiß man sich auf der Höhe geschichtlichen Fortschritts und gar nicht weit von Dr. Westerwelle entfernt, der die Dekadenz des alten Rom beschwört, nicht um den Kapitalismus zu Grabe zu tragen, sondern ihn zu retten. Gegen einen moralisch integren Kapitalismus kann sich auch DIE LINKE keine Einwände vorstellen, freilich sei der nur mit ihr als Obwalter des Klassenstaats zu haben. Das dürfte dann bestimmt auch eine Art "Überwindung des Kapitalismus" sein.
Warum diese Notiz?
DIE LINKE hat nämlich eine Aktion zu den an dieser Stelle als durch die Presse bekannt vorausgesetzten Machenschaften der Firma Schlecker, laut DIE LINKE "die Raubtierkapitalisten pur", gestartet. Sie erhielt auf Anfrage bei der Bundesregierung die Antwort: "Die Bundesregierung ist kein Forschungsinstitut, dessen Aufgabe es ist, solchen Einzelfällen
[Hervorhebung: DIE LINKE] nachzugehen." und weiter schreibt die Partei in ihrem Augsburger Flugblatt: "Denken Sie bei der nächsten Wahl an Die Linkspartei, sonst werden wir alle [Hervorhebung: KoKa] nach Schlecker Tarif bezahlt." Achtung: Das ist keine Kapitalismuskritik, vielmehr Schelte von Kapital, das Die Linke außer Kontrolle geraten wähnt. (07.04.10)


Die Lokale für Ratlose

Folgender Text klingt wirklich nicht unsympathisch:
"...Unser westdeutsches Generationenprojekt Die Grünen hat sich dagegen von uns verabschiedet. Heimat- und orientierungslos geworden, stehen wir undogmatisch links sozialisierten und deshalb auch nicht der Partei Die Linke zugeneigten Individualisten von My Generation ratlos vor den Wahllokalen. Schließlich wurden wir auch von der von uns mit Rücksicht auf ihre früheren Verdienste viel zu lange am Leben (Tropf) gehaltenen SPD bitter enttäuscht. Und jetzt auch noch die Grünen. Für unseren (guten) Geschmack treiben sich inzwischen auch bei ihnen zu viele, von Mars mobil gemachte Karrieristen herum. (Verbal)radikal sind die Grünen nur noch in der Opposition (peinlich und lächerlich zugleich). Und ihre skrupellosen Blender etwa vom Schlage eines Hubert Ulrich, genannt der Panzer (Chef Grüne Saar), sind ein Ärgernis für alle aufrechten Demokraten und Republikaner im Lande. Summa summarum also: Aus und vorbei, da hilft auch kein Jammern, kein Beten, kein Trick (Degenhardt). ..." (K.-P. Klingelschmitt in seiner taz-Kolumne "Älter werden" der Generation 50 plus links v. 06.04.10)
Der Rest des Textes ist hier weggelassen, weil er sich auf Fußball bezieht, der in Augsburg in der Beliebtheit gegenüber Eishockey und dem AEV deutlich zurücksteht - zumindest bei denen, die auch in Sachen Sport einigermaßen anspruchsvoll sind. Was allerdings die Aussage anbelangt, wir stünden "ratlos vor den Wahllokalen", so muß man schon sagen, daß manche längst einen Schritt weiter sind und sich die Demokratie mit ihren Institutionen selber einmal vorknöpfen. Da kann man dann doch recht schnell zu dem Ergebnis kommen, daß die Abgabe der eigenen Stimme ein großer Fehler ist, der darin besteht, daß dadurch die Ermächtigung einer Herrschaft - die man zwar nicht will, aber genau durch eben diese Stimmabgabe - in ganz harmlos erscheinender Weise vollzogen wird. Die Demokratie führt so ein vollkommen unverdientes positives Image mit sich, beinhaltet sie nicht mehr und nicht weniger als den völligen Ausschluß derer von der Macht, die über anderweitige, ökonomische (Einfluß-)Mittel eh nicht verfügen.
(07.04.10)

"Der Wohlstand unserer Gesellschaft kann nicht dauerhaft auf Wachstum basieren."

Darf man mal fragen, wer denn überhaupt den Wohlstand "unserer" Gesellschaft in Anspruch nehmen kann? Also die, die über Reichtum verfügen; und die denken an nichts anderes, als daß ihr Reichtum wächst und zwar tüchtig und anhaltend. Und denen, die vom Reichtum ausgeschlossen sind, müssen dummerweise zum bloßen Überleben schon ihre Arbeitskraft feilbieten. Ihnen wird erzählt, daß sie nur gekauft werden kann, wenn das Wachstum auch tüchtig zulegt. Dann nämlich können sie weiter in Armut dahinleben bzw. besser: dahinsiechen. Das ist also "unsere" Gesellschaft. Ihr Zweck ist der Wachstum des Reichtums in seiner abstrakten Form, Geld. Dafür wird alles Mögliche und Unmögliche an Waren produziert. Die Waren werden nicht einfach verteilt, sondern erhalten einen Preis, der die, die über kein bzw. zuwenig Geld verfügen, ganz kategorisch von ihrem Gebrauch ausschließt. So ist das also mit dem "Wohlstand". Ja, die Nazis haben bei dem Begriff schnöden Materialismus gewittert, der die Volksgemeinschaft zerstören würde. Auch der Papst bläst in dieses Horn. Diese Leute predigen Verzicht ausgerechnet denen, die eh nichts haben (außer ihrer armseligen Existenz als solcher). Dafür versprechen sie ihnen eine extra große Nation, ein besseres Jenseits und so einen Scheiß. Nur Idioten lassen sich so ruhigstellen.
Das Schöne an obigem Zitat ist, daß es keinen Schluß kennt, den man aus ihm ziehen könnte. Jaja, soll da jeder sagen und sich jeden weiteren Gedanken ersparen.Wahrscheinlich meint derjenige, der das sagt (ein GRÜNER?), sogar auf Zustimmung zu stoßen. Nichts leichter als das in einer komplett verdummten kapitalistischen Klassengesellschaft! (04.04.10)


Der Kandidat

Der Wohlstand unserer Gesellschaft kann nicht dauerhaft auf Wachstum basieren.sburgers Florian Lettl: Diese Plastik fällt zweifellos aus dem Rahmen der Werke seines weitaus bekannteren surrealistischen Vaters Wolfgang Lettl. Sie symbolisiert die Plattheit eines Kandidaten, der sich aufstellen läßt, und der die von seiner Politik zu erwartenden Opfer schon bei seiner Aufstellung anzusehen sind. Ein sehenswertes Denkmal der Demokratie. Kein Zweifel, ein zentraler Ort der Aufstellung gebührt diesem Werk mit Sicherheit. Gut vorstellen könnte man sich zum Beispiel, es gegen den Monarchistenarsch am Prinzregentenplatz einzutauschen (und dann den Platz in Kandidaten-Platz umzubenennen): Doch dann müßte man die Angelegenheit der Politik entreißen, die sich auch eine "Kulturhoheit" anheimgestellt hat, gerade weil sie schrecklich dumm ist in ihrer Verachtung jeglicher Fantasie (ganz egal übrigens wie Kulturreferent und OB gerade heißen). [Fotos: KoKa] (31.03.10)

der kandidat Lettle der Kandidat Lettl


(Un)heilige Geschichten

Während die Jungs unter den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings an der alterwürdigen Römermauer bolzen, lassen sich die Mädchen vom heiligen Bischof Simpert verwöhnen und das, während der heilige Bischof Ulrich hoch zu Roß für das Abendland die Kohlen aus dem Feuer holt und die zum Christentum bekehrte Ex-Nutte Afra an einem Marterpfahl ihrer Verbrennung entgegensieht! (26.03.10)
Roemermauer   Simpert Ulrich Afra


Afghanistan-Song

Wer den Song der Augsburger Straßenrockband IMPOTENZ sucht und auch den Text dazu, dem kann mit diesem Link geholfen werden. Übrigens: "Forscher" - seltsame Gestalten, die über Folgendes "forschen" - sollen herausgefunden haben, daß "uns" - Achtung! Nationalisten als Forscher! - der Tod von Soldaten "gleichgültiger" wird. Warum sollte es uns nicht gleichgültig sein, wenn Leute zu Schaden kommen, die so  dumm sind, sich nach Afghanistan zu begeben, und dort zu Schaden kommen? Sind sie nicht einzig & allein mit einem schwarz-rot-gold beflaggten Sarg angemessen betrauert? Warum begibt sich eigentlich Politikwissenschaftler Ulrich Roos nicht nach Afghanistan? Feigling! (25.03.10)

Liebe Buben und Mädchen,

seid bitte so frech und haut Euren Eltern, sollten die die Frechheit besitzen und Euch mit der Verabreichung des Kindermagazins "Dein Spiegel" deutsch-nationale Gesinnung zu inhalieren versuchen, haut ihnen dieses Heft um die Ohren! Wenn Ihr diesen Augenblick auch noch fotografisch festhalten könnt - schickt das Foto per E-mail an KoKa und ihr bekommt wahlweise eine Freikarte für die Augsburger Puppernkiste (Kabarett 2010) oder ein Jahresabo der Zeitschrift GegenStandpunkt, um Euch mit Argumenten gegen Verdummungsversuche zu wappnen. (23.03.10)

Das Lumpenproletariat

Michael Friechrichs hat in einem Beitrag für die erste Ausgabe des Augsburger Literaturmagazins Lauthals (herausgegeben von Reinhard Gammel; erhältlich in Augsburger Buchläden; die zweite Ausgabe ist in Vorbereitung) sein Befremden über die Anpassungsfähigkeit eines 1-Euro-Bettlers Ausdruck verliehen. Indem er dessen Wunsch entsprach, hat er der gesellschaftlich vorstellig gemachten Gleichung, nach der - gerade für die, die nichts besitzen! - der Anstand Mittel des Erfolgs sei, recht gegeben. Er ist auf die Heuchelei des Bettlers hereingefallen, wie er selber konstatieren muß. Jener ging mit der erhaltenen Münze natürlich nicht, wie behauptet, zum Telefonieren.
Warum räumt er das so offen ein? Ist es eine dem Proletariat im allgemeinen unterstellte Moralität, die es von der Bourgeoisie unterscheiden soll, die nun aber bitter enttäuscht wurde in der schnöden Berechnung des allzu höflich Bittenden? Wenn dem so ist, wäre dann nicht ein Schluß fällig auf die Leistung eines gesellschaftlichen Systems gar sein offenkundiges Opfer in der Weise zu ideologisieren, daß es seinen Erfolgsversprechungen auch dann noch glaubt, wenn es ums pure Überleben, ums Aushalten des Daseins mit der nächsten Flasche Bier ringt?
Daß Anstand Mittel des Erfolgs sei, dies ist auch der aus der Arbeiterbewegung einst hervorgegangenen, systemtragenden Partei namens SPD nicht fremd. Ja, es ist in jeder Beziehung ihre Agitation, auch gegenüber dem Kapital. So hat, worauf die Augsburger Allgemeine am 19.03.10 dankenswerterweise hingewiesen hat, der neue Vorsitzende der Partei Gabriel den Begriff "Lumpenelite" in die Welt gesetzt. Das Blatt hat in dem Zusammenhang sein Augenmerk darauf gerichtet, daß dieser Begriff in gewissem Gegensatz zu dem Begriff des "Lumpenproletariats" steht, der zur Zeit von Marx im Umlauf war und der die dringliche Notwendigkeit des Klassenkampfs vorstellig gemacht hat. "Lumpenelite" hingegen ist der Vorwurf des fehlenden Anstands an die "Leistungsträger" der Nation, an die Kapitalisten, die ihren Erfolg verfehlen, wenn sie sich nicht anständig benehmen, also den Arbeitern "nicht nur" ihre Existenz infrage stellen, sondern sie auch ihrer "Würde" berauben. Wie der von Friedrichs aufgegriffene Fall allerdings zeigt, lassen die sich am allerwenigsten ihre "Würde", die sich in ihrem Anstand ja manifestiert, rauben.
Es ist zwar nicht immer erfolgreich, aber
ziemlich einfach, sich auf Heuchelei zu verstehen. Ein SPD-Vorsitzender befleißigt sich dieser Art Kritik am Kapital ja ebenfalls heuchlerisch, weil er als Staatsmann zu beklagen hat, daß der Erfolg des Kapitals insgesamt für die Ansprüche, die der deutsche Staat an es hat, zu wünschen übrig läßt. Er fordert also mehr Ausbeutung, aber bitte so, daß das Proletariat nichts davon merkt, weil sie "anständig", d.h. erfolgreich abgewickelt wird [Er fordert also den Erfolg, aber erfolgreich, ein schöner Pleonasmus!]. Was natürlich kaum anders geht, als daß die richtige Partei die richtigen politischen Richtlinien setzt. Im übrigen geht diese Art Kritik am Kapital in die Richtung, die unter dem Link "Faschismus" auf dieser Website die faschistische Ideologisierung der SPD zeigt: Auch der NSDAP war das Kapital viel zu wenig national verantwortlich, wurde zuviel Geld am Fiskus vorbeigeschleust, wurden Ausbeutungschancen im besten Sinne, nämlich in dem der Größe der Nation, vergeigt.
"Anstand" war ein ganz, ganz großes Thema faschistischer Agitation, gerade weil die Faschisten ganz, ganz große Opfer dem Proletariat aufbürden wollten. Hitler selbst stellte sich bezüglich des Lumpenproletariats die Frage: "Sind dies noch Menschen, wert, einem großen Volke anzugehören?" (Mein Kampf, S. 42)  Und im Sinne des Anstands, den der Bettler beherzigt, muß man behaupten, ja sie sind es! Sie sind zu genau denselben Anpassungsleistungen fähig, die Gabriels "Lumpenelite" kaum nötig hat, weil in und zwischen den Chefetagen Ellbogen allemal erfolgversprechender sind. In diesem Sinne bekennt sich die SPD gerade dazu, Ambitionen in Richtung einer faschistischen Arbeiterpartei zu haben, die wie die NSDAP auch das Kapital auf die Nation und deren Erfolg ausrichten möchte. 
(21.03.10)

Zölibat?

Das ist die Sonntagsfrage beim Allgemeinen Rotz Deutschlands (ARD). Gibt es nicht ganz andere Fragen, die vordringlicherweise auf die Tagesordnung gestellt werden sollten? Wann endlich werden die elendensten Heuchler der Nation, die katholischen Bischöfe ans Kreuz genagelt? Und soll man nicht all die Kinder schändenden Pfaffen an den Laternen aufknüpfen? Und wäre es nicht das Allerwichtigste im Sinne eines laizistischen Staates selber, diese dreckigen Pfoten aus den Bildungseinrichtungen zu entfernen, indem man der römisch-katholischen Kirche ihren gesellschaftlichen Sonderstatus entzieht? Doch gerade daran erkennt man ja die Heuchelei der Öffentlichkeit. Sie sucht lieber auszuweichen, leisezutreten, zu beschwichtigen, das Thema ins Unsachliche zu verlagern. Sogesehen ist sie nicht minder verantwortlich an all den kirchlichen Schweinereien. Aber das ist man ja gerne, wenn man dafür im Gegenzug seine Schlagzeilen hat!
(21.03.10)

Was Ihr schon immer wissen wolltet

über eine eher dritt- als zweitklassige Sängerin:
Sie wurde  1967 in Turin als Tochter eines Großindustriellen und Opernkomponisten und einer klassischen Konzertpianistin geboren. Sie ließ sich auf der Flucht vor einer Roten Brigade im Alter von 5 Jahren in Frankreich nieder. Schon sehr früh nahm sie Klavier- und Gitarrenunterricht, auch komponierte sie Lieder, so ihre zahlreichen Tätigkeiten dazu Zeit ließen. Zunächst begann sie dann ein Architekturstudium, bevor sie Fotomodell wurde, das war 1985. Bis 1997 gehörte sie zu den begehrtesten Topmodels und wurde die Muse zahlreicher Modeschöpfer. Danach versuchte sie sich als Musikerin durchzusetzen: Was anfangs nach Erfolg aussah, stellte sich spätestens mit dem 3. Album als kolossaler Flop heraus.  Begleitet wurde diese Flop-Karriere von einer ehelichen Liaison mit einem hochgehandelten politischen Aufschneider, dessen Anzüge es der modebewußten Sängerin angetan hatten. Er ist denn auch - wohl deshalb - in ihrer persönlichen Biografie gar nicht erst erwähnt. Sicherlich ein bißchen zu Unrecht.
Als Fazit kann hervorgehoben werden, daß es ein schwerer Fehler sein kann, seinen Eltern einfach nachzulaufen
und nachzueifern!
(15.03.10)


Schüler-Verblödung

Die Stadt Augsburg weist auf Folgendes hin: "Bereits zum dritten Mal veranstaltet das Europe Direct-Informationszentrum der Stadt Augsburg einen Europa-Malwettbewerb für Schülerinnen und Schüler (1. bis 13. Klasse). Sie sind dazu aufgerufen, sich kreativ mit der EU und aktuellen EU-Themen auseinanderzusetzen. In diesem Jahr stehen den Kindern und Jugendlichen die Themen „Wachstum und Beschäftigung“, „Energie und Klimawandel“ sowie „Gegen Armut und soziale Ausgrenzung kämpfen“ zur Auswahl. Die Wahl der zeichnerischen Mittel ist frei, das Papierformat ist auf DIN A3 festgelegt."
Es ist kein objektives Urteil Über "Europa" anvisiert, sondern ein streng parteiliches: Die EU ist einfach super! Daß die EU Armut und Ausgrenzung hervorbringt, das ist zwar nicht zu übersehen, aber gerade deshalb kann man ja so tun, als wäre sie mit nichts anderem beschäftigt, dagegen zu kämpfen! Daß das tolle Wachstum zu immer weniger Beschäftigung und zu einer ziemlich radikalen Schädigung der Umwelt geführt hat, auch das sollen die Schüler malerisch ganz anders sehen! Aber vielleicht kommt ja auch ein Schüler auf die Idee, einen großen Scheißhaufen aufs Papier zu pinseln und darüber EU zu schreiben (uns am besten Deutschland gleich dazu, um nicht mißverstanden und in die national-alternative Ecke gerückt zu werden!). Die 60 besten Arbeiten sollen prämiert (mit der Unterstützung ortsansässiger Unternehmen! wow!) und in einer Ausstellung präsentiert werden.
(15.03.10)

Apolitisches

Rainer Langhans saß auf Hempels Sofa. KoKa war nicht dort. Es befürchtete, daß ob dessen Ergüsse das alte Gewölbe des Annapam-Kellers einstürzen würde. Der legendäre Kommunarde hätte so seinem gefallssüchtigen Leben ein ebensolches Ableben hinzugefügt.  Daß die Veranstaltung von einem beim Lokalsender der AZ gestrandeten Althippie namens Symolka moderiert wurde, paßte natürlich zu dem ganzen Gewäsch, das dort abgelassen wurde. (Man kriegt das ja auch so mit, ohne dortgewesen zu sein.)
"Wir haben den Hunger satt!"  Mit diesem Titel geht das "Forum Eine Welt Augsburg" hausieren. Ein Forum bestehend aus ca. 20 Vereinen, überwiegend christlicher Art, aber auch attac ist dabei, wie überall, wo es nach Politik riecht, aber natürlich nicht wirklich politich, schon gar nicht in kritischer Absicht, gedacht wird: Die Gründe für den Hunger  bleiben im Abseits.  An zu wenig Unterstützung liegt es jedenfalls nicht, wenn Jahr für Jahr mehr gehungert wird, vielmehr an der Art dieser "Hilfe"; ebenso konsequent im Abseits: Opposition gegen die Verantwortlichen für den Hunger: Weder eine Kampfansage an den deutschen Staat noch an das deutsche Kapital sind beabsichtigt. Vielmehr ein Schulterschluß mit der kapitalistischen deutschen Politik: "Kluge Entwicklungspolitik ist im Interesse aller Beteiligten! Richtig umgesetzte Kooperationen können sowohl den Not leidenden Menschen in den Entwicklungsländern helfen, als auch die wirtschaftliche Position der Geberländer stärken. Gerade der Exportweltmeister Deutschland muß ein klares Eigeninteresse daran haben, den wirtschaftlichen Erfolg der Entwicklungsländer zu unterstützen, Investitionssicherheit herzustellen und die Märkte der Zukunft zu erschließen. Darüber hinaus ist erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit fester Bestandteil einer vorsorgenden Sicherheitspolitik und kann wesentlich zum globalen Klimaschutz beitragen." so formuliert es z.B. der entwicklungspolitische Sprecher der CSU, Christian Ruck (auf eigener Website, Stand 06.03.10). Das deutsche Interesse fußt auf Hunger und Elend und deshalb ist gleichzeitige "Sicherheits"politik so notwendig! Daß damit eine Hilfe für die Menschen in den Entwicklungsländern verbunden wäre, ist eine interessiert vorgetragene, dicke Lüge, die auch nicht dadurch widerlegt ist, daß sie gebetsmühlenartig fast täglich wiederholt wird. Auf diese Lüge vorsätzlich hereinzufallen, macht sich genanntes Forum anheischig.
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Extra ärgerlich: Da macht man eine Veranstaltung zum Thema »Grundeinkommen« und was machen die Ignoranten von  attac kaum drei Monate später? Sie propagieren diesen Schwachsinn mit einer eigenen "Woche". Hauptsache man rennt bei der Politik offene Türen ein: Was macht es Spaß, wenn einem die Hartz IV-Parteien den roten Teppich ausrollen (ist dieser Wunsch gar der Vater des Gedankens?)!
(06.03.10)

Alkoholisches

Selbstverständlich wird es einem deutschen, römisch-katholischen Militärbischof nie einfallen, etwas gegen den deutschen Afghanistan-Krieg oder sonst einen deutschen Krieg einzuwenden, ganz im Gegensatz zu einer protestantischen Bischöfin. Auch wird er nie in Gefahr geraten, alkoholisiert am Steuer erwischt zu werden. Nicht weil die römisch-katholischen Bischöfe nicht auch Schluckspechte - die ganze Menschheit ist bekanntlich ein einziges Säufergeschlecht! - wären, vielmehr deshalb, weil sie sich Chauffeure leisten. Sie achten allüberall auf den gehörigen Abstand zwischen Oben und Unten. Deshalb sind ihnen die aufgedeckten Sexaffären auch so peinlich. Und der protestantischen Bischöfin muß einfach vorgeworfen werden, daß sie die demokratisch-moralisch gebotene Distanz zwischen Führung und Untertanen vermissen läßt. Dies hat sie eingesehen und ist zurückgetreten.
(06.03.10)

pink rabbitt


Pink Rabbit von der Naturfreundejugend Berlin

verspricht den Naturfreunden von KoKa-Augsburg in einem Schreiben: "... Ich setze mich erstmal zur Ruhe. Fahr dahin, wo's schön warm ist und laß mir die Sonne auf den Pelz knallen und mich von süßen Tussen verwöhnen. Aber ich komme wieder, keine Frage. Hab da schon einige nette Ideen! ..." Rabbit dementiert damit beigelegten Zeitungsausschnitt, bei dem der Wunsch des Verfassers, Pink Rabbit in Rente gehen zu lassen, der Urheber des Gedankens war (der Widerspruch im Schlußabschnitt fällt dem Kommentator wohl gar nicht auf oder sind Rente und Urlaub für ihn ein und dasselbe?).  
Mit dem Natur- und Tierschutz ist es in der feinen deutschen Republik, wie dem Artikel zu entnehmen ist, auch nicht weit her. Hasen sind offenkundig Freiwild, nicht nur in textilfrei bebilderten Magazinen.
Was die Übergriffe römisch-katholischer Würdenträger auf "schutzbefohlene" Kinder sind, das sind Übergriffe vcn pseudogrünen Staatsbediensteten auf supersüße Zuckerhasen wie unseren lieben Pink Rabbit.  Da sage noch jemand, dieser habe den Urlaub nicht nötig und nicht verdient.  Schön wäre es freilich, wenn sich der ein oder andere Politiker für die bedrängte Kreatur stark machen würde, doch was ist von Leuten zu erwarten, die von einem Arbeitsessen zum nächsten, von einem Arbeitsurlaub zum nächsten, von einer Einladung zur nächsten eilen, da bleibt das Denken ja fast zwangsläufig auf der Strecke...  muß man da nicht von Glück reden, wenn sie nicht einen Hasen auch noch verspeisen wollen? (Als ob es nicht ähnlich schlimm wäre, die Hummer auszurotten!)
Im übrigen hat es Pink Rabbit offengelassen, Augsburg zu besuchen; eingeladen ist er hiermit. Das gibt ein Hallo!

(27.02.10)




Lichtenstein RoyDali?Roy Lichtenstein

Roy Lichtenstein! Aristoteles und Schiller in einem Atemzug? Das geht doch auch nicht, liebe Schüler und Schülerinnen des Stetten-Instituts! Aber immerhin: Newton und Einstein könnten einigermaßen zusammenpassen. Ach so, tausendmal sorry, ihr wolltet das ganze Spektrum eures Wissens namentlich darstellen, das ihr an dieser eurer Schule schon erworben habt? Na dann könnt ihr ja mal loslegen! Vielleicht so wie die 12-jährige Filine Heinmold, die mit ihrem autobiografischen Romandebüt einen echten Kracher vorgelegt hat. Ihr Buch strotzt nur so von sexuellen Eskapaden, ersten Drogenerfahrungen, aber vor allem: unerfüllbarer Sehnsucht! Ein verdammt verruchtes Buch mit unerhörten Detailkenntnissen, die einen Schiller zum Waisenknaben herabwürdigen. Das ist Kultur, das ist wahre Bildung und nicht bloß Bildung als Ware! Die taz veröffentlicht in räuberischer Manier einen Vorabdruck, der kein Auge trocken läßt....
(Und der vor allem die Mathe-Hausaufgaben endgültig vergessen läßt! Scheiß doch auf den Thales!)

Übrigens: Das Gemälde eures Künstlers hält dem Original durchaus stand. Weitere Msiterwerke - sei es Bild oder Text - aus eurem Hause harren der Veröffentlichung an diesem Platze! (Geheimtip: KoKa erfüllt Sehnsüchte!)
(24.02.10)





















Zervos Petros
Das Wort zum Sonntag, äh, zum sexuellen Mißbrauch an Kindern durch solche
, äh, na solche halt, die dem Bösen verfallen!

Die AZ hat nachgefragt. Schließlich werden die aufgedecktten Mißbrauchsfälle immer häufiger (jüngst: Hamburg: St. Ansgar-Schule; Bonn: Aloisiuskolleg; Schwarzwald: Kolleg St. Blasien; Berlin: Canisius-Kolleg u.a.). Freilich weiß man nicht so recht, ob man es dem im erzkatholischen Polen, in Chorzów, geborenen deutschen Militärbischof auf dem Augsburger Bischofsthron seine Entrüstung als ehrliche abnehmen kann. Denn Mixa versucht die Fälle zum überhaupt stattfindenden Kindermißbrauch ins Verhältnis zu setzen: "Seit 1995 gibt es in Deutschland 210.000 polizeilich registrierte Fälle von Kindesmißbrauch. Die Zahl der Fälle in kirchlichen Einrichtungen liegt dabei in einem verschwindend geringen Promille-Bereich. Das soll keinen einzigen Fall verharmlosen, rückt aber doch die tatsächlichen Verhältnisse ins rechte Licht." (AZ, 16.02.10, ebenso die folgenden Zitate). Er hat also den Imageschaden der römisch-katholischen Kirche scharf im Auge. Und überhaupt: Schuld an dem ganzen Desaster ist die "sexuelle Revolution": "Sexueller Mißbrauch von Minderjährigen ist leider ein verbreitetes Übel, das in vielfältigen Erscheinungsformen von der Familie bis zur Schule oder zum Sportverein auftritt [da kennt sich einer aber aus!]. Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig. Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt." Dem wirke die Tabuisierung der Sexualität durch die Kirche entgegen, die an dieser Stelle mal neu eingefordert werden kann und muß! Eine Tabuisierung, die im Zölibat für Priester seinen institutionellen Ausdruck findet, weshalb das Zölibat nie und nimmer mit einem mitunter im Kindesmißbrauch kanalisierten Ausbruch der Sexualität aus ihrer geforderten und gewählten Unterdrückung - die natürlich auch anderswo, in einer Ehe etwa, vorkommen kann - zu tun haben kann: "Die zölibatäre Lebensweise von Priestern hat mit dem sexuellen Mißbrauch von Jugendlichen überhaupt nichts zu tun." Warum? Weil "führende nicht-katholische Experten" - Gott sei Dank! - keinen Zusammenhang erkennen konnten (oder wollten?). Als ob der Zusammenhang ein quasi automatischer wäre! Und: "Der ganz überwiegende Teil der entsprechenden Sexualstraftaten wird von verheirateten Männern, oft im verwandtschaftlichen Umfeld der Opfer, begangen [zwar offenbar nicht von Leuten, die freier Sexualität anhängen, aber was tut's hier zur Sache!]. Zölibatär lebende Priester sind in der Regel sexuell völlig normal orientiert, verzichten aber in der Nachfolge Christi in einer bewußten Entscheidung auf Ehe und Sexualität." Gäbe man das Zölibat auf, dann erst würde ein Sodom & Gomorrha auf Erden herrschen! "Zipfel ab" - diese alte, ultrafeministische Idee wäre zwar eine Idee für die Glaubwürdigkeit der Kirche, aber wer weiß, wie sich dann die Sexualität Geltung verschafft? Im Ansehen von Kinderpornos? Würde da die Kirche ein Auge zudrücken? Ach, das tut sie eh schon?
[Karikatur von Pétros Zervós: So klar das Ziel eines Gottesfürchtigen ist, so weit entfernt ist es oft.] (16.02.10)


Gib mehr von deinem heiligen Geist, Sankt Guido!

Fast täglich versucht sich ein Politiker - egal ob auf kommunaler Ebene oder Bundesebene - öffentlich in Szene zu setzen. Mit der dafür nötigen Dummheit schickt er sich an, sich der interessierten Öffentlichkeit für wichtige staatliche Ämter und Aufgaben vorstellig zu machen. Diese greift in Berichterstattung und Kommentaren die vorgetragenen Äußerungen genüßlich auf. Schließlich ist das ihr täglich Brot und nichts ist leichter, als so die Seiten neben den Anzeigen zu füllen.  Aber nicht nur das. Sie fühlt sich in der Weise der Nation und ihrem Fortschritt verantwortlich, daß sie es nicht lassen kann, bezüglich der Auswahl und Qualifikation der Politiker ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.
Soll man da überhaupt der Sache nach, die in jenen Äußerungen angesprochen wird, einsteigen? Ist von einem Vertreter des politischen Arms des Kapitals schlechthin, der FDP, etwa etwas anderes zu erwarten als rassistische Äußerungen bezüglich "Leistungsträgern" und "-verweigerern" in der Gesellschaft? Ist das Echo der konkurrierenden Parteien um einen Deut besser, wenn sie die verbliebenen Reste des Sozialstaats als dessen Gütesiegel preisen? Merkt man nicht SPD-Politikern mühelos an, wie sehr es ihnen stinkt, daß sie nicht mehr in der Regierung sind und die "sozial Schwachen" - für deren rapides Anwachsen sie zum Gedeihen der Nation eigenhändig gesorgt haben - gerne nach wie vor selber verarschen möchten - dies also, da sie sich ja ob diesem Klientel geradezu selber verleugnen, mitnichten den Herren von der FDP überlassen möchten? Fürchtet ein CSU-Seehofer nicht mittlerweile auch um die dümmsten Bauern, also die, die bislang zu ihrem eigenen Schaden seiner Partei noch die Wählermehrheit in den ländlichen Regionen gesichert haben, und ist deshalb für jede Agitationsvorlage der politischen Konkurrenz dankbar?  Usw. usf.
Und überhaupt! Hätte man es nicht schon längst wissen können, was für ein Geistesriese Guido Westerwelle ist? Fällt einem zu dessen Äußerungen überhaupt noch etwas ein? Und wenn ja, macht man sich dann nicht so lächerlich wie der AZ-Kommentator, der aus ihnen die ganzen Probleme ableitet, vor denen die deutsche Nation steht bzw. angeblich stehen soll (AZ v. 13.02.10)?  (Als ob sich solches Gedankengut für jeden nationalbewußten Fachmann - und wer wähnt das nicht zu sein? -  nicht von selber verstünde!) Will man sich also einmischen, wenn Politik und Presse sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, so, daß sie sie gegenseitig auch garantiert auffangen können? Will man dabei den Spaßverderber spielen und allen Ernstes ein Foulspiel pfeifen?
Doch manchmal kommt Rettung von dort, von wo man sie sich eigentlich nicht erwartet. In Rußland ist man zu einer neuen Methode übergegangen, politische Sprücheklopfer zu entzaubern, einer Methode, die jenen adäquat  zu sein scheint. Man befragt Sternendeuter über solche Politiker. Und siehe da, einer von den so Befragten profezeite Fräulein Timoschenko ein bitteres Jahr und auch ein gewisser Sackarsch Willi (oder so ähnlich) werde heuer alt aussehen. Und wenn der deutsche Außenminister die Beziehungen zu Rußland weiter so schleifen läßt, dann - das sei hinzuzufügen gewagt -, dann hat er auch bald ganz, ganz schlechte Karten. - Weise Russen haben es offenbar glatt geschafft, ein altes römisches Sprichwort vom Kopf auf die Füße zu stellen: Per astra ad aspera!
Das Publikum? Ist bestens unterhalten. In seiner Zuschauerrolle ebenso hofiert wie in seinem sowohl privaten wie prinzipiellen Durchblick. Wählen tut es nächstes Mal die, die garantiert gute Karten haben! Darauf ist Verlaß; das tut es nämlich immer (wieder). (15.02.10)



Apropos Brecht Festival

Gestern fand eine Diskussion statt, "Brecht und die Zeitung". Nicht uninteressant, aber auch nicht besonders erkenntnisreich. Daß Brecht dichten wollte und mit Dichtung Geld machen wollte, daß damals die Zeitungen noch offenere Blätter für Literatur waren und daß Brecht als Jugendlicher - es ging im wesentlichen um die Zeit zwischen 1914 und 1918/20 - unverfroren genug war, seine Aufzeichnungen den Zeitungen anzubieten, all das war zu hören. Der Erfolg bestärkte ihn in seiner Gewitztheit und Originalität ebenso wie in seinem Streben nach Höherem.
Für Prof.  Jan Knopf war Brecht übrigens kein Kommunist, wobei er die übliche demokratische Gleichung DDR = Kommunismus unterstellte. Daß die DDR Brecht für sich vereinnahmem und zurechtbiegen wollte, ist  ja auch nichts Neues.  Außerdem wurde in Abrede gestellt, daß Brecht im Westen und speziell in seiner Heimatstadt vernachlässigt wurde. Nun, er wurde fleißig im Theater aufgeführt, aber eben auch auf das reduziert, ansonsten wurde er in neuerer Zeit für seine Kommerzialisierung entdeckt. Für die eine Stunde Podiumsdiskussion mußte man übrigens geschlagene 8 Euro Eintritt zahlen, wobei man sagen muß, daß hier immerhin noch 3 Brecht-Experten zum Thema redeten. Am Sonntagabend findet eine Politikerdiskussion statt, für die gar 12 Euro berappt werden müssen. Fragt sich nur, wer Antje Vollmer (ausgerechnet diese Moralschachtel!), Thomas Goppel,  Leutheusser-Schnarrenberger und Franz Maget hören möchte, haben sie doch schon ansonsten zur Genüge bewiesen, daß sie nichts auf der Pfanne haben - wären sie ansonsten Politiker geworden? -, warum sollten sie also ausgerechnet über Brecht was Richtiges und Wichtiges verlauten lassen können? (07.02.10)



Politische Kultur

Was das ist, das wissen demokratische Parteien landauf landab zu zelebrieren: Personalquerelen, Intrigen, Gerangel um Macht  und Einfluß, Seilschaften, Wasserträger, Führungsfiguren - um nur einige der schönen Bezeichnungen zu nennen, die das demokratische Leben in seiner Eintönigkeit so vielfältig machen.  In der Demokratie ist die Partei DIE LINKE spätestens jetzt endgültig angekommen; Gysi hat den Geschäftrsführer geschaßt, weil der nicht daran dachte, eine integrative Rolle in der Partei zu spielen. Aber warum sollte das auch einer, der begriffen hat, wie Demokratie geht? Nun hat er dummerweise einen Machtkampf verloren und bekommt sofort ein Angebot von der SPD, die solch schweinische Typen zu schätzen weiß: Typen, die Ellbogen haben und sich durchsetzen wollen, die - wenn sie trotzdem verlieren - der eigenen Partei die Zunge herausstrecken und "Ätsch" rufen. In der SPD - das kann man mit Fug & Recht behaupten - ist die intrigante Art Bibel der Partei. - Ach so, DIE LINKE behauptet nun, sie wolle sich nunmehr wieder den politischen Inhalten zuwenden: Die sehen dann z.B. so aus:
KREISMITGLIEDERVERSAMMLUNG - JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG, Samstag, 16. Januar 2010, 14.00 Uhr Gewerkschaftshaus (Dachboden) – Am Katzenstadel 34 – 86152 Augsburg
Vorgeschlagene Tagesordnung:
1. Eröffnung und Begrüßung  - 2. Wahl der - Versammlungsleitung - Protokollführung - Wahlkommission - Mandatsprüfungskommission - 3. Beschluß über die Tagesordnung - 4. Rechenschaftsbericht des Vorstands a Entwicklung des KV Augsburg b Finanzbericht c Revision d Diskussion der Berichte - 5. Beschluß über die Billigung der Berichte a Entlastung des Vorstands  - 6. Bericht der Mandatsprüfungskommission - 7. Wahl des Kreisvorstandes und der Finanzrevision - 8. Kreissatzung  -
[9. fehlt] - 10. Antrag der BO Augsburg Ost : Gründung Ortsverband Augsburg Ost - 11. Diskussion zur zukünftigen Arbeit - 12. Anträge und Verschiedenes (Antragsschluß: Freitag, 08.01.10, 18.00 Uhr);  voraussichtliches Ende: 19.00 Uhr
Also geschlagene 11 Tagesordnungspunkte und nicht ein einziges politisches Thema findet sich dort!  Aber warum über Afghanistan, Wirtschaftskrise, Gundremmingen etc. diskutieren, wenn doch eh alles klar iat - zumindest für die GAMAZ (größten anzunehmenden Moralisten aller Zeiten)? (16.01.10)
fantasma

Das Gespenst des neuen Kommunismus - Steuern

Von alters her waren bekanntlich die Griechen die Vorreiter abendländischer Zivilisation. Die noch ziemlich neue griechische Regierung steht vor dem - sowohl von der EU herangetragenen wie von ihr selber geteilten - Anspruch, die Staatsfinanzen zu sanieren. Das heißt, sie muß Steuern und Abgaben eintreiben, vornehmlich bei denen, die eh kaum etwas haben, weil man die Leistungsträger bekanntlich schonen muß. Nun hat das Staatsdefizit solche Ausmaße angenommen, daß selbst die Reichen nicht verschont werden können, was bei ihnen natürlich postwendend den Aufschrei gebiert, der Staat wäre auf kommunistischen Abwegen.  Ja, dieses Szenario hat die BRD im wesentlichen noch vor sich. Einstweilen sind schon mal die Ansprüche auf Steuersenkungen bei den Reichen in "sozialistische" Gefahr geraten.
So wenig wie irgendjemand von einer Klassengesellschaft reden will, so sehr bemüht man die Gleichung der Bourgeoisie, nach der Staat = Sozialismus ist. Pervers, ja, aber völlig normal angesichts der geistigen Verwahrlosung, die ebendiese Kreise betreiben und für "Bildung" verkaufen. Dafür halten sie sich dann z.B. einen Hans Werner Unsinn.
Die Regierung selber beschließt ein Wachstumsförderungsgesetz, um es ihren Lieblingen recht zu machen, und handelt sich prompt - statt überschäumendem Lob - den Vorwurf ein, sie hätte kein richtiges Projekt, keine Agenda 2020, wo doch die Agenda 2010 des Kanzlers Schröder ein solch geiler Erfolg war (so z.B. der Kommentator in der heutigen Ausgabe der AZ)... bei der Verschärfung des Klassengegensatzes! Und darauf kommt es doch wohl mehr denn je an. Als ob der Staat als Sozialstaat kein Klassenstaat gewesen wäre, sondern purer Sozialismus...
[Abbildung: Titelblatt der ΓΑΛΕΡΑ 1-2010, "Das Gespenst des neuen Kommunismus - Steuern"]
(11.01.10)


Obama sings the blues

bei seinem Auftritt anläßlich des Kabaretts 2010 in der Augsburger Puppenkiste. Zum Gipfeltreffen mit Kasperl kam es allerdings nur hinter den Kulissen. Auch ansonsten viele gute Jokes, die einen Besuch lohnen - mehr sei an dieser Stelle gemeinerweise nicht verraten. Allein die Musik diesmal weniger rockig als gewohnt. (06.01.10)

obama sings the blues

Brecht endlich  "entideologisiert"!

Beim neuen Brecht-Festival, das vom 29.01. bis zum 10.02.2010 stattfinden wird, ist Brecht & Medien, insbesondere auch Brecht & Film, Thema. Freilich nicht in dem Sinne, wie Brecht sich das vorgestellt hat:
Schlimmer ist, daß bei Meinungsfreiheit nie darüber geredet wird, wie man eine Meinung kriegen kann. Zuerst müßt' ich doch instand gesetzt werden, daß ich mir eine Meinung bilde. Wenn es aber Leute gibt, die dagegen sind und die Druckerpressen, den Nachrichtenapparat, die Schreiber und das Papier besitzen, nützt es mir nicht, wenn mir erlaubt wird, daß ich eine Meinung aussprechen darf. (Flüchtlingsgespräche, Ges. Werke Bd. 14, S. 1509)
Festival-Leiter Joachim Lang meinte nämlich, es gehe (ihm) darum, das Brecht-Bild von seinen ideologischen Verstrickungen zu befreien und zu zeigen, daß es Brecht zeitlebens hauptsächlich darum ging, als Künstler mit seinen Werken Vergnügen zu bereiten. Doch recht betrachtet verhält es sich genau anders herum, er wollte dem Publikum etwas klarmachen, ohne dabei auf  Lust und Lustigkeit zu verzichten. Aber Brecht verstehen zu wollen, hieße seine Inkompatibilität zur kapitalistischen Gesellschaft festzustellen und überdies sein Dilemma, in das er sich damit begab, beim (ideologisch festgelegten) Publikum landen zu wollen.  Die Gunst der Stunde, den manche "Revolutionäre" sehnlichst erwarten, verlegte Brecht  in den Raum des Theaters, um die Wartezeit zu verkürzen. Verlängert hat er damit freilich nur den - wenn man so will: realsozialistischen - Opportunismus gegenüber dem Publikum, der darin besteht, diesem keine schlechten Seiten nachsagen zu wollen; wonach jeder Brecht-Konsument also schon als ein (zumindest halber) Revolutionär betrachtet werden kann. Gegen eine solche Vereinnahmung möchten sich bürgerliche Theaterärsche natürlich nicht zu Unrecht verwahren. Da sie allerdings nicht die Brechtsche Logik begreifen wollen, tun sie das in der Art, in der sie Brecht für sich beanspruchen. Zu diesem Zweck wollen sie, wie Lang meint, ihn "entideologisieren". Sie möchten Brecht ebensowenig Böses (= Sozialistisches) nachsagen, wie dieser darauf beharrte, sein Publikum nicht zu beschimpfen. Diesbezüglich war Handke geradezu revolutionär, als er über die herzog, die auch das neue Brechtfestival anzuziehen gedenkt. Und für die Frasen gedroschen werden, die nicht ernstzunehmen sind. Würde man nämlich eine Entideologisierung ernstnehmen, würde das nicht  zwangsläufig zu der harschen Kritik am so großartigen demokratischen Kapitalismus führen, an der Brecht im großen & ganzen gescheitert ist und der sich nunmehr so stolz über ihn erhebt? (05.01.09)

Wer hat nicht schon mal Probleme mit einer Kaffee-Maschine gehabt?

Kaffeemaschine

Komik von Kostas Kufogiorgos


Lyn Todd - ein legendäres Album (1980)
I Need A Man - Buy Your Love - Rebel, Rebel - Devil Woman - It's You - This Time I'm Doin' It For Love - Lookin' For you - Metropolis Suite - Live Till I Die - Pinball Wizard


zervos großmutterDie Märchen der Gebrüder Grimm

sind ihnen, wie man weiß, größtenteils nicht selber eingefallen. Ihre Leistung war es, aus verschiedenen Quellen stammende, mündlich überlieferte Erzählungen niederzuschreiben. Dabei haben sie, um der öffentlichen Moral zu entsprechen, sexuelle Inhalte einfach herausgekürzt oder aber verbrämt dargestellt, so daß die Obrigkeit keinen Anstoß nehmen und die Schriften so die Zensur umschiffen konnten.
Selbst heute noch ist es lachhaft, wenn man z.B. sieht, was auf YouTube von der deutschen Zensurbehörde kurzerhand dem Zugriff verweigert wird. Nebenstehender Komik von Pétros Zérvos erschien in Galera #48, pikant dabei: Das ΓΙΑΓΙΑ;! (gesprochen Jaja), heißt übersetzt nicht Ja!ja! [Besorg's mir!], sondern schlicht und einfach Großmutter?! ....  Aber wer weiß schon, wie die Märchen seinerzeit unter Erwachsenen erzählt wurden, wo sie vielleicht gar keine Märchen waren, sondern echt erlebte Abenteuer, die von Mund zu Mund gingen?
Aus der Mutter von Hänsel und Gretel übrigens, so ist bekannt, wurde eine Stiefmutter, weil eine Mutter, die ihre Kinder verstößt, nicht in die moralische Landschaft paßte. So waren die Grimmschen Märchen denn ziemliche science fiction stories ihrer Zeit, an die nur die Kinder glauben konnten, ungefähr solange sie auch an den Nikolaus und an das Christkind glaubten.
(16.12.09 )

HrdlickaAlfred Hrdlicka

ist heute in Wien verstorben. Vielleicht einer der letzten, für den Kunst ein Mittel der Kritik an den herrschenden Zuständen war. Ein epochaler Meister trotz oder gerade wegen der kapitalistischen Umstände. Hier noch ein letztes Interview mit ihm. (05.12.09)


Bildungsstreik

Welche Frage ist die Richtige: Bildung für welche Leute? Bildung für welchen Zweck? -
Wie passen die beiden Fragen zusammen?
Wenn in der freien Marktwirtschaft Bildung dem Zweck der Geldvermehrung untergeordnet ist, indem sie ihm verpflichtet ist - und zwar auf Gedeih und Verderb aller ausnahmslos -, dann empfiehlt sich eine rigorose Sortierung: Da werden dann auch die Studenten sortiert, nicht nach Leistungsträgern und Nicht-Leistungsträgern, sondern nach potenziellen Leistungsträgern und Nicht-Leistungsträgern. Warum meinen denn auch so viele Studenten heutzutage, unbedingt Wirtschaftswissenschaften und Jura studieren zu müssen? Eben darum: Sie wollen sich  - wie andere über ihre reichen Eltern - schon mal durch die bloße Fachwahl als potenziellen gesellschaftlichen Leistungsträger qualifizieren und empfehlen, sie sind ganz im Sinne des gesellschaftlichen Systems berechnend....
[Wie sollte der rund 2500 Jahre alte Konfuzius dieses so weit fortgeschrittene System auch im voraus begriffen haben?]
Wer die Sortierung ernsthaft in Frage stellen will, muß das ganze System in Frage stellen und alle Anstrengung darauf richten. Das wäre mal eine Leistung, das jenes wirklich verdient hätte!
[Fotos: uniaugsburgbrennt]
(05.12.09)

Bildungsstreik Uni Augsburg   blöd

Kapitalismus - eine Liebesgeschichte

Der Film von Michael Moore, der derzeit in den Kinos läuft, bewegt die Zuseher durchaus. Drastisch stellt Moore die real existenten Verhältnisse in God's own country dar. So weit, so gut. Aber auch nur soweit. Moore konstatiert angesichts dieser ungeheuerlich erscheinenden Tatsachen einen Widerspruch zwischen Marktwirtschaft und Demokratie sowie einen Widerspruch zwischen Unmoral (Gier) und Moral, Unrecht und Recht. Anstatt zu überlegen, wie beide Seiten zusammengehören, meint er, sie fielen auseinander. Er glaubt wohl tatsächlich (noch), ein System der Stimmabgabe, also eines damit gegebenen Verzichts auf Mitsprache, könne Staat und Wirtschaft in eine andere Richtung zwingen. Das ist ebenso grotesk, wie ihm die Zustände seines Landes erscheinen. Und auch der Punkt, der ihm einfällt, wenn er sein Land von heute betrachtet, gerät ganz schön daneben: Die historischen und (inter)nationalen Vergleiche mit dem antiken Rom, mit dem Japan und dem Deutschland der Nachkriegszeit, mit Präsident Franklin Delano Roosevelt, streicht jede Besonderheit ebenso durch wie jedes allgemeine Prinzip, nach dem Macht und (kapitalistische) Ökonomie ausgerichtet sind. So tendiert der Film dazu, Verschwörungstheorien Nahrung zu geben. Des weiteren kommen die Trittbrettfahrer der Krise, die dann herausgekrochen kommen, wenn es gilt, die Schäfchen in ihrer Armut einzufangen, leider uneingeschränkt gut weg, als da wären ein Bischof aus Chicago und ein letzter (Sozial)Demokrat aus Vermont. Ausgerechnet die, die den Armen Verzicht zu predigen wissen, weil sie längst ihren Frieden mit dem System gemacht haben! Und das erste Fazit über die wahnsinnigen Veränderungen unter Obama wirkt allenthalben allein dann großartig, wenn man die Hetze der Rechten, die ihn als Sozialisten und Verräter der USA hinstellen, ernst nimmt. Bei Goldman Sachs z.B. kann man zurecht alles viel gelassener sehen. Die Täuschungen des Volkes über die Regentschaft Obamas kommen den Herren der Wirtschaft sehr zupaß. Mit kleinen "Nachbesserungen", wie sie z.B. die Süddeutsche Zeitung (v. 25.08.09 in Übereinstimmung mit dem Wall Street Journal) anmahnt, wird man im Hause Goldman Sachs kaum weniger gut "leben", d.h. Geschäfte machen können. (22.11.09)

Fragen zur Hofberichterstattung »made in Germany«

Kürzlich war in der pluralistischen deutschen Einheitspresse (AZ, SZ, FAZ etc.) auf Seite 1 ein Farbfoto zu sehen, das Verteidigungsminister Von & Zu Dingsbums in properer Pose zeigt, inmitten von Bundewehrsoldaten in einem Transall-Transportflugzeug. Haben die Zeitungen wohl alle sehr geil gefunden. Es wurde als Foto der Deutschen Presse-Agentur kenntlich gemacht. In der taz, in der das Bild klein und in schwarz-weiß auf einer der hinteren Seiten zu sehen war, erfuhr man dann, daß das Bild ein Reuters-Fotograf geschossen hat, also offenbar von dpa mit sämtlichen Rechten eingekauft worden war. Ob und wie sich das für dpa rechnet, ist deren Sache.
Bedenklich scheint allein die Tatsache, daß die deutsche Agentur offenbar keinen eingebetteten Journalisten in einem deutschen Flugzeug mit Prominenz an Bord sitzen gehabt hat. Die britische Agentur aber sehr wohl. Sind deutsche und britische Journalisten etwa wechselseitig im Einsatz, um die Unabhängigkeit der Presse unter Beweis zu stellen? Und der deutschen Zeitungsleserschaft macht es nichts aus, wenn trotzdem oder gerade deshalb das veröffentlichte Foto mit dpa gekennzeichnet wird?
(21.11.09)

Was der AZ an N-Korea wirklich gut gefällt

In ihrer Spießigkeit kann die AZ dem realsozialistischen Nord-Korea sogar etwas abgewinnen und einen Kurzbericht der Rodong Simmun unkommentiert einfach so aufschreiben: "...Für Frauen im 'revolutionären Zeitalter' wiederum schicke es sich nicht, ihr Haar 'offen und wirr' zu tragen. ... Für Frauen mittleren Alters seien dauergewellte Haare angemessen. ..." Dauerwellen sind so ewig gestrig, wie AZ und nord-koreanische Presse es eben gerne sehen. Anstandswauwaus des "korrekten Lebensstils" unter sich! (20.11.09) 

Depression

heißt mit einem deutschen Begriff: Niedergedrücktheit. Dabei stellt sich sofort die Frage: Wodurch ist jemand, der sie hat, niedergedrückt. Enkes Hausfrau hat »es« so ausgedrückt: "Ich habe gedacht, wir könnten »es« schaffen." Aber, verdammt noch mal, was ist dieses ES bloß. Es gibt Leute, die an dieser Stelle nicht weiterdenken wollen; hierzu gehört die ganze bürgerliche Presse, die schreit: "Krankheit!" Aus basta!
Nun kann einen eine Gurkentruppe wie Hannover 96 ja in der Tat ganz schön niederdrücken. Aber daß man sich selber vor die DB schmeißt? Wenn ja, dann liegt auf alle Fälle ein extremer Fall von 
»Schraube locker« vor, zumal wenn man einen millionenschweren Vertrag in der Tasche hat. Und ungezählte andere schmeißen sich doch auch fast täglich vor die Züge, freilich ohne daß die Medien ein Aufheben davon machen. Das wäre ja schon Gesellschaftskritik mit harten Tatsachen.
In der Tat: Es ist vielmehr das System, das einen auf die ein oder andere Weise niederzudrücken vermag und das man auch zu zweit nicht besser aushält. Wie und warum, das steht in einem Psychologiebuch, das hiermit mal wieder aus dem Schrank geholt zu werden sich lohnt, wenn man es schon hat - und ansonsten einfach kaufen, da spart man sich dann auf alle Fälle mal schon eine solche Quatschzeitschrift wie Psychologie heute (mit dem Sonderheft "Depression").
(16.11.09)

Die letzte Aufklärung über Brecht

Wenn der Sohn einer Mutter durch seine Werke unsterblich wird, fällt dessen Licht auf seine Mutter zurück. So jedenfalls reimt sich der bürgerliche Verstand dessen Größe genetisch - um nicht zu sagen: rassistisch - zusammen. So hat man sich in der bürgerlichen Literaturwissenschaft Brechts Mutter wohl als eine Art Bundesfamilienministerin vorgestellt, also mit zeitraubendem Job, mit etwa 7 Kiddies und trotzdem alles allzeit im Griff. Doch welch' Überraschung! Brechts Mutter hatte Depressionen! Das ergab ein nunmehr vom Leiter der Brecht-Forschungsstätte, Jürgen Hillesheim, ausgewertetes Notizheft der Sophie Brecht. "Stets habe sich die Mutter trotz mehrerer Dienstmädchen über die Hausarbeit beklagt, ihr Frühstück im Bett eingenommen." (Stadtzeitung, 21.10.09) Ja, wenn das nicht die leistungsfeindliche, sozialistische Veranlagung des Sohnes erklärt, der trotz dieses Handicaps mütterlicherseits, verdammt gute Gedichte schrieb! Ist das Leid nicht existenzieller Bestandteil des Lebens - und nicht etwa des Kapitalismus - mit dem man einfach fertig werden muß, soll und kann, wenn man nur versteht, richtig damit umzugehen? Die Überführung romantisierten Leids in Dichtung, das geht schwer in Ordnung, jedoch nicht eine Ableitung in die Notwendigkeit einer Kritik herrschender Verhältnisse.
Wie gut paßt es freilich, daß Bertolt bei der Beerdigung seiner Mutter nicht zugegen war [laut eigener Aussage hat er sie auf seine Weise geliebt, sie aber wollte auf die ihre geliebt werden]. Hillesheim dazu: "Brecht wollte einer Drucksituation entfliehen." (ebenda) Offenbar, so der Gedanke, wollte sich Brecht von der Lethargie und den Depressionen seiner Mutter so fernhalten und nicht auf ebensolche Weise ins Grab gezogen werden; er hatte ja Größeres vor (sich): Seine Emanzipation von seinen proletarischen Wurzeln, seinen Aufstieg in den Himmel des Bürgertums und dessen Theaters...
"Nochmals für den Kauf der Schriftstücke bedankte sich Hillesheim bei Bürgermeister Peter Grab." Bei diesen bahnbrechenden Forschungsergebnissen fällt sogar ein kleines Licht auf den Kulturreferenten... (01.11.09)

Deutsche Kultur

Der schmierige Siemens-Konzern verpflichtet den auf seine Weise ebenso schmierigen Joschka Fischer als Berater. Konzern und Ex-Politiker bauen gleichermaßen auf Skrupellosigkeit für deutschen Welterfolg. Und der entzieht sich jeder Geschmacksfrage - welch ein Glück aber auch! (24.10.09)

"Call of Revolution"

von Infertile aus dem New Wave-Punk-Gothic-"Tempel" zu Athen, aus dem Sin City. (18.10.09)


Das lebendige Bilderbuch

ille bilderbuch hanswurst & grethelmit beweglichen Figuren von Eduard Ille erschien zur Belustigung der Kinder. Es enthält Hanswursts lustige Streiche; es erschien im Verlag Lampe & Co., Augsburg, ca. 1880, und enthält u.a. folgendes Gedicht, das hier kommentarlos wiedergegeben wird:

Hanswurst:
Stets am Schönsten ist's zu Haus,
Besonders, wenn das Geld geht aus!
Grethel:
Welche Freude, welches Glück!
Mein Hanswurstel kehrt zurück!
Freu' dich, kleiner Hansel! ha!
Schau doch, das ist dein Papa!
Hanswurst:
Ja, das ist er, potz Philister,
Dein Papa, dein lang vermißter!
Potz Granat und Adlerorden, -
Hansel du bist groß geworden,
Und ich hab dich damals doch
G'worfen in das Ofenloch!?
Grethel:
Ja, doch als ich ihn hört' schreien,
Lief ich schnell ihn zu befreien
Aus dem schwarzen Ofenloch.
Hanswurst:
Schon genug! er lebt ja noch!
Welche Freude, welche Lust
Fühlt jetzt meine Vaterbrust!
  -
Vater, Mutter und das Kind,
Alle Drei - nun glücklich sind;
Alles freut sich, Alles lacht,
Und Hanswurst wünscht gute Nacht!











Das Ende des Kommunismus

paßt dem freien Westen auch wieder nicht so recht. Da sieht er sich in Form seiner freien Presse zum hundertsten und tausendstenmal veranlaßt, ihn totzuschreiben: Stefan Kornelius z.B. in der Süddeutschen Zeitung (01.08.09) entdeckt ihn allen Ernstes ausgerechnet aus Anlaß einer Wahlniederlage, und zwar der der KP Moldawiens! Daß diese forsche Entdeckungsmethode System hat, zeigt auch die Verleihung des Literaturnobelpreises an Herta Müller. Zu mehr als blankem Antikommunismus taugt deren Beschreibung damaligen Elends (der Banater Schwaben) nämlich nicht: Kritik im und für den freien Westen buchstabisiert sich nämlich allenthalben zweisilbig: erstens moralisch und zweitens antikommunistisch. Von den politischen Umständen und Maßgaben, unter denen das Elend zustandekam, wird gekonnt abstrahiert. Ja, in derartiger Weise ist das wirklich große Kunst. Und wer den Roman Atemschaukel nicht kennt, kann ja über seinen Inhalt mal kurz nachlesen. Stilistisch besser als Solschenizyn (was ja nun wirklich keine große Kunst ist), inhaltlich ähnlicher Mist. (15.10.09)

Urlaub = Reproduktion

Eine Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Arbeitskraft im Kapitalismus! Wie wenig daraus ein Genußerlebnis wird, liegt darin, daß manche dafür gar nicht mehr fähig sind, so kaputt hat sie das schöne Wirtschaftssystem der Demokratie gemacht. Und der anderen Seite kommt es ja auch nur darauf an, den menschlichen Wracks die letzten Groschen aus der Tasche zu ziehen. So sehen sie dann aus, die all-inclusive-Pauschalurlaube von TUI & Co. Kein Wunder, daß so mancher genervt aus dem Urlaub wieder zurückkommt. Wirklich Zeit, daß die Wissenschaft die sogenannten Nachurlaubsdepressionen aufarbeitet! (14.09.09)


»Es ist nicht, wer du bist. Es ist, was du machst.
«

So begrüßten AEV-Fans ihr Team zum ersten Heimspiel der Saison (welches übrigens mit einem 4:3-Sieg n.V. gegen die Adler Mannheim endete): Wie recht sie damit haben und wie sehr sie damit all die auf die Schippe nehmen, die es umgekehrt halten, ist ihnen wohl gar nicht so recht bewußt, am wenigsten allerdings wohl dem AZ-Redakteur, der diese Stellungnahme zitierte.
So ist ja auch wirklich egal, wer etwas sagt, ob der ARD, FAZ, GSP, XYZ oder KoKa heißt. Es kommt darauf an, ob es stimmt, was einer sagt. Das sollten sich all diejenigen hinter die Ohren schreiben, die, anstatt sich mit den besprochenen Themen inhaltlich auseinanderzusetzen, lieber sich über die Personen, die Autoren einer Meinung den Mund zerreißen. Von der Person und ihrer mehr oder weniger vorhandenen Autorität ist nichts in Sachen Richtigkeit einer Aussage oder einer Erklärung abhängig, wie sollte es auch. Die bürgerlichen Medien sehen das ganz anders: Bei denen zählt die Person, die etwas verlautbart allemal mehr, als der verlautbarte Inhalt. Und je höher die Person steht, desto respaktabler erscheint der Pressemeute deren Stellungnahme, auch wenn sie nichts als Quatsch beinhaltet. So kommt es, daß der Kanzlerin und dem Außenminister als respektablen Personen allüberall die Mikrofone unters Maul gehalten werden. Hingegen wird unsereinem gelegentlich mitgeteilt, daß wir ja eh nichts zu sagen hätten, vor allem ihnen. Also ausgerechnet denen, die sich von der deutschen Politik tagaus tagein verarschen lassen und dabei stolz darauf sind, dann nämlich, wenn sie sich als Deutsche als etwas Besseres vorkommen dürfen als Angehörige aller anderen, als mehr oder weniger minderwertig und abartig betrachteten Staaten. Das dürfen sie freilich und sie dürfen noch mehr: Sie dürfen demnächst mal wieder ihre Obrigkeit wählen, eine Obrigkeit, die so schlau ist, ihre Untertanen als mündig zu verarschen, ohne daß diese es merken. Eine Leistung, die wirklich fabelhaft ist. Ja, in gewisser Hinsicht gebührt Deutschland sogar Respekt. (13.09.09)


Zurück ins Mittelalter!

Daß der Kapitalismus mit seinen atavistischen Zügen die Süddeutsche Zeitung dazu veranlaßt hat, auch am Mittelalter allerhand gute, fortschrittliche Seiten zu entdecken, mag allein die überraschen, die das Blatt für etwas Besseres halten. Denn daß es dem heutigen SZ-Feuilleton bloß darum gegangen ist, festzustellen, daß es ohne Mittelalter keine Neuzeit und ohne Neuzeit kein Mittelalter gegeben hätte, wäre dem gebildeten Blatt gegenüber eine unglaubliche Unterstellung. Wie anders ist es auch zu verstehen, daß die kulturbeflissenen Zeitungsmacher in der gleichen Ausgabe Kult-Trottel Kehlmann in extra hervorgehobener Weise so zitieren: "Wie, wenn die Hexenverbrennungen berechtigt waren?" Und da das Mittelalter seine positiven Auswirkungen nicht nur in die frühe Neuzeit hinübergerettet hat, sondern auch in die späte, hat man glatt noch die fiese Visage des Konrad Adenauer dazu ins Bild gesetzt ("gute Gesichter"). SZ-Niveau eben. (04.09.09)

Brecht

kennt jeder, zumindest dem Namen nach. Ansonsten besteht auch bei ihm sicher Nachholbedarf. Noch immer liest man in den Schulen vorzugsweise Goethe und Schiller, als ob diese Moralheinis uns heute noch was zu sagen hätten. Aber gut, Kultur wird wie in vordemokratischen Zeiten von oben verordnet und man darf sie sich nicht einfach raussuchen. Wer aber Brecht schon kennt und weitere (zumindest ansatzweise) gesellschaftskritische Schriftsteller kennenlernen möchte, dem seien diese Hinweise auf US-amerikanische Autoren der Zwischenkriegszeit empfohlen. (01.09.09)


Die Hüllen fallen gelassen

hat die Ausstellung plastinierter Körper, sogar die menschliche Hülle schlechthin, die Haut. Darüber sich aufzuregen, ist an sich absurd, auch dann, wenn die Körper im Geschlechtsakt angeordnet sind.
Plastinierte Körper, man kann an ihnen sowohl das Künstliche, ihre Plastinierung als solche, wie das Natürliche, ihre pure Menschlichkeit hervorheben. Beides ist - sowohl getrennt als auch auf die ein oder andere Weise vereint - in der Menschheitsgeschichte seit Alters her Gegenstand distanzierter wie involvierter Befassung und macht seine Anziehung aus. Es ist mehr als dämlich, zum Zwecke der Verurteilung in den ausgestellten Gegenständen allein Kommerz zu wittern, wie es die Augsburger Allgemeine tut, als ob ausgerechnet sie Kritiker des Kommerzes wäre (und gegen überregional bedeutsame Messen und Ausstellungen, die Augsburg zu einem Magneten alllgemeinen Interesses machen, hat sie ja sonst auch nichts)! [Großes Gelächter!]

Ob J.C., am Kreuze hängend, wirklich einen »Lendenschurz« getragen hat, man weiß es nicht. Ob sein Flittchen, Maria Magdalena, den so Hängenden, noch einen zu blasen versucht hat oder ihm in Ermangelung erreichbar Höherem wenigstens noch den Schwanz geküßt hat, man weiß es nicht. Es würde auch nichts am Los des »Herrn« ändern. Ändern würde es allein etwas an seiner Mystifizierung, an der Behauptung nämlich, daß mit ihm die moralische Integrität schlechthin in die Welt gekommen sei. Dabei ist gar nicht bestritten, daß J.C. als wandelnder Moralist sich betätigt hat, das taten und tun viele, manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg. Was das institutionalisierte Christentum dann aus eben diesem J.C. gemacht hat, ist genau diese Mystifizierung, der mit Beginn der Neuzeit der Lack abzublättern begann. Es sei an Michelangelo erinnert, der der erste war, der die Madonna mit dem Kinde in all ihrer fraulichen Natürlichkeit dargestellt hat, ihr also das Göttliche genommen und gewissermaßen gleichzeitig zurückgegeben hat (zu sehen in der Liebfrauenkirche zu Brügge; ca. 1501/4). Mit der zunehmenden Kapitalisierung der Welt ging dann auch eine Veränderung des aufkommenden Naturalismus einher. So wurde zum Beispiel in der eben erst 100 Jahre alt gewordenen Stilrichtung des Futurismus, die Bewegung, die Dynamik, die Motorisierung des maschinellen Zeitalters explizit in die Darstellung aufgenommen. Der »Godfather of Soul«, James Brown, etabliert 1970 mit dem Song »Sex machine« ebenso weltweit anerkannte Kunst wie Charles Bukowski mit seiner fantasiereichen Story »Fuck machine«, die in der Kurzgeschichtenausgabe mit dem Titel »Erections, Ejaculations, Exhibitions and General Tales of Ordinary Madness, 1967-72« 1972 in San Francisco erschienen ist (auf deutsch: 1980).

Wo liegt also der Skandal heute? Er besteht darin, alles wieder zuzudecken und zu mystifizeren, was längst aufgedeckt und in all seiner Natürlichkeit entblößt ist, in seiner Kapitalisierung auch so verwertet werden kann und - vom ästhetischen, also gefühlsmäßigen Standpunkt aus betrachtet seine eigentümliche Anziehungskraft entwickeln kann, wenn man sich darauf einzulassen bereit ist und nicht mit - in aller Regel geheuchelten - moralischen Dogmen auf die Dinge zugeht wie OB Gribl und seine Spießgesellen aus CSU, AZ und dem römisch-katholischen Kuttenträgerlager, die auf ihre Weise die Hüllen fallen lassen, die ihrer reaktionären Gesinnung nämlich.
(30.08.09)


Haifische in der Musikbranche?

Es ist schon einigermaßen verwunderlich, worüber nach dem Abgang von Michael Jackson spekuliert wurde - das Musikbusiness blieb genialerweise jedenfalls aus der Schußlinie: Als wäre es ein gut zu hütendes Geheimnis, daß das Geschäftemachen in der Musikbranche die Zurichtung der Musiker dafür einschließt. Die andere Seite ist die, wie sich die Musiker selber dazu stellen, ob sie alles mitmachen und aushalten wollen, was die Produzenten wollen, um selber groß rauszukommen und um ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Der Fetisch des in Geld gemessenen Erfolgs bringt beide Seiten zusammen, oder eben auch wieder auseinander. Der Augsburger Schlagersänger Gerhard »SWEETY« Schönherz weiß davon ein Liedchen zu singen. Er hat folgenden Aufsatz über seine Erfahrungen mit der hiesigen Musikbranche an KoKa gesendet.  (22.08.09)


madonnaMadonna

Das polnische Wochenblatt Angora (34-2009) [WARSZAWA-CHICAGO-DORTMUND-TORONTO-NOWY JORK] hat sich nach dem Konzert erst recht nicht um die Reaktionen der Kirche geschissen und Madonna so gezeigt, wie sie auftritt. Wenn das Papst Woityla noch hätte erleben dürfen! (20.08.09)

"Verantwortung" (ver)heißt nichts Gutes

Über ein Plakat, eines von der CSU hat sich die Augsburger Skandal-Zeitung Gedanken gemacht: Sie meint, in dem Slogan: "Was unser Land jetzt braucht: Verantwortung" stecke ein falsches Wort. Doch es gibt daran mehr klarzustellen, als das "unser".
Da wäre zum einen der Begriff "Land", der so verharmlosend den Staat, die monopolisierte Gewalt meint. Klar, mit einem Begriff "Land", mit dem man Landschaft und Leute verbindet, fällt die Identifizierung viel leichter als mit diesem gigantischen staatlichen Gewaltapparat, der noch die letzte Regung seiner Untertanen seiner Zuständigkeit unterstellt. Er entscheidet jeden Scheißdreck danach, ob er "in die Landschaft" paßt oder nicht, und erläßt entsprechende Gebote und Verbote. So ist das dann auch mit der "Verantwortung" gemeint, wenn sie die offenkundig für blöd erachteten Bürger angeht: Die haben zu arbeiten, die Gesetze zu befolgen und auf ihre demokratisch legitimierte Obrigkeit zu hören. Ob die Verantwortung zeigt, ist keine Frage. Ihr kommt Verantwortung von Amts wegen zu. Da kann ein Politiker so deppert sein, wie er will, als Staatsmann gehört er respektiert und sein Erfolg als deutscher Staatsmann gehört sich gewünscht. Dieser Quatsch nennt sich recht zutreffend Demokratie, also Herrschaft/Staat unter Berufung auf das Volk. Und da sich der Staat ein mündiges Volk wünscht, wird dieses sich auch schwer Gedanken machen, welchen Personen es den Erfolg deutscher (Staats)gewalt anvertraut und welchen eher nicht. Lasche Typen und Gewalt passen da weniger zusammen als echt kernige Sprücheklopfer, die der BRD ein Fortkommen in ihren politisch unersättlichen Ambitionen versprechen und dabei über Leichen gehen wollen - nicht nur im Ausland und nicht nur die durch militärische Gewalt, vor allem durch die radikal durchgezogenen eisernen Gesetze der ökonomischen Rentabilität, für die der Staat allenthalben Rahmen und Bedingungen abgibt.
(18.08.09)

Blondinen-Witz

Nun ist der Wahlkampf also ganz unverkrampft da angekommen, wo er immer schon war. Warum immer die nationalen Erfolgsmaßstäbe und -(an)sprüche bemühen, wenn man den »Menschen im Lande« auch ganz nah auf die Pelle rücken kann? Am besten mit einer Blondine. Aber nicht nur, daß wir hier in Augsburg mit Claudia Roth (Grüne) und Miriam Gruß (FDP) schon satt genug an Personenkult aushalten müssen. Auch die SPD will diesbezüglich nicht zurückstehen. Zwar hat sie personell nichts Konkurrenzfähiges zu bieten, doch warum nicht mit einer völlig unbekannten Blondine aus einem Männermagazin plakatieren, deren Spruch es zweifellos in sich hat?: "Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Und deshalb wähle ich die SPD." Ausgerechnet diese Vollidiotenpartei?, möchte man anfügen. Muß man da eigentlich noch wissen, wieviel Jahre jene Partei an der Regierung war und sich nichts daran geändert hat, ganz im Gegenteil? Kam die Sortierung der Kinder nach dem Geldbeutel der Eltern der Partei nicht gerade recht, einer Partei die unter ihrem Kanzler Schröder den Aufbau von Elite-Universitäten zu einem allerhöchsten Erfordernis machte?
Übrigens: Allein dem Stern ist es eingefallen, das SPD-Wahlkampfteam süffisant analog zu Hitlers Soldateska im Jahre 1945 als "Das letzte Aufgebot"zu titulieren. Der Erfolgsweg Deutschlands ist allerdings nicht wie damals an das Personal einer einzigen Partei gebunden, auch wenn die SPD in traditionell maßloser Selbstüberschätzung ganz Deutschland von sich abhängig sehen möchte. (15.08.09)



madonnaMadonna

Sie kommt nach Polen, leibhaftig, als wäre sie der Teufel. Gottesfürchtige Polen haben sie sich anders vorgestellt, mehr burkamäßig verhüllt und mit einem Kind auf dem Arm in einer anderen Hautfarbe. Die "Königin des Pop" (Eleftherotypia [auch: Foto]) kennen auch die Polen, obschon sie diesen Titel meist der einheimischen Sängerin, der die "Polska Madonna"  besingende Maryla Rodowicz, vorbehalten. Während die unspektakulär auftritt, wird der Auftritt der us-amerikanischen Madonna - von interessierter katholischer Seite - skandalös aufgebauscht, ihr die Anerkennnung bestritten. Dabei kann sie nicht nur religiösen Insignien viel abgewinnen, auch mit ihrer Moral paßt sie bestens hinein ins römisch-katholische Polen...
Mal angenommen, Jesus Christus würde wiederkehren und auf der Welt wandeln, viele Anhänger des katholischen Glaubens würden ihn weder er- noch als solchen anerkennen, nicht nur in Polen. Wie damals erzürnt sich manch einer lieber, anstatt sein dogmatisch eingetrocknetes Hirn in Bewegung zu setzen. 
(09.08.09)



Augsburger Friedensfest

In Erinnerung an die Begrabung des Kriegsbeils zwischen Protestanten und Katholiken wird heute wie jedes Jahr das Augsburger Friedensfest begangen. Nun denn, wenn übergeordnete Interessen, wie sie Staat und Ökonomie verlangen, es geraten erscheinen lassen, dann wirkt religiöses Gezänk lästig und kontraproduktiv. Zu dieser Einsicht waren die Streitparteien auch nicht automatisch und schon gleich nicht aus eigener Einsicht gekommen. Und soviel hat sich ja auch gar nicht geändert seitdem. Mit dem Beginn der Neuzeit hat die Bedeutung der christlichen Religionen relativ zu ihrer gesellschaftlichen Stellung abgenommen. Ja, sie haben sich mit der ihnen abverlangten Stellung arrangiert, zumal sie das gut konnten, wurden ihnen doch Gratifikationen gewährt und ihnen damit nicht bloß ein Refugium, vielmehr eine besondere Stellung und Aufgabe in der Gesellschaft zugewiesen: Ihnen obliegt ein entscheidener Beitrag zur Wahrung der Sittlichkeit, die auf Grundlage der kapitalistischen Ökonomie andrerseits ebenso notwendigerweise wie unbeabsichtigt aufgeweicht wird, weil diese Ökonomie ihrer Natur nach alle Schranken einzureißen gedenkt, die der Mehrung abstrakten Reichtums im Wege stehen.
Wie ein Sisifos versuchen die Kirchen also den Stein der Moral nach oben zu rollen und manch Funktionär möchte deshalb gerne zurück zu gemütlicheren Verhältnissen. (Und mit dem entsprechenden Abstand mögen ihm mittelalterliche Verhältnisse gerade so erscheinen.) Das ist auch der Grund für die Mahnung an die Adresse der Politik und Wirtschaft zu moralischer Rückbesinnung und zur großen Herausforderung der Ökumene, also der Rückgängigmachung der Spaltung des Christentums auf Grundlage des allein selig machenden römisch-katholischen Glaubens, der, folgt man dem Papst, nicht zur Verhandlungsmasse gestellt werden kann und darf. Man braucht gar nicht an einen weiter schwelenden Konflikt wie in Nordirland zu denken, wenn man den Vatikan sieht, wie wenig Interesse er daran zeigt, mit den anderen christlichen Kirchen zu einer Übereinkunft zu kommen und wie wenig Interesse er hat, seine Finger aus der Politik zu lassen. Angesichts des Friedensfestes vor dieser allenthalben kriegerischen Haltung die Augen zu verschließen, ist Dummheit. Der Vatikan arbeitet an einer Revision seiner Stellung innerhalb der kapitalistischen Welt zu seinen Gunsten. Er wähnt, seine Zeit sei (wieder) gekommen. Kein Wunder, daß ihm dabei die Pius-Bruderschaft näher steht als jeder Lutheraner.
Genannte Dummheit wird mit den Veranstaltungen am und zum Festtag leider gepflegt. [Im übrigen braucht man kein Systemkritiker des Kapitalismus zu sein, um dies ebenso feststellen zu können. Allerdings, wenn man das schon so sieht, dann ergeben sich ja weitere Fragen, die man sich stellen könnte und die zu beantworten wären.]
Apropos Frieden: Die Greser-&-Lenz-Karikatur in der aktuellen titanic, die Göbbels mit der Sprechblase "Wollt ihr die totale Friedensmission?" zeigt, weist auf die Überlegenheit einer Friedenspropaganda hin, gegen die auch der römisch-katholischen Kirche nichts so recht einfallen will. Sie hat es ähnlich schwer wie die Faschisten, mit ihren revisionistischen Bestrebungen wieder Tritt zu fassen. So und solange versucht sie aller Moralapologetik geradezu zum Trotz, ihr Anliegen ebenso verlogen zu verkaufen wie die Politik die ihren: Frieden darf ihr dabei kein Fremdwort sein! (08.08.09)


Deutsche Politiker haben's einfach sauschwer

Wenn sie zum Essen ausgehen, dann gehen sie zu einem Arbeitsessen, wenn sie in den Urlaub fahren, dann handelt es sich um einen Arbeitsurlaub, und ein Hobby pflegen sie nur, wenn es sich ihrer politischen Arbeit unterordnet (siehe das eben erwähnte Beispiel Claudia Roth). Natürlich können sie sich aufgrund ihres allzu schmalen Einkommens weder ein Auto kaufen noch eines mieten, von einem Flugzeug ganz zu schweigen. Sie müssen deshalb allenthalben die Flugbereitschaft der Bundeswehr in Anspruch nehmen, was allerdings so "übertrieben" wurde, daß es vom Bundesrechnungshof beanstandet worden war: Weshalb die Not noch größer wurde und man zwangsläufig darauf verfiel, Dienstautos samt Chauffeur in den Urlaub mitzunehmen. Wurde bislang auch nicht an die große Glocke gehängt. Doch glücklicherweise - muß man sagen - wurde jetzt der Wagen einer allzu ungeschickten Ministerin entwendet. 
Kurz und gut: Der einzig senkrechte Schluß aus dem ganzen Malheur wäre, die Diäten kräftig anzuheben, damit die politische Klasse mal endlich auf ihre Kosten kommt und in Ruhe Urlaub machen kann, ohne an die Arbeit denken zu müssen, die sie anders ja gar nie nicht loslassen kann.
Dafür sollte übrigens auch die bürgerliche Presse endlich mal kräftig agitieren: Andernfalls braucht sie sich wirklich nicht zu wundern, wenn die vielbeschworene Politikverdrossenheit - nicht nur bei potenziellen Politikern! - weiter zunimmt...
(27.07.09)


Analfabetismus gebildet vorgebracht

Was haben Josef Stiglitz, Antoine de Saint-Exupéry, Karl Marx, Jane Fonda, Oskar Negt, Matthias Wedel, Mahatma Gandhi, Bertolt Brecht, Bernard Mandeville, Willy Brandt, Colin Crouch, Vernor W. Villalobos, André Gorz, Nelson Muntz, Albert Einstein, Grete Nestor, Umberto Eco, Benjamin Franklin, Hannah Arendt, Thukydides, Pablo Neruda, Jean Ziegler, Muhammad Yunus, Rosa Luxemburg, Susan George und Jürgen Habermas allesamt gemeinsam? Als gebildeter Mensch wird der Leser antworten: Natürlich absolut nichts: Purer Unfug, sie alle in einen Topf zu werfen! Ja, da hat der Leser eben die Rechnung ohne die Bundestagspartei DIE LINKE gemacht, die kennt nämlich nicht nur Versatzstücke all jener Personen, sie respektiert sie aufgrund dieser ihrer Kenntnisse. Die Aussagen leuchten ihr ganz widerspruchsfrei nebeneinander ein. So nimmt sie denn auch alle Autoren gleichwertig mit dem ein oder anderen plakativen Satz in ihr neues Programm auf, um damit als gebildete Partei beim ziemlich ungebildeten Wähler Eindruck zu schinden! Dafür sollte man den Verantwortlichen eigentlich in aller Gewaltfreiheit die Fresse polieren oder besser: Die Mauer wieder aufbauen und sie dahinter wegsperren.
An dieser Stelle mal eine Aufklärung über eines der häufigsten Marx-Zitate:
"Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter." (K I, MEW 23, S. 529f)
Man kann das Wörtchen "daher" natürlich locker überlesen, nur dann überliest man eben, daß dies ein Schluß und nicht einfach eine Behauptung ist, die man genauso gut der Betrachtung der Oberfläche der kapitalistischen Gesellschaft entnehmen kann. Dann freilich hat man eines geschafft: Den Grund, warum das so sein muß, will man gar nicht kennen [in dem Abschnitt bei Marx geht es ürbigens um den zum Kapital-Verständnis zentralen Begriff des »relativen Mehrwerts
«]. Marx leitet eine notwendige Folge aus der kapitalistischen Produktionsweise ab, die DIE LINKE gar nicht als notwendig betrachten will. Sonst könnte und müßte sie ihre Parteiexistenz, wie sie steht und geht, gleich aufgeben. DIE LINKE fährt im Anschluß an das Marx-Zitat, ohne mit der Wimper zu zucken, fort: "Millionen Menschen erwarten zu Recht, daß der Staat Einfluß auf die Wirtschaft nimmt. Die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, ob die öffentliche Hand sich wirtschaftlich engagiert, sondern in wessen Interesse, mit welchem Zielen und auf wessen Kosten das geschieht. Eine Demokratie funktioniert nur dann, ..." Eine Ableitung des Staates aus dem Kapital, wie es Marx nun wirklich nicht schrieb oder auch nur beabsichtigt hatte! Eine Affirmation des Klassenstaats wie der des Kapitals, wenn sie nur unter seiner Fuchtel passiert, sofern sich die des Prädikats »demokratisch« würdig erweist, was natürlich an der entsprechenden Regierung liegen soll!
Aus Marx' grundsätzlicher Kapitalkritik gesellschaftliche Verbesserungsvorschläge abzuleiten, war im übrigen schon ein Kardinalfehler der Realsozialisten der DDR. Wenn die Rechten (von SPD bis CSU) der Partei DIE LINKE vorwerfen, in der Tradition der SED zu stehen, dann haben sie - ohne es inhaltlich begründen zu können (sie machen ein grundverkehrtes Gleichheitszeichen zwischen Marx und Linkspartei bzw. SED) - recht. Mit Marxscher Kritik hat die Partei DIE LINKE absolut nichts am Hut und sie braucht sich gar nicht zu beschweren, daß sie nicht das linke Sammelbecken ist, das sie sein will: Ihr Programm ist in jeder Hinsicht opportunistisch, was eben auch die Vielzahl an Autoritäten [Autorität! - sehr aufschlußreich für den Charakter einer Partei!] beweist, mit denen sie sich schmückt. (20.07.09)

Crazy Girl

In Griechenland gab es in den 60ern eine lebhafte Rock'n' Roll Szene. Hier ein Song aus einem Film mit Zoi Laskari/Ζωή Λάσκαρη, gesungen von Aleka Kannelidhu/Αλέκα Καννελίδου (Text: Mimi Plessa/Μίμη Πλέσσα). Auf Schallplatte ist der Song in der gesungenen Version von Nelli Manu/Νέλλι Μανού erschienen. Auf der vor einigen Jahren neu aufgelegten CD mit dem Titel "Shakin' in Athens - The Story of the '60s Rock'n' Roll Underground" zu finden. Außerdem finden sich auf der CD Bands wie die Idols, Bluebirds, Olympians, Charms, Vikings, Zoo, New Hopes, Crowns etc. [Das Archiv-Foto zeigt Nelli Manu] (02.07.09)


Europa: Geistige Verwahrlosung setzt sich durch

Wie die in Augsburg erscheinende Deutsch-Russische Zeitung (Немецко-русская газета) in ihrer Juli-Ausgabe berichtet, wurde in der ungarischen Stadt Szombathely eine Statue des berühmten Dichters Alexander Puschkin in die Abstellkammer verbannt, weil ein Beamter in dem Russen gleichzeitig einen Kommunisten gesehen hat. Das entspricht ja voll der ideologischen Höhe etwa eines Joschka Fischer! (30.06.09)



Demokratie bürgt für Lebensqualität
(in Afghanistan zumindest) II

Just einen Tag nach der untenstehenden Meldung hat es drei Ossis bös erwischt. Und das ausgerechnet beim Export der blühenden Landschaften nach Afghanistan. Trotzdem ein gutes Zeichen für die Ökonomie: Der durch die Wirtschaftskrise etwas angeschlagene Exportweltmeister läßt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen, die Welt zu beglücken. Verteidigungsminister Jung tönte jedenfalls sinngemäß: "Wollt ihr den totalen Wiederaufbau!?" Und niemand erhob dagegen Einwände, lediglich die Formulierung ließe zu wünschen übrig und zwar dahingegend, daß die Kosten des Wiederaufbaus doch nicht ganz richtig veranschlagt werden würden. Gebongt sind die jedenfalls auch bei den Kritikern aus den Reihen der politischen Konkurrenz. [Und DIE LINKE hat nur deshalb zarte Einwände, weil sie als Ostzonenpartei gerne andere Prioritäten beim "Wiederaufbau" gesetzt hätte, oder etwa nicht?]
BW Kreuz
(25.06.09)

Demokratie bürgt für Lebensqualität
(in Afghanistan zumindest)

Wie bekannt wurde, will es sich die Bundeskanzlerin nicht nehmen lassen, die ersten vier der Eisernen Kreuze im Krieg tapfer kämpfenden Staatsdienern um den Hals zu hängen (mit Küßchen?). Bist Du arbeitslos, hast Du kaum bis keine Berufschancen, geh nach Afghanistan, schmeiß' Dich vor den Feind, hab' Glück und hol' Dir das Kreuz bei der Kanzlerin persönlich ab! Das ist Lebensqualität demokratischer Art! Lebensqualität pur. Sie schmeckt nach Freiheit und Abenteuer. Sie soll Gewohnheit werden. (22.06.09)

Liebe Corinna Stegemann,

Deine Anekdote über den berühmten Filosofen gelesen (taz, 18.06.09), kommt KoKa auch eine Anekdote in den Sinn. Es ist auch schon lange her, so etwa 25 Jahre schätzungsweise. Zwei Freunde, nennen wir sie Karl und Theo, hatten soeben ihre Erkenntnisse über die Welt in einem Buch veröffentlicht, das, wie es der Zufall will, im gleichen Verlag erschienen war, in dem der große Filosof zu veröffentlichen pflegte (und immer noch pflegt), bei suhrkamp. Dem großen Filosofen entsprechend hatten auch sie in ihrem Titel verkaufsfördernd Begriffe auseinandergenommen, die eigentlich zusammengehören. So nannte der große Filosof eines seiner Werke "Erkenntnis und Interesse", Karl und Theo das ihre "Krieg und Frieden" (ein Schelm, wer dabei an Tolstoj und nicht an den großen Filosofen denkt!). Nun traf es sich, daß das Werk der beiden reißend Absatz fand und der Verlag mit Karl und Theo übereingekommen war, ein weiteres zu verlegen. Doch der große Filosof, der tagaus tagein den kommunikativen Diskurs nicht müde wurde zu predigen, bekam davon Wind, weil er aufgrund seiner Größe über einigen Einfluß bei dem Verlag verfügte. Ihm paßte die Konkurrenz im "eigenen" Hause nicht. Ihm paßte auch nicht, daß Karl seine Anschauungen u.a. in einem bei Hanser erschienenen Werk einer schonungslosen Kritik unterzogen hatte, zu der ihm, dem großen Filosofen nichts mehr eingefallen war. Kurzum, es wurmte den großen Filosofen zutiefst, daß es Denker gab, die ihm über waren. Da hatte es sich denn auch für ihn mit dem kommunikativen Handeln. Jetzt war Handeln ganz anders angesagt: Er blies sich bei suhrkamp auf und drohte: Die oder ich! Und so kroch schließlich suhrkamp dem großen Filosofen zu Füßen, so wie es kürzlich der Macht zu Füßen gekrochen ist und seinen Firmensitz von Frankfurt nach Berlin verlagert hat.
Karl und Theo, diese beiden nahmen das statt tragisch für symptomatisch, für die Wahrheit jener Ethik, Diskurs als (Rechtfertigungs-)Methode der Demokratie. 
(18.06.09)



Eine "sensible" deutsche Staatsanwaltschaft?

"Eigentlich wollte man die Sache am Maria-Ward-Gymnasium in Ruhe intern regeln. So weit, daß die Staatsanwaltschaft zwei Schülerinnen auf die Anklagebank zitieren will, sollte es nicht kommen. Doch nach dem Amoklauf von Winnenden reagieren die Behörden sensibel: Gegen zwei 15 und 16 Jahre alte Gymnasiastinnen hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben. Der Vorwurf: Die Mädchen sollen im März auf eine Schulbank und einen Zettel Sätze gekritzelt haben, die einen Amoklauf androhten." (AZ, 18.06.09)
Aus einem Witzle ein Argument für das Eingreifen der Staatsgewalt machen - so totalitär geht es also schon zu in der Demokratie. Das Psychoblatt AZ fabuliert, sie verharmlost dies als "sensibel". Dagegen sind die Mädchen ja völlig unsensibel! (18.06.09)

Peru Inkas»Pocahontas« an der Seite der peruanischen Indígenas

"Die 19 Jahre alte US-amerikanische Schauspielerin Q'orianka Kilcher, die in Terrence Malicks Film »The New World« die Häuptlingstochter Pocahontas spielte, hat sich öffentlich auf die Seite der peruanischen Indígenas gestellt und die peruanische Regierung scharf für die blutige Unterdrückung der Protestbewegung kritisiert. Kilcher, deren Vater ein in Peru lebender Quechua ist, sagte: »Ich habe gehört, daß [der peruanische Sozialdemokrat und Präsident] Alan García öffentlich erklärt hat, daß meine Geschwister aus Amazonien keine Bürger erster Klasse seien. Alle Peruaner sind erster Klasse.«(Redglobe Internetportal) Soweit eine Anmerkung zum Massaker einer sozialdemokratischen Regierung in einem Drittweltland. Lady Kilcher [väterlicherseits peruanisch-indigener Abstammung, Foto: Teemix] klingt ja fast wie Mehdorn, der am liebsten die zweite Klasse abgeschafft hätte...
(16.06.09)


Kapitalismusfans aller Farben, vereinigt euch!

Wie die Augsburger GRÜNEN auf ihrer Website hinweisen, hat die Financial Times Deutschland keine grundsätzlichen Hemmungen, diesmal grün zu wählen! Das Blatt preist DIE GRÜNEN als "marktfreundlicher Innovationsmotor. So plädiert die Partei zum Beispiel dafür, bei grenzübergreifend tätigen Banken das nationale Aufsichtswesen durch eine echte europäische Finanzaufsicht zu ersetzen. Darüber hinaus fordern die Grünen eine Aufwertung der Euro-Finanzminister zu einer Art Wirtschaftsregierung, um in der EU endlich makroökonomische Grundsatzbeschlüsse fassen zu können. Zudem setzt sich die Partei für einen grünen 'New Deal' ein. Der sieht vor, daß über ehrgeizige Klimaschutzvorgaben ein Konjunkturprogramm für ökologische Zukunftstechnologien aufgelegt wird. Die Grünen sind für einen Türkeibeitritt, pochen aber auf strengere Auslegung und Einhaltung der Demokratie- und Menschenrechtskriterien." 
Bei soviel geiler Politik im Sinne der deutschen Wirtschaft fällt dann ein kleiner Kratzer auch nicht mehr ins Gewicht: "Natürlich finden sich im Wahlprogramm auch Forderungen, die naiv oder fragwürdig anmuten - wie der Atomausstieg in Europa. Käme es dazu, wäre Frankreich praktisch komplett ohne Stromversorgung." Und eine Fehleinschätzung der FTD muß man eigentlich wieder gegenrechnen: "Und auch die pazifistische Grundhaltung in der Sicherheitspolitik hält der politischen Realität nicht stand."(alles FTD, 04.06.09) Die Menschenrechtspolitik ist ja wohl alles andere als pazifistisch, ganz im Gegenteil, siehe Ex-Jugoslawien, siehe Afghanistan, siehe Sudan usw.
(05.06.09)
Ein Riesenzinnober: Wie Armut rechtsstaatlich bekämpft wird
(31.03.07)



Literaturtip des Monats August

José Saramago:

Die Reise des Elefanten

Dokumentation des Besprechung taz, 24.07.10; Elefantengemälde von der indischen Künstlerin Amrita Sher-Gil, 1940


Saramago

gebrauchte Bücher kostengünstig unter: www.eurobuch.com oder www.booklooker.de

KoKa friends of night life:

Aktuelles siehe Webseiten

Diskothek PODYUM 34
Diskothek MCLUB
mitunter Live Rock in der Diskothek Circus

Live Musik im Lokal Der Rabe
(im Kulturhaus Abraxas)
Diskothek Club Fabrika

 

Augsburg
Z  E  I  T  L  O  S  E  S


Comics von Harry Ardeias   "Der größte Teil der Menschheit war verrückt. Der Rest war entweder verbittert, oder schlicht dumm." (Charles Bukowski)
Hierzulande wurde Charles Bukowski übrigens von Benno Käsmayr, Chef des schon legendären Augsburger MARO-Verlags, entdeckt.